Zurck zu : Reise in das Ungefhre

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https://www.musenblaetter.de/artikel.php?aid=23079&neu=1, 13. September 2013
Der fahle Reiter Joachim Klingers lyrische Sptlese

Irgendwann erreicht ein jeder Mensch einen Abschnitt in seinem Leben, der ihn mit einem wehmtigen Blick zurck und einer stillen Sorge bei der Ausschau nach vorn veranlat, zwischen gehabtem Glck und leisem Hoffen zu bilanzieren. Da sich dieser Schwebezustand der Befindlichkeit natrlich bei einem Dichter in besserem Gewahrsam befindet, liegt auf der Hand. Kann er doch in Worte fassen hier in Verma und Metrik was alle anderen stumm und mitunter grbelnd umtreibt.

Joachim Klinger, dessen ebenso humorvolle Lyrik auf den Spuren Morgensterns und Ringelnatzens hier neben seinen Cartoons schon angelegentlich erwhnt worden sind, hat unter den genannten Vorzeichen eine bewegende lyrische Sptlese vorgelegt, die ich Ihnen nachdrcklich empfehlen mchte: Reise ins Ungefhre trefflicher kann man eine solche Sammlung nachdenklicher Gedichte wohl nicht bertiteln. Natrlich kommen unsere alten Freunde Morgenstern und Zipferlak darin vor, denn der tiefsinnige Humor Klingers (*1932) darf nebst angemessenem Schalk in keinem seiner Bcher fehlen. Vor allem aber reflektiert Joachim Klinger dieses Mal zu Herzen gehend die Auseinandersetzung mit dem wenigen, was bleibt, wenn man im fortgeschrittenen Alter die durchmessene Lebensspanne mit dem Ausblick auf das Kommende, die schmale Pforte beleuchtet.

Am Ende einer Lebenszeit
zeigt sich so manches fraglich.
Zum Schlu ist die Gengsamkeit
erwrmend und behaglich.

Weisheit ist eines der groen Geschenke des Alters. Sie vermag ber die Verluste anderer Fhigkeiten zwar nicht ganz hinwegzutrsten, ist aber ein spter Ausgleich fr all die Dummheiten, die man begangen hat, die Versumnisse, die sich nit wettmachen lassen und ist ein lindernder Verband fr die Wunden, die einem das Leben geschlagen hat. Schne Erinnerungen an gehabte Freuden, errungene Liebe, gemachte Reisen (Matera, du, mein Jerusalem), erreichte Ziele, Reminiszenzen an literarische Gensse das ist der Nektar, den wir aus der Vergangenheit saugen. Joachim Klingers lyrische und moralische Sptlese gibt eine Anleitung dazu. Keine Resignation, notabene! Denn auch auf den nchsten Frhling in Berlin kann man sich herzlich freuen:

Da schau! Das nennt man Bltenpracht!
Forsythie und Flieder,
Magnolie, die ber Nacht
Sich brsten auf und nieder

Unausweichlich aber bleibt das Ende, und gut beraten ist, wer die Augen nicht davor verschliet. Es kommt. So oder so.

Am Ende

Was bleibt, bleibt nur auf Zeit.
Nichts whrt, wird es auch Whrung.
Wuchs und Verfall, Geduld und Streit

Zuletzt Joachim Klinger
wie weggesplt in Grung.
Doch lange noch ein Laut im Raum
und schn der alte, hohe Baum.

Sieh doch die Hnde: Sie sind leer!
Voll ist die Luft mit Asche.
Schwarz dieses Land und wie aus Teer.
Wo treibt die Abschiedsflasche?
Wo ist das Meer mit seinen Mwen?
Wo flieht die Antilope vor den Lwen?

Ach, nirgends mehr die Sanftheit einer Blte,
und Stern um Stern, der sich entfernte.
Die Nacht verlor die zarte Gte
und spricht kein Wort, das ich erlernte.
Allein, allein, versehrt, geschunden,
auf beiden Fen runde Wunden.

Du kennst es nicht: das Ende deiner Qualen,
doch ahnst du wohl das Ende deiner Zeit.
La dich nicht tuschen von Finalen,
und schrei nicht, weil jetzt niemand schreit!
Wie lange noch der Laut im Raum?
Wie schn noch dieser alte Baum!

Lieben Sie das Leben? Mchten Sie eine Anleitung zum inneren Frieden und Glcklichsein besitzen und sich mit dem Unausweichlichen vershnen? Dann legen Sie sich Joachim Klingers Reise ins Ungefhre zu eine bessere (zudem gnstigere) Empfehlung kann ich Ihnen nicht geben. Die eingestreuten Illustrationen von seiner Hand runden das rare Projekt. Das Buch soll griffbereit auf Ihrem Nachttisch liegen. Sie werden es zu schtzen wissen. Von mir dafr unser Prdikat, den Musenku.

Zurck zum Titel:
Joachim Klinger: »Reise in das Ungefhre«