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Rheinische Post, 04. November 2017
Von Aapefott bis Zapperlot
Heinrich Spohr erklärt rund 300 Begriffe der Düsseldorfer Mundart. Von Jörg Janssen


Sprache ist ein Spiegel der Seele. Und wer in die Seele des Düsseldorfers blicken will, sollte sich Zeit nehmen für das neueste Buch von Heinrich Spohr. »De Aapefott böllkt Zapperlot« hat es der Linguist und Kenner des Rheinischen genannt, was im Hochdeutschen frei mit »Der Drecksack brüllt: Verdammt noch mal« übersetzt werden kann.
     Doch im Rheinischen klingt es nicht so derb wie in der Hochsprache. »Wer die Mundart der Düsseldorfer auf sich wirken lässt, spürt viel Humor und Herzenswärme«, sagt Verleger Bruno Kehrein, der den Nachfolge-Band von Spohrs »Dr Affekat em Zuppejröns« bei Grupello veröffentlicht. Damit beweist Kehrein, dessen Verlag hier beheimatet ist, durchaus Mut. Bei der Präsentation des Bandes im Jan-Wellem-Saal des Rathauses gab er zum Besten, mit welchen Einwänden ihn die Skeptiker konfrontierten. So warnten sie ihn vor mangelndem Lesepublikum in einer Stadt, in der sich fast die Hälfte der Bevölkerung in nur einem Jahrzehnt austauscht. »Aber 300.000 Leser oder ein guter Teil davon reichen mir auch«, sagt Kehrein. 175 Seiten stark ist der Band, in dem Spohr an die 300 Mundart-Begriffe erklärt. So erfährt man, dass Dotzwasser für Mineralwasser steht, weil die Flasche früher meist mit einer kleinen runden Kugel aus Glas (»Dotz«) verschlossen wurde. Oder dass jemand, der Geld »verjöckt«, seine Einkünfte mit Vorliebe verprasst. Oberbürgermeister Thomas Geisel lobte Spohrs Engagement: »Der besondere Klang der Mundart vermittelt ein echtes Heimatgefühl.«
     Interessant ist das Buch nicht nur für Dialektsprecher, sondern für alle Bürger, die ihre Stadt besser verstehen wollen. Das Wort »Platt« meidet Spohr übrigens, weil es geschaffen wurde, um die Mundart als Sprache der Armen und Einfachen zu diskreditieren. »Die Bedeutung der von mir untersuchten Begriffe führt bis ins Althochdeutsche, Altfranzösische, Jiddische und Niederdeutsche - das ist für mich das genaue Gegenteil von ,platt'«, sagt er.

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Heinrich Spohr: »De Aapefott böllkt Zapperlot«




WAZ, 04. November 2017
Das Nachschlagewerk über Düsseldorfer Mundart
Von Pamela Broszat


»Aapefott« oder »Hongksfott« - beide Ausdrücke sind ausgesprochen herzhaft und somit nicht gesellschaftsfähig, befindet Heinrich Spohr. Der Ur-Düsseldorfer hat jetzt ein Duden kompatibles Nachschlagewerk über Düsseldorfer Mundart herausgegeben. In »De Aapefott böllkt Zapperlot« erklärt der 77-Jährige Begriffe und Herkunft der Düsseldorfer Mundart. Alphabetisch sortiert präsentiert er all die wundersamen Worte, die mit präziser Emotionalität Sachverhalte wiedergeben oder beschreiben, wie es im Hochdeutschen nur schwer möglich ist. Außerdem zeigt die Herkunft der Worte, wie international angereichert die Düsseldorfer Mundart ist. Das französische Chaussée (Landstraße) mutierte im 18. Jahrhundert zum rheinischen Schosseh. Hinter »de Jroveberjer Schosseh« verbirgt sich... die Grafenberger Allee.
     Manche Begriffe erfreuen durch erstaunliche Sprachzusammenhänge. »Kackjähl« klingt nur so, als ob es zu der Gruppe der anfangs genannten nicht gesellschaftsfähiger Ausdrücke gehöre. Tatsächlich bedeutet es »knallgelb«. Von Spohr lernen wir, dass »Kack« im ersten Wortteil einfach nur eine verstärkende Bedeutung hat. Kackfröndlich, kackdoof oder kackelend führt der als Beispiele an. Spohr selbst verfügt ganz offensichtlich über »Pähdsverstangk«. Dieser Begriff beschreibt jemand, der einen »guten Verstand« hat, der an alles denkt und darum einen großen Kopf wie ein Pferd hat. So kann er anschaulich die Rechtschreibregeln für Mundart erklären. Zum Beispiel in Sachen Auslauten, wenn das normdeutsche »g« zum rachalen »ch« wird. Oder, dass bei dem Wegfall normdeutscher Konsonanten wie r, g, ch, ein Dehnungs-h in Aktion tritt. Aus Gerste wird »Jähsch«, wobei dieses Wort sicherlich nur noch selten in der Düsseldorfer Konversation vorkommt.
     »Dootschek« hingegen hat immer noch eine hohe Relevanz. Es waren im 17. Jahrhundert die Hugenottischen Schneider die »tout chic« im Gepäck hatten. Aus diesem »ganz fein« wurde das angemessene »todschick« der Hiesigen. Heinrich Spohr resümiert, dass die rheinische Sprache standarddeutschresistent sei und stattdessen viele Begriffe ins Hochdeutsche übernommen seien. Beispielsweise Brimborium, friemeln, stibitzen oder Ratzefummel.

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duesseldorf.de, 03. November 2017
Heinrich Spohr überreicht neues Buch an Oberbürgermeister Thomas Geisel
Von Anne Braun


Der Mundartforscher Heinrich Spohr war zu Gast im Rathaus, um Oberbürgermeister Thomas Geisel das erste Exemplar seines neuen Buches »De Aapefott böllkt Zapperlot« zu überreichen. Im Jan-Wellem-Saal übergab Spohr am Freitag, 3. November, sein Werk zu Begriffen der Düsseldorfer Mundart, deren Bedeutung und Herkunft im Beisein von Bruno Kehrein, Verleger des Grupello Verlages.
     »Dieser besondere Klang gehört zur Tradition der Stadt und vermittelt ein echtes Heimatgefühl. Das neue Buch trägt gewiss dazu bei, das Düsseldorfer Platt lebendig zu halten«, so Oberbürgermeister Thomas Geisel. »Ich danke Heinrich Spohr für sein nicht nachlassendes Engagement unsere Düsseldorfer Mundart zu erforschen.«
     Nach »Dr Affekat em Zuppejröns« (erschienen 2015) legt Heinrich Spohr, Kenner der Düsseldorfer Mundart, Erklärungen zu 250 weiteren Begriffen vor. Hier werden bekannte Wörter und Redewendungen aus dem Düsseldorfer Raum aufgegriffen und ihre sprachhistorischen Hintergründe, Wortverwandtschaften und Bedeutungsvarianten mit Witz und Charme dargelegt.
     Heinrich Spohr, geboren 1940 in Düsseldorf, studierte Geographie, Romanistik und Sprachwissenschaft in Marburg und Mainz. Spohr hat sich bereits in mehreren Veröffentlichungen und zahlreichen Vorträgen mit Stadtgeschichte, Stadtgeographie und Sprachanalyse der Düsseldorfer Mundart auseinandergesetzt.


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WZ, 03. November 2017
Neues Buch vom »Mundartpapst«
Heinrich Spohr ließ sich im Jan Wellem-Saal für »De Aapefott« feiern.
Von Helga Meister


Edmund und Heinrich Spohr sind ein wunderbares Gespann. Edmund, der ältere, brachte soeben den neuesten Band zur Düsseldorfer Stadtgeschichte heraus. Heinrich, der Jüngere, lässt auf sein erstes Mundartbuch ein zweites folgen. Es nennt sich »De Aapefott böllkt Zapperlot«, was sich mit »Der Affenhintern blökt verdammt nochmal« übersetzen lässt.
     Im Jan-Wellem-Saal scharte Heinrich Spohr eine Fan-Gemeinde um sich. Mit dem »Baas von Düsseldorf«, OB Thomas Geisel, an der Spitze trafen sich Mitglieder der Werstener und Bilker Heimatfreunde, der Heinrich-Harry-Schmitz-Gesellschaft und Germanisten wie Volkmar Hansen, Pensionär des Goethe-Museums.
     Geisel, der wie kein anderes Stadtoberhaupt international vernetzt ist und von einer Fremdsprache in die andere springt, sprach von einem »echten Heimatgefühl«, das Spohr vermittele. Im Grußvorwort verstieg er sich sogar auf den Vergleich mit Martin Luther und dessen Bibelübersetzung. Sie verdanke ihre Lebendigkeit im Wesentliche dem aufmerksamen Hin- und Hineinhören in den täglichen Gebrauch von Sprache. Die Mundart verrate viel über das Zusammenleben und Miteinander der Menschen in der Region.
     555 rheinische Begriffe hatte Spohr in seinem ersten Buch »Dr Affekat em Zuppejröns« zusammengetragen, jetzt sind es nochmals 300 Redewendungen geworden, die er sprachhistorisch ergründete. Das war verteufelt viel Arbeit. Er berichtete, wie er zwei Jahre lang jeden Tag sechs Stunden recherchierte, Bücher zum Mittel- und Althochdeutschen wälzte, bei den Brüdern Grimm nachschlug und zugleich als Auskunftsbüro zwischen Kaiserswerth und Benrath fungierte. Der »Mundartpapst«, wie ihn manche nennen, hätte am liebsten eine Service-Nummer eingerichtet, um die vielen Anrufer zu befriedigen.

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WZ, 17. August 2017
Düsseldorfer Mundart: Spohr erforscht auch »dat Jeseier« Mundartexperte Heinrich Spohr erklärt die Bedeutung und Herkunft von mehr als 300 rheinischen Begriffen.
von Alexander Esch


Düsseldorf. Im weit verzweigten Gängesystem der Düsseldorfer Mundart kennt sich einer besonders gut aus: Heinrich Spohr. In seinem neuen Buch stellt er das wieder unter Beweis. »De Aaapefott böllkt Zapperlot« heißt es und setzt den Band »Dr Affekat em Zuppejröns« fort. Auf 160 Seiten klärt Spohr (Jahrgang 1940) über Bedeutung und Herkunft von mehr als 300 Begriffen und Redewendungen aus dem Düsseldorfer Rheinischen auf.
     Zwei Jahre Arbeit, meist vier Stunden am Tag stecken in seinem Werk. Spohr ist klar: »Wer sich mit Sprache auseinandersetzt, wird nie fertig.« Sein neues Buch ist es dennoch geworden, im Oktober oder November soll es erscheinen.

Was das feine Ragout mit Ratten zu tun hat
Viel reden, wenig sagen, das kommt für Spohr nicht infrage. Viel lieber erklärt er, was es denn mit dem »Jeseier« wirklich auf sich hat. Der Begriff entstammt nämlich dem Rotwelschen bzw. Jiddischen und heißt eigentlich: »böser Zustand, strenge Vorschrift, über die man klagend redet.«
     Auch dem feinen Ragout, dem Rajufeng, geht Spohr auf den wenig appetitlichen Grund. Das französische Ragout fin setzt sich nämlich zusammen aus ra(t) + goût + fin, also: Ratte + Geschmack + fein. Im 30-jährigen Krieg wurde das Rattenfleisch nämlich gemilcht, also in Milch verfeinert und so genießbar gemacht.
     Auch warum wir im Düsseldorfer Raum »ne Termin verpenne«, erklärt Spohr. Im Rotwelschen gab es im 17. Jahrhundert den Begriff Penne für eine Schlafstelle oder Herberge. Auch »dr Penner«, also Stadtstreicher, gehört zur Wortfamilie.


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Heinrich Spohr: »De Aapefott böllkt Zapperlot«