Zurck zu : Knstlerhunger

Artikel in den Warenkorb
Preis: 17,90 Euro



RP Online, 16. Oktober 2017
Auch Knstler treibt der Hunger
Von Helga Bittner und Bertram Mller


Neuss. 60 Knstler haben ein Buch gestaltet, das Rezepte aller Art mit eigens dafr geschaffenen Werken verknpft. Der Verein Dsseldorfer Knstlerinnen hat Knstlerhunger im Grupello-Verlag herausgegeben.

Christoph Rehlinghaus wei Bescheid. Knstler knnen sich nur selten Essen kaufen, so arm sind sie! Deswegen steuert er ein Rezept bei, um Reste zu verwerten: Nehmt, was da ist. Zum Beispiel altbackenes Brot, alle mglichen Kruter, viel l und vielleicht ein (geklautes) Ei. Fr ein bis zehn Leute reichen bei ihm die Zutaten fr seine Brotpfanne, die zusammen mit fast 70 anderen Rezepten gegen den Knstlerhunger im Buch gleichen Titels verzeichnet sind.
Und da alle 60 Kche zugleich Maler, Zeichner, Bildhauer, auf jeden Fall also Knstler sind, ist jedes Rezept auch nur ein Teil des Ganzen: Jede Doppelseite dieses 155 Seiten starken Buches, das im Dsseldorfer Gruppello-Verlag erschienen ist, ist zugleich ein Bild, gestaltet vom jeweiligen Rezeptgeber. Rehlinghaus zum Beispiel drckt seine Brotpfanne einem Menschen in die Hand, der in der Haltung von Rodins Denker am offenen Feuer sitzt.
Herausgeber des Bandes ist der Verein Dsseldorfer Knstlerinnen. Er hatte auch Gastknstler aus dem Bundesgebiet und aus Nachbarstaaten und -stdten eingeladen, um dem Ganzen mit leichter Hand zustzliche Wrze zu geben -getreu dem Motto, das dem Buch vorangestellt ist und von Marie von Ebner-Eschenbach stammt: Dem Hungrigen ist leichter geholfen als dem bersttigten.
Ein gutes Dutzend der Knstler stammt dabei aus dem Rhein-Kreis oder arbeitet in demselben. Klaus Richter zum Beispiel, Kurator der Alten Post, aber zugleich auch Knstler mit Atelier in der Landeshauptstadt, ist dabei. Allerdings ganz und gar unkulinarisch, aber mit einem Lebensrezept. Er zitiert den im vorigen Jahr gestorbenen Knstler Theo Lambertin: Es ist erlaubt zu loben, Kritiker zu kritisieren, Kollegen zu beschimpfen, Sammler nicht zu kennen und Galeristen als Hndler zu bezeichnen.
Whrend die Brotpfanne geniebar zu sein scheint, genauso wie Omas Kartoffelsalat von Renate Linnemeier oder Herr Plettschers Reibekuchen von Claudia Ehrentraut, ist beim Nachkochen von anderen Rezepten Vorsicht geboten. Helga Weidenmller etwa empfiehlt die Herstellung von Hasenleim", schreibt aber sicherheitshalber dazu: Nicht zum Verzehr geeignet. Auch beim Zwergengift, das die achtjhrige Knstlerin-Tochter Carlotta Hi anmischt, sollte man achtgeben. Zwar wirken die Zutaten unverdchtig, doch der Hinweis Wichtig: vor dem Essen Zauberformel nicht vergessen mag den einen oder anderen zgern lassen. Die Malerin Ada Blochwitz denkt bei Pasta im Sommer, Pasta im Winter wohl an den Hunger als hungriges Tier. Gleich zwei davon stehen sich mit gefletschten Zhnen gegenber. Der Bildhauer Holt steuert zwei Rezepte bei. Eines ist nicht fr Kinder und sensible Gemter geeignet und wird von ihm in Form eines Comics serviert, das andere heit schlicht Die Nudel danach. Ohne weitere Erklrung, was er mit danach meint...
Ein wundervolles Bilder-Buch, das nicht nur so vielfltig wie die 60-kpfige Knstlerschar ist und in seiner sthetik jeden Bcherschrank ziert, sondern auch witzige Rezepte enthlt.

Zurck zum Titel:
Verein Dsseldorfer Knstlerinnen e. V. (Hg.): »Knstlerhunger«




RP Online, 10. Oktober 2017
Auch Knstler mssen sich was kochen
von Bertram Mller


Dsseldorf. Unter dem Titel Knstlerhunger hat der Grupello-Verlag einen wundervollen Bildband herausgebracht.

Hungerknstler waren jene erbarmungswrdigen Schausteller, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gegen Eintrittsgeld ffentlich fasteten. Doch was ist Knstlerhunger? Ist es der Hunger der Knstler nach Anerkennung? Oder gar der Hunger eines trendversessenen Publikums auf immer wieder neue Knstler? Zu hoch gedacht. Der Dsseldorfer Grupello-Verlag gibt mit seinem Bildband Knstlerhunger die nchstliegende Antwort: Auch Knstler mssen sich etwas kochen. Knstlerhunger versammelt rund 70 knstlerisch garnierte Rezepte, allesamt unaufwndig. Denn ein Knstler hungert vor allem danach weiterzuarbeiten.
Herausgeber des Bandes ist der Verein Dsseldorfer Knstlerinnen. Er hatte auch Gastknstlerinnen und -knstler aus dem Bundesgebiet und aus Nachbarstaaten eingeladen, um dem Ganzen mit leichter Hand zustzliche Wrze zu geben -getreu dem Motto, das dem Buch vorangestellt ist und von Marie von Ebner-Eschenbach stammt: Dem Hungrigen ist leichter geholfen als dem bersttigten.
Setsuko Fukushima zum Beispiel schwrt auf ihr Spitzwegerich-l. In einer ganzseitigen Buchstabenspirale fhrt sie den Leser zum Ziel: In Oel eingelegte Knospen schmecken wunderbar und riechen nach Pilzen. Dazu die Spitzwegerichknospen sammeln, waschen, trocknen, in ein Glas mit Olivenoel fuellen und einige Wochen ziehen lassen. Helmut Welsch empfiehlt zwischen wild gemalten Meeresfrchten Jacobsmuscheln bretonisch, und Claudia Ehrentraut erklrt auf vier comicartig gestalteten Seiten, wie Herr Plettschers Freitagsabend Reibekuchen zustande kommt und dass Herr Plettscher sich nach dem Essen erst einmal auf die Couch legt.
Doch Vorsicht, lngst nicht alles ist zum Verzehr geeignet. Der Hasenleim, dessen Herstellung aus Huten von Hasen, Kaninchen und verwandten Kleintieren Helga Weidenmller beschreibt, mag im Atelier ntzlich sein, in die Kehle aber darf er um Himmels willen nicht geraten.
Auch beim Zwergengift, das die achtjhrige Knstlerin-Tochter Carlotta Hi anmischt, sollte man achtgeben. Zwar wirken die Zutaten unverdchtig, doch der Hinweis Wichtig: vor dem Essen Zauberformel nicht vergessen mag den einen oder anderen zgern lassen.
Im Zwergengift ist auch Giersch enthalten, der wuchernde Feind aller Hobbygrtner. Doch giftig ist er nicht, im Gegenteil: Er kann sehr schmackhaft sein, wenn man ihn zu Giersch-Quark verarbeitet wie Marlies Blauth: eine Zwiebel kleinschneiden, zwei Handvoll Giersch (gewaschen und ohne Stngel) in etwas Wasser mit Crme fraiche prieren, Salz und Pfeffer dazu und mit 500 g Quark vermischen.
Klaus Richter schlielich gibt ein ganz und gar unkulinarisches Lebensrezept des im vorigen Jahr gestorbenen Knstlers Theo Lambertin weiter: Es ist erlaubt zu loben, Kritiker zu kritisieren, Kollegen zu beschimpfen, Sammler nicht zu kennen und Galeristen als Hndler zu bezeichnen.

Wohl bekomm's!

Zurck zum Titel:
Verein Dsseldorfer Knstlerinnen e. V. (Hg.): »Knstlerhunger«