Zurck zu : Wieder gut gemacht?

Artikel in den Warenkorb
Preis: 14,90 Euro



Mnchengladbacher Stadtpost, 14. Oktober 2018
Die ungerechte Verteilung von Entschdigungen fr NS-Opfer

Von den Nationalsozialisten Verfolgte erhalten Geld, das der Bund als Wiedergutmachung bezeichnet. Manfred Schmitz-Berg hat ein Buch zum Thema geschrieben.


VON SUSANNE JORDANS
Die nationalsozialistische Terrorherrschaft mit millionenfachem Mord und ungezhlten Verbrechen an ethnischen, religisen und anderen Gesellschaftsgruppen: Welche Wiedergutmachung gab und gibt es in Deutschland fr die berlebenden?
Wie gelungen ist das Konzept der Wiedergutmachung? Fragen, denen Manfred Schmitz-Berg, frher Richter am Oberlandesgericht Dsseldorf, in seinem Buch "Wieder gut gemacht? Die Geschichte der Wiedergutmachung seit 1945" nachgeht. Auf Einladung der Gesellschaft fr christlich -jdische Zusammenarbeit stellte er im Rheydter Ernst -Christoffel-Haus Auszge vor.
Seit 1945 haben zwei Millionen Menschen, davon 80 Prozent jdischen Glaubens, Wiedergutmachungsleistungen beantragt, die Hlfte von ihnen mit Erfolg. Seit Inkrafttreten der deutschen Entschdigungsgesetze ab 1952 hat der Bund Betroffenen 73,5 Milliarden Euro Entschdigungsleistungen gezahlt (Stand 31.12.2015). 1953 wurde ein bundesweit geltendes Entschdigungsgesetz auf den Weg gebracht, das immer wieder verbessert und auf weitere Gesellschaftsgruppen ausgedehnt wurde.
Warum wurden der Hlfte der Antragsteller die Leistungen verwehrt? Schmitz-Berg schilderte, wie der Bund auf manches Antragsverfahren reagierte. Janina aus Polen wurde von den Nationalsozialisten als Neunjhrige nach Deutschland deportiert. Dort lebte sie erst im Heim, dann bei verschiedenen Pflegeeltern. Als Erwachsene versuchte Janina, ihre Identitt zu rekonstruieren. Ihre Urkunden waren aber geflscht worden, sodass sich das Beschaffen von Beweisen hinzog. Ein erster Antrag wurde abgelehnt, Erst kurz vor ihrem Tod erhielt Janina doch noch einige Tausend Euro im Rahmen der Hrtefallregelung.
Wie sehen Entschdigungsleistungen aus? Ida Koblenz aus Dsseldorf wurde in den 1930er Jahren Witwe. Als Frau eines Rabbiners erhielt sie eine monatliche Pension von 550 Reichsmark - ein damals ordentliches Einkommen. 1939 stellten die Nazis die Pensionszahlungen an sie ein. Sie wanderte erst nach England, dann in die USA aus. Dort lebte sie bis zu ihrem Tod in den 1960er Jahren bescheiden von Wiedergutmachungsleistungen, die im Vergleich zum US-Dollar eine Kaufkraft von 4:1 hatten.
Schmitz-Berg zeigt Geschichten von Menschen auf, die aus ihren Leben herausgerissen wurden. Es sind Schicksale, die bedrcken und beschmen. Und sie lassen es bei allem Respekt vor den gesetzlichen Vorschriften unseres Rechtsstaates zu, dass die im Buchtitel forrnulierte Frage offenbleibt.


Zurck zum Titel:
Manfred Schmitz-Berg: »Wieder gut gemacht?«




rista - Richter und Staatsanwalt in nrw, 6/17, 01. November 2017
Wo Anteilnahme sich verliert, beginnt Vergessen

Diese Erkenntnis Goethes stellte Manfred Schmitz-Berg der Prsentation seines Buches Wieder gut gemacht? Die Geschichte der Wiedergutmachung
seit 1945 voran. Der Autor war vielen in der
gut besuchten Veranstaltung des Kulturvereins des OLGs am 07.09.2017 bestens bekannt bis 2015 war er selbst als Richter am OLG Dsseldorf ttig.
Lohnt es, sich ber 70 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches noch mit diesem Thema zu beschftigen, ist es nicht lngst abgeschlossen? Die Zeitzeugen, die unter dem faschistischen Terror gelitten haben, werden in der Tat immer weniger. Dafr sind die Zeiten heute leider so,
dass vlkisches Gedankengut bei einem nicht mehr
zu vernachlssigenden Teil unserer Gesellschaft wieder offen propagiert wird. Dies sollte Anlass genug sein,sich einmal anhand des Buches von Schmitz-Berg mit der Bewltigung der nationalsozialistischen Verbrechen nach dem Krieg zu befassen.
Die deutsche Terrorherrschaft hat zu millionenfach im Namen des Staates begangenem Unrecht gefhrt. Verfolgte aus allen Lndern Europas hatten oft lebenslange schwerste krperliche und seelische Beeintrchtigungen zu ertragen. Und wer an Leib und Leben verschont blieb, sah seine wirtschaftliche Existenz vernichtet oder sein Vermgen entzogen.
Wie ging die Bundesrepublik mit den Opfern und
Geschdigten um? Gab es fr alle oder wenigstens die meisten eine Wiedergutmachung?
Schmitz-Berg liefert in einem ersten Abschnitt seines Werkes die wesentlichen Fakten zu den rechtlichen Grundlagen und der Praxis der Wiedergutmachungsbehrden.
Bezeichnend fr die Haltung der deutschen
Bevlkerung nach Kriegsende ist, dass sich bei einer Befragung nur 60 % fr eine Rckgabe entzogener Vermgenswerte aussprachen, weitere Entschdigungsleistungen aber generell ablehnten. Nach dem verlorenen Krieg sah man sich jetzt selbst in der Opferrolle allein die Nazis waren an allem schuld!
In Regierung und Verwaltung des 1949 neu entstandenen Staates kamen unzhlige bewhrte Fachkrfte des Dritten Reiches nahezu bruchlos wieder zum Einsatz. Immerhin setzte Adenauer sich aber aktiv fr die Wiedergutmachung ein auch aus dem Kalkl heraus, so den Anspruch der Bundesrepublik zu untermauern, alleiniger Rechtsnachfolger des untergegangenen Reiches zu sein. Schmitz-Berg arbeitet kundig die Intention der Entschdigungsgesetze heraus: Es sollte durch justizfrmige Verfahren ein Schlussstrich
gezogen werden. So schienen immerhin gerechte
Lsungen mglich. Gegen die Entscheidungen der
Entschdigungsbehrde war der Rechtsweg zu den
Landgerichten und weiter bis zum BGH erffnet. Grozgigkeit sollte die Maxime sein. Da aber der Bundesfinanzminister den Entschdigungstitel verwaltete, galt auch hier das Prinzip haushlterischer Sparsamkeit.
Globalabkommen mit westlichen Lndern ermglichten
vergleichsweise billige Abschlsse die Forderungen wurden erheblich herunter verhandelt.
Diejenigen, die am meisten gelitten hatten Hftlinge und Zwangsarbeiter aus allen stlichen Lndern gingen dagegen leer aus. Sie wurden Opfer der Hallstein-Doktrin: Kein Geld fr Brger von Staaten, die Beziehungen zur Sowjetzone unterhielten.
Schmitz-Berg weist darauf hin, dass auch Willy Brandts Regierung 1971 beschloss, Wiedergutmachungswnsche osteuropischer Lnder schlechterdings abzulehnen.
Wie die Antragsteller im konkreten Fall behandelt
wurden, belegt der Autor in einem zweiten Teil eindrcklich an einzelnen Beispielen. Der abstrakte Begriff Menschenschicksal wird hier (sprachlich wohltuend nchtern) mit Inhalt gefllt, der den Leser nicht kalt lsst.
In einem dritten Abschnitt stellt Schmitz-Berg Persnlichkeiten vor, die bei der Wiedergutmachung eine wesentliche Rolle spielten Richter, Rechtsanwlte, Mitarbeiter der Verwaltung und Interessenvertreter. Er arbeitet heraus, dass es vielfach allein ihrem Engagement zu verdanken war, wenn die hehren Intentionen der Wiedergutmachungsgesetze mit Leben gefllt wurden.
Millionen Tote, all das Leid nationalsozialistischer Herrschaft
konnte man nicht wiedergutmachen. Schmitz-
Berg weist nach, dass die Bundesrepublik zum ersten Mal in der Geschichte den Versuch unternommen hat, das justizfrmig begangene faschistische Verbrechen mit rechtsstaatlichen Mitteln wieder gut zu machen.
Fazit: Ein Sachbuch, dem eine breite Leserschaft zu wnschen ist.

Zurck zum Titel:
Manfred Schmitz-Berg: »Wieder gut gemacht?«




Rheinische Post, 01. September 2017
Manfred Schmitz-Berg ... widmet sich der Geschichte
von Sonja Schmitz


Der 67-jhrige Familienrichter im Ruhestand zhlt nicht zu den Menschen, die nach ihrer Berufsttigkeit erst einmal in ein tiefes Loch fallen. Schon in der Zeit, als er am Oberlandesgericht beschftigt war, besuchte er fleiig Veranstaltungen des Forums Justizgeschichte. Bei einem Vortrag, bei dem es um die Wiedergutmachung fr die Opfer des Nationalsozialmus ging, erwhnte der Referent beilufig, dass die Bezirksregierung Dsseldorf im Norden der Stadt ber eine groe Lagerhalle mit etwa 500.000 Entschdigungsakten verfge, die noch nicht historisch aufgearbeitet seien. Eine Bemerkung mit Folgen. Denn im Ruhestand erinnerte sich Schmitz-Berg daran, nahm Kontakt mit dem Dezernat fr Entschdigungssachen auf (das frher schlicht Wiedergutmachungsabteilung) hie und las sich durch Akten und historische Fachliteratur. Entstanden aus dieser Auseinandersetzung ist ein Buch: Wieder gut gemacht? Die Geschichte der Wiedergutmachung seit 1945, das im Grupello Verlag erschienen ist, finanziell untersttzt von der Anton-Betz-Stiftung, Udo van Meeteren, der Bethe-Stiftung und dem Landschaftsverband Rheinland. Die Wiedergutmachung ist alles andere als optimal verlaufen, so das vorlufige Resmee des Autors. Dem Leiden der Gegner des Nationalsozialismus sei hufig nicht der gebotene Respekt entgegen gebracht worden. Mit dem Buch, das ausdrcklich kein Fachbuch ist, mchte Schmitz-Berg ein interessiertes Publikum erreichen, um die Erinnerung an das Schicksal dieser Menschen zu bewahren. Dazu hlt er Vortrge. Am 12. Oktober (17 Uhr) im Haus der Universitt. Vielleicht ist es fr einen Zuhrer der Auslser fr ein neues Buch.

Zurck zum Titel:
Manfred Schmitz-Berg: »Wieder gut gemacht?«