Zurck zu : Sackgassen der Moderne

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Das Tor, 01. Juni 2018
Pappnasen als Schnppchenjger in der Kunstszene
Joachim Stallecker schrieb einen verrckten Roman ber die Akademie


Wer malt mein Haustier? Solche Angebote fr hungernde Knstler sollen am Schwarzen Brett der Kunstakademie gehangen haben. Damals, in den 1980er Jahren, studierte hier der 1961 in Esslingen am Neckar geborene und heutige Dsseldorfer Jong Joachim Stallecker. Er erinnert sich an Rundgang-Ausstellungen im Tempel der Kunst, die dort oft zur Karnevalszeit stattfanden: Der rheinische Frohsinn ergoss sich dann, inklusive roter Pappnasen, ber die ber vier Etagen verteilten Ateliers und Werksttten. Schnppchenjger und Billigbildkufer gingen mit Kennerblick durch die Rumlichkeiten. Stallecker fragte sich, ob man Humor studieren knne, und sah die Akademie jedes Jahr nach dem Trubel wieder im Dornrschenschlaf, whrend als bessere Kunstbrse, Partnerschaftsagentur und Amsiermeile weiterhin die nahe Haflinger Strae lockte, wo Stallecker einen Herrn Billy kennenlernte, dem er dann beim Bau von Karnevalswagen assistierte.
Sptestens jetzt fragt sich der Leser, was die Tarnnamen sollen. die oft im Roman Vorkommen. Gemeint sind oben natrlich die Ratinger Strae und Jacques Tilly. Warum die Camouflage, die doch teilweise so leicht zu durchschauen ist? Und ein Supermarkt heit hier Waldi, haha. Oder doch mit untergrndigem Tiefsinn? Denn Lidl hie eine Immendorf-Aktion von 1968. Aus dem Rundgang an der Akademie wird bei Stallecker ein Rundlauf. Ein Versteckspiel, das obendrein im Anhang auch noch fr ganz Ahnungslose ein paar Rtsel aufdringlich aufklrt. Haine ist nmlich Heine, der Knstler Tmmeldorf ist Jrg Immendorff, Johann Lau natrlich der NRW-Wissenschaftsminister, spter Ministerprsident und schlielich Bundesprsident Johannes Rau.
Es htte einen Schelmenroman werden knnen oder wenigstens eine satirischen Novelle. Mit Mut auch eine als Erfindung getarnte Enthllung. Die Kunstakademie und die Szene drum herum boten reichlich Stoff fr sowas bis hin zu Skandalen mit Koks und Konkubinen im Luxushotel beim Verjubeln von Schwarzgeld. Oder warum ein Professor seine liebsten Assistenten von Studienreisen aus Nordafrika mitbringt. Die Akademie erzieht aber in erster Linie nicht Dichter (Gnther Grass ist die Ausnahme).
Als Zeichner jedoch bewegt sich Stallecker virtuos im gelernten Metier. Objekte und Figuren sind klar konturiert, haben zugleich einen frhlichen Schwung, spielen mit Symbolik und setzen Pointen. Dsseldorf zum Ausmalen ldt ein, die Beuyssche These Jeder ist ein Knstler selbst auszuprobieren. Oder man schenke das Buch den Kindern oder Enkeln und lege einen Farbkasten oder Buntstifte dazu. Fragen nach der Bedeutung einzelner Szenen oder Figuren knnen erhellende Gesprche entfachen. Warum finden sich Fchschen, Einhorn und Uel an der Ratinger Strae, die doch kein Tiergarten ist? Wer erkennt die Medici-Prinzessin und wer die Mutter Ey oder die superweie Persil-Frau inmitten einer Aura von Schaumblasen? Heine wird liebevoll karikiert (und Heino auch). Dem Hermann Harry Schmitz und der Elektropop-Band Kraftwerk wird gehuldigt, Gustaf Grndgens, Helmut Kutner, Lore Lorentz und Campino kommen vor und sogar Jrgen Habermas und Dieter Forte. Auf einmal wird der Spa auch ganz schn anspruchsvoll. Die Jonges kriegen hier auch ein neues Signum. Zwei Zeilen aus der Vereinshymne umrunden auf der Gre eines Bierdeckels eine Ansicht des Erdballs.

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Joachim Stallecker: »Sackgassen der Moderne«




Heinrich Heine Universitt Intern, 01. Februar 2017
Sackgassen der Moderne
von Rolf Willhardt


Schlielich noch ein ganz besonderes Leseschmankerl. Der Erstlingsroman Sackgassen der Moderne des Dsseldorfer Autors und Knstlers Joachim Stallecker (geb. 1961). Das Buch ist eine urkomische wie ernsthafte (Geht das zusammen? Ja!) Abrechnung des Autors mit der duckmuserischen Dsseldorfer Kunstszene der 80er Jahre. Stallecker muss es wissen: Von 1983 bis 1989 studierte er selbst an der berhmten Kunstakademie der NRW-Landeshauptstadt.
Und so kommen wenn auch natrlich mit anderen Namen all die Granden, Selbstgerechten, berheblichen Malerfrsten und Allerweltsmoralisten der Szene vor, unschwer zu erkennen. Alfons Hppi dessen Meisterschler Stallecker war -, Jrg Immendorff , Joseph Beuys, Markus Lppertz, und, und, und. Oder sind es doch ganz andere Personenportraits?
Der Roman ist unverschmt, witzig in der Sprache und zum Ende ziemlich abgedreht, da wird es ein bisschen esoterisch; aber das passt irgendwie. Man schttelt den Kopf. Und hat sich prchtig amsiert.

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Joachim Stallecker: »Sackgassen der Moderne«