Zurck zu : SehensWert  Die Planungs- und Baugeschichte der Benrather Schlsser

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Fraunhofer IRB, 26. April 2016
SehensWert Die Planungs- und Baugeschichte der Benrather Schlsser. Katalog zur Ausstellung der Stiftung Schloss und Park Benrath, 6. September bis 22. November 2015

"Sehenswert" - mit diesem Attribut charakterisierte der sptere amerikanische Prsident, Thomas Jefferson, 1788 Schloss Benrath. Die unter diesem Titel stehende Ausstellung widmet sich der Planungs- und Baugeschichte beider Benrather Schlsser. Nicht nur das heute noch existierende, groartige neue Schloss, das Kurfrst Carl Theodor zwischen 1755 und 1771 erbauen lie, sondern auch das alte Schloss, von dem sich knstlerisch herausragende Ausstattungselemente aus dem mittleren 17. Jahrhundert erhalten haben, wird in den Fokus gerckt. Mit der Ausstellung beleuchtet die Stiftung Schloss und Park Benrath erstmals die Entstehungsgeschichte des alten wie des neuen Schlosses, des Parks und der Grten in hochkartigen zeitgenssischen Ansichten und Dokumenten. Zahlreiche Plne, Ansichten, Dokumente, Mbel und Skulpturen stellen die vom lothringischen Baumeister Nicolas de Pigage vorangetriebenen Planungen des neuen Schlosses vor. Neben dem architektonischen Konzept kommen besonders die Entwrfe zu den Innenraumdekorationen sowie zu den Grten und zum Park zur Sprache.

Zurck zum Titel:
Stefan Schweizer (Hrsg.), Eva-Maria Gruben (Hrsg.): »SehensWert Die Planungs- und Baugeschichte der Benrather Schlsser«




Dsseldorfer Jahrbuch 86, 01. Januar 2016
Buchbesprechung
Von Hans Michael Crass


SehensWert war der Titel einer Ausstellung, die die Stiftung Schloss und Park Benrath vom 6. September bis 22. November 2015 im Museum fr Europische Gartenkunst in Benrath zeigte. Sie widmete sich der Planungs- und Baugeschichte der beiden Schlsser in Benrath, dem alten von Pfalzgraf Philipp Wilhelm zwischen 1651 und 1670 durch den Architekten Johannes Lollio, gen. Sadeler errichteten und dem neuen, das Kurfrst Carl Theodor zwischen 1755 und 1771 von Nicolas de Pigage erbauen lie.
Der hier vorzustellende groformatige und in zweifacher Bedeutung gewichtige Katalog fhrt in seinem ersten Teil in zwlf Beitrgen in das Thema der beiden Schlossbauten ein, nicht ohne zuvor Dsseldorf als Hauptstadt unter pflzischen Landesherren zu beschreiben (Benedikt Mauer). Das alte Schloss Philipp Wilhelms, dessen Orangerie heute noch erhalten ist, war einige Jahrzehnte vor Schloss Lustheim in Schleiheim bei Mnchen und dem Palais im Groen Garten in Dresden errichtet worden, beides Beispiele heute noch erhaltener Lustschlossbauten kurz nach Ende des Dreiigjhrigen Krieges. Es stellte eine groartige architektonische Leistung dar, auch wenn es noch stark von italienischen Vorbildern beeinflusst war (Stefan Schweizer/Andrea Bartsch). Formen und Funktionen des Lustgartens um 1660 beschreibt Christof Baier. Die Behandlung der Gartenanlagen des neuen Schlosses in Benrath im Allgemeinen im 18. Jahrhundert schliet sich mit besonderem Augenmerk auf die alte Orangerie daran an (Eva-Maria Gruben). Die Rolle Nicolas de Pigages als Gartenarchitekt erlutert Hartmut Troll. Eine ausfhrliche Wrdigung der Architektur Benraths im ueren und im Inneren verfasst Stefan Schweizer und stellt sie in den architekturhistorischen europischen Kontext. Er sieht Benrath zu Recht als epochales Resmee der Bauaufgabe Maison deplaisance. Maisons de plaisance und die franzsischen Vorbilder des neuen Benrather Schlosses sind die Themen im Beitrag von Florian Indenbirken. Felix Rind wirft einen Blick in die Verwaltungsgeschichte der Schlsser in Benrath, dem sich Beitrge zur Restaurierungsgeschichte von Schloss (Andrea Bartsch/Joachim de Brger) und Park (Claus Lange) und den Supraporten in den sdlichen Appartements des Corps de logis (Inken Maria Holubec) anschlieen. Die Hofbibliothek im Mannheimer Schloss, ab 1750 von Nicolas de Pigage errichtet, war unter Carl Theodor eine universale Gelehrtenbibliothek. 1754 verzeichnete ein erster Katalog bereits 21.500 Bnde. Auch nach dem Umzug der Residenz nach Mnchen 1777 wurde ihr Bestand vermehrt und belief sich 1794 auf ca. 71.400 Bnde. Bedeutend sind in unserem Zusammenhang etwas ber 220 Architekturtraktate und -stichwerke des 18. Jahrhunderts (Felix Rissel/ Stefan Schweizer).
Auf dem Fundament dieses Aufsatzteiles folgt nun die Beschreibung der ausgestellten Objekte (es sind genau 100). Sie ist in drei Gruppen gegliedert, die ihrerseits jeweils wieder Untergruppen enthalten. Die erste Gruppe gilt dem alten Schloss; sie stellt die Bauherren vor: Kurfrst Philipp Wilhelm von der Pfalz und seine Gemahlin Elisabeth Amalie Magdalena in Gemlden nach Johannes Spilberg von Albert Otto. Von Jan Frans van Douven stammen die Portrts von Kurfrst Johann Wilhelm II. von der Pfalz und seiner Gemahlin Anna Maria Luisa. Dann wird das alte Schloss in zeitgenssischen Darstellungen, die einen guten Eindruck der Anlage vermitteln, gezeigt. Die Ansichten des alten Schlosses von dem Schweizer Maler Caspar Wolf (17351783) werden gesondert vorgestellt. Sie entstanden um 17811783, also zu einer Zeit, als das alte Schloss schon durch den Neubau ersetzt war. Wolf hat somit bestehende Ansichten kopiert, das neue Schloss nicht zur Kenntnis genommen. Vorbilder und Vergleichsbauten zum alten Schloss beschlieen die erste Gruppe: in Rom die Villa Medici, das Casino Borghese und in Ludwigsburg Schloss Favorite. Die zweite Gruppe befasst sich mit Bauherr, Architekt und Verwalter des neuen Schlosses. Diesmal sind es Kurfrst Carl Theodor von der Pfalz und seine Gemahlin Elisabeth Auguste in Johann Georg Ziesenis zugeschriebenen Portrts. Dann werden Nicolas de Pigage als Architekt der Anlage und sein Bruder Louis de Pigage, Benraths Burggraf und Verwalter von 17691799, vorgestellt. In den folgenden Untergruppen beschftigt sich der Katalog mit den Entwrfen und dem ausgefhrten Bau, der Dekoration des Schlosses in Bauplastik, Stuck und Malerei, der mobilen Ausstattung (Supraporten, Mbel und Kunsthandwerk) und den Grten rund um das neue Benrather Schloss, das dadurch anschaulich erfahrbar wird. In der dritten Gruppe wird das Benrather Schloss anderen Bauten und Grten Pigages gegenbergestellt, z.B. in Oggersheim, einer Anlage, die 1794 zerstrt wurde, in Schwetzingen, in Heidelberg, in Stuttgart und auch in Dsseldorf mit Schloss Jgerhof, dessen Plne Pigage berprfte, und dem Hofgarten. Hier werden aber auch Gebude und Grten anderer Baumeister und Gartenarchitekten als Vorbilder und Vergleichsbauten zu Benrath zusammengestellt, deren Einfluss auffallend ist: Schloss Falkenlust in Brhl, die Amalienburg in Nymphenburg, Sanssouci in Potsdam, das Seeschloss Monrepos bei Ludwigsburg und Schloss Solitude in Stuttgart. hnlichkeiten bestehen nicht nur im zentralen Rund- oder Ovalsaal dieser Bauten. Die Bauaufgabe des Lustschlosses, der Maison de plaisance, erhielt ihre theoretische Grundlage in zahlreichen Architekturschriften und -traktaten. Beispiele aus dem 18. Jahrhundert im Besitz der Stiftung Schloss und Park Benrath bilden das letzte Kapitel des Kataloges. Er wird abgeschlossen durch ein ausfhrliches Quellen- und Literaturverzeichnis von zwlf Seiten.
Der Katalog stellt unabhngig von der temporren Ausstellung, auch unabhngig von dem bereits existierenden Schrifttum, ein bleibendes Kompendium zur Baugeschichte der Benrather Schlsser dar, ein Kompendium, das man um so lieber zur Hand nimmt, da auch seine hervorragende Qualitt in Druck und Bildmaterial berzeugt.


Zurck zum Titel:
Stefan Schweizer (Hrsg.), Eva-Maria Gruben (Hrsg.): »SehensWert Die Planungs- und Baugeschichte der Benrather Schlsser«




Burgen und Schler - Zeitschrift fr Burgenforschung und Denkmalpflege, 01. Januar 2016
Rezension: SehensWert. Die Planungs- und Baugeschichte der Benrather Schlsser
Von Heiko La


Was bleibt, wenn eine Ausstellung vorbei ist: der Begleitband und sein wissenschaftlicher Ertrag! Ein derartiges Werk gilt es hier zu betrachten. Es geht weit ber einen die Ausstellung dokumentierenden Katalog hinaus. Der Band ist berreich und qualitativ hochwertig bebildert. Das Hauptaugenmerk liegt dennoch auf den Texten. Sie thematisieren das alte Schloss Benrath aus dem 17. Jahrhundert es ist heute verloren und das neue Schloss Benrath, das von 1755 bis 1769 nach Entwrfen von Nicolas de Pigage fr Kurfrst Carl Theodor von der Pfalz im Sden Dsseldorfs erbaut wurde. Es ist noch heute erhalten und gilt als Musterbeispiel einer Maison de Plaisance in Deutschland. In zwlf Aufstzen werden beide Schlsser mit ihren Grten, ihre historischen Kontexte, ihre Ausstattung und Restaurierung ausfhrlich vorgestellt. Benedikt Mauer widmet sich der berregional weitgehend vergessenen ehemalige Dsseldorfer Residenz und ihren Wittelsbacher Regenten, Stefan Schweizer und Andrea Bartsch lassen in einem quellenfundierten Beitrag das bislang kaum beachtete alte Benrather Schloss wieder auferstehen und schildern ausfhrlich die noch erhaltenen Bauteile. Christof Baier thematisiert Formen und Funktionen von Lustgrten im Alten Reich um 1660 und ordnet das alte Schloss damit auch in seine Zeit ein. Stefan Schweizer charakterisiert das neue Benrather Schloss als architektonisches Memorial kurpflzischer Herrschaft am Rhein. Eva Maria Gruben stellt die Gartenanlagen dieses Schlosses vor und Hartmut Troll wrdigt deren Schpfer Nicolas de Pigage als Gartenarchitekten. Die bewusste Inszenierung der Anlage, ihre Stellung in einer Zeit des stilistischen bergangs, wie sie sich etwa auch in den landschaftlichen Waldstcken uert, werden deutlich. Florian Indenbirken steuert Anmerkungen zu den franzsischen Vorbildern des neuen Schlosses bei und Felix Rissel wendet sich der Verwaltungsgeschichte der Benrather Schlsser zu. Felix Rissel und Stefan Schweizer betrachten ferner die Architekturtraktate und stichwerke der Mannheimer Hofbibliothek des 18. Jahrhunderts und ordnen die Anlage so in den zeitgenssisch-theoretischen Kontext ein, stellen aber auch diese historisch bedeutende Sammlung vor.
Andrea Bartsch, Joachim de Brger und Claus Lange widmen sich in zwei Beitrgen der Geschichte der Restaurierung von Schloss Benrath und den Wiederherstellungsmanahmen des Schlossparks. Inken Maria Holubec erlutert Technologie und Restaurierung der Supraporten in den Sdappartements des neuen Schlosses.
Allen Beitrgen ist gemeinsam, dass ein Abgleich zu anderen zeitgenssischen Bauten, Anlagen oder Konzepten vorgenommen wird, sofern dies nicht eigenen Beitrgen vorbehalten ist. Immer wieder werden bislang unbekannte Funde und neue Erkenntnisse prsentiert. Ausdrcklich hervorzuheben ist aber, dass es nicht nur um das neue Schloss Benrath geht dieses htte eine alleinige Ausstellung vollauf gerechtfertigt. Es ist wirklich bedeutsam, wie ausfhrlich auch das alte Schloss vorgestellt wird. Die damals zwingend notwendigen Grten werden ebenso betrachtet wie die Architektur und auch die erhaltenen Bauten und Ausstattungselemente. Nach Erscheinen des hier besprochenen Bandes wird man das alte Benrather Schloss, das nach dem Dreiigjhrigen Krieg in mehreren Etappen errichtet wurde, nicht mehr ignorieren knnen, auch wenn heute nur noch Nebengebude erhalten sind. Nach Auswertung aller zur Verfgung stehenden Text- und Bildquellen wird deutlich, dass es sich um eine qualitativ herausragende Lustarchitektur italienischer Prgung der zweiten Hlfte des 17. Jahrhunderts im Alten Reich handelte. Ebenso deutlich wird aber auch erneut die knstlerische Innovation des neuen Schlosses. Beide Anlagen stehen gleichwertig nebeneinander, wenn auch fr verschiedene Epochen. Fast doppelt so umfangreich wie der Aufsatzteil ist der 100 Nummern zhlende Katalogteil. Er stellt in mehreren Abschnitten in einem ersten Teil Bauherren und Nutzer des alten Schlosses, das alte Schloss in Ansichten, die Ansichten Casper Wolfs vom alten Schloss sowie Vorbilder und Vergleichsbauten zum alten Schloss vor. Es folgen in einem zweiten Teil Exponate zu Bauherren, Architekt und Verwalter des neuen Schlosses, zum ausfhrlich dargestelltenEntwurfsprozess, zu wandfesten Innendekorationen mit zahlreichen Entwurfszeichnungen sowie zur mobilen Ausstattung. In einem abschlieenden dritten Teil geht es um die Gartenanlagen des neuen Schlosses, Pigages Schlossbauten und Gartenanlagen in Dsseldorf und der Kurpfalz, Vorbilder und Vergleiche und abschlieend die Gartentheorie.
Die hier besprochene Publikation ist auch ein Ausstellungkatalog. Daher wird nicht nur ein neuer Forschungsstand prsentiert, sondern oft auch nur der alte referiert. Das ist ausdrcklich kein Mangel, denn der Besucher einer Ausstellung will umfassend informiert werden und nicht nur womglich zusammenhangslos neue Erkenntnisse prsentiert bekommen. Daher sind dem Fachmann viele Vergleichsbeispiele aus der Pigage-Ausstellung von 1996 bekannt und die Liste der Vergleichsbauten zum neuen Schloss folgt eng den Ausfhrungen Dietrich von Franks zur Rezeption der Maison de Plaisance in Deutschland von 1989. Gerade hier wre vielleicht auch eine Revision der ber ein Vierteljahrhundert alten Forschung mglich gewesen, zumal die wegweisende Literatur von Katharina Krause zur Maison de Plaisance von 1996 ebenso zitiert wird wie die Dissertation des Rezensenten zu Jagd- und Lustschlssern in Deutschland von 2006. Hier ist vielleicht aber auch nur der Wunsch des Rezensenten aufgrund seines eigenen Forschungsschwerpunktes ausschlaggebend. Auch die zu bemngelnde hier vorgenommene Trennung von Aufstzen und Katalog, was teilweise ein Hin- und Herblttern notwendig macht, stellt nicht zwingend ein Manko dar, sondern bringt auch Vorteile mit sich, da die Objekte, die zusammengehren, auch zusammen prsentiert werden. rgerlich erscheinen allerdings terminologische Fehler wie die Bezeichnung Benraths als Sommerresidenz oder gar Residenz.
Zusammenfassend bleibt jedoch festzuhalten, dass jeder Interessierte den qualitativ hochwertig gestalteten Band gern zur Hand nehmen wird. Vieles Neue wird prsentiert immer in die Zeit und die Forschung eingebettet und allgemeinverstndlich ausgefhrt. Die exemplarische Darstellung hat Allgemeingltigkeit und ist nicht nur fr den Rheinlnder, sondern fr jeden an Grten, Schlssern oder auch Residenzen Interessierten zu empfehlen.


Zurck zum Titel:
Stefan Schweizer (Hrsg.), Eva-Maria Gruben (Hrsg.): »SehensWert Die Planungs- und Baugeschichte der Benrather Schlsser«




Burgen und Schlsser, 01. Januar 2016
SehensWert Die Planungs- und Baugeschichte der Benrather Schlsser von Heiko La

Was bleibt, wenn eine Ausstellung vorbei ist: der Begleitband und sein wissenschaftlicher Ertrag! Ein derartiges Werk gilt es hier zu betrachten. Es geht weit ber einen die Ausstellung dokumentierenden Katalog hinaus. Der Band ist berreich und qualitativ hochwertig bebildert. Das Hauptaugenmerk liegt dennoch auf den Texten. Sie thematisieren das alte Schloss Benrath aus dem 17. Jahr-hundert es ist heute verloren und das neue Schloss Benrath, das von 1755 bis 1769 nach Entwrfen von Nicolas de Pigage fr Kurfrst Carl Theodor von der Pfalz im Sden Dsseldorfs erbaut wurde. Es ist noch heute erhalten und gilt als Musterbeispiel einer Maison de Plaisance in Deutschland. In zwlf Aufstzen werden beide Schlsser mit ihren Grten, ihre historischen Kontexte, ihre Aus-stattung und Restaurierung ausfhrlich vorgestellt. Benedikt Mauer widmet sich der berregional weitgehend vergessenen ehemaligen Dsseldorfer Residenz und ihren Wittelsbacher Regenten, Stefan Schweizer und Andrea Bartsch lassen in einem quellenfundierten Beitrag das bislang kaum beachtete alte Benrather Schloss wieder auferstehen und schildern ausfhrlich die noch erhaltenen Bauteile. Christof Baier thematisiert Formen und Funktionen von Lustgrten im Alten Reich um 1660 und ordnet das alte Schloss damit auch in seine Zeit ein.
Stefan Schweizer charakterisiert das neue Benrather Schloss als architek-tonisches Memorial kurpflzischer Herrschaft am Rhein. Eva Maria Gruben stellt die Gartenanlagen dieses Schlosses vor und Hartmut Troll wrdigt deren Schpfer Nicolas de Pigage als Gartenarchitekten. Die bewusste Inszenierung der Anlage, ihre Stellung in einer Zeit des stilistischen bergangs, wie sie sich etwa auch in den landschaftlichen Waldstcken uert, werden deutlich. Florian Indenbirken steuert Anmerkungen zu den franzsischen Vorbildern des neuen Schlosses bei und Felix Rissel wendet sich der Verwaltungsgeschichte der Benrather Schlsser zu. Felix Rissel und Stefan Schweizer betrachten ferner die Architekturtraktate und -stichwerke der Mannheimer Hofbibliothek des 18. Jahrhunderts und ordnen die Anlage so in den zeitgenssisch-theoretischen Kontext ein, stellen aber auch diese historisch bedeutende Sammlung vor.
Andrea Bartsch, Joachim de Brger und Claus Lange widmen sich in zwei Beitrgen der Geschichte der Restaurierung von Schloss Benrath und den Wiederherstellungsmanahmen des Schlossparks. Inken Maria Holubec erlutert Technologie und Restaurierung der Supraporten in den Sdappartements des neuen Schlosses.
Allen Beitrgen ist gemeinsam, dass ein Abgleich zu anderen zeitgenssischen Bauten, Anlagen oder Konzepten vorgenommen wird, sofern dies nicht eigenen Beitrgen vorbehalten ist. Immer wieder werden bislang unbekannte Funde und neue Erkenntnisse prsentiert. Ausdrcklich hervorzuheben ist aber, dass es nicht nur um das neue Schloss Benrath geht dieses htte eine alleinige Ausstellung vollauf gerechtfertigt. Es ist wirklich bedeutsam, wie ausfhrlich auch das alte Schloss vorgestellt wird. Die damals zwingend notwendigen Grten werden ebenso betrachtet wie die Architektur und auch die erhaltenen Bauten und Ausstattungselemente. Nach Erscheinen des hier besprochenen Bandes wird man das alte Benrather Schloss, das nach dem Dreiigjhrigen Krieg in mehreren Etappen errichtet wurde, nicht mehr ignorieren knnen, auch wenn heute nur noch Nebengebude erhalten sind. Nach Auswertung aller zur Verfgung stehenden Text und Bildquellen wird deutlich, dass es sich um eine qualitativ herausragende Lustarchitektur italienischer Prgung der zweiten Hlfte des 17. Jahrhunderts im Alten Reich handelte. Ebenso deutlich wird aber auch erneut die knstlerische Innovation des neuen Schlosses. Beide Anlagen stehen gleichwertig nebeneinander, wenn auch fr verschiedene Epochen. Fast doppelt so umfangreich wie der Aufsatzteil ist der 100 Nummern zhlende Katalogteil. Er stellt in mehreren Abschnitten in einem ersten Teil Bauherren und Nutzer des alten Schlosses, das alte Schloss in Ansichten, die Ansichten Caspar Wolfs vom alten Schloss sowie Vorbilder und Vergleichsbauten zum alten Schloss vor. Es folgen in einem zweiten Teil Exponate zu Bauherren, Architekt und Verwalter des neuen Schlosses, zum ausfhrlich dargestellten Entwurfsprozess, zu wandfesten Innendekorationen mit zahlreichen Entwurfszeichnungen sowie zur mobilen Ausstattung. In einem abschlieenden dritten Teil geht es um die Gartenanlagen des neuen Schlosses, Pigages Schlossbauten und Gartenanlagen in Dsseldorf und der Kurpfalz, Vorbilder und Vergleiche und abschlieend die Gartentheorie.
Die hier besprochene Publikation ist auch ein Ausstellungkatalog. Daher wird nicht nur ein neuer Forschungsstand prsentiert, sondern oft auch nur der alte referiert. Das ist ausdrcklich kein Mangel, denn der Besucher einer Ausstellung will umfassend informiert werden und nicht nur womglich zusammenhangslos neue Erkenntnisse prsentiert bekommen. Daher sind dem Fachmann viele Vergleichsbeispiele aus der Pigage-Ausstellung von 1996 bekannt (Nicolas de Pigage 1723-1796. Architekt des Kurfrsten Carl Theodor. Katalog zur Ausstellung Dsseldorf 1996) und die Liste der Vergleichsbauten zum neuen Schloss folgt eng den Ausfhrungen Dietrich von Franks zur Rezeption der Maison de Plaisance in Deutschland von 1989 (Die maison de plaisance. Ihre Entwicklung in Frankreich und Rezeption in Deutschland. Dargestellt an ausgewhlten Beispielen Beitrge zur Kunstwissenschaft, 27, Mnchen 1989). Gerade hier wre vielleicht auch eine Revision der ber ein Vierteljahrhundert alten Forschung mglich gewesen, zumal die wegweisende Literatur von Katharina Krause zur Maison de Plaisance von 1996 (Die Maison de plaisance. Landhuser in der Ile-de-France (1660-1739) Kunstwissenschaftliche Studien, 68, Mnchen/Berlin 1996) ebenso zitiert wird wie die Dissertation des Rezensenten zu Jagd- und Lustschlssern in Deutschland von 2006 (Jagd- und Lustschlsser. Kunst und Kultur zweier landesherrlicher Bau-aufgaben Dargestellt an thringischen Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts Petersberg 2006). Hier ist vielleicht aber auch nur der Wunsch des Rezensenten aufgrund seines eigenen Forschungsschwerpunktes ausschlaggebend. Auch die zu bemngelnde hier vorgenommene Trennung von Aufstzen und Katalog, was teilweise ein Hin- und Herblttern notwendig macht, stellt nicht zwingend ein Manko dar, sondern bringt auch Vorteile mit sich, da die Objekte, die zusammengehren, auch zusammen prsentiert werden. rgerlich erscheinen allerdings terminologische Fehler wie die Bezeichnung Benraths als Sommer-residenz oder gar Residenz.
Zusammenfassend bleibt jedoch festzuhalten, dass jeder Interessierte den qualitativ hochwertig gestalteten Band gern zur Hand nehmen wird. Vieles Neue wird prsentiert immer in die Zeit und die Forschung eingebettet und allgemeinverstndlich ausgefhrt. Die exemplarische Darstellung hat Allgemein-gltigkeit und ist nicht nur fr den Rheinlnder, sondern fr jeden an Grten, Schlssern oder auch Residenzen Interessierten zu empfehlen.

Zurck zum Titel:
Stefan Schweizer (Hrsg.), Eva-Maria Gruben (Hrsg.): »SehensWert Die Planungs- und Baugeschichte der Benrather Schlsser«




Cube, 01. April 2015
Sehenswert

Die Planungs- und Baugeschichte der Benrather Schlsser

SehensWert - mit diesem Attribut charakterisierte Thomas Jefferson, der sptere amerikanische Prsident, in seinen Hints to Americans Travelling in Europe, 1788 Schlo Benrath. Erstmalig widmet sich mit SehensWert eine Ausstellung nicht nur dem heute noch existierenden neuem Schlo, das Kurfrst Carl Theodor zwischen 1755 und 1771 erbauen lie - auch das alte lngst abgerissene Wasserschlo, von dem sich knstlerisch herausragende Ausstattungselemente aus dem mittleren 17. Jahrhundert erhalten haben, wird in den Fokus gerckt. Der zur Ausstellung entstandene Katalog darf als das neue Standardwerk zur Geschichte der Benrather Schlsser gesehen werden. Er beinhaltet Aufstze zur Baugeschichte, zur Geschichte der Denkmalpflege am Ort, zur Bauverwaltung sowie zu Vergleichsbauten. Erstmals wurden umfassende Informationen zum alten Schlo, alle wichtigen Planunterlagen und Bilddokumente in einem Katalog zusammengefasst. Die Stiftung Schlo und Park Benrath lt erstmals die Entstehungsgeschichte des alten wie des neuen Schlosses, des Parks und der Grten in hochkartigen, zeitgenssischen Ansichten und Dokumenten Revue passieren.

Zurck zum Titel:
Stefan Schweizer (Hrsg.), Eva-Maria Gruben (Hrsg.): »SehensWert Die Planungs- und Baugeschichte der Benrather Schlsser«