Zurck zu : Auseinandersetzung und Provokation

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Rhein-Bote, 23. März 2016
Provokant und verehrt: Bert Gerresheim zum 80.

Sabine Pohlandt prsentiert ihr Buch am 23. Mrz

ber den Knstler Bert Gerresheim hat Simone Pohlandt ihr neues Buch geschrieben. Das stellt sie am Mittwoch, 23. Mrz, um 19.30 Uhr im BBK-Kunstforum vor. Auseinandersetzung und Provokation: Die Heinrich-Heine-Denkmler von Bert Gerresheim ist der Titel des druckfrisch erschienenen Werks.
Auseinandersetzung und Provokation wrdigt den bedeutenden Bildhauer Bert Gerresheim anlsslich seines 80. Geburtstags. Wer bei der Lesung dabei sein mchte, kommt zur Birkenstrae 47, der Eingang ist im Hinterhof neben der Filmwerkstatt.
Zum Inhalt: Das Jahr 1977: Bert Gerresheim hatte sich bereits einen Namen gemacht, doch er sucht das groe Format, die plastische Arbeit im ffentlichen Raum. Sein Galerist macht ihm den Vorschlag, das seit 90 Jahren ausstehende Heine-Denkmal fr den groen, aber umstrittenen Sohn der Stadt Dsseldorf zu entwerfen. Gerresheims Plne zu einem Vexiermonument und Fragemal rufen in der ffentlichkeit groen Widerstand hervor. In der Geschichte der gescheiterten Dsseldorfer Heine-Denkmler kommt es wieder einmal zu einem ffentlichen Skandal, und die Diskussionen um das Heine-Monument machen Bert Gerresheim schlagartig bekannt.
Zwischen 2008 und 2012 beschftigt sich Gerresheim erneut mit Heinrich Heine und findet berraschend neue Ausdrucksformen. Mit einer klassizistischen Bste moderner Prgung wird Heine als deutscher Aristophanes in die von ihm verspottete Walhalla Knig Ludwigs I. importiert. Auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universitt entsteht ein berdimensionales Buchdenkmal in Bronze und ist damit nicht nur das dritte Heine-Denkmal an der Universitt, sondern auch das dritte im knstlerischen Schaffen von Bert Gerresheim.

Zurck zum Titel:
Simone Pohlandt: »Auseinandersetzung und Provokation«




Rheinische Post, 22. März 2016
Bert Gerresheims Blick auf Heine von Carolin Skiba

In ihrem Buch erklrt Sabine Pohlandt die Heine-Denkmler und gibt Einsicht in die Arbeitsweise des Dsseldorfer Knstlers.

Ein unbersehbarer, halbierter Kopf mit einer gigantischen Nase, umringt von wild verteilten Gegenstnden das Heinrich-Heine-Denkmal am Schwanenmarkt ist seit seiner Fertigstellung 1981 umstritten. Den Knstler, Bert Gerresheim, machte die Plastik schlagartig bekannt. Fr ihn begann eine produktive Phase mit Heine als wichtigem Bezugspunkt. Doch nicht jeder Dsseldorfer konnte dem kaputten Heine-Monument etwas abgewinnen. Auch Simone Pohlandt war zunchst irritiert. Ich konnte damit gar nichts anfangen, sagt sie. Jetzt hat sie ein Buch verffentlicht, das sich mit den Heinrich-Heine-Denkmlern von Bert Gerresheim beschftigt. Auseinandersetzung und Provokation heit das 230 Seiten starke Werk, das in sieben Kapiteln sowohl die schwierige Geschichte der Heine-Denkmler als auch die Arbeitsweise des Knstlers beleuchtet.
Bereits 1887 wurden erste Anstrengungen unternommen, ein Denkmal fr einen der bedeutendsten Dichter Deutschlands zu errichten. Doch es kam nicht dazu. Auch die folgenden Jahrzehnte, in denen immer wieder versucht wurde, Heine ein Denkmal zu setzen, brachten nichts berzeugendes hervor. Schlielich hatte Gerresheim die Gelegenheit, eine groe Plastik zu schaffen sein Galerist machte ihm den Vorschlag, ein Heine-Denkmal zu kreieren. Pohlandt: Was dann kam, hat die Erwartungen gesprengt. Alle wollten den schnen, jungen Heine und dann kommt der Knstler und gibt den alten Heine, in Gestalt seiner zerstckelten und gespaltenen Totenmaske. Die Gesellschaft habe das nicht verstanden. Es hie, die Kinder wrden dem Dichter nun auf der Nase herumtanzen. Dabei wollte Gerresheim dass die Leute denken und sich intellektuell und emotional damit auseinandersetzen.
Doch wie genau entstand das Heine-Monument? Was waren die Intentionen des Knstlers, eine Vexierlandschaft zu schaffen? Pohlandt beantwortet diese Fragen in den Kapiteln zwei und drei, bevor sie im vierten Kapitel die Komposition des Heine-Monuments betrachtet und erklrt. Dabei wird immer wieder deutlich, wie sehr Literatur und Bildende Kunst in Gerresheims Arbeiten miteinander verknpft sind.
Auch der Entstehungsprozess der beiden weiteren Heine-Denkmler von Gerresheim wird thematisiert: der Heine-Bste in der Walhalla bei Regensburg, dem Ort, an dem herausragende Deutsche durch die Aufstellung einer Bste besonders geehrt werden, sowie des Buch-Denkmals an der Heinrich-Heine-Universitt.
Pohlandt hat fr ihr Buch eng mit Gerresheim zusammengearbeitet, war oft in seinem Atelier zu Besuch, hat seine Plastiken studiert und viel vom Knstler erfahren. Bert Gerresheim ist ein unheimlich zugnglicher Mensch. Und er ist sehr offen fr Leute, die an seinen Werken interessiert sind, sagt sie. So findet sich am Schluss des Buches auch ein Interview mit dem Knstler. An dieser Stelle gewhrt er dem Leser Einblicke in die Beweggrnde seines bildhauerischen Schaffens und beschreibt seine Auseinandersetzung mit Heinrich Heine. Seine Methode bedeutet das Aufbrechen von Klischees, von Konventionen, sagt Pohlandt ber die Arbeit des Knstlers, insbesondere das Denkmal von '81. Es bricht vllig mit dem, was man sich als Denkmal vorstellt.

Zurck zum Titel:
Simone Pohlandt: »Auseinandersetzung und Provokation«




Dsseldorfer Jahrbuch 87. Band, 28. Juni 2012
Sammelbesprechung zu Bert Gerresheim
Von Hans Michael Crass


Aus Anlass des 80. Geburtstages von Bert Gerresheim kann hier auf Neuerscheinungen zu diesem weit ber Dsseldorf hinaus bekannten Knstler hingewiesen werden. Simone Pohlandt widmet sich in Auseinandersetzung und Provokation den Heinrich-Heine-Denkmlern, die Bert Gerresheim zwischen 1981 und 2012 geschaffen hat. Doch bevor sie das erste Denkmal, das Heine-Monument am Schwanenmarkt in Dsseldorf, beschreibt, schildert sie die Anfnge des Heine-Gedenkens und die Versuche, in der ffentlichkeit auf den Dichter aufmerksam zu machen. Um 1905 wurde in der unter Leitung von Constantin Nrrenberg stehenden Landes- und Stadtbibliothek die umfangreiche Heine-Sammlung des Leipziger Antiquars Friedrich Meyer aufgestellt und in einem separaten Raum zugnglich gemacht. 1923 folgte dorthin Heines Privatbibliothek und eine Kopie der Totenmaske. Streng genommen war dies aber nur ein Ersatzdenkmal, zudem im halb-ffentlichen Raum. Auch die in der Folgezeit im Freien aufgestellten Heine-Denkmler von Georg Kolbe im Ehrenhof (1933/1949) und Aristide Maillol im Hofgarten / Napoleonsberg (1953) nhern sich nur indirekt dem Dichter. Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung stellte die Erwerbung der Sammlung Strau zu Heines 100. Todestag 1956 dar, in der sich neben Heine-Literatur und Manuskripten auch die originale Totenmaske befand. Es folgte die Begrndung des Heine-Jahrbuches 1962; Vorarbeiten zur Historisch-kritischen Heine-Ausgabe wurden aufgenommen, so dass 1973 ihr erster Band erscheinen konnte, und 1974 wurde das Heine-Institut erffnet. Dieser hier verkrzt wiedergegebene historische Rckblick liest sich sehr gut und ist bestens belegt. Doch bevor es zur Darstellung des ersten Heine-Denkmals von Bert Gerresheim kommt, fhrt Verf. in die Vexiermethode als spezifischer Arbeitsweise des Bildhauers ein. Verschiebungen, Aufspaltungen, Schnitte, klaffende Trennungen und mehrdeutig flieende Formen beherrschen Entwrfe und vollendete Werke. Im Herbst 1980 begann die Modellierung des Heine-Monumentes, das zum 125. Todestag am 17. Februar 1981 bergeben wurde als Hhepunkt der Dsseldorfer Heine-Tage 81. Frei von Idealisierung zeigt es den leidenden, todkranken Heine aus der sprichwrtlichen Matratzengruft. Der liegende Kopf geht auf die Totenmaske im Heine-Institut zurck, das vieldeutige eiserne Gestnge darber knnte den schtzenden Glassturz oder einen Kenotaph zitieren. Eine Inschrifttafel bezeichnet das Heine-Monument als Physiognomische Vexierlandschaft und fhrt Lebensdaten und Knstler auf.
Damit existiert nun ein vollgltiges Denkmal fr Heine in dessen Geburtsstadt. In einer intensiven Nachbetrachtung setzt sich Verf. mit den zugrunde liegenden knstlerischen Ideen und der Komposition des Monumentes auseinander und erlutert interpretierend dem Leser das Schaffen Bert Gerresheims. Einen groen Schritt nach drauen, ber das Rheinland hinaus, bedeutet der Auftrag, eine Heine-Bste fr die Walhalla in Donaustauf bei Regensburg zu schaffen. Wie zuvor auch, geht es in diesem Falle nicht nur um Bildhauerei, sondern auch um eine Auseinandersetzung mit dem dichterischen Werke Heines, hier um dessen Zugang zur Literatur der Antike, besonders zu Aristophanes. Behandelt wird auch Heines Einstellung zu Ludwig I., seinem Mzenatentum und der Grndung und Einrichtung der Walhalla, die am 18. Oktober 1842 eingeweiht wurde, dem 29. Jahrestag der Vlkerschlacht bei Leipzig (nicht dem 50. Jahrestag, wie Verf. schreibt). Gerresheim stellte seine Konzeption der Bste unter das Thema Heine-Aristophanes, war aber in der Gestaltung nicht gnzlich frei und unabhngig, da im Hinblick auf den historischen Rahmen des Denkmal-Ortes Auflagen zu bercksichtigen waren. Nach berwindung einiger Hindernisse, wurde Gerresheims Konzept bernommen. Die Bste aus Jasa Marmor (Bildhauer Gunnar Krabbe) wurde am 28. Juli 2010 als 130. Bste in der Walhalla aufgestellt. Verf. kehrt nun nach Dsseldorf zurck und richtet ihr Augenmerk auf die dortige Universitt.
Sie beschreibt die Auseinandersetzung um die Namensgebung der Hochschule, die dann 1989 tatschlich den Namen Heinrich-Heine-Universitt erhielt. Kurz darauf wurden auf dem Campus zwei Heine-Denkmler aufgestellt: der Heine-Stein von Michael Kienemund vor Hrsaal 3 A, 1993, und die Heine-Statue als Nachguss des Hamburger Heine-Denkmals von Hugo Lederer vor der Universitts- und Landesbibliothek, 1994. Beide sind als unmittelbare Reaktionen auf die 23-jhrige Geschichte der Namensfindung zu verstehen. Innerhalb der Einrichtung eines Kunstpfades auf dem Campus sollte auch ein neuerliches Werk an Heinrich Heine erinnern, da das Bestehende als zu einseitig empfunden wurde. Bert Gerresheim sollte den Auftrag zu einem umfassenden Heine erhalten. Das Werk wurde in den Jahren 2011 und 2012 aus Bronze und Stahlbeton ausgefhrt, am 26. Oktober 2012 aufgestellt und am 30. Oktober 2012 feierlich enthllt. Das Denkmal, ein groplastisches Stillleben, trgt den Titel Heine-Buch und stellt ein auf drei Meter vergrertes und aufgerichtetes Buch dar. Es zeigt zwei Heine-Portrts auf den Einbandseiten: den jungen Heine nach einem Relief von Pierre Jean David dAngers den alten Heine, der an das Abbild der Totenmaske vom Heine-Monument, 1981, erinnert. Zustzlich sind noch die Schere der Zensur und eine Narrenschelle zu sehen. Der angebrachte Heine-Text entstand 1833 im Zusammenhang mit den Deutschland-Schriften. Das grndliche, hochinteressante Buch ist eine Fundgrube, nicht nur zu Bert Gerresheim, sondern auch zu Heinrich Heine und zum Verhltnis der Stadt Dsseldorf zu Heine. Es ist reich illustriert, sehr lesbar geschrieben (leider muss es mit Gewalt aufgestemmt werden, damit der Text bis zum Falz gelesen werden kann) und reich mit Anmerkungen belegt. Als siebtes Kapitel folgt ein Interview mit Bert Gerresheim zu Literatur und Bildhauerei, das auch biographisches Gebiet berhrt. Den Band beschliet auf 17 Seiten ein Werkverzeichnis zu den Heine-Denkmlern von Bert Gerresheim in 66 Nummern. Die Nummern 1-3 beschreiben die hier behandelten Werke, dann folgen Grafische Vorarbeiten zum Heinrich-Heine-Monument (Nrn. 414), Fotofrottagen zum Heinrich-Heine-Monument (Nrn. 1519), Plastische Vorarbeiten zum Heinrich-Heine-Monument (Nrn. 2046), Weitere Materialien zum Heinrich-Heine-Monument (Nrn. 4748), Grafische Vorarbeiten zur Walhalla-Bste (Nrn. 4954), (Foto)grafische Collagen zur Walhalla-Bste (Nrn. 5557), Plastische Vorarbeiten fr die Walhalla-Bste (Nrn. 5863), Grafische Vorarbeiten zum Heine-Buch-Denkmal (Nrn. 6465) und Plastische Vorarbeiten zum Heine-Buch-Denkmal (Nr. 66).

[Weiterfhrender Text unter den Rezensionen zu Michael Kerst: Bert Gerresheim. Ein Bildhauerleben]

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Simone Pohlandt: »Auseinandersetzung und Provokation«