Zurck zu : Im Tal der Knige

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der architekt, 01. November 2010
Ruhr2010:Bcher zur Kulturhauptstadt

Ein langes Jahr Kulturhauptstadt Essen und Ruhr2010 geht zu Ende. Die Zeit der Ausstellungen und Events ist vorbei. Was am Ende berdauert, sind die Bcher.
    Der Grupello Verlag hat den Anla fr eine erweiterte Neuauflage des vergriffenen Ruhrgebiet-Fhrer-Klassikers von Roland Gnter Im Tal der Knige. Ein Handbuch fr das Ruhrgebiet genutzt. Der Professor fr Kunst- und Kulturgeschichte und Werkbund-Vorsitzende ist ein leidenschaftlicher Ruhrgebietler. Sein Handbuch teilt den chronologisch aufgebauten Text zur Geschichte und Entwicklung im Ruhgebiet in Abschnitte, wie im Wrterbuch. So bleibt das mittlerweile 600 Seiten starke Werk lesbar und sowohl als Lektre als auch als Fhrer zu Orten benutzbar, ohne durch die Flle der liebenswert parteiisch gehaltenen Beitrge zu erschlagen.


Zurck zum Titel:
Roland Gnter: »Im Tal der Knige«




LAB, Florian Neuner, 12. August 2010
Im Tal der Knige neu aufgelegt - Das Buch zum Ruhrgebiet

Unberschaubar ist die Literatur ber das Ruhrgebiet. Von der Geschichte des Bergbaus und der Arbeitskmpfe ber Architektur und Stadtentwicklung bis hin zum popkulturellen Untergrund gibt es kaum noch thematische weie Flecken. Nicht umsonst konnte in Essen der Klartext Verlag gedeihen, der als der weltgrte Regionalverlag gilt. Wo die Aufmerksamkeit der offiziellen Geschichtsschreibung und der berregionalen Medien nicht selbstverstndlich ist, dort hat Selbstvergewisserung eine besondere Bedeutung. Und dennoch: Trotz der Gre und Qualitt dieser Bibliothek ber das Ruhrgebiet fiele die Entscheidung leicht, drfte man nur ein einziges Buch empfehlen oder mit auf eine Reise ins Revier nehmen. Kein Zweifel, das wre Roland Gnters Im Tal der Knige.

Erfinder der Industriekultur

Es gibt keinen besseren Kenner des Ruhrgebiets als den in der Oberhausener Siedlung Eisenheim lebenden Gnter. Der 1. Vorsitzende des Deutschen Werkbundes, Hochschullehrer und publizistische Begleiter der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park, der als einer der Erfinder der Industriekultur gelten darf, hat 1994 erstmals dieses Handbuch fr Reisen zu Emscher, Rhein und Ruhr vorgelegt. In der erweiterten Neuauflage, die nun im Dsseldorfer Grupello Verlag vorliegt, heit es nur noch schlicht: Ein Handbuch fr das Ruhrgebiet. Und mit einem Reisefhrer im gelufigen Sinne hat es auch wenig gemein. Man kann dem Buch weder die ffnungszeiten des Ruhr Museums entnehmen, noch Empfehlungen fr italienische Restaurants in Rttenscheid.
Roland Gnter bietet dem Leser aber nicht weniger als eine umfassende Darstellung, wie das Ruhrgebiet zu dem wurde, was es heute ist wie die Geschichte der Industrialisierung die einzigartige Struktur der Gemenge-Stadt hervorbrachte, wie die Konzeption des Gartenstadt prgend wurde, wie die Stadtplanung in der Nachkriegszeit wtete, wie schlielich umgesteuert wurde und die IBA Weichen fr die Zukunft stellen konnte.
Dieses Wissen prsentiert Gnter seinen Lesern nicht in Form einer langatmigen Abhandlung, sondern in einer prgnanten, oft pointiert zuspitzenden Sprache, in bersichtlich gegliederten Kapiteln, die mit einer Vielzahl von Orts-Hinweisen aufwarten, welche die Hinter-grundinformationen in der gegenwrtigen Stadtlandschaft verankern und einen Einstieg an eigentlich jeder Stelle erlauben.
Wer beispielsweise die Zeche Zollern in Dortmund-Bvinghausen besucht, der wird auf einen Abschnitt in dem Buch stoen, der von der Rettung dieses Industriedenkmals erzhlt, des ersten in der BRD unter Denkmalschutz gestellten. Wer sich mit Hagen beschftigt, der wird die Hintergrnde des Hagener Impulses von Karl Ernst Osthaus erlutert finden. In allen Kapiteln, die bergreifende Themen, wie die Eisenbahngeschichte oder die Geschichte der Brgerinitiativen in den siebziger Jahren behandeln, findet sich eine Vielzahl von Hinweisen auf konkrete Orte zwischen Kamp-Lintfort und Hamm. Das Buch ist ein gewaltiger Steinbruch. Und wer es noch genauer wissen will, findet zudem noch eine Flle von Literaturhinweisen.

Das Alleinstellungsmerkmal des Ruhrgebiets

Der Titel Im Tal der Knige mag provokant gewirkt haben in einer Zeit, als es noch kein Welterbe Zollverein gab. Roland Gnter wird bis heute nicht mde, auf die Bedeutung der Industriekultur als dem Alleinstellungsmerkmal des Ruhrgebiets hinzuweisen, darauf, da Zukunft hier nur denkbar ist, wenn die industrielle Vergangenheit nicht in Vergessenheit gert. Seit den neunziger Jahren ist das ja durchaus auch ein touristisch tragfhiges Konzept, und alle nachhaltig erfolgreichen Initiativen wie beispielsweise die Ruhrtriennale haben seither mit dem Potential dieser Orte gearbeitet. Roland Gnter warnt: Immer wieder ist das Ruhrgebiet in Gefahr, dieser von manchen Seiten propagierten Vergelichkeit aufzusitzen und sich aus den Luftblasen von Werbe-Agenturen und Zeitungen die Regionalpolitik diktieren zu lassen.
In einem fr die Neuauflage geschriebenen Kapitel ber die Zeit seit der Jahrtausendwende schreibt Gnter: Die sthetik der dezentralen Metropole Ruhr ist nicht das angenehm-lieblich Schne, sondern das Interessante. Daher verlangt der Tourismus im Ruhrgebiet nach Intelligenz. Er ist kein Fall fr bunte Bildchen, die alles vermeiden, was verstren knnte, die Bilder mssen vielmehr anregend und packend sein. Leider ist das noch lngst nicht in allen Rathusern verstanden worden. Und eine Lehre aus der Katastrophe auf der Loveparade mte ja auch sein, auf diese austauschbaren, von windigen Unternehmern propagierten Events zu verzichten und selbstbewut mit den wirklichen Strken der Region zu arbeiten.

Zeit nehmen fr das Ruhrgebiet

Man mu sich Zeit nehmen fr dieses Buch, wie man sich ja auch als Reisender Zeit nehmen mu fr das Ruhrgebiet, das sich nicht erfahren lt auf oberflchlichen Stippvisiten, beim Schlendern durch die eine oder andere Innenstadt. Man sollte kreuz und quer lesen, mit dem Ortsregister arbeiten dann setzt sich nach und nach das Patchwork dieser Stadtlandschaft zusammen und man versteht besser, im Text der Ruhrstadt zu lesen, dieser Pionier-Landschaft.

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Roland Gnter: »Im Tal der Knige«