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Rheinische Post, 05. September 2009
Plädoyer für Heiterkeit

Gleich an zwei Abenden gastiert der Literaturwissenschaftler Wilhelm Gössmann im Buch- und Kunstkabinett Mönter, Kirchplatz 1-5, in Osterath. Am Montag, 7. September, ab 19 Uhr stellt er sein neues Werk »Wann die Seele aufklart – die Entdeckung der Heiterkeit« vor. Eine Woche später spricht er über die »Faszination von Frauengestalten« und stellt dabei unveröffentlichte Zyklen aus seiner Liebesdichtung vor.
    »Aller Anfang ist heiter« schrieb Goethe einst. Schiller bemerkte ebenso: »Ernist ist das Leben, heiter die Kunst«. Für Gössmann ist die Heiterkeit eines der höchsten Güter der Menschen. In 84 kurzen Gedichten spürt der Autor der aufklarenden Grundeinstellung nach. Der 82-Jährige ist in und um Düsseldorf bekannt als emeritierter Professor für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Heinrich-Heine-Universität. Seit knapp 50 Jahren arbeitet Gössmann bereits an einem vierbändigen Werk mit dem Titel »Zu Zweit«, das im kommenden Jahr erscheinen soll. Einige Teile davon stellt er vorab ab 14. September im Osterather Kulturzentrum vor.

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Wilhelm Gössmann: »Wann die Seele aufklart«




Sophia Willems, Westdeutsche Zeitung, 29. August 2009
Lyrische Berichte einer Lebensreise
Wilhelm Gössmann legt »Wann die Seele aufklart« vor.


Düsseldorf. Wilhelm Gössmann ist neben dem Gelehrten und Emeritus der Heinrich-Heine-Universität vor allem auch Schriftsteller und Dichter. Nach den Reflexionen »Ohne Religion kein Beten?« legt er nun das Büchlein »Wann die Seele aufklart« vor. Den Inhalt nennt er »lyrische Erfahrungen«.
    Was aber bedeuten »wann es« und »aufklart«? Es sind Worte aus früherer Zeit, die Gössmann wohl mit Bedacht gewählt hat. Denn lyrische Erfahrungen meinen ein inneres Erleben, das sich den Bedingungen strikten zeitlichen Ablaufs entzieht. Ein »wenn« löst überdies eine geradezu utilitaristische Assoziationskette aus, ein Denken zielorientierten Strebens.
    Nichts könnte dem Philosophen Gössmann ferner liegen. Das lässt auch das Verbum »aufklaren« wissen. Man erinnert sich allsogleich an den Schriftsteller Adalbert Stifter und seinen Roman »Der Nachsommer« von 1857 und seine ausgedehnten lyrischen Naturschilderungen. Da ist es der Sommerhimmel, der nach einem Gewitter »aufklart«, wann die Besänftigung endlich obsiegt. Oder es ist der Morgen: Frühnebel steigen, und die Atmosphäre enthüllt ihre ungetrübte, reine Schönheit.
    Der Band ist gegliedert in sechs Kapitel zu je 14 Gedichten. In einem sehr kurzen Vorwort kündet der Autor unumwunden, worum es geht: innere Heiterkeit. Wie diese denn »das schönste Wort für Poesie, Religion und Kunst« sei. Und das wohlige innere Glück des Bei-sich-selber-Seins empfindet er unabhängig von Wetterlaunen, Alleinsein, zu Hause, in Griechenland, Paris, in den Kathedralen von Chartres und Reims, stets hineinlauschend in den »Klangraum der Seele«.
    Freilich, Trauer und Seelenqualen sind ihm nicht fern. Aber Gössmann überrascht den Leser auch mit theologischen Erörterungen: »Wenn das Ich / meiner Seele /unsterblich / ist / muss das Schuldhafte / in ihr sterben / und das Gute aufleuchten« (III,4).
    Ohne Zweifel ist Gössmann mit diesen Texten auf den Spuren des böhmischen Mystikers Johann Gottlieb Seume (1763-1810), der auch als kulturhistorischer Reiseschriftsteller gilt. Von Seume stammt die Liedzeile: »Wo man singet, / wird kein Mensch beraubt, / Bösewichter haben keine Lieder.« Gössmanns Dichtungen sind lyrische Berichte von der Reise eines Lebens.


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Wilhelm Gössmann: »Wann die Seele aufklart«




Jürgen Kortmann, Westfalenpost, 28. Juli 2009
Die Heiterkeit entdeckt
Wilhelm Gössmanns lyrische Erfahrungen


Langenstraße. Diesmal also über die Heiterkeit: »Wann die Seele aufklart« hat Wilhelm Gössmann sein neuestes Buch lyrisch genannt – und sie klart eben auf, sie lebt auf, wenn der Mensch Heiterkeit für sich entdeckt.

Das Buch hätte auch »Die Entdeckung der Heiterkeit« heißen können, wäre damit aber zu sehr in die Nähe von Sten Nadolnys »Die Entdeckung der Langsamkeit« gerückt, schmunzelt der Literaturwissenschaftler aus Langenstraße. Heiterkeit ist etwas Zartes, nichts Extremes – wer heiter ist, der ist nicht überbordend laut; er angeheitert ist, der ist nicht betrunken. Heiterkeit ist eine geistige Errungenschaft, sagt Wilhelm Gössmann: »Die Wahrheit wird erst heiter, wenn sie Leichtigkeit, Spiel und Schönheit auslöst.«
    Das Büchlein, wieder im Grupello-Verlag erschienen, umfaßt Gedichte des 82-Jährigen: In kurzen Zeilen, nach denen der Leser inne halten soll – »ich wollte nur eine poetische Impression«, sagt der Dichter. Jeder der kurzen Texte hat einen lyrischen Gedanken. Entstanden sind sie in den letzten vier Jahren. Festgehalten hat Gössmann diese Gedanken mit Bleistift in seinem Tagebuch, später dann in den Computer diktiert. Jetzt sind diese Gedanken zusammengeführt. Die Ästhetik steht im Vordergrund. Das 105 Seiten starke Buch kommt daher bewußt ohne Illustrationen aus: »Hier muss der Text für sich stehen.«
    Im Herbst will Wilhelm Gössmann seine Gedichte bei Veranstaltungen der Christine-Koch-Gesellschaft und in seinem Haus in Langenstraße vorstellen. Ob es für Lyrik derzeit einen Markt gebe? Gössmann verneint: »Im Augenblick nicht«, räumt er ein – aber er erkennt schon ein Bedürfnis danach: »Die Leute sehnen sich nach Gedichten, weil sie des Fernsehens überdrüssig sind.« Gössmann lacht, als er gefragt wird, ob ein 82-Jähriger noch Liebeslyrik schreiben sollte: »Warum denn nicht? Goethe hat es doch vorgemacht...« Was er verfaßt, sind eben keine pubertären Gedanken. Es ist die Erfahrung des Alters, die der Rückschau – der Weisheit eben, die mit den Jahren kommt. Die Liebeslyrik, da kann Gössmann auf seinen wissenschaftlichen Fundus zurückgreifen, haben einst die Mystikerinnen mit ihrer Gottesliebe erfunden. Greife man die Erinnerung an die Frau auf, die man im Leben geliebt habe und mit der man durchs Leben gegangen sei, dann sei auch der Gedanke ans Jenseits nur folgerichtig: »Nur zu zweit läßt Er uns sein...«

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Wilhelm Gössmann: »Wann die Seele aufklart«




Cordula Hupfer, Rheinische Post, 28. Juli 2009
Neues Buch über die Heiterkeit
Interview: Wilhelm Gössmann hat meditative Verse aufgeschrieben


Mehrere Jahre hat Wilhelm Gössmann, zuletzt Professor für deutsche Literatur an der Heinrich-Heine-Universität, immer wieder kleine, meditative Verse verfasst. Daraus ist nun ein Buch geworden: »Wann die Seele aufklart« (Grupello Verlag, 106 S., 12,90 Euro).

Der Buchtitel ist sehr lyrisch, aber auch ein bisschen altmodisch. Was hat es damit auf sich?
Gössmann: Die Erfahrung des Aufklarens geht bis in meine Kindheit zurück. Der Begriff stammt in meiner Erinnerung von meinem Vater, der ins Wetter sah und sagte: Der Himmel klart auf. Dann konnte er, er war ja Bauer, endlich wieder ins Feld, arbeiten und zufrieden sein. Das Aufklaren der Seele ist das Gewinnen der Heiterkeit - die wichtigste Stimmung im Zusammen sein mit Menschen.

Wir leben nicht gerade in seelenvollen Zeiten. Hat der moderne Mensch überhaupt noch das Potenzial zur Heiterkeit?
Gössmann: Er hat es, wenn er in sich geht und ruhig wird. Wenn er Wein trinkt oder durch Weinberge geht. Oder wandert. Heiterkeit ist etwas, was ich jedem Menschen wünsche.

Ist das Buch also eine Anleitung zur Heiterkeit?
Gössmann: Nein, die Heiterkeit muss sich von selbst ergeben. Gewollte Heiterkeit ist keine Heiterkeit. Aber ich wünsche mir, dass durch dieses Buch die Heiterkeit neu entdeckt und vermittelt wird.

Momentan sind viele Menschen sehr um ihre materielle Zukunft besorgt. Schlechte Karten also für die Wiederentdeckung der Heiterkeit?
Gössmann: Zur Heiterkeit braucht man kein Geld, sondern Mitmenschen. Meine Texte beziehen ernste Erfahrungen ein: Melancholie, Trauer, Tod, Abschied, Krieg, so dass die Heiterkeit nicht abgesondert ist von den ernsten Erfahrungen des Lebens. Aber selbst ein Totenmahl kann heiter ausklingen. Heiterkeit hat immer etwas Aufmunterndes.

84 kleine Aufmunterungen sind es. Die sollten eine Weile vorhalten ...
Gössmann: Es sind vielleicht keine Gedichte, aber mindestens Verse, und jeder Vers behandelt eine persönliche Erfahrung. Formal kam es mir beim Niederschreiben auf Sparsamkeit an. Das strenge ästhetische Prinzip habe ich während meiner Lehrtätigkeit in Japan kennen und schätzen gelernt.

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Wilhelm Gössmann: »Wann die Seele aufklart«




NRZ, 17. Juli 2009
Von der Heiterkeit der Seele

Gibt es etwas Schöneres als Schreiben? Für Wilhelm Gössmann nicht. Der Literaturwissenschaftler und ehemalige Vorsitzende der Heinrich-Heine-Gesellschaft schreibt mit Lust und Liebe und hat mit dem neuen Bändchen »Wann die Seele aufklart« lyrische Erfahrungen mit der Heiterkeit zu Papier gebracht. Fünf Jahre hat er daran gearbeitet.
    Aller Anfang sei heiter, findet der ehemalige Professor für deutsche Literatur an der Heinrich-Heine-Universität. Und so nimmt man sein Büchlein, das allein schon wegen seines Taschenformats leicht daherkommt, gern in die Hand, um sich mit der Heiterkeit als geistiger Errungenschaft zu beschäftigen. Bewußt anstreben könne man diese Grundhaltung kaum: »Sie muss sich ergeben.«
    Vom Wetter, bei dem nach dunklen Wolken der Himmel aufklart, führt Gössmann lyrisch-sinnlich über zur Geselligkeit und sogar zum Ende des Lebens (»Selbst ein Totenmahl kann in heiterer Atmosphäre ausklingen«). Denn was kann Heiterkeit nicht alles erreichen? »Vielleicht die höchste geistige Errungenschaft ist die Heiterkeit der Seele, die selbst Schwermut und Melancholie ertragen kann«, denkt Gössmann weiter. Im Alter sei dieser Erfahrung besonders kostbar, findet er. Und weiß, wovon er spricht. Gössmann ist Jahrgang 1926.

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Wilhelm Gössmann: »Wann die Seele aufklart«