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Christian Hlavac, Die Gartenkunst, 01. Januar 2009
Der Ausstellungskatalog mit fünf vorangestellten Aufsätzen zeigt in Wort und Bild übersichtlich den theoretischen Hintergrund für und konkrete gebaute Beispiele von Automaten in der Zeit von ca. 1560 bis 1630. Der inhaltliche Aufhänger der Ausstellung und des Katalogs sind die Schrift »Von gewaltsamen Bewegungen«, die der gebürtige Franzose und Architekt, Ingenieur und Gartengestalter Salomon de Caus 1615 verfaßt hat und die von ihm entworfenen Wasserkünste wie Brunnenanlagen, Fontänen, Figurenautomaten und Wasserorgeln in Brüssel, London und Heidelberg. Salomon de Caus war einer der Protagonisten einer Verwissenschaftlichung der Gartenkunst am Beginn des 17. Jahrhunderts. Stefan Schweizer geht in seinem Beitrag auf Salomon de Caus (1576-1626) und dessen wissenschaftlich-künstlerische Programmatik ein, die stark von antiken Schriften und der Geometrie als Entwurfsprinzip von Kunst geprägt war. Verena Schneider präsentiert den LeserInnen eine Typologie von hydraulisch und hydropneumatisch betriebenen Automaten in Grotten der frühneuzeitlichen Gärten. Grundsätzlich können zwei Phänomene von Automatenkunst unterschieden werden: körperliche Bewegung sowie Musik und Ton, die entsprechend visuell und akustisch wahrgenommen wurden. Gabriele Uerscheln bezieht die Zeit vor und nach Salomon de Caus in ihre Betrachtungen ein (siehe z.B. die Thesisgrotte in Versailles). Hans Michael Schellenberg stellt in seinem kurzen Beitrag den antiken Autor Heron (von Alexandria) und seine Arbeiten über den Bau von Automaten und Wasserorgeln vor. Volker R. Remmert widmet sich den mathematischen Wissenschaften in der Gartenkunst der frühen Neuzeit.
        Das Verdienst der AutorInnen ist es, ein Werk hervorgebracht zu haben, dessen Inhalte man sich bisher teils mühsam aus verschiedenen Werken zusammensuchen mußte. Verwiesen sei hier z.B. auf Gerold Weber (Brunnen und Wasserkünste in Frankreich im Zeitalter von Louis XIV. Mit einem typengeschichtlichen Überblick über die Französischen Brunnen ab 1500. Worms 1985), Robert R. Bigler (Schloß Hellbrunn. Wunderkammer der Gartenarchitektur. Wien 1996) und das zweisprachiges Werk »Il sogno del principe. Il parco Mediceo di Pratolino (The Prince's dream. The Medici Park at Pratolino)«, herausgegeben von Massimo Becattini (Florenz 2006).
        Im Vorwort steht treffend über die Ausstellung geschrieben: »Manches »Wunder« wird sich als Ergebnis höchst gelehrsamen Wissens zu erkennen geben, manch Ausmaß an Gelehrsamkeit wird wie ein Wunder erscheinen und Staunen machen.« Positives Staunen wird auch durch den Ausstellungskatalog als sehr gutes Übersichts- und Einführungswerk zum Thema »Automatenkunst« hervorgerufen.
        Aus österreichischer Sicht darf auf eine Besonderheit verwiesen werden. Die Graphische Sammlung der Albertina in Wien besitzt die schon mehrmals publizierten Zeichnungen Giovanni Guerras mit Ansichten des Gartens und der Villa Medicea zu Pratolino (Toskana) vom Ende des 16. Jahrhunderts. Pratolino gilt als erste Anlage der Neuzeit, in der zahlreiche Wasserkünste und Automaten errichtet wurden. Guerras Zeichnungen sind einige wenige, die uns von der Anlage Pratolino überliefert sind und die uns zumindest optisch in die Welt der Grotten und Automaten verführen können.



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Peter Dittmar, Die Welt, 13. September 2008
Auch die Renaissance bändigte die Natur

Die Renaissance hat sie wieder entdeckt: die Musen und die Muße. In dem der Lebensstil über das »finstere Mittelalter« hinweg - auf die Antike zurückgriff, gewann die Natur eine neue Bedeutung. Ciceros Tusculanum und Vergils Arkadien weckten die Sehnsucht nach einem irdischen Paradies, nach einer Landschaft, in der die Muße den Musen geneigt sei.
    Es war allerdings keine »natürliche« Natur, die diesem Ideal entsprach, sondern als Gegenstück zum mittelalterlichen Nutz- oder Kräutergarten, dem hortus holerorum und dem hortus sanitatis, ein Lustgarten, der strengen ornamentalen Regeln zu gehorchen hatte. Und zu dieser gebändigten Natur gehörte das Wasser als wesentliches Element. Nicht als Teich oder See, sondern kunstvoll gefaßt und vor allem als Spiel der Wasserkünste.
    Der Gartenarchitekt, eine Aufgabe, die den Künstlern zukam, mußte deshalb auch Techniker und Ingenieur sein. Mit der Ausstellung »Wunder und Wissenschaft - Salomon de Caus und die Automatenkunst in Gärten um 1600« erinnert das Museum für Europäische Gartenkunst auf Schloß Benrath in Düsseldorf an einen dieser bedeutenden Künstler-Ingenieure.
    Neu war die Verbindung von Kunstsinn und Ingenieurskunst nicht. Schließlich entwarf Leonardo da Vinci als Militäringenieur in Cesare Borgias Diensten Festungen und Belagerungsmaschinen, stammen von Michelangelo die Kuppel des Petersdomes und der Platz vor dem Kapital, wurde Matthias Grünewald in Halle als »mhaler adder wasserkunstmacher« zu Grabe getragen. Die unmartialischen Varianten dieser technischen Künste waren auch in den Gärten, die dem Vergnügen, der Lust dienten, begehrt. Da sollten Fontänen sprudeln, Kaskaden das Auge erfreuen, Skulpturen Wasser speien, in Grotten scheinbar Vögel zwitschern. Und nicht zuletzt liebte man die Giochi d'acqua, jene
Überraschungseffekte, bei denen die Gäste aus verborgenen Düsen (Zampilli) plötzlich bespritzt wurden.
    Salomon de Caus war ein Meister dieser Künste. Den Heidelbergern ist er als Architekt des Hortus Palatinus vertraut, sonst aber weitgehend vergessen. Wahrscheinlich 1576 in Dieppe geboren, wirkte er zuerst in Brüssel, mußte dann jedoch als Protestant das Land verlassen. Er ging nach England, wo er Wasserkünste für Gärten gestaltete, ehe ihn Kurfürst Friedrich von der Pfalz 1614 nach Heidelberg berief. Als der Hof 1619 nach der Krönung Friedrichs zum böhmischen König nach Prag zog und zugleich der beginnende Dreißigjährige Krieg die Finanzen beschnitt, blieb der Schloßgarten unvollendet – jedoch als Idee in einem ausführlichen Kupferstichwerk überliefert (das nun als Grundlage einer umstrittenen Rekonstruktion dienen soll). De Caus ging 1620 nach Paris, wo er sechs Jahre später starb.
    Im 19. Jahrhundert entstand dann die Legende, er habe dort bereits die Idee für eine Dampfmaschine gehabt, weshalb ihn Richelieu als Irren jahrzehntelang einsperren ließ. Das wurde in rührenden Bildern und Theaterstücken ausgebreitet. Der Hintergrund waren seine Überlegungen zur Nutzung des Dampfes bei Fontänen in seinem Buch »Von Gewaltsamen bewegungen. Beschreibung etlicher, so wol nutzlichen alß lustigen Maschiner beneben etlicher Höllen od' Grotten und lust Brunnen« von 1615.
    Im Schloß Benrath wird nun mit Gemälden, Zeichnungen, Kupferstichen und gelegentlich mit hübschen Modellen - nicht nur von de Caus - vorgeführt, wie da künstliche Vögel wassergetrieben zu singen begannen, ein Zyklopenkopf regelmäßig Wasser in ein Bassin spuckte oder Neptun und sein Gefolge auf dem Wasser einer Grotte erschienen. Und auch das Gemälde einer von den Giochi d'acqua aufgescheuchten Hofgesellschaft fehlt nicht.
    So kommt Salomon de Caus wieder zu Ehren. Und wenn so viel Künstlichkeit auch dem romantischen Gartenideal widerspricht, dem wir seit dem 19. Jahrhundert anhängen, verraten diese mechanischen Gartenkünste ganz nebenbei, welcher Familie die heutigen Freizeit- und Vergnügungsparks entwachsen sind - auch wenn weder Musen noch Muße in ihnen eine Heimstatt haben.


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Angelika Storm-Rusche, Bonner General-Anzeiger, 12. September 2008
Ingenieure im Garten

Schon die großen Universalgelehrten der Renaissance pflegten in ihren Werken die Verbindung von Kunst und Wissenschaft. Während sie aber danach strebten, die geheimen Gesetze der Natur zu erforschen, trachteten die Gelehrten ein Jahrhundert später danach, die Natur zu überbieten, ja zu überlisten. Einer von diesen kühnen Köpfen war der Ingenieur und Architekt Salomon de Caus, der von 1576 bis 1626 lebte. Er konzentrierte sich in seinen Ingenieurskünsten ganz wesentlich auf herrschaftliche Garten- und Parkanlagen. Hier belebte der Franzose nicht nur künstliche Grotten mit szenisch animierten Automatenfiguren; er wollte auch mittels hydraulischer Kräfte stagnierendes in fließendes Wasser verwandeln und schließlich eine Methode der Augentäuschung einsetzen, um eine vorgetäuschte Erweiterung von Gärten zu erreichen.
        Daß Salomon de Caus seine Ideen sowohl theoretisch wie praktisch umsetzte, kann man der Ausstellung »Wunder und Wissenschaft. Salomon de Caus und die Automatenkunst in Gärten um 1600« entnehmen. Das Museum für Europäische Gartenkunst der Stiftung Schloß und Park Benrath führt an gut 70 Beispielen - Grottenmodellen, Gemälden, Kupferstichen, Büchern und historischen Plänen - vor, wie geistreich diese Allianz zwischen den so verschiedenen Disziplinen war.
        Salomon de Caus folgte dem Ruf europäischer Fürsten und Königshäuser, die nach seinen Diensten verlangten. 20 Jahre lang wirkte er in den südlichen Niederlanden, in England, wo er auch für die dänische Königinmutter arbeitete, schließlich in Heidelberg, ehe er 1621 an den Hof Ludwigs XIII. berufen wurde. Für den Kurfürsten Friedrich V., von der Pfalz entwarf der fantasiebegabte Ingenieur den »Hortus Palatinus« genannten Luxusgarten mit allerlei optischen und akustischen Effekten. Allerdings mußte das vorgesehene natur-gewachsene Terrain hinter dem Heidelberger Schloß einerseits geebnet, andererseits terrassiert werden, um den zahlreichen quadratisch angelegten Gartenparterres Platz zu schaffen.
        Von den Mühen des Unternehmens berichtet de Caus in seinem köstlich bebilderten Traktat »Von Gewaltsamen bewegungen ...« Vollendet wurde das heute zerstörte Wunderwerk nicht, weil der pfälzische Fürst als König von Böhmen nach Prag zog. Jedoch sind die Ausmaße und die reich strukturierte Anlage bildlich überliefert. Von großem Reiz zeigt sich ein Tafelbild, das nach den Vorlagen eines Ölgemäldes von Jacques Foucquier und eines Kupferstiches von Merian entstanden ist.
        Auch Salomon de Caus bezog sein Wissen aus verschiedenen Quellen, was man den ehrwürdigen Folianten in der Ausstellung entnehmen kann. Mehrfach, heißt es in dem schönen, von Studenten des Düsseldorfer Kunsthistorischen Seminars mitgestalteten Katalog, setzte er sich mit den Traktaten des alexandrinischen Mathematikers Euklid auseinander; er studierte die Bände »De Architectura« des Römers Vitruvius, las das Mechanik- und Maschinenbuch von Jacques Bessons, die »Theatri Machinarum« seines Zeitgenossen Heinrich Zeising und die Abhandlungen italienischer Autoren seiner Epoche.
        Italien lieferte ohnehin bedeutende Vorbilder für die Gartenkunst. Dafür spricht der schöne Zyklus des Giovanni Guerra mit teilweise sogar witzigen »Ansichten des Gartens und der Villa Medicea zu Pratolino«. In Italien vor allem florierte das Grottenwesen: Pan, Fama und Cupido bewohnten künstliche Grotten. Und grotesk zeigt sich die Kolossalfigur des Apennin von Giovanni Bologna, ebenfalls im Park von Pratolino.
        Wiederum gut 100 Jahre später hatte sich diese mathematisch-physikalische Gartenkunst zugunsten neuer Ideale überlebt. In einer Enzyklopädie von 1765 heißt es: »Die Gärtnerei ist eine Kunst, alle Arten von Gärten zu bepflanzen ... und zu kultivieren; sie ist Teil der Botanik.«


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Wochenpost Düsseldorf-Süd, 19. August 2008
Heutzutage versteht man unter Automaten zumeist Geräte, in die man Geld steckt, damit sie eine gewünschte Ware ausspucken. Im 17. Jahrhundert waren Automaten in der europäischen Gartenkunst auch bereits bekannt, allerdings im künstlerischen Zusammenhang. Salomon de Caus (1576-1626) war ein solcher Künstler, der vergnügliche Spielereien in herzoglichen und königlichen Parkanlagen installierte. Einen Einblick in sein Werk gewährt derzeit eine Ausstellung im Museum für Europäische Gartenkunst von Schloß Benrath.
    Szenisch animierte Automatenfiguren in Gärten hochrangiger Besitzer bestimmten zwischen 1560 und 1630 das Verständnis von Gartenkunst. Nicht nur kreative Fähigkeiten, sondern auch wissenschaftliche Erkenntnisse waren zur Realisierung von Projekten erforderlich. Der hochrangige Gartengestalter und Ingenieur de Caus arbeitete für europäische Höfe - etwa für den Greenwich Palace der Queen, den Hortus Palatinus in Heidelberg im Auftrag des Kurfürsten Friedrich V. oder den französischen König Ludwig XIII. - und veröffentlichte im Jahr 1615 ein Grundlagenwerk der frühneuzeitlichen Grottenbautheorie.
    Über 70 Exponaten stellen seine Werke aus kunst-, technik- und wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive vor.
Möglich machten die Schau der Juniorprofessor Dr. Stefan Schweizer und seine Studenten vom Seminar für Kunstgeschichte der Heinrich-Heine-Universität.
    Die Ausstellung »Wunder und Wissenschaft - Salomon de Caus und die Automatenkunst in Gärten um 1600« kann bis zum 5. Oktober dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden.


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Bernd Bussang, Rheinische Post, 15. August 2008
Der automatische Gott »Wunder und Wissenschaft« - eine Ausstellung des Museums für Europäische Gartenkunst zeigt wie neuzeitliche Technik Einzug in die Gärten der Reichen und Mächtigen hielt

In Neptuns beleuchteter Garten-Grotte nimmt der bronzene Meeresgott in einer Muschelschale Fahrt auf. Eskortiert von zwei Horn blasenden Tritonen und gezogen von zwei Pferden schwebt er langsam und majestätisch auf einer Kreisbahn. Wie von Geisterhand bewegt erscheint er für wenige Sekunden im Blickfeld des staunenden Betrachters, zieht sich zurück in die Grotte, um bald danach wieder aufzutauchen.
    Was der moderne, technikverwöhnte Mensch als lapidare Spielerei abtut, hat zu Beginn des 17. Jahrhunderts viele Menschen fasziniert: Vor allem Fürsten, Adlige, Höflinge und Bischöfe sollte das vermeintliche Perpetum mobile zu Beginn des 17. Jahrhunderts in seinen Bann ziehen. Hinter dem für damalige Verhältnisse aufwendigen Automaten verbarg sich einfache Mechanik mit freundlicher Unterstützung von Wasserkraft.
    »Das war frühe Vergnügungsindustrie«, sagt Hausherrin Gabriele Uerscheln und blickt auf das wohl anschaulichste Ausstellungsstück. Es ist ein stark verkleinertes Modell, das nach Plänen des Salomon de Caus (1576-1626) gefertigt wurde.
Das Original hat der Vater der Automatenkunst in Gärten nie gebaut. Der Dreißigjährige Krieg machte seinen Plan, in der Heidelberger Residenz des Kurfürsten einen »Hortus Palatinus«, einen prächtigen Hofgarten mit Automaten, zu gestalten ein Ende. Der Architekt, Erzieher, Ingenieur und Gartengestalter verläßt den Hof von Friedrich V. von der Pfalz und siedelt über nach Paris.
    »Wunder und Wissenschaft - Salomon de Caus und die Automatenkunst in Gärten um 1600« heißt die Ausstellung im Museum für Europäische Gartenkunst. Sie zeigt mehr als 70 Exponate, darunter 61 Grafiken, zum Werk des frühneuzeitlichen Tausendsassas, der weit mehr geschaffen hat als Gartenkunst mit Automaten. Er war Prinzenerzieher am englischen Hof, im Auftrag des französischen Königs Ludwig XIII. entwarf er Pläne zur Stadtreinigung, einen Stadtplan von Paris sowie eine Weltkarte.
    So zeigt die Ausstellung wie mechanisch betriebene Automaten an der Wende zur Neuzeit Wissenschaft und Technik in die Gärten der Reichen und Mächtigen brachten - nur für wenige Jahrzehnte allerdings, dann ließ das Interesse nach. Dabei orientierte sich Salomon de Caus an antiken Vorbildern aus Griechenland, Rom und aus dem arabischen Raum, wie Dr. Stefan Schweizer berichtet.
    Der Kunsthistoriker ist Juniorprofessor an der Heinrich-Heine Universität. Gemeinsam mit dem Europäischen Gartenkunstmuseum und mit maßgeblicher Unterstützung seiner Studentin Verena Schneider hat er die Ausstellung konzipiert. Das Kulturamt gab Geld, die Anton-Betz-Stiftung der Rheinischen Post half mit einem Druckkostenzuschuß zum vom Grupello-Verlag aufwendig gestalteten Katalogbuch.

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Rita Cleuvers, Kult, 01. August 2008
Automatenkunst in Gärten Salomon de Caus – Ein (fast) vergessenes Genie

Er wird verglichen mit Leonardo Da Vinci und eingestuft als einer der größten Universalgelehrten in der Renaissance! Salomon De Caus, geboren 1576 - wahrscheinlich in Dieppe - ist einer der bedeutendsten französischen Physiker und Ingenieure seiner Zeit. Er hinterfragt Wirkungszusammenhänge, schöpft aus dem Experiment fundiertes Wissen. Da er schon Dampfkraft einsetzt, gilt er als einer der Mit-Erfinder der Dampfmaschine, - fälschlicherweise oder auch nicht, da ist sich die Literatur nicht ganz einig! Als er 1614 als Hauslehrer und Gartenbaumeister an das kurfürstliche Schloß in Heidelberg kommt, soll er dort für Kurfürst Friedrich von der Pfalz den »hortus Palatinus« anlegen, die erste Renaissance-Gartenanlage in Deutschland. Aufmerksamkeit erregt Salomon de Caus als Technik-Freak und Schöpfer von allerlei »nützlichen und listigen Maschinen«, die durch die Bewegung der Luft und von der Sonne getrieben werden. Phänomene wie Vakuum, Solarenergie aus Brennspiegeln und Wasserdampf nutzt er als Antrieb für Pumpen und Springbrunnen. Mechanische Vögel, durch Wasserkraft angetriebene programmierte »Orgelmaschinen«, wie von Geisterhand bewegte Statuen, versetzen die Gartenbesucher in Erstaunen. Der Ausbruch des 30jährigen Krieges verhindert die Fertigstellung des Heidelberger Terrassengartens, der 1684 von französischen Truppen verwüstet wird.
    Auch zahlreiche Gartenanlagen in England, z. B. im Greenwich Park, Wilton House, Hatfield House und Somerset House, sowie einige Arbeiten im Richmond Park stammen von Salomon de Caus, die aber zum Teil Neubauten wie dem Maritime Museum weichen mußten.
    Die Ausstellung »Wunder und Wissenschaft« im Museum für Europäische Gartenkunst führt ein in das höchst künstlerisch-wissenschaftliche Verständnis von Gartenkunst zwischen 1560 und 1630. Eine Zeit, in der es für den hochrangigen Gartenbesitzer en vogue war, Garten mit Grotten und szenisch animierten Automatenfiguren bauen zu lassen, die der Kurzweil und dem Vergnügen dienten.
    Mehr als 70 Exponate, darunter Entwurfsskizzen von Salomon de Caus, sind ab 17. August zu sehen. Die Ausstellung entstand als Kooperation zwischen der Stiftung Schloss und Park Benrath und dem Seminar für Kunstgeschichte der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, deren Aufgabe es war, die Gartenanlagen kunst-, technik- und wissenschaftsgeschichtlich zu beleuchten.

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