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Osteuropa, Karlheinz Kasper, 01. Januar 2008
»Bilder von dantesker Kraft ...«

Tatjana Kuschtewskaja, die uns schon mit der Poesie der russischen Küche und dem Flair russischer Friedhöfe bekannt gemacht hat, erzählt jetzt vom »Küssen auf Russisch«, »weil in den Wörterbüchern auf pochorony (Beerdigung) poceluj (Kuß) folgt«. Überzeugt davon, daß es nationale Besonderheiten des Küssens gibt, die »von der Geschichte, den Traditionen und von Charakter und Temperament des jeweiligen Volkes abhängen«, verbindet sie den Kuß mit der Vorstellung von einer »Welt des Wohlergehens, der Gesundheit, der Harmonie und der Geborgenheit«. Nahezu alles, was sie in der Kultur und im alltäglichen Leben über das Küssen hat in Erfahrung bringen können, präsentiert sie in alphabetischer Reihenfolge in diesem Buch, das ihre Tochter Janina hervorragend illustriert hat. Den Anfang machen eine Humoreske von Arkadij Avercenko, drei Gedichte von Anna Achmatova und der Bericht eines Polarfliegers, der einen Eisbären geküßt hat. Den Schluß bilden Fedor Sologubs Erzählung »Die Zarin der Küsse« und vier »Kußgedichte« Marina Cvetaevas, die ihren Dichterfreund Ossip Mandelstam eifersüchtig fragt:
    Wie, wann und oft gar küßte, kürte
    Ein Mund, und wessen, deinen Mund?
Die russischen Dichter liefern Kustewskaja die meisten Beispiele. Konstantin Balmont, der als ausgemachter Frauenliebling im Laufe seines Lebens drei Ehefrauen und eine Unmenge Verehrerinnen gehabt hat und als Liebhaber genauso begabt gewesen sein soll wie als Dichter, Igor Severjanin, der nicht nur »Ananas in Champagner«, sondern auch »Küsse wie Feuer« besang, Sergej Esenin, der »Hooligan des Küssens«, und Vladimir Majakovskij als sensibler Protagonist einer Verstragödie. Neben ihnen kommen Babet, Bunin, Nabokov, Cechov Lind Tolstoj zu Wort. Dostoevskij, erfahren wir, habe mit Küssen gegeizt, Gogol sich vor Frauen wie vor Küssen gefürchtet. Puskin, »reich an Liebeserfahrungen«, küßt in Lyrik und Prosa. Direkt aus dem Leben gegriffen sind die Ausführungen über den Osterkuß, den Kreuzeskuß, das Küssen der Ikonen und den »sozialistischen Bruderkuß«.

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Tatjana Kuschtewskaja: »Küssen auf russisch«




Düsseldorfer Hefte, Lis Schenk, 01. Januar 2008
Lippenbekenntnisse aus dem Osten

Das neue Buch von Tatjana Kuschtewskaja »Küssen auf russisch« enthält allerlei Lippenbekenntnisse aus dem Osten, vermittelt von der Autorin, die dort vor ihrem Wechsel nach Essen bis 1991 gelebt hat.
        Sie selbst, gibt Tatjana zu, habe nur ein paar Mal eine Ikone geküßt. Dabei gelte in ihrer Heimat die Redensart: »Erst die Ikone küssen, dann Vater und Mutter ...« Und immerhin, so vermutet die Autorin, hätten zum Beispiel massenhaft Frauen ihre Münder auf die Ikone des heiligen David in der Moskauer Kirche »Zur Heiligen Dreifaltigkeit« gedrückt, vor allem, da das Kindersegen garantiere. Diese Kußart gehöre zu der unübersehbaren Menge der rituellen Küsse in ihrem Land, unter denen sie für den mit der Bezeichnung »Bitter« eine besondere Vorliebe habe, schon deshalb, weil er bei allen Hochzeiten eine besondere Rolle spiele. Das alles erfährt der Leser im Vorwort, auf das eine alphabetisch gegliederte, unterhaltsame Abhandlung von A gleich »Awertschenko« bis Z gleich »Zarin der Küsse« folgt.
        In Rußland wird offensichtlich viel, vielfältig und leidenschaftlich geküßt. Ob Zahl und Intensität dieser menschlichen Berührungen die in anderen Ländern übertrumpfen, mag dahingestellt sein. Offenbar läge es aber im Sinne der Autorin, das anzunehmen. Was sind das dort auch alles für Gründe und Hintergründe, sich zu küssen, die in dem gut formulierten, vom Russischen ins Deutsche übersetzten Band beschrieben und gedeutet werden. Da geht es um die nicht mehr aktuellen sozialistischen Bruderküsse ebenso wie um die Kußerfahrungen und -wünsche der großen russischen Autoren. Sieh an: Dostojewskij geizte mit Küssen, Gogol fürchtete sich sogar vor ihnen wie vor Frauen überhaupt, während Tschechow »trunken von Küssen« war. Diese und andere Schriftsteller kommen mit entsprechenden Liebes-Texten in dem Buch zu Wort. Und diese Zitate sind ebenso wie die von der Autorin hinzugefügten Kommentare besonders lesenswert und teils nicht ohne Komik. Volkstümliche Küsse und die dazugehörigen Situationen haben in Tatjanas Deutungen ebenfalls ihren Stellenwert. So erfährt der Leser, daß in Yakutien früher Nasen- anstatt Lippenküsse ausgeteilt wurden, was als Seelenvereinigung galt.


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Tatjana Kuschtewskaja: »Küssen auf russisch«




Neues Deutschland, Irmtraud Gutschke, 27. Dezember 2007
Küssen auf russisch

Sie hat sich nach Küssen umgesehen - in Gedichten und Romanen. Sie kramte in ihren filmischen Erinnerungen und suchte in Galerien nach entsprechenden Gemälden. Was für einen Spaß das Tatjana Kuschtewskaja machte, merkt man beim Lesen. Und welche Freude erst, als Tochter Janina, die als freie Künstlerin in Moskau wohnt, ihr zum Text 29 Tuschzeichnungen nach Essen schickte! Ja, seit 1991 lebt Tatjana Kuschtewskaja in Deutschland - um der Liebe willen, wie schon mal von ihr zu hören war.
    Schon wie sie das Wort »Liebe« ausspricht, klingt auch in Deutsch anders als bei unsereinem. Da zweifelt von vornherein keiner mehr, daß »Küssen auf russisch« von besonderer Leidenschaftlichkeit ist. Selbst unter Staatsmännern reicht es nicht, sich bloß die Hand zu schütteln. Der sozialistische Bruderkuß – Honecker und Breshnew wurden so von dem russischen Mater Dmitri Wrubel an der Berliner Mauer verewigt - gehörte zum guten Ton. Der Kuß Gorbatschows für Honecker (die Autorin war dabei) soll sogar noch inniger gewesen sein ...
    Es kommt auch der Ikonenkuß im Buch vor, und das Rezept für den Cocktail »Engelskuß« wird verraten, ein Kuß in Bronze, den Tatjana Kuschtewskaja tatsächlich für einen Piloten anfertigen ließ, der Nasenkuß als jakutischer Brauch und was es sonst noch alles Kurioses gibt. In Irkutsk ist ein junger Mann am Piercingring seiner Freundin festgefroren, und in Moskau wurde 2002 ein Weltrekord im Küssen aufgestellt, der ins Guinness-Buch einging. 2000 Leute küßten sich gleichzeitig auf der Kiewskij-Brücke. Man erfährt von einer soziologischen Untersuchung, wonach Menschen in Industrieländern in einem 70-jährigen Leben 12 000 Stunden mit Erkältungen zubringen, aber nur 296 Stunden beim Küssen, was ungesund ist, wie man sieht.
    Aber der größte Teil des Buches gilt der Liebe in Lyrik und Prosa. Mit Arkadij Awertschenko (1881-1925) und Anna Achmatowa (1889-1966) beginnt das »Kuß-Alphabet« und mit Marina Zwetjewa (1892-1941) endet es. Dazwischen viele Berühmtheiten wie Bunin, Dostojewski, Majakowski, Nabokow, Puschkin, Tschechow, Tolstoi ... Aber auch Namen finden sich, von denen wir einst als Slawistikstudenten nicht so viel hörten: etwa Balmont (1867-1942), Viktor Hofmann (1884-1911) oder Igor Sewerjanin (1887-1941).
    Eine ganz eigentümliche Geschichte der russischen Literatur ist da entstanden, die mit ihren vielen kleinen Beschreibungen von Kußszenen immer wieder Lust zu weiterer Erkundung macht. Sollte man nicht Isaak Babels »Dunkle Alleen« mal wieder lesen? Und was ist denn in der Erzählung »Zarin der Küsse« von Fjodor Sologub wirklich passiert? Es freut einen, wie Balzac 17 Jahre darauf wartete, bis eine ukrainische Adlige verwitwet war, was für wunderbare Briefe Anton Tschechow an seine Olga schrieb und wie Michail Prischwin spät erfuhr, was Liebe ist. »Sie ging, und in meiner Brust blieb eine Taube zurück«, schrieb er am 27. Februar 1940 in sein Tagebuch. »In der Nacht wachte ich auf - die Taube rüttelte mit den Flügeln. Am Morgen erhob ich mich - die Taube flatterte weiter in mir! ...«
    Was vielleicht nicht mal allen Sprachkundigen klar ist: daß zelowat (küssen) eine gemeinsame Wurzel mit zely (ganz, unversehrt) und iszeljat (heilen) hat. Jedoch kommt der Name der Pozelujew-Brücke in St. Petersburg nicht von Pozeluj (Kuss), sondern von einem Kaufmann namens Pozelujew, der dort in der Nähe eine Getränkehandlung hatte. Als Tatjana Kuschtewskaja allerdings auf eben dieser Brücke, die über die Moika führt, an einem Ostersonntag einem Mann begegnete, der sie mit »Christus ist auferstanden« grüßte, mußte sie dem orthodoxen Brauch Genüge tun, was sie in dem Kapitel »X-Beliebige« festgehalten hat.


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Tatjana Kuschtewskaja: »Küssen auf russisch«




Allgemeine Zeitung Coesfeld, 01. Dezember 2007
Lesung im Torhaus: Küssen auf russisch

»Vielen Dank. Es war ein so zauberhafter Abend«, bedankte sich eine begeisterte Besucherin am Schluß der literarischen Lesung bei der russischen Autorin Tatjana Kuschtewskaja im Torhaus von Haus Holtwick persönlich. Schon der Titel, »Meine sibirische Flickendecke«, war vielversprechend. Kuschtewskaja erzählt so anschaulich und ungeschminkt von dem für Europäer immer noch fernen Sibirien, daß man ihren Geschichten gebannt folgte. Voller Temperament und mit mitreißender Erzählfreude breitete die angesehene Schriftstellerin, Drehbuchautorin, Musikpädagogin und Journalistin ihre Erlebnisse wie eine bunte Geschichten-Flickendecke aus.
    Geboren in Turkmenistan, wuchs sie in der Ukraine auf, arbeitete als Musikpädagogin in Jakutien und studierte an der Filmhochschule in Moskau. Unzählige Reisen führten sie durch alle Regionen der ehemaligen UdSSR, ein schier unerschöpflicher Fundus für ihre zum Teil abenteuerlichen Geschichten. Seit 1991 lebt sie in Deutschland und hier bringt sie mit ihren zahlreichen Werken die ferne Welt des östlichen Sibiriens dem deutschen Leser eindrucksvoll nahe. »Das Leben schreibt die besten Geschichten«, erklärt sie ihren biographischen Ansatz, was ihr auch vom berühmten Schriftsteller Lew Kopelew und Elisabeth Mann-Borgese bescheinigt wurde. Über ein Dutzend mal reiste sie mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok, niemand wäre daher besser geeignet, Geschichte und Geschichten darüber zu verfassen. Auch die Landschaften und Menschen am Ufer der Lena hat Tatjana Kuschtewskaja in einer ihrer vielzähligen Veröffentlichungen lebhaft beschrieben. Und in »Hier liegt Freund Puschkin...« lädt sie zu Spaziergängen auf russischen Friedhöfen ein.
    Doch auch die russische Seele kam an diesem Abend nicht zu kurz. Eine humoristische, kurzweilige Kulturgeschichte über die Vielfalt des russischen Kusses - vom Ab-schiedskuß bis zum sozialistischen Bruderkuß - gehört ebenso zu ihrem literarischen Repertoire wie kulinarische Streifzüge durch die russische Literatur. Mit der »Poesie der russischen Küche« hatte die gestenreich und lebhaft agierende Autorin an diesem Abend ihr Publikum endgültig verzaubert - mit humorvollem Augenzwinkern und natürlichem Charme nahm sie alle Anwesenden mit auf eine Stippvisite durch die Sprachlandschaften der bedeutendsten Autoren Rußlands mit 190 Rezepten aus der vielfältigen russischen Küche. Im Gepäck hatte sie übrigens nicht nur ihre Kochrezepte, sondern auch zur Freude des Publikums seltene sibirische Zedernnüsse — »zur Stärkung des Immunsystems" und russische Gebäckringe genannt »Bubliki«, die von Hand gebrochen werden mussten. Ihr Bekenntnis zum Schluß erstaunt: »Ich muß bei jedem neuen Buch zunächst den letzten Satz finden, um mit dem Schreiben beginnen zu können.« Die Flickendecke endet mit dem Wunsch »Baraksan!« — was so viel bedeutet wie »ein ausgefülltes Leben führen, weise und lebensfroh sein«.
    Daß Tatjana Kuschtewskaja nach dieser Devise lebt, davon konnte sie ihr Publikum in Holtwick unzweifelhaft überzeugen.



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Tatjana Kuschtewskaja: »Küssen auf russisch«




Werdener Nachrichten, 16. November 2007
Russen können nun mal küssen

Russen küssen gerne und viel. Ein Buch zum Küssen hat nun endlich Tatjana Kuschtewskaja geschrieben. Die Schriftstellerin, die seit vielen Jahren in Deutschland lebt, hat erst außerhalb ihrer Heimat erkannt, wie wichtig ihr und ihren Landsleuten das Küssen ist: »Als Gorbatschow sich anschickte, den Bruderkuß von Honecker und Breschnew zu wiederholen, fiel davon gewissermaßen die Mauer um... Wenn es ums Küssen geht, sind die Russen unberechenbar.«
Umwerfend und unberechenbar hat Tatjana Kuschtewskaja ein Alphabet des russischen Küssens zusammengestellt. Da gibt es viel Literarisches, manch Hochliterarisches und Leichtes, aber nie Seichtes. Mit sanft gespitzten Lippen berührt die Autorin die Werke großer Künstler und läßt eigene Beobachtungen auf der Zunge zergehen.
Nach ihren Spaziergängen über russische Friedhöfe und durch die russischen Küchen kommt Tatjana Kuschtewskaja nun der Liebe der Menschen nahe und erstaunt, amüsiert und haucht den Standbildern der großen Literaten Leben ein. Das Buch ist wie ein etwas zu langer Wangenkuß: Er macht Lust auf mehr.
Tatjana Kuschtewskaja wurde 1947 in der turkmenischen SSR in der Wüstenoase Dargan-Ata geboren. Sie wuchs in der Ukraine auf, studierte Musikpädagogik und Drehbuchschreiben, leitete selber Meisterkurse im Drehbuch schreiben arbeitete als Journalist bis sie 199i nach Deutschland auswanderte. Mit Werben verbinden sie zahlreiche Freundschaften, nachdem sie hier auch Russisch unterrichtet hat. Ihre Tochter stellte im Bürgermeisterhaus aus und erstellte 26 Tuschezeichnungen für das Buch des Küssens.

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Tatjana Kuschtewskaja: »Küssen auf russisch«




Westdeutsche Zeitung Düsseldorf, 15. November 2007
Russische Lippen - wie Honig

Wie küsst man in Russland? Genauer: Wie küsst man in Russland im Spiegel der Literatur? Alle Antworten darauf findet der Leser in Tatjana Kuschtewskajas unterhaltsamen Buch »Küssen auf russisch«, das erst kürzlich im Grupello Verlag erschienen ist.
Tatjana Kuschtewskaja hat die russische Literatur zum Thema untersucht und ist bei Klassikern und Modernen fündig geworden. Tschechow, Puschkin oder Bunin, ein heute fast vergessener Nobelpreisträger, waren in ihrer Literatur und im Leben stets trunken von Küssen, andere, wie Dostojewskij enthielten sich vornehm oder fürchteten sich, wie Gogol, vor Frauen und deren Küssen.
Doch die beste Definition des Kusses stammt vermutlich von Goethe: »Ein Kuß ist die Begegnung zweier Seelen mit der Lippenspitze.« Aber nur die russische Seele, tiefer, leidenschaftlicher und unergründlicher als andere Seelen, ist immer zum Küssen bereit. Da besingt Igor Sewer-janin, ein Meister der lyrischen Courtoisie, freilich auch ein Schelm, Küsse als »Ananas in Champagner« und erträumt sich ein generöses »Leben von Kuß zu Kuß«. Tatjana Kuschtewskaja breitet vor dem Leser eine umfangreiche Morphologie an Küssen aus. Sie untersucht den Liebeskuss, den rituellen KUSS, den Freund-schaftskuss, kennt auch den KUSS des Verräters und den Todeskuss. Unvergessen sind die sozialistischen Bruderküsse sowie diverse russische Grausamkeiten. Wie ein Umkehrbild zu Salome, so ließ Zar Peter L die wunderschöne Maria Hamilton köpfen und küsste dann den Kopf der eben noch geliebten Frau. Warum
musste sie auch den machisti-schen Stolz des Zaren so mächtig verletzen?

Drei Küsse pro Tag versetzen uns in eine gehobene Stimmung.

Aber am schönsten sind die erotischen und die sinnlichen Küsse, welche das Leben befördern. Schischkow dichtet: »Ihre Lippen sind feucht und duften wie Blumen in heißem Honig.« Schade nur, wenn man sich, in eine Textpassage eingelesen hat, bricht sie auch schon wieder ab, und man erfährt nie den Ausgang der Geschichte. Eine Portion Trost nimmt man indessen mit, schließlich soll das Küssen gesund sein und sogar das Immunsystem stärken. Schon drei Küsse pro Tag, so Kuschtewskaja, versetzen uns in eine gehobene Stimmung. Und das gilt nicht nur für Russen, sondern sicher international...

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Tatjana Kuschtewskaja: »Küssen auf russisch«




Ilma Rakusa, Neue Zürcher Zeitung, 27. Oktober 2007
Küssen auf Russisch

Nach einem Buch über russische Friedhöfe hat sich die vielseitige Journalistin und Reporterin Tatjana Kuschtewskaja einem heitereren Thema gewidmet: »Küssen auf Russisch« heißt ihr jüngstes Opus, das sich in alphabetisch geordneten Kurzessays mit verschiedensten Manifestationsformen des Küssens in Rußland beschäftigt. Eine Fundgrube für die Autorin ist, wie immer, die Literatur; Zitate von Gogol (der sich vor Küssen fürchtete) und Tschechow (der sie, besonders in seinen Briefen, aufs Generöseste verteilte), von Konstantin Balmont (der einen »Kußpsalm« verfaßte) und Alexander Puschkin (der die sinnlichsten Liebesgedichte schrieb) zeigen eine verblüffende Vielfalt an Kußpraktiken bzw. -schilderungen. - Mehr über die Spezifik russischen Küssens erfährt man aus Kapiteln, die religiöse und politische Bräuche resümieren: Da gibt es neben dem Osterkuß, dem Kreuzeskuß und dem Küssen der Ikonen den sozialistischen Bruderkuß, wie ihn seinerzeit bühnenreif Leonid Breschnew und Erich Honecker austauschten. Die Russen, behauptet Kuschtewskaja dezidiert, seien leidenschaftliche Vielküsser. Wer sich durch ihr Kuß-Alphabet liest, wird dies aufs Schönste bestätigt finden. Und wird nebenbei auf so manche witzige Anekdote und nützliche Information stoßen. Wer weiß schon, daß ein intensiver Kuß etwa 15 Kalorien verbraucht und daß im Jahre 2002 mehrere hundert junge Moskauerinnen und Moskauer einen im Guinness-Buch verzeichneten Weltrekord unter dem Motto »Küssen auf der Brücke« aufstellten?

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Julia Smilga, Bayrischer Rundfunk, 07. Oktober 2007
»Mit Liebe schreiben ...«:
Die russische Schriftstellerin Tatjana Kuschtewskaja und ihr Buch »Küssen auf russisch«


Wie küßt man in Russland? Eines steht fest: Dort küsst man viel, und man küßt leidenschaftlich. Tatjana Kuschtewskaja hat ein kurzweiliges Buch über die Vielfalt des russischen Kusses verfaßt. In der Form eines »Kuß-Alphabets« breitet sie eine Fülle von Küssen vor dem Leser aus. Aber das Buch bietet mehr als eine Sammlung literarischer Küsse; es ist eine kleine Kulturgeschichte der russischen Kußbräuche.
    Küssen denn die Russen anders? Darüber sprach Julia Smilga mit der Autorin Tatjana Kuschtewskaja, die am 20.10. in der Münchener Seidlvilla aus ihrem Buch »Küssen auf russisch« lesen wird.
    »Warum kamen Sie 1991 nach Deutschland?« – diese Frage hört Tatjana Kuschtewskaja bei ihren Lesungen oft. Die Antwort ist einfach – die russische Journalistin und Filmemacherin kam der Liebe wegen nach Deutschland. Die Liebe spielt nicht nur in Kutschewskajas Leben eine grundlegende Rolle, sondern auch in ihrer Dokumentarprosa:
    »Ich denke, wenn jemand mit Liebe schreibt, mit wirklicher Liebe, was interessant für ihn war, dann wird dieses Gefühl, dieser Impuls seinen Leser erreichen. Und er wird mit großem Interesse lesen, wenn man etwas Faszinierendes erzählt ... Als ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich einen Brief an Professor Lew Kopelew geschrieben. Ich habe gefragt, was wird für deutsche Leser interessant sein. Und Lew Kopelew antwortete mir: ›Tatjana, bitte - nie denken – deutsche Leser, englische Leser, chinesische Leser – schreiben Sie alles Interessante auf, was Sie als Dokumentarfilmemacherin und Journalistin gesehen haben. Alles was für Sie interessant war, wird für deutsche Leser auch interessant sein.‹«
    Das war der Schlüssel zum Erfolg – schließlich schreibt das Leben die besten Geschichten. Mittlerweile hat Tatjana Kuschtewskaja neun Bücher in Deutschland veröffentlicht – alle über Rußland. Ihre Prosa ist sehr persönlich und gleichzeitig aufschlußreich. Auf ihre Themen ist bis jetzt noch kein schreibender Rußlandexperte gekommen:
    »Über Rußland gibt es so viele Bücher – tausende Bücher! Zum Beispiel gibt es über die russische Küche viele Bücher. Aber ich habe das erste Buch über Literatur und Küche geschrieben ›Die Poesie der russischen Küche. Kulinarische Streifzüge durch die russische Literatur‹. Dort kann man zum Beispiel lesen, wie man ein Süppchen macht, genau wie Lara für Doktor Schiwago gekocht hat. Also von 24 Schriftstellern die besten Texte über Essen und Trinken und dazu 180 passende Rezepte!
    Oder zum Beispiel mein Buch – ›Transsibirische Eisenbahn - Geschichte und Geschichten‹. Bis jetzt gibt es in Deutschland viele wunderschöne Bildbände oder ganz trockene Berichte - aber ich bin 14 Mal diese Strecke Moskau-Wladiwostok gefahren. Und ich habe so viele interessante Geschichten dazu!«
    Nach ihren kulinarischen Streifzügen durch die russische Literatur, Erinnerungsreisen mit der »Transsib« und ausgedehnten Spaziergängen über die Friedhöfe Rußlands hat sich Tatjana Kuschtewskaja nun dem russischen Kuß gewidmet:
    »Küsse aus der russischen Literatur zu sammeln - auf diese Beschäftigung bin ich erst vor kurzem und nur durch Zufall gekommen. Als ich an meinem Buch ›Hier liegt Freund Puschkin ... Spaziergänge auf russischen Friedhöfen‹ arbeitete, zog ich die verschiedensten Lexika zu Rate. Auf das Stichwort ›Pohorony‹ - Beerdigung - das mich in erster Linie interessierte, folgte jedes Mal ›Pozeluj‹ - der Kuß. Ich stutzte - ob das ein Wink des Himmels, ein geheimes Zeichen ist?«
    Kuschtewskaja begann Kußgeschichten zu sammeln. Ihr neues Buch »Küssen auf russisch« ist eine Enzyklopädie der russischen Kulturgeschichte, betrachtet durch das Prisma des Küssens. Zu allererst wendet sie sich den Literaten zu - während Dostojewskij mit Küssen geizte und Gogol sich vor Frauen geradezu fürchtete, ging Tschechow auch im wirklichen Leben mit seinen Küssen recht verschwenderisch um. Die religiösen Kußbräuche werden ebenso ausführlich behandelt wie der legendäre sozialistische Bruderkuß zwischen Breschnew und Honecker. Und warum die Russen bei Begrüßungen keine flüchtigen Wangenküsse, sondern drei echte Lippenküsse austauschen, auch das verrät Tatjana Kuschtewskaja in ihrem neuen Buch.

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Tatjana Kuschtewskaja: »Küssen auf russisch«




Wochenblatt, 18. September 2007
»Küssen auf russisch« - ein Alphabet

Wie küßt man in Rußland? Antworten auf diese Frage gibt die Katernberger Autorin Tatjana Kuschtewskaja in ihrem neuen Buch mit dem Titel »Küssen auf russisch«.
        Es ist eine kurzweilige Lektüre über die Vielfalt des russischen Kusses. In Form eines Kuß-Alphabets breitet sie eine Fülle von Küssen vor dem Leser aus. Den roten Faden bilden die fiktiven Küsse der großen russischen Schriftstellerin. Aber das Buch bietet mehr als eine Sammlung literarischer Küsse; es ist eine kleine Kulturgeschichte der russischen Kußbräuche. Berühmt-berüchtigt etwa sind staatlichen »Lippenbekenntnisse«, allen voran der legendäre sozialistische Bruderkuß, den Hoecker und Breschnew vollzogen. Als Gorbatschow sich anschickte, diese Zeremonie einige Jahre später zu wiederholen, fiel davon gewissermaßen die Mauer um. Wenn es ums Küssen geht, sind die Russen unberechenbar.

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