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Günther Fecht, VDLIA Deutsche Lehrer im Ausland, 01. Dezember 2007
Die Buntheit der Welt

Es gibt eine unüberschaubare Flut an wissenschaftlichen Büchern über die mannigfaltigen Aspekte jüdischen Lebens, ihrer Geschichte und Kultur; und es gibt Reiseführer über Israel. Ulrich Harbecke ist eine sehr gelungene Synthese aus beidem gelungen. Als Begleitbuch zur mehrteiligen Dokumentation »Die Juden« auf ARTE, in der dem Zuschauer die faszinierende und über 3000 Jahre alte Geschichte und Kultur des jüdischen Volkes auf der Suche nach dem gelobten Land vorgestellt wurde, faßt es die wesentlichen Aspekte der Sendereihe unter griffigen Kapiteln zusammen.
    Ulrich Harbecke, Jahrgang 1943 und bis 2005 Redakteur beim WDR, hatte nicht nur Lehraufträge inne, sondern tat sich auch ais Schriftsteller mit zahlreichen Veröffentlichungen hervor. Nicht zuletzt deshalb präsentiert er ein spannend geschriebenes Reisebuch, das aus einer Vielzahl von Einträgen und Geschichten - einem Puzzle vergleichbar - besteht und sich so nach und nach zu einem glänzenden Mosaik vor dem geistigen Auge des Lesers entfaltet. Er geht dabei durchaus chronologisch vor, indem er einzelne Einträge, wie »Hostienschändung«, »sephardisches und aschkenasisches Judentum«, »Chassiden«, »Assimilierung«, »Rassenhaß«, »Schtetl«, »Amsterdam«, »Theodor Herzl« und »Holocaust«, sinnvoll unter Kapitel wie »Halbmond und Kreuz«, »Tod und Taufe« u.a. subsumiert.
    Neben den dunklen tragischen Seiten der jüdischen Geschichte zeigt er aber auch die unbekannteren Aspekte des jüdischen Humors und der Selbstironie. Gerade die Fähigkeit, auch über sich selbst und seine Religion lachen zu können, hebt die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, in ihrem Vorwort »Wer sind die Juden?« hervor, indem sie Rabbi Israel von Rischin mit den Worten zitiert: »Wir können kein Feuer machen, wir können keine Gebete sprechen, wir kennen auch den Ort nicht mehr, aber wir können die Geschichte davon erzählen.« Diese Gabe des Geschichten-Erzählens, Ereignisse in Anekdoten und in Gedichten und Liedern festzunähen, hat bekanntlich nicht allein die deutsche Literatur sehr bereichert.
    Es ist ein schönes Buch mit hohem Anspruch, das sehr sorgfältig lektoriert worden ist und in keiner Reisetasche fehlen sollte, wenn man Israel besucht. Darüber hinaus gibt es auf viele Fragen profunde Antworten, wenngleich ein Stichwort- und Personenverzeichnis im Anhang fehlt. Das wird allerdings durch den reich bestückten Anhang mehr als ausgeglichen, in dem sich die »Kraftlinien der Geschichte«, »Die dreizehn Glaubensartikel«, die jüdischen Feiertage und kommenden Festtage, eine ausführliche »Zeittafel« und zu guter Letzt neben Danksagung und Literaturhinweisen »Jüdische Witze« finden, die man nach der Lektüre des Buches sehr viel besser versteht und von denen hier nun einer zum Besten gegeben werden soll: In der Donaumonarchie wurden den Juden zwangsweise neue Namen verpaßt, für die Beamten eine Gelegenheit, sie lächerlich zu machen. Kommt also ein Ehemann vom Amt nach Hause. Die Gattin ist neugierig: »Und? Wie heißen wir nun?« »Schweißloch.« »Bist du meschugge? Konntest du dir nichts Anständigeres aussuchen?« »Was heißt ›aussuchen‹ bei dieser Räuberbande. - Allein das ›w‹ hat mich zwanzig Gulden extra gekostet.«


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Ulrich Harbecke: »Die Juden«




Junges Deutschland
Beilage zur Frankfurter Buchmesse
Nora Goldstein, 14. Oktober 2007

Geschichte der Juden
Leidensgeduld


Sie sind seit jeher ein globales Volk; Globaliserung ist ihnen eigen, seit Mose sie aus der ägyptischen Gefangenschaft ins Gelobte Land
führte bzw. spätestens seit der Zerstörung ihres Tempels in Jerusalem und dem Beginn der Diaspora. »Die Zerstreuung der Juden in alle Welt brachte ihnen bei aller Strenge ihrer Gebote und Traditionen eine religiöse Dynamik und Modernität, die sie von den alten Kulturen der Antike unterschied. So bot das Leben in der Diaspora nicht nur Nachteile, sondern auch unerwartete Entwicklungschancen«, liest man bei Ulrich Harbecke.
    Hier ist alles erklärt, was man wissen muß oder wissen sollte über die Geschichte der Juden. Vorgestellt werden die Richter, die Könige und die Propheten, die Tora, die Gebote und das Gesetz, das Land, die Stadt und der Tempel. Thematisiert ist das Verhältnis zu Christen und Moslems, erinnert wird an große jüdische Gelehrte und Künstler. Assimilierung und Emanzipation werden diskutiert, Rassenhass und Antisemitismus angeprangert, die in Deutschland eine mörderische Dimension wie nie vordem erreichten.
    Die Katastrophen des Hasses und der Gewalt überlebten Juden, weil sie, so Charlotte Knobloch, »eine unerschöpfliche Leidensgeduld, gepaart mit Humor, Weisheit und Fantasie« auszeichnen.

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Ulrich Harbecke: »Die Juden«




SAX Das Dresdner Stadtmagazin, 01. Mai 2007
Als Begleitbuch zur gleichnamigen Fernsehserie ist im Grupello Verlag das Buch »Die Juden. Geschichte eines Volkes« von Ulrich Harbecke erschienen. Neben dem reich bebilderten Abriß zur Geschichte enthält das Buch im Anhang Übersichten und kurze Erklärungen, zum Beispiel über die dreizehn Glaubensartikel und die jüdischen Feiertage, eine Zeittafel vom Beginn der jüdischen Zeitrechnung bis zur Entführung zweier israelischer Soldaten im Jahre 2006 und ein Glossar wichtiger Begriffe.

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ekz-Informationsdienst, 01. April 2007
Die Juden: Geschichte eines Volkes

Begleitbuch zur TV-Serie (Arte, ARD) aus der Feder des WDR-Redakteurs und Buchautors U. Harbecke mit einem Vorwort der Zentralvorsitzenden C. Knobloch. Der von zahlreichen gut auf das Umfeld bezogenen Bildern und farbig unterlegten Themenkästen unterstützte, leicht lesbare Text ermöglicht einen schnellen Überblick über die jüdische Geschichte vom Altertum bis in die Gegenwart. Ein Kapitel »Kraftlinien der Geschichte« enthält weitergehende Informationen zu Einzelthemen der Religionsgeschichte und den Feiertagen. Mit Zeittafel, Glossar und Verzeichnis leicht zugänglicher Literatur sowie einer Seite mit Kostproben des jüdischen Witzes. Das schon in kleineren Bibliotheken einsetzbare, zur Weiterbeschäftigung mit seinem Thema anregende Lesebuch wird über den Sendetermin hinaus von Nutzen bleiben.

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Ulrich Harbecke: »Die Juden«




Wolfgang Platzeck, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 14. März 2007
Das Sachbuch zur Fernsehreihe

Seit Sonntag porträtiert die ARD in einer aufwendigen Dokumentationsreihe eine weitere Weltreligion. Autor und Regisseur Uwe Kersken beleuchtet in seinem Sechsteiler »Die Juden« die über 3000-jährige Geschichte des jüdischen Volkes und seiner Religion. Über fünf Jahre hat Kersken an dem Projekt gearbeitet, auf dessen Grundlage der Historiker und WDR-Redakteur Ulrich Harbecke den populärwissenschaftlichen Begleitband zur Serie entwickelte. Beginnend mit einem kurzen Blick auf die mythische Frühzeit und einer Geschichtsreise in das »Gelobte Land«, folgt das attraktiv gestaltete und ganz exzellent illustrierte Buch dem Aufbau der TV-Serie. Erfreulich viel Sorgfalt hat man auch auf den umfangreichen Anhang verwendet, der u.a. die »Kraftlinien« jüdischer Geschichte (»Das Land«, Tempel, Tora, Synagoge) anschaulich darstellt. Schade nur, daß man auf ein alphabetisches Register verzichten zu können glaubte.

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Ulrich Harbecke: »Die Juden«




Hanna Styrie, Kölnische Rundschau, 09. März 2007
Geschichte eines Volkes
Ulrich Harbecke stellte sein Buch über die Juden vor


»Es ist eine Lust, das Buch in die Hand zu nehmen«, lobte Pfarrer Wilhelm Hösen bei der Vorstellung des jüngsten Buches von Ulrich Harbecke. Hösen und knapp hundert Besucher im Pfarrzentrum St. Kilian waren die ersten, die die druckfrische Dokumentation »Die Juden. Geschichte eines Volkes« zu Gesicht bekamen. Die knapp 200 Seiten starke, reich bebilderte Publikation ist das Begleitbuch zu der gleich- namigen sechsteiligen Fernsehserie, die ab Sonntag jeweils um 17.30 Uhr in der ARD zu sehen ist.
    Darin wird die 3000 Jahre alte Geschichte des jüdischen Volkes erzählt. Fünf Sendeanstalten und der europäische Kulturkanal Arte haben sich an dem drei Millionen Euro teuren Großprojekt beteiligt, das Ulrich Harbecke in seiner Funktion als WDR-Redakteur für den Programm-Bereich Bildung, Religion und Philosophie mit auf den Weg gebracht hat.
    Fünf Jahre dauerte die Arbeit an der aufwendigen Produktion; die Zuschauer im Pfarrzentrum bekamen schon einen Tag vor der Ausstrahlung auf Arte eine exklusive Kostprobe zu sehen. Die kleine Sequenz macht Lust auf eine Fortsetzung: Spielszenen und dokumentarische Bilder, Landschaftsaufnahmen und Interviews werden auf hochspannende Weise miteinander verknüpft. Durch das Buch lassen sich die gewonnen Eindrücke vertiefen.
    Harbecke (Jg. 1943), der vor zwei Jahren in den Ruhestand gegangen ist, hat darin die Geschichte der Juden für den modernen Leser aufbereitet. »Dieses Volk hat einen riesigen Schatz an Geschichten in die Welt gebracht«, machte er seinen Zuhörern bei der Buchvorstellung klar. Seit Januar ist der Journalist fast täglich zwischen seinem Wohnort Erftstadt und Düsseldorf, dem Sitz des Grupello-Verlages, hin- und hergependelt, weil der Sendetermin unerwartet vorverlegt worden war und das Buch zeitgleich auf den Markt kommen sollte.
    Für Harbecke bedeutete das, was er bescheiden als »Verdichtung in der Schlußphase« bezeichnet, einen Arbeitsaufwand, der oft genug bei zwölf Stunden täglich lag. »Das Buch muss dem Filmprojekt gewachsen sein«, erklärt er den hohen Anspruch der Publikation.
    Wie ein Reiseführer durch Länder und Zeiten stellt sich die Dokumentation dar, die mit einem ausführlichen Anhang versehen ist. Hier sind die »Kraftlinien der Geschichte« , wie etwa »Das Land« , »Das Gesetz« und »Die Diaspora« zusammengefaßt; außerdem gibt es ein informatives Glossar. »Die Arbeit an dem Buch hat mir eine tiefe Erfahrung und einen großen Erkenntniszuwachs beschert«, stellt Harbecke nach vollbrachter Tat zufrieden fest, »außerdem gab es dadurch einen fließenden Übergang vom Berufsleben in das Dasein als freier Journalist« .

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Ulrich Harbecke: »Die Juden«




Bianca Wilkens, Kölner Stadt-Anzeiger, 07. März 2007
»Tiefe Erfahrung und enormer Erkenntniszuwachs«
Erftstädter schrieb das Buch zu einer aufwendigen Fernsehserie über die jüdische Geschichte


Der Autor hat sich sicherlich den Schweiß von der Stirn gewischt und einmal tief durchgeatmet, als das Buch »Die Juden - Geschichte eines Volkes« druckfrisch auf dem Tisch lag. »Ich bin offenbar suizidgefährdet. Denn das ist die Voraussetzung für so ein Projekt«, witzelte Dr. Ulrich Harbecke am Montagabend, als er das Begleitbuch zur Sendereihe im voll besetzten Saal des Pfarrzentrums St. Kilian in Lechenich vorstellte. Es war ein Projekt, das noch in letzter Minute glückte.
    Eigentlich war geplant, das Buch im Herbst zu veröffentlichen. Doch kurz nach Weihnachten erhielt Harbecke einen Anruf von der ARD, daß die Veröffentlichung auf März vorgezogen werden sollte. Zwar hat der Lechenicher bereits zwei Jahre lang an dem Projekt gearbeitet, nachdem er als Leiter der Abteilung Philosophie und Religion des WDR in den Ruhestand gegangen war. Und 95 Prozent des Manuskripts lagen vor. »Aber es ist fast unmöglich, ein Buch in zwei Monaten fertigzustellen«, erklärte der Autor.
    Auf welch' wackeligen Füßen die Veröffentlichung stand, zeigt auch, daß der Rowohlt-Verlag, der das Buch herausbringen wollte, wegen des Zeitdrucks abgesprungen ist. Glücklicherweise konnte Harbecke auf den Verlag Grupello zurückgreifen, bei dem er schon vorher einige Bücher veröffentlicht hat. »Und ich erfand den 25-Stunden-Tag«, sagte Harbecke und schmunzelte.
    Von Anfang an war vorgesehen, die Sendereihe mit einem Printmedium zu verknüpfen. »Damit man zurückblättern, Abschnitte vertiefen und das festhalten kann, was in der Sendung zu flüchtig ist«, erklärte der langjährige WDR-Redakteur. Trotz der komplexen Geschichte der Juden hat der Lechenicher es geschafft, 3000 Jahre auf 192 Seiten komprimiert darzustellen. »Das kann man nur, wenn man den Stoff im Griff hat«, lobte Pastor Wilhelm Hosen. Doch Harbecke übte sich in Bescheidenheit: »Meine Aufgabe war, die Geschichte so aufzubereiten, daß der heutige Leser sie flüssig lesen kann.« In den fünf Kapiteln »Gelobtes Land«, »Der Fall des Tempels«, »Halbmond und Kreuz«, »Tod oder Taufe«, »Heimatsuche, Überleben« und einem aufwendigen Anhang, etwa mit jüdischen Feiertagen und jüdischen Witzen, stellt das Buch dar, wie es den Juden gelang, ihre Identität zu wahren.
    Die Gäste im Pfarrsaal waren am Montag weltweit die Ersten, die sich einen etwa 15-minütigen Ausschnitt der Sendereihe anschauen konnten. Es handelt sich dabei um eine drei Millionen Euro teure Co-Produktion, an der Arte und sechs Sendeanstalten der ARD beteiligt waren. Die Zuschauer bekamen einen Einblick in den Exodus - den Auszug aus Ägypten auf der Suche nach dem gelobten Land.
    Im Anschluß daran zeigte Harbecke eine Reihe von Bildern, die sich zum Teil im Buch wiederfinden. Darunter waren zum Beispiel Noahs Arche, eine karge Landschaft als Symbol für die 40-jährige Wanderung durch die Wüste und ein fruchtbarer Garten. Diese Landschaften bezeichnete Harbecke als die »Motoren der Geschichte« der Juden. Was den Schriftsteller besonders an der jüdischen Historie fasziniert, ist, daß das Volk, obwohl weit verstreut, an seiner Religion festgehalten hat. »Überall in der Welt gibt es eine kleine Gemeinde. Und trotzdem schafften es die Juden, ihrem Glauben treu zu bleiben und zudem noch eigene Beiträge zu bringen.«
    Obwohl das Projekt zuletzt am seidenen Faden hing, sei es eine »tiefe Erfahrung und ein enormer Erkenntniszuwachs« gewesen, an dem Buch zu arbeiten. »Ich möchte keine Minute davon missen.«

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Ulrich Harbecke: »Die Juden«




Angelika Schindler, ARTE, 06. März 2007
»Unbändiger Lebenswille«
Interview mit Ulrich Harbecke über jüdische Identität und das von ihm verfasste Begleitbuch zur Sendereihe


Eine Reise durch 3000 Jahre jüdischer Geschichte auf 192 Seiten kann viele Aspekte nicht berücksichtigen. Worauf haben Sie sich bei Ihrer Darstellung konzentriert? Was waren für Sie die wichtigsten Fragestellungen?

Die zentrale Frage ist eigentlich das Staunen über die Tatsache, daß ein kleines Volk ohne nationale Heimstatt, trotz furchtbarer Verfolgungsphasen und gegen alle Versuchungen der Umwelt seine eigene Identität behaupten konnte, und dies nicht als »Fossil«, sondern als Kraftwerk des Geistes und der Kultur. Es ist ungeheuer spannend, dieser Geschichte nachzugehen, die wirksamen Kräfte bloßzulegen und die Formen, in denen sie sich gestaltet haben. Die Welt steht noch immer im Schlagschatten des Holocaust, der die große und vielfarbige Erfolgsgeschichte der Juden vor den wechselnden Kulissen der Zeiten und Kontinente verdunkelt. Das Buch möchte dafür wieder die Augen öffnen. Es hat seinen Zweck erreicht, wenn der Leser seinerseits zu fragen beginnt, sich der Erinnerung stellt und sich so gegen Vorurteile und Klischees immunisiert.

Welchen Raum nimmt die Geschichte nach der Shoah, die Geschichte Israels in Ihrem Buch ein?

Man darf den Staat Israel nicht mit dem Judentum verwechseln. Allein in den USA leben mehr Juden als in Israel. Nach 2000 Jahren gibt es jedoch erstmalig wieder eine »nationale Adresse«, die nicht mehr zur Disposition steht. Für alle Zukunft soll es einen Ort geben, wohin sich Juden aus Unterdrückung und Verfolgung retten können. Das Buch berichtet in zwei Kapiteln über die Entstehung und Geschichte des jungen Staates (bis zum jüngsten Libanonkrieg). Es versucht, die im Palästinakonflikt wirksamen Faktoren zu kennzeichnen.

Bieten Sie neue Perspektiven auf die jüdische Geschichte?

Ich gehe nicht als Forscher und Wissenschaftler an den Stoff heran, sondern als Journalist. Ich erfinde nicht, aber mir begegnen neue Perspektiven, die ich dem Leser vermitteln möchte. Das gelingt immer nur dann, wenn er dabei seine heutigen Interessen und Wahrnehmungsweisen spüren darf. Zum Beispiel kann man die Geschichte der Juden als zweieinhalbtausendjähriges Einüben in globale Zusammenhänge verstehen, zu Anfang gewiss eine unfreiwillige Herausforderung, die sie dann aber konstruktiv, menschlich und zukunftsfähig gestaltet und gemeistert haben. Allein dieser Aspekt müsste uns heutige »Globalisierungs- phoben« hellwach machen. Eine andere Kraftlinie der jüdischen Geschichte ist ihre Fähigkeit, im heftigen, aber respektvollen Streit um den nächsten Schritt zu ringen. Hier haben sie Erfahrungen, die aus ideologischen und fundamentalistischen Sackgassen heraushelfen können. Und nicht zuletzt durchzieht die jüdische Geschichte eine tiefe Achtung vor dem Eigenwert der Schöpfung, eine Lektion, die die technische Zivilisation mit ihrer Raubmentalität dringend zu lernen hat.

Für wen ist Ihr Buch gemacht?

Mein Leser möchte sich in seiner Welt orientieren und die prägenden Faktoren der Zivilisation begreifen. Er will Kenntnisse sammeln oder vertiefen. Er möchte vor allem auch eine der spannendsten Geschichten nacherleben, die sich die Menschheit erzählen kann. Es ist nicht die Geschichte eines »Systems« oder einer »Idee«, sondern die eines unbändigen Lebenswillens, der sich gegen alle Vernichtungsversuche behauptet hat.

Judentum bedeutete jahrhundertelang Leben in der Diaspora. Welche Einstellungen sind dadurch entstanden?

Da ihr Gott der Herr des Universums war, mit dem sie ein unkündbares Bündnis hatten, konnte man sie aus Ländern, aber nie aus ihrer religiösen Heimat vertreiben. Das gab ihnen die Kraft und die innere Freiheit, das Leben in der Diaspora nicht nur als nationale Katastrophe zu empfinden, sondern es positiv zu gestalten. Hinzu kam die Liebe zum Buch und die Lust, im Streitgespräch um die jeweils vorläufige Wahrheit zu ringen. Wer mit dem einen Bein so geborgen in den Traditionen steht, kann mit dem anderen dynamisch experimentieren. Während die anderen Völker zum Teil noch heute auf ihren nationalen Bauchnabel starren, haben sie deshalb schon immer grenzüberschreitend gedacht, ge- handelt und gelebt. So konnten sie wo und solange man sie ließ in der umgebenden Gesellschaft eine konstruktive Rolle spielen. Hass und Verfolgung waren immer zum Schaden der Verfolger.

Was macht jüdische Identität heute aus?

Die Juden sind eine Schicksalsgemeinschaft mit einer langen, trotz der Zerstreuung gemeinsam erlebten und erlittenen Geschichte. Bei aller Bandbreite der religiösen Vorstellungen und Temperamente eint sie der Glaube an den einen und unnennbaren Gott. Er ist das, was nach der Abwehr aller Götzen und Idole übrig bleibt. Im Rahmen ihrer Traditionen und Feste, die sie immer wieder mit den bedeutenden Ereignissen ihrer Geschichte verbinden, genehmigen sie sich viele Varianten individueller Lebensgestaltung. Dieses geübte Dasein in »Zwischenräumen« erzeugt immer wieder neue Spannkraft und mindert ängstliche Melancholie vor den Herausforderungen der Moderne. Dazu gehört ein berechtigter Stolz auf herausragende Leistungen auf allen Gebieten von Kultur und Wissenschaft.

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