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Ina Armbrustder, Rheinische Post, 03. Juni 2008
Zurück an den alten Platz?

Zunächst hatte das hölzerne Prunkstück Glück im Unglück: Nach einem Fliegerangriff auf Düsseldorf konnte der geschnitzte Marstallgiebel von Schloß Jägerhof gerettet werden. Die Jahre danach wurde der barocke Giebel allerdings fernab der Öffentlichkeit in einem Kellerraum von Schloß Benrath gelagert und dort fast sich selbst überlassen. Ein Zustand, den der Architekturprofessor für Baukultur und Denkmalpflege Klaus Pfeffer kaum ertragen konnte. »Der Giebel ist ein Kunstwerk höchsten Ranges, das erhalten bleiben muß«, sagt er. »Es ist ein Unikat aus der Zeit, das es im Rheinland so nicht noch einmal gibt.«
    Gemeinsam mit dem Initiativkreis Kultur und den Derendorfer Jonges setzt er sich für das Schnitzwerk aus der Zeit Jan Wellems ein. Nun haben sie einen ersten Teilerfolg erreicht: »Der Giebel ist von Schädlingen befreit worden. Die Käfer und Holzwürmer sind jetzt nicht mehr aktiv, und auch der Schimmel wurde beseitigt«, erklärt Detlef Becker, stellvertretender Vorsitzender des Initiativkreises Kultur. »Damit ist er zwar noch nicht restauriert, aber immerhin vor dem Verfall bewahrt.«
    Die Zukunft des mit Wappen und Jagdszenen verzierten Marstallgiebels ist noch nicht geklärt, doch Klaus Pfeffer weiß genau, was er sich für den Giebel wünscht: eine Integration in einem eventuell geplanten Erweiterungsbau am Schloß Jägerhof (Goethe-Museum). »Damit würde das Schmuckstück wieder an seinen ursprünglichen Platz zurückkehren«, erläutert Pfeffer.
    Doch die Kulturfreunde können ihre Planungen nicht nur von einem Neubau abhängig machen, der noch nicht beschlossen ist. »Uns ist es zunächst wichtig, daß die Düsseldorfer und auch die Touristen wissen, daß es diesen Holzgiebel überhaupt gibt und daß sie ihn irgendwo ansehen können«, sagt Becker. Deswegen sollen zunächst gemeinsam mit dem zuständigen Beigeordneten Hans-Georg Lohe die Kosten für eine Restaurierung ermittelt werden. Außerdem soll ein Finanzierungsplan entstehen. »Wir könnten uns vorstellen, daß der Giebel vorübergehend in der Gerresheimer Glashütte ausgestellt wird«, so Becker. Darüber müsse allerdings erst mit den Verantwortlichen gesprochen werden. »Es gibt sehr wenige Hallen, die groß genug für den Giebel wären.« Er ist mehr als 14 Meter lang und knapp fünf Meter hoch. Im Moment ist er nicht zusammengefügt. Ein Teil liegt im Ehrenhof, ein anderer Teil ist in einer Spedition in Reisholz untergebracht. Das Ziel haben alle Beteiligten vor Augen: Der Marstallgiebel soll wieder an seinem früheren Ort zu sehen sein. Ob er dann an einem Gebäude, auf der Wiese, liegend oder aufgestellt zu betrachten sein wird, ist zurzeit eher nebensächlich.

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Klaus Pfeffer: »Der barocke Marstallgiebel«




Rolf Hackenberg, Die Bilker Sternwarte, 01. Dezember 2007
Eine Chance für den Marstallgiebel

»Ich habe die Hoffnung, noch zu meinen Lebzeiten den Bau des Erweiterungsbaus mit dem Marstallgiebel zu erleben«, gibt sich Volkmar Hansen, Direktor des Goethe-Museums optimistisch. Einen weiteren Schritt in diese Richtung machten 26 Studenten der Peter Behrens School of Archi-tecture und entwickelten in 7 Teams Ideen für einen Erweiterungsbau, die sie im November in einer kleinen Ausstellung im Goethe-Museum präsentierten.
    Die einzigen Vorgaben, die es zu beachten galt, waren die Notwendigkeiten der Räumlichkeiten, die im neuen Bau unterzubringen wären. Er soll einen Vortragssaal für 200 Personen, eine weitere Ausstellungsfläche und eine Bibliothek enthalten. Projektleiter Claus-Gert Wagner erweiterte die Herausforderung und ließ die Studenten auch gleich den Park um das Schloß mit einbeziehen. Heraus kamen 7 unterschiedliche Modelle, die jedes für sich interessante Perspektiven bietet. Erstaunlich auch die Professionalität, mit der die Studenten an die Arbeit gegangen sind.
    Allerdings sieht keines der Modelle vor, den Marstallgiebel an seinen angestammten Platz an der Außenfassade anzubringen, sehr zum Bedauern von Volkmar Hansen. »Der Giebel muß sichtbar sein, er gehört den Düsseldorfern und ist ein Geschenk an die Stadt«, meint Hansen. Auch Architekt Klaus Pfeffer, der sich seit Jahren vehement für die Restaurierung des barocken Giebels einsetzt, ist der Meinung, dass man dieses Juwel nicht wieder verstecken sollte.
    Allerdings stehen die Chancen für den Erweiterungsbau schlecht, wenn man den Aussagen des Kulturdezernenten Hans-Georg Lohe glauben darf. Aber Dezernenten kommen und gehen, und der Giebel wartet schließlich seit über 60 Jahren darauf, endlich wieder das Tageslicht zu erblicken. Dabei hätte das Schloß Jägerhof und das Goethe-Museum schon lange eine Aufwertung verdient, sind sich Wagner, Pfeffer und Hansen einig. Da wünscht man doch dem Direktor des Museums ein besonders langes Leben und daß er seinen Humor nicht verliere!


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Klaus Pfeffer: »Der barocke Marstallgiebel«




Jan Wellem, Düsseldorf, 01. Mai 2007
Rettung des Marstallgiebels

Der Marstallgiebel, seine Rettung und Wiedersichtbarmachung am ursprünglichen Standort bewegt immer wieder die Düsseldorfer Bevölkerung, die Stadthistoriker und nicht zuletzt in und für Düsseldorf engagierte Architekten.
    Dieses Themas hat sich der Architekturprofessor Klaus Pfeffer in seinem kürzlich im Grupello Verlag erschienenen, sehr lesenwerten und aufschlußreichen Buch 'Der barocke Marstallgiebel von Schloß Jägerhof angenommen, das in der Düsseldorfer Presse ein großes Echo gefunden hat. Prof. Pfeffer formuliert darin einen eingehend begründeten und engagiert vorgetragenen Appell zur Rettung des barocken Marstallgiebels.
    Es handelt sich um den Haupt- bzw. Mittelgiebel des ehemaligen Pempelforter Jagdzeughauses, das Kurfürst Jan Weilern 1713 nördlich des Jägerhofes - eines Vorgängerbaus des heutigen Schloß Jägerhof - erbauen ließ. Der Jägerhof war zu jener Zeit Amtssitz des bergischen Jägermeisters. Die 140 m lange Schaufassade des eingeschossigen Jagdzeughauses spiegelte in ihrer Dimension die Bedeutung wider, die damals die kurfürstliche Jagd hatte.
    Die architektonische Gliederung folgte guter barocker Tradition: Mitte und Enden waren betont durch von Dreiecksgiebeln gekrönten Risaliten (flache Vorbauten), die durch lang gestreckte Wandteile voneinander getrennt waren. Die Giebelflächen zierten großartige Holzschnitzarbeiten mit Motiven der Jagd und Heraldik. Die Künstler - erstrangige Holzbildhauer - gehörten zum Kreis um Gabriel Grupello, der uns allen wohl bekannt ist durch sein berühmtes Reiterstandbild von Jan Weilern auf dem Marktplatz.
    Im Folgenden wird in erster Linie vom Mittelgiebel die Rede sein, weil allein dieser die Zerstörungen des letzten Krieges fast unversehrt überstanden hat. Seine Größe ist imposant: 14 m breit und 3,50 m hoch. Die Schnitzereien stellen ein Kunstwerk ersten Ranges dar.
    Als 1763 der neue Jägerhof fertig gestellt war - nunmehr ein Lustschloss des Kurfürsten Carl Theodor - diente das Jagdzeughaus im Laufe der folgenden Jahrzehnte unterschiedlichen Nutzungen. Seit der Franzosenzeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde es als Marstall bezeichnet. 1909 ging das Gebäude aus preußischem Besitz in städtisches Eigentum über und wurde abgerissen, weil es der städtebaulichen Entwicklung im Wege stand. Die Stadt sicherte jedoch - Gott sei Dank - den Bestand der kostbaren Giebelschnitzwerke.
    Es dauerte nicht lange, bis sie erneut ein Bauwerk zieren durften. Der Leiter der Architektenklasse an der damaligen Kunstgewerbeschule, der uns allen bekannte Prof. Wilhelm Kreis, Architekt des Ehrenhofs und des Wilhelm-Marx-Hauses, erhielt den Auftrag, im Zusammenwirken mit dem amtierenden Stadtbaurat Johannes Radtke, dem wir die Rheinufergestaltung mit dem Düsselschlößchen verdanken, eine Orangerie zum Schloß Jägerhof zu entwerfen.
    Das eingeschossige Gebäude mit Walmdach wurde im Norden rechtwinklig zum Schloßbau errichtet. Die drei zur Stadt ausgerichteten Fassaden erhielten als Schmuckelemente Dreiecksgiebel mit den Holzschnitzkunstwerken des ehemaligen Marstalls. Die vormaligen Seitengiebel schmückten nun die Schmalseiten, der frühere Mittelgiebel die Nordfassade.
    Im 2. Weltkrieg wurde 1943 bei einem Fliegerangriff die Orangerie zerstört. Wie durch ein Wunder blieb der Hauptgiebel fast vollständig erhalten. Er wurde geborgen und zunächst sicher gelagert. Seit 1990 befindet er sich allerdings in einem feuchten Raum unterhalb der Schloßterrasse in Benrath. Der Bestand ist nunmehr ernsthaft gefährdet.
    Wenn der Marstallgiebel gerettet werden soll, dann ist jetzt Eile geboten! Sein historischer, denkmalpflegerischer und künstlerischer Wert verpflichtet uns zum Handeln.
    Seit Jahren werden Perspektiven für die Wiedersichtbarmachung des Giebels genannt, damit auch die Bevölkerung das Kunstwerk von nationalen Wert wieder erleben kann. Dabei geht es nicht nur um die Sichtbarmachung an einem sonst zweckfreien Gebäude, sondern gleichzeitig darum, den Giebel in einem historisch angepaßten Erweiterungsbau für das Goethe-Museum denkmalspflegerisch zu integrieren.
    Das international hoch renommierte Goethe-Museum braucht dringend Erweiterungsraum für die gut besuchten Wechselausstellungen und für den Ersatz des zu kleinen, funktionell und technisch mangelhaften Vortragssaales.
    Diese Nutzungen könnten in einem Erweiterungsbau des Schlosses Jägerhof untergebracht werden, der in Lage, Form und Volumen der abgerissenen Orangerie entspricht. Hier könnte an der Westseite - der Reitallee des Hofgartens zugewandt - der restaurierte MarstalIgiebel einfügt werden. So könnte man nicht nur das in der Region einzigartige Kunstwerk von nationalen Rang nahezu am ursprünglichen Standort erhalten und zur Schau stellen, sondern auch für alle Besucher und Betrachter des Jägerhofes die historische Wurzel des Schloßnamens verständlich machen.
    Wir Alde Düsseldorfer unterstützen diese Idee engagiert! Wir folgen damit einer langjährigen Tradition unserer Bürgergesellschaft. Seit den 50-er Jahren hat sich nämlich unser Ehrenmitglied Prof. Helmut Hentrich bis zu seinem Tode 2001 unermüdlich - mit den unterschiedlichsten Vorschlägen - um die Wiederherstellung des Marstallgiebels bemüht.
    Wir rufen alle unserer schönen Stadt Verpflichteten auf, die Perspektive und Idee des Ehrenbürgers der Landeshauptstadt Düsseldorf Prof. Hentrich und des Direktors des Goethe-Museums, unseres Mitglieds Prof. Dr. Dr. Volkmar Hansen aufzugreifen und sich für einen ordentlichen Giebelbau einzusetzen, der gleichzeitig einen praktischen Nutzen hat: Erweiterung des Goethe-Museums.
    Es wäre wünschenswert, wenn im nächsten Jahr 2008 - zum 350. Geburtstag Jan Wellems - aus dieser Wunsch Vorstellung ein konkretes Projekt wird.

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Klaus Pfeffer: »Der barocke Marstallgiebel«




Olaf Cless, Düsseldorfer Hefte, 01. April 2007
Der Schatz im Verborgenen - Seit bald 64 Jahren modert ein geschnitzter Giebel aus Jan Wellems Zeit im Keller. Höchste Zeit, ihn zu retten, findet nicht nur der Architekt Klaus Pfeffer

Düsseldorf verfügt über ein monumentales Kunstwerk der Barockzeit, das seit über sechs Jahrzehnten den Blicken entzogen ist. Zu den wenigen, die es unlängst in Augenschein nehmen konnten, gehört der Maler und Architekturprofessor Klaus Pfeffer. Er mußte zu diesem Zweck in ein Kellergewölbe unter der Terrasse von Schloß Benrath hinabsteigen. Denn hier ist das Prachtstück aus der Jan-Wellem-Ära eingelagert, von dem die Öffentlichkeit nichts ahnt: ein mit herzoglichen Machtinsignien, Rankenwerk, Jagdhörnern, Köchern, Hirschen und Fabelwesen reich geschmückter Schnitzgiebel. Die lateinische Inschrift weist aus, daß das Gebäude, welches das mächtige Dreieck zierte, anno 1713 unter dem Oberjägermeister Johann Franz von Weich errichtet wurde.
    Dem 1931 in Düsseldorf geborenen Klaus Pfeffer hat die Besichtigung des Kunstwerks im staubigen Keller keine Ruhe mehr gegeben. Der Zustand des in viele Einzelteile zerlegten Holzgiebels ist nicht der beste und verschlechtert sich mit jedem Jahr weiter. Wenn nicht bald etwas geschieht, droht der endgültige Verlust - und das Delikaterweise zu einer Zeit, da sich die Landeshauptstadt anschickt, den 350. Geburtstag des Kurfürsten Jan Wellem (1658-1716) zu feiern. Pfeffer hat deshalb zur Feder gegriffen und ein sachkundiges Büchlein über den Barockgiebel wie auch die Architekturgeschichte von Schloß Jägerhof insgesamt vorgelegt, das sich als »Aufruf zur Rettung« des imposanten Schnitzwerks versteht. Die aktuellen Aufnahmen aus dem Lagerraum, die der Fotograf Walter Klein beigesteuert hat, unterstreichen das Anliegen auf dramatische Weise.
    Der etwa zehn Quadratmeter große Giebel zierte einst mit zwei weiteren Pendants (wovon noch eine Hälfte existiert) das in nördlicher Nachbarschaft von Schloß Jägerhof, in der Linie der heutigen Straße Alt-Pempelfort verlaufende, sage und schreibe 140 Meter lange Jagdzeughaus, das man später als Marstall bezeichnete. Nachdem 1909 die Stadt Düsseldorf das Schloß samt Park erworben hatte, wurde das Marstallgebäude abgerissen, zwei Wohnstraßen beschnitten bald das Areal, die Seitenflügel des Schlosses verschwanden ebenso wie die bis dahin offen vorbeifließende Düsselherbe, von Finanzinteressen diktierte Bausünden, die, wie Pfeffer dokumentiert, ihre Fortsetzung in den 1950er-Jahren finden sollten, als alles einer »autogerechten Stadt« zu dienen hatte.
    Was die drei Barockgiebel betrifft, so fanden sie sich nach dem Abriß des Marstalls 1910 immerhin an der neuen Orangerie wieder, die nach Plänen von Wilhelm Kreis neben dem Benrather Schloß entstand. Dieser Zustand währte bis zum 11. Juni 1943, dem Tag eines verheerenden Fliegerbombenangriffs. Ein Giebel verbrannte gänzlich, ein weiterer zur Hälfte, nur der Mittelgiebel stürzte samt Mauerwerk vorn über und konnte aus den Trümmern geborgen werden. Er kam zunächst ins Schloß Eller, wo englische Offiziere ihn beinahe verheizt hätten, dann in den Keller der damaligen Stadt- und Landesbibliothek am Grabbeplatz, schließlich 1972 nach Benrath.
    Gesetzt, die Verantwortlichen in Düsseldorf erkennen den kulturellen und denkmalpflegerischen Stellenwert der Sache und also auch, daß eine gewiß aufwendige Restaurierung des Kunstwerks letztlich ihr Geld wert wäre: Wo sollte es dann seinen öffentlich sichtbaren Platz erhalten? Pfeffer rekapituliert verschiedene Vorschläge, die im Lauf der Jahre schon gemacht wurden. Am sinnvollsten erscheint ein Standort nahe dem ursprünglichen, also neben Schloß Jägerhof, möglicherweise im Kontext eines modernen Erweiterungsbaus. Hier könnten die anderthalb Schnitzgiebel, glasgeschützt, wieder das Auge erfreuen, als ein authentischer Gruß aus ferner Zeit.

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Klaus Pfeffer: »Der barocke Marstallgiebel«




Angela Everts, Westdeutsche Zeitung, 13. Februar 2007
Wiederaufbau statt Anbau
Das Schloß Jägerhof platzt aus den Nähten. Deshalb soll die alte Orangerie von Wilhelm Kreis wieder aufgebaut werden.


Volkmar Hansen, Leiter des Goethe-Museums, freut sich über jeden Besucher. 15 000 kamen im letzten Jahr zu den Sonderausstellungen und den monatlichen Vorträgen. Letztere kamen so gut an, dass es oft arg eng wurde. »Uns fehlt ein Raum für 250 bis 300 Personen« , sagt Hansen. Sowie ein Raum für Sonderausstellungen. Denn für jede externe Schau muß ein Teil der Dauerausstellung weggeräumt werden - was den empfindlichen Exponaten nicht so gut bekommt.
    Diesem Misstand will er abhelfen. Im Gespräch ist ein Erweiterungsbau auf der Grünfläche nördlich von Schloß Jägerhof. Hier stand einst die 1910 von Wilhelm Kreis erbaute Orangerie, die 1943 zerstört wurde. Hinter diesen Plänen stehen nicht nur der Freundeskreis des Goethe-Museums und das Kuratorium der Kippenberg- Stiftung, sondern es gab auch schon positive Signale von Oberbürgermeister Joachim Erwin und Kulturdezernent Hans-Georg Lohe. Derzeit erstellt ein befreundeter Architekt erste Skizzen, auf deren Basis weiter geplant werden kann.
    Einen schmucklosen Kubus, wie er vor knapp 20 Jahren schon einmal im Gespräch war, will Hansen jedenfalls nicht neben dem Barockschloß haben. Ihm schwebt vielmehr ein Neubau im Stil des neobarocken Gebäudes von Wilhelm Kreis vor. Mit Giebelfronten für die beiden noch erhaltenen barocken Holzgiebel aus der Jan-Wellem-Zeit. Sie stammten vom alten Marstall und zierten ab 1910 die Orangerie. Kreis hatte damals seinen Bau extra auf die 14 Meter langen und 3,50 Meter hohen Giebel abgestimmt. Derzeit drohen sie im Keller vom Benrather Schloß zu vergammeln und müssen dringend restauriert werden (wir berichteten).
    Wie viel das Projekt kosten würde, weiß noch niemand. Fest steht nur, daß die Restaurierung der Marstallgiebel einiges Geld verschlingen wird. Schon vor zehn Jahren wurde eine Sanierung der Holzgiebel von den Düsseldorfer Jonges ins Auge gefaßt. Die Pläne wurden aber wegen der Kosten fallen gelassen: »Damals war von 630 000 Mark die Rede. Jetzt ist die Stadt bei der Rettung des barocken Kunstwerks in der Pflicht«, sagt Hansen. Parallel dazu sollen aber auch Landes- und Bundesmittel beantragt werden.
    »Ich bin jedenfalls guten Mutes, daß ich auf den Erweiterungsbau nicht bis zu meiner Pension warten muß«, erklärte Hansen bei der Vorstellung eines Buches von Klaus Pfeffer über den barocken Marstallgiebel. Da er im letzten Jahr seinen 60. Geburtstag feierte, dürfte der Neubau also nicht allzu lange auf sich warten lassen.

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Regina Goldlücke, Rheinische Post, 13. Februar 2007
Pfeffers Aufruf zur Rettung
Architekturprofessor Klaus Pfeffer kämpft für die Restaurierung des Marstallgiebels, der im Schloß Benrath vermodert. Er mobilisierte den Initiativkreis Kultur und veröffentlichte jetzt ein Büchlein. Es ist ein dramatischer Appell gegen eine unheilsame Entwicklung.


Als nimmermüder Kämpfer für ein bedrohtes Kunstwerk wähnt sich Klaus Pfeffer seit Jahren wie Don Quichotte. »Ich ritt viele einsame Attacken« , sagt der Architektur-Professor für Baukultur und Denkmalpflege. Sein Herzensanliegen: Die Restaurierung des Marstallgiebels, der in der staubigen Düsternis des Gewölbes von Schloß Benrath vermodert. Seit 62 Jahren fühlt sich niemand verantwortlich, den Schatz zu heben, an dem nicht nur der Zahn der Zeit, sondern Schimmel und Feuchtigkeit nagen.

Pfeffer schlägt Alarm

Darum schlägt Pfeffer jetzt verstärkt Alarm. Er mobilisierte den Initiativkreis Kultur, der sich für die Wiederherstellung des Kunstwerks engagiert, und schrieb das Büchlein »Der barocke Marstallgiebel von Schloß Jägerhof zu Düsseldorf« (Grupello, 12,90 Euro). Sein Untertitel »Aufruf zur Rettung« prangert eine dramatische Entwicklung an. Wenn nicht sofort etwas geschähe, warnt der Professor, sei der unwiderrufliche Zerfall des Kunstwerks nicht mehr zu stoppen. Die kostbare Holzschnitzerei, 14 Meter breit, dreieinhalb Meter hoch, zierte bis zur Bombennacht im Juni 1943 die Orangerie von Schloß Jägerhof. Es gelang, den Giebel fast unversehrt zu bergen und nach Schloß Eller zu bringen.
    Bei Kriegsende wurde er ein zweites Mal verschont (ein englischer Offizier bewahrte ihn vor dem Verfeuern) und schließlich im Keller vom Schloß Benrath eingelagert. Ein untragbarer Zustand, mahnt Pfeffer: »Das Gegenbild von Denkmalpflege ist Denkmalpreisgabe. Hier hat sich Düsseldorf schon einige Schnitzer geleistet.« Er erinnert an ein anderes versunkenes Wahrzeichen: »Wie steht es um unser Schloß? Der Karnevalsschlager vom Schloßturm hat Alibifunktion, darum wird er auch mit so viel Inbrunst gesungen.«
    Wie stellt sich der Architekt eine Wiederverwendung des Marstallgiebels vor? »Er gehört auf seinen angestammten Platz und sollte im selben Volumen, mit gleicher First-und Traufhöhe, nach Schloß Jägerhof zurückkehren. Dort könnte er am geplanten Erweiterungsbau des Goethe-Museums angebracht werden.« Für diese Variante gibt es Mitstreiter, allen voran Museumsdirektor Prof. Volkmar Hansen. »Wir platzen aus allen Nähten, bei jeder Sonderausstellung muß das Inventar umziehen. Bei jährlich 15 000 Besuchern sind adäquate neue Räumlichkeiten dringend erforderlich.«

Stand, Land, Bund in der Pflicht

Er hält eine Integrierung des barocken Schmuckstücks für sinnvoll: »Nicht nur die Stadt, auch Land und Bund sind in der Pflicht.« Noch ist der Erweiterungsbau nicht genehmigt, aber im Stadium normaler Entscheidungsprozesse.
    Neben Oberbürgermeister Erwin hätten sich auch andere Politiker positiv geäußert, sagt der Museumschef, der für die Einheit von Neubau und restauriertem Giebel »nicht nur Hoffnung, sondern Zuversicht« hegt. Grupello-Verleger Bruno Kehrein pflichtet Hansen bei: »Düsseldorf war einst Residenzstadt, es gibt nicht mehr viele Artefakte aus dieser Zeit. Und zum Glück verfügt die Stadt ja über Geld.«


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Ursula Posny, Neue Rhein Zeitung, 13. Februar 2007
Die Giebel-Retter
Barockes Kleinod aus Grupellos Werkstatt rottet seit 64 Jahren in Kellern vor sich hin.
Ein Buch schlägt Alarm.


Solche Schätze hebt man nicht jeden Tag: 14 Meter lang und 3,40 hoch ist der barocke Holzgiebel aus der Jan-Wellem-Zeit. Seine Schnitzwerke zierten bis zum Krieg den Marstallgiebel neben Schloß Jägerhof, dem heutigen Goethe-Museum. Seit 64 Jahren liegt das historische Kunstwerk im Keller von Schloß Benrath. Unvergessen zwar. Aber vor sich hin rottend. Bedroht von Schimmel, Feuchtigkeit und Zerfall.

Ein Wunsch mit vielen Vätern

Klaus Pfeffer (76) schlägt Alarm: »Da muß man ganz schnell was machen.« Der Lehrer für Baugeschichte und Denkmalpflege, früher Professor für Architektur an der Fachhochschule, hat auf 48 Seiten die Geschichte des Schmuck-Giebels niedergeschrieben und gestern als Buch vorgestellt. »Aufruf zur Rettung« nennt er es im Untertitel.
    Denn das eine weiß Pfeffer aus leidvoller Erfahrung: »Das Gegenteil von Denkmalschutz ist Denkmalpreisgabe. Und die geschieht schnell, dezent und zurückhaltend. Da verschwindet so manches im Nichts.« Ein Beispiel? »Düsseldorf war mal Residenzstadt. Heute spricht keiner mehr vom Schloß, das damals so klammheimlich verschwand.«
    »Vollblutfürst« Jan Wellem war es, der 1713 den neuen Jägerhof in Pempelfort ausbauen ließ. An der Nordseite entstand zugleich ein 140 Meter langes Jagdzeughaus, geschmückt mit drei klassischen Giebeln aus Holz. Darin windet sich Akanthus-Laub zwischen Jagdhörnern, Köchern, Hirschen, Hunden und Fabelwesen. Die Schnitzereien stammen aus der Werkstatt des Hofbildhauers Gabriel Grupello. Jeder kennt sein Reiterstandbild vor dem Rathaus. 200 Jahre später baute Wilhelm Kreis an dieser Stelle die Orangerie. Die drei Giebel wurden eingefügt.
    Beim Bombenangriff 1943 wurden Schloß Jägerhof und Orangerie zerstört. Einer der Giebel überstand den Krieg ganz unbeschadet, der zweite blieb wenigstens zur Hälfte erhalten. In verschiedenen Kellern wurden die geschnitzten Kunstwerke aufgehoben: zunächst in Schloß Eller, dann auf dem Grabbeplatz, schließlich im Benrather Schloß.
    Daß die Orangerie samt dem barocken Holzgiebel an der Straße Alt Pempelfort nie wieder aufgebaut wurde, bedauert Pfeffer. »Aber es geht alles auch heute noch«, versichert er und wünscht sich »ein Gebäude in alter Form ohne fetzige Variante des Modernen.«
    Dieser Wunsch hat inzwischen viele Väter. »Es gibt schon Architekturpläne für den Wiederaufbau«, verrät Volkmar Hansen, Direktor des Goethe-Museums. Bei 15 000 Besuchern im Jahr platze sein Haus vor allem bei Sonderausstellungen aus allen Nähten:
»Das Thema steht für mich auf der Tagesordnung.« Zumal aus allen politischen Richtungen Zu- stimmung signalisiert wird. Offen bleibt die Finanzierung. Denn allein die Restaurierung des Giebels wird auf 300 000 Euro geschätzt.

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