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Fränkischer Tag, Bamberg, 20. April 2007
Kultureller Botschafter Oberfrankens - Der Bamberger Dichter Nevfel Cumart resit zu Lesung nach Irland

Daß ein fränkischer Dichter türkischer Herkunft, der in deutscher Sprache schreibt, zu Lesungen und Vorträgen in englischer Sprache nach Irland and eingeladen wird, dürfte nicht alltäglich sein. Im Falle des Bamberger Schriftstellers Nevfel Cumart ist dies lediglich eine der vielen Facetten seines interkulturellen Lebens und Wirkens. Ein dichtes Programm erwartet den polyglotten Wahl-Bamberger in Irland, teilt sein Verlag mit. In der Zeit vom 23. bis 27. April wird er insgesamt sechs Veranstaltungen an Universitäten in Galway, Limerick, Cork und Dublin absolvieren. Den Auftakt der Lesereise bildet Galway, die Partneruniversität der Bamberger Otto-Friedrich-Universität, wo Cumart eine öffentliche Lesung zum Auftakt des internationalen Literaturfestivals »Cuirt« halten wird. Auf dem weiteren Programm steht neben Lesungen an germanistischen Seminaren auch ein Vortrag über die Lebenssituation von Migranten in Deutschland.
    Anlaß der Lesereise, die von der deutschen Botschaft in Dublin unterstützt wird, ist Cumarts deutsch-englischer Gedichtband „Beyond Words - Jenseits der Worte". Übersetzt und mit einem Nachwort versehen, wurde die Auswahl der Gedichte von dem irischen Germanistik-Professor Eoin Botirke.
    Der 1904 geborene Nevfel Cumart veröffentlichte bereits während der Schulzeit sein erstes Buch und zählt mit 14 Gedichtbänden zu den produktivsten Lyrikern der jüngeren Generation. Er kam 1986 in die Bischofsstadt und studierte hier Turkologie, Arabistik und Islamwissenschaft. Seit 1993 lebt er freiberuflich als Schrittsteller, Referent und Übersetzer in Stegaurach. Neben der eigenen Lyrik erwarb er sich in den letzten Jahren auch einen guten Ruf als Übersetzer moderner türkischer Literatur.
    Begehrt und geehrt - Weitaus gefragter ist Cumart allerdings als Islam-Experte, der bundesweit zu Vortragen und Seminaren eingeladen wird. Cumarts Werk wurde mit diversen Preisen ausgezeichnet, darunter auch 1995 mit dem Bayerischen Literaturförderpreis. Über sein lyrisches Werk sind bereits literaturwissenschaftliche Abhandlungen sowie Diplomarbeiten an diversen europäischen Universitäten verfaßt worden.

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Nevfel Cumart, Eoin Bourke (Übersetzer): »Jenseits der Worte – Beyond Words«




Stefan Neuhaus, Nürnberger Nachrichten, 25. Januar 2007
Zwischen zwei Ländern
»Jenseits der Worte«: Gedichte von Nevfel Cumart


Nevfel Cumart ist einer der bekanntesten deutschsprachigen Lyriker türkischer Abstammung und ein vielgereister »Wanderer zwischen den Welten«. Seine kulturellen Wurzeln in zwei Ländern und seine polyglotten Erfahrungen verschmelzen in seinen Gedichten zu einem unverwechselbaren Stil. So wie Cumart schreibt kein anderer.
    »Um unsere einsamkeit zu vergessen / um unsere sehnsucht zu lindern / erfanden wir / die buchstaben.« So kurz und prägnant sind manche von Cumarts Gedichten, die alten und die neuen, die er in seinem Band »Jenseits der Worte« versammelt hat. Andere wiederum erstrecken sich über zwei Seiten und erzählen kleine Geschichten.
    Mehr als ein Dutzend Lyrikbände hat der in Stegaurach bei Bamberg lebende Autor bereits vorgelegt, doch zusammen mit »Wellen der Zeit« von 1998 handelt es sich hier um etwas ganz Ungewöhnliches in der Lyriklandschaft. Den deutschsprachigen Originalen ist eine englische Übersetzung beigegeben. Eoin Bourke, irischer Germanistikprofessor, hat mit Cumart zusammen die Auswahl getroffen und beim Finden der passenden englischen Worte zweifellos hervorragende Arbeit geleistet.     Dazu muß man wissen, daß Cumarts Lyrik auch deshalb unverwechselbar ist, weil sie einer ganz besonderen Sprachmelodie folgt, die nicht einfach ins Englische transferiert werden kann. Doch Bourke hat es vermocht, die Sprache zu wechseln und den orientalischen Einschlag beizubehalten. Die Virtuosität des englischen Texts geht bis zur gewollten Lakonie, die in den Übersetzungen ebenso deutlich herauskommt, etwa im eingangs zitierten Gedicht: »to forget our loneliness / to soothe our yearning / we invented / script.«

Das Eigene und das Fremde

Auch das kundige Nachwort, das einen kleinen Überblick zu Cumarts Leben und Werk bietet, ist zweisprachig abgedruckt. Auf diese Weise ist ein Band entstanden, der Cumarts Versuch, zwischen dem Eigenen und dem Fremden zu vermitteln und so die eigene Herkunft produktiv zu nutzen, englischsprachigen Lesern näherbringt. Da Englisch mittlerweile die ›lingua franca‹ der Welt ist, könnte der Band aber auch in deutschen Schulen nützlich sein. An die Vermittlung sprachlicher Kompetenzen ließen sich Einblicke in fremde Kulturen knüpfen, die beim näheren Hinsehen so fremd gar nicht sind; Einblicke also, die dazu beitragen, das Eigene mit anderen Augen zu sehen.
    Die hier abgedruckten Gedichte Cumarts umspannen einen weiten Horizont, zeitlich und thematisch. Sie reflektieren die Vergangenheit der eigenen Familie, die Armut in der Türkei ebenso wie das umbarmherzig harte Leben als ›Gastarbeiter‹ in Deutschland. Sie gehen aber auch auf eigene, neueste Reisen ein, etwa in das immer noch vom Krieg gezeichnete Vietnam, und sie sprechen über Krisen, die alle Bürger dieser Welt angehen.
    Die Botschaft der Humanität durchzieht alle Gedichte, sie ist der Kompaß, mit dem Cumart, trotz aller Rückschläge und Seitenhiebe, von denen wir in den Gedichten erfahren, unbeirrt auf Kurs bleibt. Was jemand geleistet hat, bemisst sich eben nicht an seinen materiellen oder sonstigen Erfolgen, sondern einzig daran, wie er zu anderen Menschen gewesen ist. Der Mensch ist ein soziales Wesen, und Cumart, der weltläufige Dichter, mahnt ihn an diese besondere Eigenschaft. Sie kann ihm in Notsituationen helfen und ihm Glücksmomente bescheren, wie sie hier exemplarisch gezeichnet werden, sei es in den Gassen von Adana, auf dem Flughafen von Galway oder zuhause bei der kleinen Amelia, die gerade ihren ersten Zahn bekommen hat.

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Nevfel Cumart, Eoin Bourke (Übersetzer): »Jenseits der Worte – Beyond Words«




Jürgen Grässer, Fränkischer Tag-Bamberg, 27. November 2006
Die Magie der einfachen Sprache
Nevfel Cumart stellte seinen jüngsten Gedichtband vor.


Vierzehn Gedichtbände, das hört sich nach einem Lebenswerk an, auf das ein Lyriker im Alter zurückblicken mag. Nevfel Cumart aber, der Stegauracher Schriftsteller, Übersetzer und Journalist, hat vielleicht gerade mal die (hölderlinsche)»Hälfte des Lebens« hinter sich. Für einen der, wie Cumart selbst sagt, »statistisch gesehen jede Woche ein Gedicht geschrieben« hat, sind mehr als ein Dutzend Lyrikbände mit 42 jungen Jahren so ungewöhnlich dann wieder nicht.
    Material ist da: Fragmente, Notizen (auf Servietten, Quittungen, Obsttüten, denn Papier ist ihm kostbar), fertige Gedichte, auch wenn Cumart im Auge des Tsunami seine Manuskripte verloren hat, und auch die Sprache. Das Trauma hat ihn 317 Tage lang nicht ein einziges Gedicht schreiben lassen.
    »Beyond Words - Jenseits der Worte«, Cumarts noch ganz druckfrische, zweisprachige Sammlung, umfaßt eine Auswahl aus den vergangenen zwei Dekaden. Neben Bekanntem und Geschätztem stehen einige erstmals publizierte Gedichte. Allesamt hat sie der irische Germanist Eouin Bourke ins Englische übertragen.
    Zur Premiere war die Buchhandlung Collibri mit einem guten Hundert Zuhörer gefüllt. Gerade in Bamberg weiß man eben, daß ein Abend mit Cumart immer ein vergnüglicher sein wird. Gern tritt der Stegauracher in den Dialog mit seinem Publikum, beantwortet Fragen, läßt Anekdoten einfließen und Reflexionen. Etwa zum Schulwesen, das ihm als Autor, der häufig vor Schülern liest, bekannt, oder zum Islam, der ihm qua Herkunftsfamilie und Studium mehr als vertraut ist. Neuerdings auch zu Erziehungsfragen. Seine Tochter ist fünf Jahre, neun Monate und fünf Tage alt, weiß Cumart exakt.
    Deren »lachen auf der schaukel« ist des »dichters trost«, ihr und ihm (dem Lachen) gelten einige Gedichte, etwa »amelia und das meer«, das »die große liebe der kleinen honigblume« ist: »am liebsten / würde die kleine wüstenakazie / das gesamte mittelmeer durchqueren«.
Ob »auf dem kamelrücken in dubai« oder »auf dem schlitten im frostigen gstaad«: »schutz für amelia« ist kein Problem. Wie so oft in Cumarts Gedichten findet sich in der letzten Zeile die entscheidende, hier zutiefst erschreckende Wendung: »im rachen des tsunami – ein tödliches problem«.
    Reiseimpressionen, Liebesgedichte, der Alltag, Sozialkritik, Politisches, selten Poetologisches – was immer Cumart (be-)schreibt, er tut es in einer einfachen Sprache. Seicht ist sie nicht, diese Lyrik, aber leicht verständlich. Die Zuhörer, die Leser, dankten es ihm.

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Nevfel Cumart, Eoin Bourke (Übersetzer): »Jenseits der Worte – Beyond Words«