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Düsseldorfer Jahrbuch, 73. Band, Düsseldorf 2002, Prof. Hugo Weidenhaupt, 01. Juni 2003
Düsseldorf am Rhein

In der Gegenwart ist es eine Selbstverständlichkeit, daß es ohne Schwierigkeiten möglich ist, von der Innenstadt aus als Spaziergänger das Rheinufer aufzusuchen und dort - im Angesicht des Stroms - ungestört vom Verkehr sich aufzuhalten. Die Neugestaltung des Rheinufers in Verbindung mit dem Bau des Rheinufertunnels in den neunziger Jahren macht das möglich. Durch diese Baumaßnahmen wurde die Abschnürung der Stadt von ihrem Flußufer durch die täglich von 50.000 Kraftfahrzeugen befahrene Rheinuferstraße beseitigt.
    Dieser städtebaulich großartige Umbau der Rheinfront, der die Stadt wieder an den Strom brachte, war wohl nur möglich, weil rund ein Jahrhundert vorher, um 1900, dazu durch ein ähnlich großzügiges Bauvorhaben, die Rheinufervorschiebung und die Schaffung des unteren Werfts, die Voraussetzung geschaffen worden sind.
    An diesen ersten großangelegten Versuch, die Lage Düsseldorfs am Rhein städtebaulich zu nutzen, will der Verfasser, der schon 1990 in seiner Arbeit über den Düsseldorfer Hafen auf die große Bedeutung dieser Bauvorhaben von 1902 hingewiesen hat, aus Anlaß der hundertjährigen Wiederkehr ihrer Einweihung mit dem vorliegenden Buch erinnern.
    Angeregt durch den reichen Bestand an zeitgenössischen, teilweise bisher unveröffentlichten Fotos in der Bildersammlung des Stadtarchivs hat er 71 von ihnen hier mit ausführlichen Bildunterschriften veröffentlicht. Ein knapper begleitender Text schildert die städtebaulichen Voraussetzungen, die Planung und den Bau der Anlagen und beschreibt die bis 1902 entstandenen Bauten. Das vorliegende Buch stellt einerseits einen historischen Bildband, andererseits in seinem komprimierten Text eine solide, durchaus ausreichende Darstellung der Rheinufergestaltung um 1900 dar. Eine interessante Ergänzung dieser Konzeption, der der Leiter des Stadtarchivs Prof. Dr. Clemens von Looz-Corswarem eine knappe Einführung vorangestellt hat, ist der Abdruck eines Interviews, das der Autor mit dem Gestalter der Oberfläche des neues Rheinufers Prof. Niklaus Fritschi über seine Konzeption geführt hat.
    Das ansprechend gestaltete Bändchen dürfte vor allem Interesse bei alten Düsseldorfer finden, die noch eine Erinnerung an das Rheinufer haben, wie es vor dem Zweiten Weltkrieg war. Es ist aber auch ein beachtenswerter Hinweis auf eine städtebauliche Großtat, die fast in Vergessenheit geraten ist, weil ihr durch die Zeitereignisse ein Bestand von nur wenigen Jahrzehnten beschieden war.

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Oliver Karnau, Clemens von Looz-Corswarem (Vorwort): »Düsseldorf am Rhein«




Düsseldorfer Jahrbuch, 73. Band, Düsseldorf 2002, Prof. Dr. C. v. Looz-Corswarem, 01. Juni 2003
Düsseldorf am Rhein

Aus Anlaß des 100jährigen Jubiläums der Eröffnung der Rheinuferpromenade von Düsseldorf im Jahre 1902 erinnert der Verfasser an die Geschichte der Neugestaltung des Rheinufers um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Die Rheinufervorschiebung und die Neugestaltung verband damals den Hochwasserschutz mit der Öffnung der Altstadt zum Rhein und der Errichtung zusätzlicher Hafenanlagen, die auf dem unteren Werft noch bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts in Betrieb waren. Karnau, der schon durch eine bemerkenswerte Arbeit über die Entstehung des Hafens am Ende des 19. Jahrhunderts (1990) hervorgetreten ist, beschreibt anschaulich den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Hintergrund, die Baumaßnahmen, die Eröffnung und die Bedeutung dieser Prunkmeile für die Stadt. Das Bändchen lebt von der großen Anzahl von attraktiven alten Fotografien, vornehmlich aus dem Stadtarchiv Düsseldorf, in denen nicht nur das Düsselschlößchen und das Hafenvogt-Häuschen wiedererstehen. Aktuelles Interesse gewinnt das Buch auch durch die Tieflegung der Rheinufcrstraße, die Düsseldorf »wieder an den Rhein« bringt. So fügt sich gut, daß es mit einem Interview mit Prof. Nikiaus Fritschi, dem Architekten der Neugestaltung, abschließt.

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Oliver Karnau, Clemens von Looz-Corswarem (Vorwort): »Düsseldorf am Rhein«




Rund um den Quadenhof, 01. Januar 2003
Promenade - Gewinn für die Bürger

»Düsseldorf ist eine schöne Stadt ...« diese Worte Heinrich Heine fallen einem ein, wenn man Karnaus Buch über die Düsseldorfer Rheinpromenade liest. Der Autor, wissenschaftlicher Referent beim Westfälischen Amt für Denkmalspflege, der in der Vergangenheit mit mehreren Veröffentlichungen zur Architektur – und Baugeschichte hervorgetreten ist, hat den 8. März 2002, das 100jährige Jubiläum des Umbaus der Rheinuferprornenade zum Anlaß genommen, die bewegten Geschichte dieser Promenade, die über viele Jahrzehnte von der Stadt eher lieblos behandelt wurde, aufzuschreiben. Was 1900 mit ersten Planungen begann, wurde erst mit der Tieferlegung der Rheinuferstraße zu dem, um das Düsseldorf seither beneidet wird. Diese Allee ist wahrhaftig weitaus schöner als das was (Kölner mögen das verzeihen) die Domstadt zu bieten hat: eine Avenue ohne Autoverkehr, zum Flanieren, mit herrlichem Blick auf den Rhein und auf Oberkassel, ein Platz für Veranstaltungen (neudeutsch: events) aller Art, mit Restaurant ... einfach schön. Sie ist wieder die repräsentative Promenade, die sie nach 1900 einmal war. Von der Schnellenburg bis zum Hafen.
    Der Weg dahin hat erstaunlicherweise 100 Jahre gedauert, unterbrochen allerdings durch zwei Weltkriege und die Jahre danach, in denen andere Dinge Vorrang hatten. Dies alles erzählt Karnau sehr sachkundig und mit Tiefgang, ohne allzu fachlich zu werden. Er gibt gleichzeitig eine präzise Analyse der architektonischen und städtebaulichen Gestaltung und Gestalt des Rheinufers.
    Freilich hätte das Buch weniger Aussagekraft, wären da nicht die vielen Fotodokumente, die das Stadtarchiv Düsseldorf zur Verfügung gestellt hat. Gut, daß so viele Baupläne und Fotos, Zeichnungen und Akten erhalten sind. Die Fotos lassen den Leser (wenn er älter ist) in Erinnerungen schwelgen und regen (wenn er jünger ist) zu Vergleichen mit der Gegenwart an, die in den meisten Fällen positiv für die Gegenwart ausfallen dürften. »Düsseldorf liegt wieder am Rhein, die alte Prunkstraße hat wieder ihre Funktion«, schreibt der Direktor des Stadtarchivs, Clemens von Looz-Corswarem, in seinem Vorwort. Und: »Selbst wenn die Attribute der Vergangenheit, Düsselschlößchen und Kandelaber, nicht wiederhergestellt wurden, hat sich die Lebensqualität der Düsseldorfer Bürger und der Besucher erhöht.« Zur Erinnerung: das Düsselschlößchen (Seite 46) war ein markantes Türmchengebäude gegenüber dem Schloßturm, die Kandelaber, jene mächtigen auslegenden prächtigen Leuchter an der Uferpromenade.
    Sehr lesenswert auch das Interview, das Karnau mit Prof. Nikiaus Fritschi, dem Chef des Düsseldorfer Architekten- und Planerteams Fritschi Benedikt Baum, das den Zuschlang für die Anfang der 90er Jahre beginnenden Umarbeiten erhalten hatte. Karnaus »Düsseldorf am Rhein« ist ein schönes und lehrreiches Buch, voller Geschichtsbezüge und allem verständlich geschrieben. Es ist sehr empfehlenswert.

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Oliver Karnau, Clemens von Looz-Corswarem (Vorwort): »Düsseldorf am Rhein«




Neues Rheinland, 01. Juni 2002
100 Jahre Prunkboulevard am Rhein

Selbstbewußt seien die Düsseldorfer. Was sie veranlaßte, bereits Ende des 19. Jahrhunderts eine prachtvolle Straße am Rhein entlang zu planen. Vor 100 Jahren wurde sie eingeweiht. Unmittelbar vor der Eröffnung der großen »Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung« wollte sich Düsseldorf als Metropole im Herzen Europas ausweisen. Düsseldorf nahm inzwischen als Schreibtisch des Ruhrgebiets am wirtschaftlichen Aufbruch teil. Ein paar Jahre zuvor war der Hafen an der Lausward eröffnet worden; die Flaniermeile verbindet seitdem das Ausstellungsgelände im Ehrenhof und die Oberkasseler Brücke mit dem Hafen.
Die Rheinuferstraße sollte nach dem Willen ihrer Planer immer mehr sein als nur ein Verkehrsweg. Die städtebauliche und architektonische Neugestaltung des Düsseldorfer Rheinufers war stets Maßstab.
Düsseldorf wollte nicht nur näher an den Rhein, sondern auch Schutz vor Hochwasser und Überschwemmung. Die Rheinuferstraße sollte zudem Frachtschiffen und Passagierdampfern als Anleger dienen.
Oliver Karnau hat die wechselvolle Geschichte der Düsseldorfer Rheinuferstraße präzise recherchiert und eine fakten- und bilderreiche Geschichte geschrieben, die viel über das Verhältnis der Düsseldorfer zu ihrem Teilstück des Rheins sagt.

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Oliver Karnau, Clemens von Looz-Corswarem (Vorwort): »Düsseldorf am Rhein«




Norbert Kleeberg, düsseldorf-today, 12. April 2002
Düsseldorf hat die Kö - und das Rheinufer

Vor 100 Jahren wurde die Promenade am Fluß zur Prunkstraße umgebaut.
Die Promenaden-Mischung

Die Zeit war doch recht knapp um die Jahrhundertwende. Die Stadtväter hatten Visionen und damit eine wichtige Veranstaltung im Blick. Am 1.Mai 1902 sollte sich Düsseldorf prächtig herausgeputzt zeigen. Schließlich ging es um die Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung, die sich forsch an der Weltschau in Paris (1900) orientieren wollte.
Doch da war noch der miesepetrige Vater Rhein, der sich mitunter widerwillig in seinem Bett räkelte. Das mußte sich ändern in Zeiten des wirtschaftlichen Aufbruchs. Trotzdem wollte man die Entscheidung nicht übers Rheinknie brechen. Es gab Diskussionen, Ideen und einen grundlegenden Vorschlag: Den hatte Josef Stübben dargebracht, ein anerkannter Städtebau-Experte.

Vorbilder: Lyon und Paris

Er machte sich stark für eine Trennung des Rheinufers in einen oberen und einen unteren Teil. Er nannte Vorbilder: Cours Perrache in Lyon, Quai d'Orsay in Paris. Erste Adressen also, und Düsseldorf wollte da nicht fehlen. "Es verband sich ein gewisser Drang nach Selbstdarstellung mit menschlichem Maß. Die neue Prunkstraße am Rhein entsprach dem Düsseldorfer Selbstbewusstsein", urteilt Prof. Clemens von Looz-Corswarem, Leiter des Stadtarchivs, das eng mit dem Buchautor Oliver Karnau zusammengearbeitet hat.
Der promovierte Kunsthistoriker beschreibt in seinem Werk Heinrich Lueg als einen der "maßgebenden Männer des Wilhelminischen Düsseldorf", der als Mitbegründer der Rheinischen Bahngesellschaft 1898 den Bau der ersten festen Rheinbrücke nach Oberkassel ermöglicht hatte. Es sollte ein wegweisender Brückenschlag sein. Am 8. März 1902 wurde die Rheinuferstraße (Kosten in Euro: 1,75 Millionen) festlich begossen mit Sekt am Fluß. Wilhelm Marx, inzwischen Oberbürgermeister, hielt die Rede. "Unter Fanfarenschall und Böllerknall, Fahnenwehen und guten Wünschen verlief die denkwürdige Feier", hieß es später.
Die Planer hatten Vater Rhein bedrängt, das Ufer war an manchen Stellen nach vorn geschoben worden. Aus Sicht des Autors gab es Vorteile: Also einen Hochwasserdamm, der die Stadt nun vor Überschwemmung schützen konnte, einen Ladekai für Seeschiffe und Stückgutfrachter und eine Prunkpromenade als "Schauufer mit markanten Gestaltungselementen".
Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte neben dem Rhein der Verkehr strömen. Stadtplaner Friedrich Tamms setzte sich für den Ausbau des Rheinufers als vierspurige Straße ein: Später rollten 55.000 Autos täglich darüber. So konnte es nicht weitergehen, urteilte der Rat. Für 300 Millionen Euro legte man die Straße in einen Tunnel. Am 15. Dezember 1993 wurde die richtungweisende Röhre freigegeben. Prof. Niklaus Fritschi, Benedikt Stahl und Günter Baum entwarfen die Fläche über dem Tunnel.
So schließt sich der Kreis: 1902 und 100 Jahre später - die Rheinuferpromenade als Anziehungspunkt für Menschen einer Region, die gern am Rhein leben und arbeiten.

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Oliver Karnau, Clemens von Looz-Corswarem (Vorwort): »Düsseldorf am Rhein«




Düsseldorfer Amtsblatt, 09. März 2002
100 Jahre Rheinuferpromenade
Wie sich Stadt und Strom nahe kamen


Vor 100 Jahren - am 8. März 1902 - wurde im Herzen Düsseldorfs die erste Rheinuferpromenade fertiggestellt. Die Prunkstraße am Rhein entsprach ganz dem Düsseldorfer Selbstbewußtsein. Doch der wachsende Autoverkehr in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts ließ die Straße zur Barriere zwischen Stadt und Rhein werden. Die Verlagerung des Autoverkehrs in den Tunnel und die Verwandlung der stark befahrenen Straße in eine Flaniermeile haben die Stadt 1995 zurück an den Rhein gebracht. Die 100jährige Geschichte der Rheinuferpromenade wird nun gleich in doppelter Weise gewürdigt: mit der Ausstellung »Düsseldorf am Rhein« und einem Buch gleichen Titels, das im Grupello Verlag erscheint.
    Die Ausstellung ist bis 5. April im Foyer des Rathauses, Marktplatz 2, zu sehen. Sie steht den Besuchern montags bis donnerstags 8-19 Uhr und freitags 8-16 Uhr, offen. Das Buch »Düsseldorf am Rhein«, das Oliver Karnau mit Unterstützung des Stadtarchivs erarbeitet hat, ist im Grupello Verlag erschienen
    Es waren Zeiten großen wirtschaftlichen Aufbruchs in Düsseldorf: 1896 war der neue Hafen an der Lausward eröffnet worden, zwei Jahre später die Oberkasseler Brücke. Als am 8. März 1902 der Schlußstein für die nun ebenfalls fertiggestellte Rheinuferstraße im Sockel der Pegeluhr vermauert wurde, floß zwar Sekt. Die Stadtväter hatten die Feier aber bewußt kleingehalten, weil es nur das erste große Ereignis in jenem Jahr war: Am 1. Mai 1902 sollte die »Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung« eröffnet werden, ein Ereignis, das sich an der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 orientierte.
    Die neue Rheinuferpromenade, die sich von der Oberkasseler Brücke bis zum neuen Hafen hinzog, war gleichwohl ein gewaltiger Wurf, mit dem zahlreichen Aspekten Rechnung getragen wurde. Es gab eine Rheinufervorschiebung, denn an manchen Stellen wurde das Ufer um einige Dutzend Meter in den Strom hinein geschoben, wodurch die Uferlinie verkürzt und der Strom von der Stadt ferngehalten wurde. So entstand auch ein Hochwasserdamm, der die Stadt vor Überschwemmung schützen sollte, dazu ein kilometerlanger Hafen- und Ladekai für Seeschiffe, Stückgutfrachter und andere große Dampfer, die am offenen Strom gelöscht werden mußten. Ans Licht der Welt kam schließlich, und das vor allem ist in das Bewußtsein der Bevölkerung geraten, eine Alleestraße, eine Prunkpromenade am Rhein, ein Schauufer mit markanten Gestaltungselementen.
    Da war als auffälligstes Element das Düsselschlößchen, ein beliebtes Weinhaus am Burgplatz, das dann in den 50er Jahren dem Autoverkehr weichen mußte. Da war das Hafenvogt-Häuschen am südlichen Ende der Prunkstraße. Da war die Pegeluhr, die als einziges noch vorhanden ist. Und da waren die Aussichtsplattformen und Kandelaber, die die Promenade auflockerten und für Spaziergänger noch attraktiver machten.
    Wenn man bedenkt, was vorher dort gewesen ist - ein abweisender Uferweg, der erst um 1840 über die Dammstraße weitergeführt wurde, der Hafenbetrieb, die wenig attraktiven Rückseiten der Häuser an der Krämergasse, die der Neugestaltung weichen mussten - dann war es eine wirkliche Hinwendung zum Strom, zum großen deutschen Rhein. Düsseldorf hatte eine attraktive Schauseite erhalten. Damals entstanden an dieser Alleestraße auch die Bauten, die noch heute in ihrem Dekor an die Zeit der Prosperität vor dem Ersten Weltkrieg erinnern.
    Schon vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Prunkallee Autostraße, verlor dadurch etwas von ihrem Flair. Im Zweiten Weltkrieg wurden dann die Schmuckelemente in Mitleidenschaft gezogen: Das Düsselschlößchen hatte einen Treffer erhalten, das Rheinufer war beschädigt.
    Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zunächst andere Sorgen, als die Schönheit des Rheinufers wiederherzustellen. Der zunehmende Autoverkehr verhieß Aufschwung und Fortschritt. Stadtplaner Friedrich Tamms plante die autogerechte Stadt, und dazu gehörte der Ausbau des Rheinufers als vierspurige Straße. Während auf dem unteren Werft der Ladeverkehr weiterging, wurde oben eine Straße angelegt, die den Verkehrsbedürfnissen entgegenkam, die aber die Stadt vom Rhein trennte.
    Diesem Verkehrsausbau wurden nicht nur das Düsselschlößchen, das so arg gar nicht zerstört war, wie man manchmal liest, das Hafenvogt-Häuschen und die noch erhalten gebliebene östliche Seite der Krämergasse geopfert. Auch das barocke große Haus des Hofmalers Jan Wellems, Jan Frans Douven, am Anfang der Altestadt wurde zu Beginn der 50er Jahre abgerissen.


Düsseldorf kehrt an den Rhein zurück

In der 80er Jahren des 20. Jahrhunderts brausten schließlich 55.000 Autos pro Tag über die Rheinuferstraße, die sich damit in eine lebensgefährliche Barriere zwischen Stadt und Strom verwandelt hatte. Düsseldorf lag nicht mehr am Rhein - es lag an einer Autostraße. Ende der 80er Jahre wurde der Zustand unerträglich. Trotz immenser Kosten (rund 600 Millionen Mark), an denen sich Bund und land beteiligten, beschloß der Rat 1989, die Rheinuferstraße in die Tiefe zu legen und durch einen Tunnel zu führen. Am 15. März 1990 fiel auf dem Burgplatz der Startschuß für die Tieflegung. Es handelte sich um ein Jahrhundertprojekt, das sich durchaus mit dem Projekt der Rheinufervorschiebung von 1900 bis 1902 messen konnte.
    Für die Ingenieure bedeutete die Anlage eines fast zwei Kilometer langen Tunnels eine Herausforderung. Bis zu 20 Meter tief mußte die Baugrube dort ausgeschachtet werden, wo die beiden Tunnelröhren übereinanderliegen, das alles im steten Kampf mit dem Grundwasser Rheins. Bis zu 600.000 Kubikmeter Erdreich wurden abgefahren, 250.000 Kubikmeter Beton traten an ihre Stelle, von den Stahlarmierungen ganz zu schweigen. Ein unterirdisches Labyrinth entstand, in »Resträumen« wurde zeitweise sogar Theater gespielt.
    Mit großem Interesse wurden die Bauarbeiten von der Öffentlichkeit verfolgt und mit großer Befriedigung und Bewunderung für die Tunnelbauer zur Kenntnis genommen, daß der Termin der Fertigstellung eingehalten werden konnte. Am 15. Dezember 1993 wurde der Tunnel für den Verkehr eröffnet Nun richtete sich das Interesse auf die Oberflächengestaltung. In einem Gestaltungswettbewerb erhielt der Entwurf von Professor Niklaus Fritschi und Benedikt Stahl den ersten Preis. Am 9. Juni 1995 wurde der Schlußstein der Rheinuferpromenade versenkt. Ein Wunschtraum ist seitdem in Erfüllung gegangen: Das Rheinufer wird von Jung und Alt freudig angenommen. In die ehemaligen Kasemattenräume am Unteren Werft ist Gastronomie eingezogen, und der Spaziergänger kann seinen Altstadtbummel bis an das Rheinufer ausdehnen.
    So schließt sich der Kreis. Die Alleestraße und Prunkmeile von 1902 ist - 100 Jahre später - wieder zu einer attraktiven Rheinpromenade geworden. Düsseldorf ist eine Stadt am Rhein.

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Oliver Karnau, Clemens von Looz-Corswarem (Vorwort): »Düsseldorf am Rhein«