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Westdeutsche Zeitung, Düsseldorfer Kultur, Susanne Schramm, 25. August 2004
Richter ist auf dem Papier ein Freund des Verbrechens
Der Düsseldorfer Jurist Clemens- Peter Bösken schreibt Krimis und sammelt die spektakulärsten hiesigen Kriminalfälle von der Kaiserzeit bis in die 1980er Jahre


Eigentlich wollte Clemens-Peter Bösken (57) Gerichtsmediziner werden, aber der erste, recht drastische »Anschauungsunterricht« überzeugte ihn davon, dass diese Laufbahn wohl doch nicht die richtige sei. Der Justiz, einer beruflichen Richtung, mit der er schon vor dem Abitur liebäugelte, ist der 1946 in Pempelfort Geborene dennoch treu geblieben.
    Nach dem Studium in Köln wurde er 1974 Richter beim Landgericht Düsseldorf, ein Jahr später Richter am Amtsgericht, wo er auch heute noch arbeitet. Seine literarische Laufbahn begann er nicht als Krimi-Autor, sondern als Verfasser von linguistischen Limericks und, angeregt von seinem damaligen Wohnort Gerresheim, als Chronist der letzten Hexenverbrennung, die 1737/ 38 im Rheinland stattfand.
    Mit »Tatort Düsseldorf«, einer Sammlung spektakulärer Düsseldorfer Kriminalfälle von der Kaiserzeit bis in die 1980er Jahre, offenbart sich der Richter dann - auf dem Papier - als Freund des Verbrechens. Weil der 57-Jährige ein Freund witziger Wortspiele ist, findet er die Formulierung »Richter und Dichter« inzwischen reichlich abgegriffen: »Zumal ich ja nicht wirklich dichte, also in Versen schreibe.«
    »Tatort Düsseldorf«, 1997 erstmals im Grupello Verlag veröffentlicht, schlug so gut ein, dass es 1998 eine zweite Auflage gab, die dritte soll noch in diesem Sommer erscheinen.
    »Nach ›Tatort Düsseldorf‹ kam ich dann auf die Idee, einen skurrilen Krimi zu schreiben«, erzählt Bösken. Das war die Geburtsstunde des Düsseldorfer Hauptkommissars Gerhard Terwort, der 1999 nicht nur erstmalig bei Grupello in Sachen »Zwergenwerfen« ermitteln, sondern auch gleich eine gewisse Brigitte in lebenslange Haft nehmen durfte: »Die war in diesem Fall die Hauptverdächtige, anschließend haben beide geheiratet.«
    Während es in »Zwergenwerfen« um einen betrügerischen Anwalt und seine dubiosen Machenschaften ging, tarnte sich in »Pizza Mortale« (2000), dem zweiten Terwort-Krimi, ein Auftragskiller als Pizza-Bote. In »Zünder und Gerechte« (2002) zieht ein erster Mord weitere Tötungsdelikte nach sich, ein frommer Privatdetektiv muss fast ins Gras beißen und ein Wald-und-Wiesen-Anwalt versucht sich als Schmalspur-Marlowe.
    Dass bei Bösken Polizeibeamte und Volljuristen ermitteln, ist ziemlich naheliegend: »Ich kann den Justizalltag einigermaßen zutreffend mit einbeziehen.« Auch das Lokalkolorit kommt dabei nicht zu kurz, wobei Bösken seine Heimatstadt Düsseldorf keineswegs als »Dorado des Verbrechens« porträtiert: »Düsseldorf liegt statistisch im mittleren Bereich, in puncto Wirtschaftkriminalität etwas darüber. Im Jahr gibt es rund 150 Morde, wobei die Aufklärungsquote bei 98 Prozent liegt.«
    Bösken, der sich in seinen Krimis - »Zwergenwerfen« und »Pizza Mortale« sind vergriffen, »Zünder und Gerechte« ist noch erhältlich - eines eher lakonischen Stils befleißigt, liest selbst gern Krimis, am liebsten die vom Kölner Kollegen Frank Schätzing oder Romane aus der Kayankaya-Reihe von Jakob Arjouni: »Aber ich darf mich nicht mit meiner Frau vergleichen - die ist eine viel größere Krimi-Leserin als ich.«
    Hauptkommissar Terwort ermittelt einstweilen nicht. Stattdessen gibt Grupello im Herbst ein weiteres Sachbuch von Bösken heraus. Es heißt »Die spektakulärsten Fälle der Düsseldorfer Mordkommission« und handelt von solchen Verbrechen, die zwischen 1955 und 1985 kein Autor, sondern das Leben schrieb.

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Clemens-Peter Bösken: »Zünder und Gerechte«




Rund um den Quadenhof, 01. Januar 2003
Spannend wie stets

Niemand gebraucht den Konjunktiv so wie ein Jurist. Wenn also in einem Kriminalroman ein Telefonat reportiert wird mit den Worten »Ein Hauptkommissar Terwort sei zu ihr im Anmarsch und wolle Fragen stellen in der Ermittlungssache wegen des Todes des alten Herrn Thurgau«, dann ist dies nur zum Teil die Manieriertheit der zickigen Mordverdächtigen. Es ist vor allem die Sprache, die der Amtsrichter Clemens-Peter Bösken verinnerlicht hat, seit er in Köln die Jurisprudenz studierte. Was übrigens in seinem Fall nicht heißen soll daß »Zünder und Gerechte« etwa in drögem Juristendeutsch daherkäme. Nein, nein, dies ist ein Düsseldorf-Krimi, der gelegentlich durchblicken läßt, daß ihn ein Fachmann geschrieben hat. Einer der weiß, wie es ist, welchen Ton ein entnervter Hauptkommissar anschlägt, wenn er zum x-ten Mal vergeblich um Haussuchungsanordnung oder gar Haftbefehl nachsucht. Und der weiß, wie sich ein Anwalt in einen Fall verbeißen kann, der nur wenig problematischer ist als sein Privatleben, und der zudem noch in argen Geldnöten ist. Zum Inhalt: Ein vermögender alter Mann vertraut seinen Angehörigen und Geschäftspartnern und wird tot aus dem Rhein gefischt. Eine Frau glaubt nicht an den Tod und beauftragt einen Anwalt, ihre vor einigen Jahren verschwundene und für tot erklärte Schwester zu finden. Der Anwalt glaubt an einen lukrativen und einfach zu lösenden Fall. Der ermittelnde und bibelfeste Detektiv glaubt zwar an ein Weiterleben nach dem Tod, unternimmt jedoch alles, um dem Paradies fern zu bleiben, dem er während seiner Recherchen sehr nahe kommt.
    Schuld und Unschuld sind in diesem dritten Düsseldorf-Krimi Böskens nicht leicht zu erkennen geschweige denn einfach voneinander zu trennen. Bösken hat wieder einen atmosphärischen dichten Krimi geschrieben, vielleicht den bisher besten. Böskens dritter Düsseldorf-Krimi ist also eine runde Sache, spannend, logisch und vor allem ohne die lästigen fachlichen Fehler, die einem Krimi-Fan sonst schon mal den Spaß verderben können. Auch die handelnden Personen hat er konsequent gezeichnet, unabhängig von ihrer Wichtigkeit fürs Buch mit reichlich Charakter ausgestattet. Bloß Böskens Hauptfigur, schon aus »Zwergenwerfen« und »Pizza mortale« bekannt, heißt Terwort. Ein kantiger Kommissar, alltagsnah, mit Witz und Herz, vor allem mit Verstand.
    Ihm könnte Bösken ruhig ein wenig mehr Persönlichkeit verleihen, auch ein Vorname, der anders lautet als »Hauptkommissar« wäre gar nicht so schlecht. Denn er hätte das Zeug zu einem Dismas Hary à la John T. Lescroart. Die Storys von Bösken sowieso. Warten wir also mit Spannung auf die nächste.

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Clemens-Peter Bösken: »Zünder und Gerechte«




Rheinische Post, Juni 2002, 15. Juni 2002
Spannende Story - vom Fach

Niemand gebraucht den Konjunktiv so wie ein Jurist. Wenn also in einem Kriminalroman ein Telefonat reportiert wird mit den Worten Ein Hauptkommissar Terwort sei zu ihr im Anmarsch und wolle Fragen stellen in der Ermittlungssache wegen des Todes des alten Herrn Thurgau, dann ist dies nur zum Teil die Manieriertheit der zickigen Mordverdächtigen. Es ist vor allem die Sprache, die der Amtsrichter Clemens-Peter Bösken verinnerlicht hat, seit er in Köln die Jurisprudenz studierte.
    Was übrigens in seinem Fall nicht heißen soll, dass »Zünder und Gerechte« etwa in drögem Juristendeutsch daherkäme. Nein, nein, dies ist ein Düsseldorf-Krimi, der gelegentlich durchblicken lässt, dass ihn ein Fachmann geschrieben hat. Einer der weiß, wie es ist, welchen Ton ein entnervter Hauptkommissar anschlägt, wenn er zum x-ten Mal vergeblich um Haussuchungsanordnung oder gar Haftbefehl nachsucht. Und der weiß, wie sich ein Anwalt in einen Fall verbeißen kann, der nur wenig problematischer ist als sein Privatleben, und der zudem noch in argen Geldnöten ist. Böskens dritter Düsseldorf-Krimi ist also eine runde Sache, spannend, logisch und vor allem ohne die lästigen fachlichen Fehler, die einem Krimi-Fan sonst schon mal den Spaß verderben können. Auch die handelnden Personen hat er konsequent gezeichnet, unabhängig von ihrer Wichtigkeit fürs Buch mit reichlich Charakter ausgestattet. Bloß Böskens Hauptfigur, schon aus »Zwergenwerfen« und »Pizza mortale« bekannt, heißt Terwort. Ein kantiger Kommissar, alltagsnah, mit Witz und Herz, vor allem mit Verstand. Ihm könnte Bösken ruhig ein wenig mehr Persönlichkeit verleihen, auch ein Vorname, der anders lautet als »Hauptkommissar« wär' gar nicht so schlecht. Denn er hätte das Zeug zu einem Dismas Hardy à la John T. Lescroart. Die Storys von Bösken sowieso. Warten wir also mit Spannung auf die nächste.

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Clemens-Peter Bösken: »Zünder und Gerechte«




Isabelle Siemes, NRZ, 29. Mai 2002
Böskens böses Kolorit

Steht einem Wasserleichen-Finder eine amtliche Belohnung zu? Nach Erlaß des Innenministers von 1977 nur, wenn er die Leiche am Ufer auch befestigt - bis zu 25 Euro. Das doppelte Salär winkt, wenn er den Toten unter »widrigen Umständen« birgt. Kein anderer als Amtsrichter Clemens-Peter Bösken kann einen Roman grotesk durch solch juristische Gewässer schiffen. Um die Rheinleiche - nicht den Finder - strudelt sein neuer Düsseldorf-Krimi »Zünder und Gerechte«.
     Hauptkommissar Terwort, der schon in »Zwergenwerfen« (1999) und »Pizza Mortale« (2000) ermittelte, steigt langsam durch den Sumpf des Familien-Dramas um den vermögenden Thurgau, der leblos im Rhein trieb. Seine Lieblingstochter Gabriele verschwand eines Tages spurlos aus dem »Ohme Jupp«. Ist sie tot oder zieht sie die Strippen im Hintergrund? Vorerst hat Terwort ihre Schwester Marianne in Verdacht.
     Mariannes Anwalt Brendel beschwert sich prompt über den Kommissar beim Ermittlungsrichter. Der will sich Zeit lassen und grinst nur, als Brendel droht, ihn aus dem Dienst entfernen zu lassen. Klar, denn auch der Anwalt weiß: »Dienstaufsichtsbeschwerden sind form-, frist-, und zwecklos«. Flankiert von amüsanten Finessen aus dem Gerichtsalltag entwickelt der 55jährige Autor einen raffinierten Plott im Dreieck zwischen Golzheim, Pempelfort und Derendorf.
     Dazu spickt Bösken den Text mit bösem Lokalkolorit, spielt etwa an auf die Lesung eines »preisgekrönten« Krimiautors im Polizeipräsidium aus dessen »bisher letztem Werk: Abgelutscht«. Oder auf einen »hochgewachsenen, gutaussehenden« Satiriker, der im Theater Flingern auftritt und Terwort zum Gedanken anregt, »ob scharfer Senf stumpf macht«. Die Düsseldorfer dürfen ihre Assoziationen spielen lassen ...

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Clemens-Peter Bösken: »Zünder und Gerechte«