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Lis Schenk, Düsseldorfer Hefte, 01. Mai 2008 Gegen angepaßte Frauen-Gestalten
Interview mit Ina-Maria von Ettingshausen
Ina-Maria von Ettingshausen ist seit kurzem die neue Vorsitzende der Bezirksgruppe Düsseldorf-Neuss des Verbands Deutscher Schriftsteller und sprach über ihre Arbeit mit den Düsseldorfer Heften.
Sie gehört zu den ungewöhnlichen Frauen - oder sagen wir: Menschen - in dieser Stadt. Schon deshalb, weil sie seit langem intensiv über die gewandelte Rolle der Frau nachdenkt und darüber spricht und schreibt. Und zusätzlich auch optisch - nämlich fotografisch - für Beispieie ihrer Beobachtungen und Erfahrungen in Sachen »Fremdfrauen-Figurationen« oder gegenteilige Typen sorgt. Einer der Hintergründe: Die weltweite Schwemme der Titelbilder von so genannten, auf Schönheit getrimmten, Stars aller Art. Kühn gesagt: Frau von Ettingshausen ist der Kontrapunkt von Paris Hilton, die natürlich nichts davon ahnt, daß sie auch eine ganz andere Frauenexistenz sein könnte. Eine wie Ina-Maria gehört in unsere Gesellschaft, weil sie gedankliche Türen öffnet, auch mit Blick auf die Mann-Frau-Situation - »Geschlechterkrieg« ist dabei unter anderem ein Stichwort, das sie jetzt auch bei ihrem Vortrag zum Weltfrauentag beim Empfang von Gudrun Hock in der Kunsthalle am Grabbeplatz benutzte.
Eine Frau also mit großem gesellschaftlichen Verantwortungsgefühl und vielen künstlerischen Fähigkeiten. Eine, die würdig ist, als neue Vorsitzende des regionalen Schriftstellerverbandes mit 90 Autoren, die alte Bücher veröffentlicht haben, zu agieren, ihre Vorgänger waren Alla Pfeffer und danach Otto Vowinckel, die selbstverständlich weiterhin Mitglieder des Verbandes VS sind, der zu ver.di gehört. Frau von Ettingshausen gehört darüber hinaus auch zum Verein Düsseldorfer Künstlerinnen. Die gebbürtige Hessin aus Herborn wohnt mit dem Ehemann Othmar von Ettingshausen am südlichen Stadtrand Düsseldorfs; ihre beiden erwachsenen Kinder (Tochter und Sohn) leben zurzeit im Ausland. Zu ihren literarischen Veröffentlichungen gehören die Bücher »Fremde Frau, ich suche dich«, eine Weiblichkeits-Poetisierung, oder »Agave im Licht« - ein lyrisches Tagesbuch über Ehe, Liebe, Sehnsucht mit Fotos und Zeichnungen. Beide sind im Düsseldorfer Grupello-Verlag erschienen.
Jeder neue Vorsitzende - oder nach Bedarf auch Sprecher genannt - hat eine individuelle Vorstellung von dieser ehren-amtlichen Arbeit. Dabei steht im Vordergrund, die Existenz der Schriftsteller, ihre Namen und ihre Art zu schreiben in diesem Raum hör- und sichtbar zu machen. Wichtiges Kriterium: die Organisation öffentlicher Lesungen in regelmäßiger Folge - mit Blick auf neue Veröffentlichungen der einzelnen Schriftsteller oder auf besondere Themen, die politisch oder gesellschaftlich aktuell sind. Frau von Ettingshausen will, wie schon vorher geschehen, viermal pro Jahr je vier Autoren zu Lesungen auftreten lassen, die vom städtischen Kulturamt, der Gesellschaft für Literatur und ver.di mitfinanziert werden. Aber insgesamt ist die bereitgestellte Summe zu klein, um die Leistungen der Autoren gerecht zu finanzieren. Am 15. Mai, dem Gedenktag der Bücherverbrennung, hat Frau von Ettingshausen die erste Lesung dieses Jahres vorgesehen - mit Wolfgang Reinke, Gepa Klingmüller, Anni-Rosemarie Becker und Alla Pfeffer. Beim nächsten öffentlichen Auftritt von vier Autoren im Juni oder Juli - der Tag steht noch nicht fest - steht als Motto »Die Rolle, die ich spiele« im Vordergrund. Das Problem bei den Veranstaltungen ist es, Räume zu finden die möglichst mietfrei sind. Gelesen wurde schon im Theatermuseum, in der Zentrale der Stadtbücherei oder auch in der Buchhandlung Müller/Böhm. Dank Ettingshausens Initiative fand sich kürzlich in der Wattstraße 30 (Organisation »Invent« - International Weiterbildung und Entwicktung) ein kostenfreier Raum ats Treffpunkt für den Schriftstellerverband. Hier haben die Autoren die Möglichkeit, zu persönlichen Gesprächen zusammenzukommen. Was bisher in dieser Form nicht möglich war.
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Rheinische Post, 10. April 2008 Frischer Wind
Seit kurzem ist Freifrau Ina-Maria von Ettingshausen Vorsitzende der Bezirksgruppe Düsseldorf/Neuss des Schriftsteller Verbandes NRW. Die Autorin und Fotografin, die nach ihrem Fremdsprachenstudium in Saarbrücken und kurzer Berufstätigkeit Othmar von Ettingshausen geheiratet hat, widmet sich seit 1979 dem freien Schreiben und veröffentlichte Titel zu Frauenfragen. Sie hat neue Konzepte für die Leitungsarbeit für den regionalen Schriftstellerverband entwickelt, führt aber auch Aktivitäten ihrer Vorgänger Alla Pfeffer und Otto Vowinckel weiter. So bleibt sie vorläufig bei dem Konzept, mehrmals im Jahr je vier Autoren öffentlich lesen zu lassen. Am Gedenktag der Bücherverbrennung, 15. Mai, lesen um 19 Uhr in der Mahn- und Gedenkstätte vier zum Verband gehörende Schriftsteller, Wolfgang Reinke, Cepa Klingmüller, Anni-Rosemarie Becker und Alla Pfeffer, Texte über die Bücherverbrennung. Sonst gibt von Ettingshausen für die weiteren Auftritte der Autoren das Motto »Die Rolle, die ich spiele« vor.
Die 90 Mitglieder des Verbandes sollen für solche Auftritte nach kostenfreien Sälen in Kulturinstituten suchen. Es gelang ihr zudem, einen Raum zu organisieren, der den Schriftstellern für freie Treffen zur Verfügung steht. Daß zu ihrem Regionalverband auch Autoren aus dem Umkreis gehören, wertet sie als Zeichen für eine „lebendige und aktive" Gruppe. Sie strebt an, mit anderen Städten und Nachbarländern sowie den Partnerstädten zusammenzuarbeiten.
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Jutta Saum, Neue Rhein-Zeitung, 08. Februar 2005 Reise zum Mittelpunkt
Mit 35 fällte Ina-Maria von Ettingshausen einen Entschluß, den sie heute als die Entscheidung ihres Lebens bezeichnet. Sie begann mit dem Schreiben - und blieb dabei.
»Wenn ich / heute / auf ein Wort von Dir / auch / eine Augenbraue hochziehe / und nach der Zeitung greife / Ruf mich / bei meinem Mädchennamen / und meine Ehefaust / wird Dir sich / wieder öffnen rosenblättrig« (Ina-Maria von Ettingshausen, Rosenfaust)
»Alles fließt«, sagte schon Heraklit. Aber es gibt so etwas wie einen Wesens-Kern, der jeden Menschen individuell ausmacht. Davon jedenfalls geht die Düsseldorfer Autorin und Fotografin Ina-Maria von Ettingshausen aus, daran macht sie ihre Arbeit fest: »Ich durchfahre mich und unternehme Expeditionen in meine Innenwelt.« Seit drei Jahrzehnten ist das Schreiben dabei ihr wichtigstes Navigationsmittel.
Den Start gab der heute 60jährigen eine Krise mit Anfang 30. Mit Mann, zwei Kindern und ohne Perspektive im ungeliebten Beruf der Fremdsprachenkorrespondentin traf Ina-Maria von Ettingshausen fast traurnwandlerisch »die« Entscheidung ihres Lebens: »Aus meiner Ortlosigkeit heraus wollte ich Schriftstellerin werden. Dabei war es von Anfang an der Blick als Frau, der mein Schreiben bestimmte.«
Ihre Quelle? Das eigene Leben
Mit Tagebüchern fing alles an, aber der Modus des intimen Zwiegesprächs, des selbst geschaffenen Freiraums jenseits äußerer Erwartungen, ist in ihrer Lyrik und Prosa bis heute spürbar. Dabei fühlt sich von Ettingshausen allein dem Urteil der inneren Stimmigkeit verpflichtet. Für das, was ihr aus der Feder drängte, gab sie sich sehr früh selbst die Erlaubnis. Ungewöhnlich für eine Frau in dieser Zeit, Mitte der 70er Jahre. Ihren Stoff fand sie selbstbewusst im eigenen Leben. Von Ettingshausen thematisierte das, »was offiziell keinen Platz hatte.«
Als ihr klarer wurde, dass ihre Texte nicht nur die eigene Entwicklung spiegelten, sondern sich viele Frauen darin wiederfanden, entwarf sie sich in den 80ern als »Frauenbildnerin« neu und leitet seitdem Frauengruppen. »Ich aktiviere die selbstbildnerischen Kräfte durch Kommunikation«, erklärt sie ihr Konzept, bei dem in der Reflektion von Texten, Bildern und Vorbildern Frauen »ihrem individuellen weiblichen Selbst« auf die Spur kommen. Gleichzeitig entwickelte von Ettingshausen ihren zweiten Arbeitsbereich - die fotografische Porträtierung von Frauen.
»Heute bestimmen mich nicht vorgegebene Rollen, sondern ich kann meine Rollen individuell gestalten und aus meinen Freiräumen und meinem Frausein schöpfen«, zieht von Ettingshausen Resümee und schaut dabei auf drei Jahrzehnte zurück, in denen sie sowohl in der Frauenbewegung als auch in der Düsseldorfer Literaturszene durch zahlreiche Publikationen präsent war.
So wird es bleiben. Ihrem ersten Buch, das im Jahr 2000 mit Gedichten, Fotos, Zeichnungen und Collagen erschien, soll ein weiteres als poetische Kommunikation von Erfahrung folgen. »Meine Arbeit ist ein Lebensprozess in fließender Identität, die Suche nach einer Grundstimmigkeit, die mich auch in den Wechselfällen und Krisen des Lebens steuert und balanciert. Dabei macht es mir die Vernetzung mit anderen Künstlerinnen möglich, auch als Frau in der Welt neue Orte des Existierens zu erobern und neu zu schaffen.«
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