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Geballte anarchische Wortbrocken...

David Davidowitsch Burliuk (1882-1967) wurde in der Nähe der Stadt Charkow (Ukraine) in der Familie eines Gutsbesitzers geboren. Wladimir Wladimirowitsch Majakowski (1893-1930) erblickte in dem georgischen Dorf Bagdady als Sohn eines Forstmeisters das Licht der Welt. Burliuk besuchte verschiedene Gymnasien, erhielt danach eine künstlerische Ausbildung, begann 1901 Gedichte zu schreiben. Der elf Jahre jüngere Majakowski fing ebenfalls eine Gymnasialausbildung an, die er jedoch wegen Nichtbezahlung der Schulgebühr abbrechen musste - nach dem plötzlichen Tod des Vaters war die Mutter mit den Kindern nach Moskau gezogen, wo die Familie große finanzielle Schwierigkeiten hatte -, begann auch eine Kunstausbildung, die er wegen Beteiligung an revolutionären studentischen Aktivitäten unterbrach; 1909/10 wurde Majakowski erneut verhaftet, seine ersten Gedichte schrieb er im Gefängnis. 1911 lernten sich Burliuk und Majakowski kennen. Die gegenseitige dichterische Akzeptanz endet jedoch nach 1917, als Burliuk seine anarchistisch-futuristischen Dichtungen bis 1920 im fernen Sibirien fortsetzt und dann über Japan 1922 in die USA emigriert. Majakowski hingegen stellt sich in den Dienst der Revolution.
    Majakowski ist uns vorrangig als »Schreihals der Revolution« geläufig, und von Burliuk sagt Wolfgang Kasack, ein ausgewiesener Kenner für russische Literatur, dass er »kaum bedeutend und ohne Tiefe ist«. In Alexander Nitzbergs Buch jedoch präsentieren sich beide als die wichtigsten Dichter der russischen Avantgarde. Die Ausgabe bietet zum ersten Mal in deutscher Sprache eine repräsentative Auswahl aus dem futuristischen Frühwerk - »und beleuchtet die inneren Zusammenhänge ihrer Werke, voller geballter anarchischer Wortbrocken, provozierend grotesker Bilder und peitschender urbaner Rhythmik.« (Karl Dedecius)
    Besonders interessant Alexander Nitzbergs Essay über die inneren Zusammenhänge der Werke Burliuks und Majakowskis und die enorme Bandbreite des russischen Futurismus. Überzeugend stellt Nitzberg auch dar, dass die bisherigen Übersetzer Majakowskis ihm nicht gerecht wurden. So sagt er über Hugo Huppert, dass es diesem vollkommen an der nötigen sprachlichen Subtilität fehle, um einen Dichter vom Range eines Majakowski zu übersetzen. Nitzberg: »Wenn Majakowski (wörtlich übersetzt) schreibt: `Die Menschen fürchten sich: Aus meinem Munde wackelt mit den Beinen ein unzerkauter Schrei´, meint Huppert es folgendermaßen übersetzen zu müssen: `Die Leute starrn: aus meiner Zahnlücke (!)/strampelt ein Schrei, halb zerkaut, halb verrülpst.´« Deutlich erkennbar, meint Nitzberg, sei Hupperts Tendenz, Majakowskis Verse zu vergröbern, seine Sprache zu vulgarisieren, sie »proletarischer"«zu gestalten. Da dieser Lyrikband zweisprachig erschienen ist, kann sich - zumindest jeder Russist - selbst ein Urteil bilden.

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David Burliuk, Wladimir Majakowski, Alexander Nitzberg (Übersetzung): »Cityfrau. Futuristische Gedichte«