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Peter Rühmkorf
In aller Eile, aber dennoch, nein, gerade darum mit der angemessenen Emphase: Ihre Verse haben mir beinah vorbehaltlos imponiert. Noch einmal in Versalien: DIESE GEDICHTE SIND WIRKLICH UND WAHRHAFTIG GUT; es ist so ein ganz besonderer Hauch, ein persönlicher Zug darin, der nur sehr schwer zu bezeichnen ist, und daß einem die schnellen Analogien fehlen, scheint mir beinah das beste Zeichen. Was jeder Künstler, jede -in sich am heftigsten erwünscht, am herzlichsten herbeisehnt, einen eigenen Sound, Sie haben ihn gefunden. Was man mit künstlerischen Aufwänden allein nie zuwege bringt, eine vielfach gebrochene Stimme in die Fläche zu treiben, Sie haben es erreicht. Dabei scheint mir was Sie schreiben so intellektuell wie beinah-noch-unbeleckt, also unschuldig, also einfältig, also poetische Urwahrnehmung, ein ganz sonderbares Gemisch ...
Daß ich Ihnen nicht all Ihre schönen Funde noch einmal aufnotieren kann, werden Sie verstehen. Lieber möchte ich noch ein paar Wörter zur allgemeinen Tonlage oder Gangart sagen. Was mich an Ihren Gedichten entzückt, ist gewissermaßen ihre Urwüchsigkeit der Paradoxa und dialektischen Wendungen. Sie gehen aus von Mutterns Küche (mit Apfelkuchen, Vanillesauce und Puddings - Puddingen, würde ich allerdings lieber sagen, lieber hören) und auf einmal fährt da so ein angeschrägter Erkenntnisblitz hinein: "Ich spiele vierzehn / und du spielst dich." ...
Trockenen Humor sagt man ja gelegentlich manchem nach - er scheint auch norddeutschen Wesens zu sein - aber bei Ihnen taucht er gar nicht als Beigabe und auch nicht als Zufallsschlenker auf - vielmehr der Schlenker hat Methode, der Sarkasmus Prinzip, und wo findet man das heute schon in der ganzen postmodernen Larmoyanz.
Ein letztes Wort zum Reim. Er ist ja ein Spezi von mir, und ich begegne ihm eigentlich eher mit Mißtrauen als mit A-priori-Begeisterung. Wie er sich bei Ihnen aber so zwanglos einstellt (fast, daß man über ihn hinwegliest) und als latenter Binnenreim die Hexenszene regiert, das finde ich schon ziemlich gelungen, oft bewundernswert, manchmal genial.
A propos Hexen und Unholdinnen und sonstige Über-, unter- und außerirdische Wesen. Es hat mich hierzulande und heutzutage oft genug geärgert, wenn man jeder drucksenden Unke sofort die große Wahrsagerin nachsagte und jedem blöden Dreierleidei die betörende Zaubermusik - bei Ihnen sehe und höre ich eher einen swinging witchbroom, also wirklich moderne Hexenmusik. Nunja, Sie kommen von Heine her, und daß man ihn als tonangebenden Urian nur gerade eben erahnt, ist vielleicht das schönste Richtungszeichen.

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Geertje Suhr: »Standbild Große Liebe«