Zurck zu : ... aus der Apotheke des Poeten

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Rheinische Post, Lothar Schrder, 15. Februar 2006
Labisch und auf der Horst ber Heine als Apotheker

Wer nach ungewohnten und ungewhnlichen Texten Heines sucht, wer die groen Zusammenhnge im Kleinen dargestellt haben oder den passenden Schlssel zum Gesamtwerk des Dichters geliefert bekommen mchte, wird mit diesem Buch kaum glcklich werden. Denn der vom Rektor der Heine-Uni, Professor Alfons Labisch, und seinem Referenten Christoph auf der Horst herausgegebene Heine-Sammelband ist viel bescheidener in seinem Auftritt und seinem Anspruch.
   Vielmehr haben beide Verse, Aphorismen und Prosaschnipsel von Heine zusammengetragen, haben dabei auch die vielzitiertesten Texte nicht gescheut und ordneten diese ein wenig chronologisch und ein wenig thematisch. Kurzum: Das Buch ist ein richtig schner Einstieg ins Werk Heinrich Heines geworden, ein Wegbegleiter, der mit seinem Format prima in die Jackentasche passt. Das Buch ist ein kleines Heine-Brevier geworden, aus dem man Vorlesen und in dem Nachlesen kann, und wem es gefllt, der lernt in der Straenbahn auf dem Weg zur Vorlesung einen Vers auswendig.
   Das Buch ... aus der Apotheke des Poeten soll sich laut Untertitel zwar (nicht nur) fr Studierende eignen, ist aber wohl besonders fr Studierende geschrieben. Fr die Dsseldorfer Studenten knnte es eine kleine, sympathische Grundversorgung werden - eine Art Mundorgel im Heine-Format. Und ganz auf Pdagogik konnte Labisch dann doch nicht verzichten und hat den Text eines anderen bedeutenden deutschen Autors ins Bchlein geschmuggelt. Vielleicht bringt man die Leut' ja auf diesem Weg zum Lesen.

Zurck zum Titel:
Christoph auf der Horst, Alfons Labisch (Hrsg.), Heinrich Heine: »... aus der Apotheke des Poeten«




Ursula Homann, literaturkritik.de, 01. Februar 2006
Tanzende Britinnen

Heines Gedichte und Prosatexte in ansprechender Form

Wer erinnert sich noch an die unsglich peinliche Diskussion, ob die Dsseldorfer Universitt den Namen Heines tragen solle oder nicht? Eine Diskussion, die - man bedenke - im Nachkriegsdeutschland gefhrt wurde! Aber dann hat die Dsseldorfer Universitt doch noch Heinrich Heine, den ungezogenen Liebling der Grazien, diesen vielleicht geistreichsten Schriftsteller deutscher Sprache, zu ihrem Namenspatron gemacht, sodass sie heute ihren Namen Heinrich-Heine-Universitt mit einem gewissen Stolz trgt und sich ihrem Namensgeber durchaus verpflichtet fhlt. Zu seinem 150.Todestag hat sie sogar ein kleines ansprechendes Bndchen mit einer Auswahl seiner Gedichte und Prosatexte herausgegeben.

Brillanter Intellekt, weltoffener Geist und weites Herz sei Heine zu eigen gewesen, schreiben die Herausgeber in ihrem Vorwort und rhmen seine Toleranz gegenber anderen Menschen und Meinungen sowie sein Engagement fr den Kulturraum Europa. Leben, Werk und Vermchtnis Heinrich Heines seien mithin der Universitt ein dauernder Ansporn.

Die Zitatensammlung aus der Apotheke des Poeten beginnt mit Heines Bekenntnis:

Ich bin ein deutscher Dichter,
Bekannt im deutschen Land;
Nennt man die besten Namen,
So wird auch der meine genannt.

So ist es tatschlich dann auch gekommen, obwohl der Dichter in seinen Gestndnissen noch bekennt, dass er es auf dieser schnen Erde zu nichts gebracht habe, wie die Leute sagen, als zu einem Dichter, oder um seinen Onkel Salomon, der ihn zeitlebens grozgig untersttzt hat, zu zitieren: Htt' er was gelernt, braucht er nicht zu schreiben Bcher.

Heines Lebenslauf spiegelt sich in vielen seiner Texte, beginnend mit der Stunde seiner Geburt, um meine Wiege spielten die letzten Mondlichter des achtzehnten und das erste Morgenrot des neunzehnten Jahrhunderts. Geboren wurde er am 13. Dezember 1797 in Dsseldorf, in einer Stadt, wo zur Zeit seiner Kindheit nicht blo die Franzosen, sondern auch der franzsische Geist herrschte.

Aus Heines Blickwinkel erlebt man seine Kindheit und Jugend mit und lernt selbst seine Mutter kennen, die mit ihren Erziehungsversuchen angeblich bereits vor seiner Geburt begonnen hatte und die Programme fr all seine Studien erstellte. Schon frh hat der zuknftige Dichter ein starkes Selbstbewusstsein entwickelt: Ich bins gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen.

Dem Thema Schule, Studium, Lernen ist ein weiteres Kapitel gewidmet. Man erfhrt, wie schwer Heine Latein fiel, whrend er mit dem Fach Deutsch offensichtlich keine Mhe hatte. Heine wrtlich: Was aber das Lateinische betrifft, so haben Sie gar keine Idee davon, Madame, wie das verwickelt ist. Den Rmern wrde gewiss nicht Zeit genug brig geblieben sein, die Welt zu erobern, wenn sie das Latein erst htten lernen sollen. Diese glcklichen Leute wussten schon in der Wiege, welche Nomina den Akkusativ auf im haben. Ich hingegen musste sie im Schweie meines Angesichts auswendig lernen, aber es ist doch immer gut, dass ich sie wei ... Vom Griechischen aber will ich gar nicht sprechen, ich rgere mich sonst zu viel. Die Mnche im Mittelalter hatten so ganz Unrecht nicht, wenn sie behaupteten, dass das Griechische eine Erfindung des Teufels sei. Gott kennt die Leiden, die ich dabei ausgestanden ...

In Heines Aufzeichnungen findet man auch lebenspraktische Ratschlge: Handwerker oder Philologe soll man werden, man wird zu allen Zeiten Hosen brauchen, und es wird immer Schulknaben geben, die Deklinationen und Konjugationen gebrauchen. Wie irdisch Heine eingestellt und der Alltglichkeit verhaftet war, geht auch aus folgender berlegung hervor: Aber ist das Geld nicht der Gott der ganzen Welt, ein allmchtiger Gott, den selbst der verstockteste Atheist keine drei Tage lang verleugnen knnte, denn ohne seine gttliche Hilfe wrde ihm der Bcker nicht den kleinsten Semmel verabfolgen lassen.

ber Kunst und Literatur urteilte er: Die Musik ist vielleicht das letzte Wort der Kunst, wie der Tod das letzte Wort des Lebens.

Unter Liebe, Liebesleid und Weibsbilder spottet der nicht immer galante Autor: Britinnen - sie tanzen, als wenn sie auf Eseln ritten. Die vielsagende Ballade ber Die Wallfahrt nach Kevlaar, bei der man nicht genau wei, wie ernst oder spttisch Heine hier die Haltung einer frommen und strengen Mutter betrachtet hat, fehlt gleichfalls nicht, ebenso wenig Hannah Arendts Lieblingslied Schlage die Trommel und frchte dich nicht im Abschnitt Freiheit.

Natrlich kommen die Liebe und das andere Geschlecht nicht zu kurz. Die Liebe suchte ich auf allen Gassen heit es im Buch der Lieder. In Neue Gedichte stehen dagegen die neckischen Verse:

Ein Frulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rhrte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.
Mein Frulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stck;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurck.

In Abschied, Leid und Tod wird der oft zitierte Satz De mortuis nil nisi bene sehr frei bersetzt mit man soll von den Lebenden nur Bses reden.

Mit Heine durch die Unwgbarkeiten des Lebens verspricht ein weiteres Kapitel. Dann wieder stt man auf mancherlei Texte aus der Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland.

Der Band bietet mit seinem bunten Querschnitt eine gute Vorstellung von Heines Scharfsinn, Esprit und Witz, deretwegen ihn schon Zeitgenossen mit Aristophanes und Voltaire verglichen haben, und macht Appetit auf den ganzen Heine.

Als kleines akademisches Vergngen ist in dem Band sogar ein Zitat eines anderen bedeutenden deutschen Autors versteckt - um welches Zitat es sich dabei handelt? Nun, das wird nicht verraten, das mge jede Leserin und jeder Leser selbst herausfinden.

Zurck zum Titel:
Christoph auf der Horst, Alfons Labisch (Hrsg.), Heinrich Heine: »... aus der Apotheke des Poeten«