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Roland Berbig, Zeitschrift für Germanistik, 01. März 2006
Eine Revue zur Heine-Literatur im Gedenkjahr 2006

Eine schmale, fast unscheinbare Broschüre hat es in sich. Ihr Gegenstand ist die Düsseldorfer Heine-Ausgabe, ihr Charakter ein »Erfahrungsbericht«, ihr Inhalt die Rede zum Abschluß der Ausgabe 1997, die erklärte Innensicht des Herausgebers und endlich das Editionsprofil der DHA. Ihr Verfasser schließlich: kein Geringerer als deren Herausgeber selbst - MANFRED WINDFUHR. In Zeiten, wo sich der Anteil der Herausgeber an Projekten nicht selten beschränkt auf den Namenszug unter Anträgen, die sie nicht verfaßt haben, liest sich dieser Erfahrungsbericht wie eine Exkursion in eine andere Welt. Da legt ein Mann Rechenschaft ab und macht Rechnungen auf, der ein Lebenswerk besichtigt, das vor allem eines verdient: Wertschätzung. Hier hat ein Hochschullehrer, der sich seines Wertes und der Aufgabe, vor die er sich gestellt sah, bewußt war, mit äußerster Willenskraft und hoher Kompetenz eine Werkausgabe auf die Beine gestellt, die Bestand haben wird. Er hat neue Wege durchgesetzt und auf alten, wo sie ihn überzeugten, beharrt. Alle Vorteile, die ihm seine Stellung bot, hat er entschieden ausgenutzt - nicht um ein paar Aufsätze zu schreiben, Festreden zu halten oder an fremden Universitäten eigenen Neigungen nachzugehen, nein, sondern um das Werk des wahrscheinlich bedeutendsten deutschen Dichters des 19.Jahrhunderts in einer Maßstab setzenden Ausgabe zu edieren und edieren zu lassen. Die Erfahrungen, die er dabei gesammelt hat, werden nicht als Sonntagsreden präsentiert. Windfuhr kommt es nicht in den Sinn, aus seinem Herzen eine Mördergrube zu machen. Keine Scheu hat er, Gegnern von gestern Namen und Hausnummern zu geben. Ohne lange Umwege listet er auf, was verquer gelaufen ist, wer wann welche Schritte verzögert hat und mit welchen Unsäglichkeiten sich herumzuschlagen hatte, dem dies in der Rückschau das eigene Berufsleben war. Das wird und kann nicht jedem behagen. Widersprüche, gewiß auch der unmittelbar Beteiligten und in Interna Eingeweihten, werden nicht ausbleiben. Wer immer Wunden aus diesem schmerzhaften, entsagungsreichen Unternehmen davon getragen hat, er darf hier nicht auf lindernden Balsam hoffen. Windfuhr denkt nicht daran, ein schönes Bild von sich oder von den Verhältnissen zu geben, die zu dieser Ausgabe führten. Noch jetzt spürt man den Zorn, als ihm Mitherausgeber an die Seite gestellt werden sollten, um die Edition zu beschleunigen. Der Leser bekommt einen Begriff von seiner Härte, seiner Entschlossenheit, seinem Willen, über die Situation des Einzelnen das Gelingen des Ganzen zu stellen. Spekuliert wird nicht mit Sympathie für den Bericht und noch weniger für den Berichtenden, der schon einmal Robert Schumann ins Feld führt, um die eigene schwierige Situation zu verdeutlichen (S. 61 f.). Windfuhr gelingt es, grundlegende Problemfelder hartkantig zu umreißen und Positionen schmucklos und unvermittelt in den Raum zu stellen: so wenn er das hoch problematische Restitutionsverfahren (der Schwachpunkt der DHA) gegen alle ›Puristen‹ rechtfertigt oder wenn er die Kommentarbriefe als innovative Leistung verteidigt. Jedes Wort dieses Plädoyers, das eigene Fehler nicht ausspart, hat ihren Preis, der mit gelebtem Leben bezahlt wurde, dem eigenen und dem seiner Mitarbeiter(innen). Gerade die Gedrängtheit, mit der referiert wird, verschärft die Vorstellung von der Maßlosigkeit, die manchen Suchstrategien, von deren Ergebnissen wir heute mit Selbstverständlichkeit profitieren, innewohnte. Es wird Leser geben, die sich fragen, ob sie das alles und in dieser Weise erfahren mußten. Nach einigem Wägen und im Bewußtsein um die literarhistorische und die politische Dimension des Gesamtunternehmens meine ich: Ja.

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Manfred Windfuhr, Heinrich Heine: »Die Düsseldorfer Heine-Ausgabe«




Klaus Hübner, Titel-Magazin, 10. Februar 2006
Heinrich Heine: 150. Todestag

Düsseldorf heißt der Beginn allen Heineschen Wirkens. Dreiunddreißig Jahre dauerte es, bis die songenannten »Düsseldorfer Heine-Ausgabe« (historisch-kritisch) bis zum letzten Band erscheinen konnte. Deren Herausgeber Manfred Windfuhr schildert in seinem Erfahrungsbericht »Die Düsseldorfer Heine-Ausgabe« spannend und akribisch zugleich von den Widrigkeiten, dem Aufwand, den Anforderungen an die Bearbeiter und der Notwendigkeit eines langen Atems über diese editorische Großtat. Windfuhr verschweigt nicht, wie sehr manche Interessenslagen auseinander drifteten. Aber er beschreibt auch das ausdauernde und engagierte Verhalten der Geister, die Heine und sein Werk nicht mehr loslassen wollten, bis es in seiner Gesamtheit, auf sicheren Füßen stehend, der Öffentlichkeit übergeben werden konnte.

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Manfred Windfuhr, Heinrich Heine: »Die Düsseldorfer Heine-Ausgabe«




Jeannette Mayer, Express Düsseldorf, 12. Oktober 2005
33 Jahre auf der Suche nach Heine

Philologe Windfuhr stellt Erfahrungsbericht zur Ausgabe über den Dichter vor


33 Jahre seines Lebens hat der Philologe Prof. Manfred Windfuhr dem berühmtesten Düsseldorfer Dichter gewidmet. Auf der Suche nach Heinrich Heines Vermächtnissen ist er in der ganzen Welt herumgereist, hat Unmengen von Material gesichtet und ausgewertet. Seine 16-bändige: »Düsseldorfer historisch-kritische Ausgabe der Werke Heinrich Heines« (kurz: DHA) hat Maßstäbe gesetzt. Nun schließt der Mittsiebziger das Kapitel Heine mit einem »Erfahrungsbericht« über seine umfangreichen Arbeiten zu der DHA endgültig.
    »Mein Buch soll keine Abrechnung sein. Ich lege vielmehr Rechenschaft ab. Aber die, die's verdienen, kriegen auch ihr Fett weg«, sagt der schon mal als »Erbsen- und
Fliegenbeinzähler« titulierte Windfuhr. Sein Bericht ist eine Art »Blick hinter die Kulissen« und beleuchtet hauptsächlich die Probleme bei dem Projekt Heine: Die Einwände seitens der Geldgeber, die Schwierigkeiten bei der Terminplanung, bei der Suche nach Mitarbeitern etc.
    Aus dem drei Jahrzehnte währenden Unternehmen weiß Windfuhr Skurriles, fast schon Filmreifes zu erzählen.
»Mit einem Privatmann, der seinen kostbaren Heine-Nachlass dem Finanzamt verschwiegen hatte, mußten wir uns zwecks Informationsaustausch auch schon mal auf Toiletten treffen.«
    Sein »Erfahrungsbericht« ist das letzte Projekt, das Windfuhr zu Heine publizieren will.

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Manfred Windfuhr, Heinrich Heine: »Die Düsseldorfer Heine-Ausgabe«




Westdeutsche Zeitung Düsseldorf, 12. Oktober 2005
Abenteuer eines Heine-Forschers                                          Manfred Windfuhr legt einen »Erfahrungsbericht« als Herausgeber der Heine-Gesamtausgabe vor.

Es ist ein seltenes Glück, kann man Beruf, Neigung und eine große Aufgabe vereinen. Für den in Remscheid geborenen, in Düsseldorf lebenden Germanisten und Philologen Manfred Windfuhr ereignete sich dies, als er zum Herausgeber der DHA (»Heinrich Heine. Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke. 16 Bände. Hamburg 1973-1997«) bestimmt wurde. Am 31. Januar 1997 hielt er zur Vorlage des letzten Bandes und damit zur Vollendung einer Lebensaufgabe im Düsseldorfer Rathaus einen Festvortrag.
    Dieser ist nun als erstes nachzulesen im von Windfuhr herausgegebenen »Erfahrungsbericht«. Wie er die gesamte Ausgabe mit größter Umsicht angegangen ist - »Genauigkeit, Gründlichkeit, Vollständigkeit« nannte er gestern Ziele und Arbeitsweise jedes guten Philologen -, legt er in diesem Bändchen dar. Dass er keineswegs davor zurückschreckt, Streitigkeiten, ja Vorwürfe gegen ihn im Laufe der 24 Jahre vor dem Leser auszubreiten, ist ihm hoch anzurechnen.
    Man liest mit Vergnügen, vor allem mit Staunen vor solcher Ausdauer und nicht nachlassendem wissenschaftlichem Ehrgeiz, wie die lange Arbeit mit hunderten aus ausländischen Mitarbeitern und Heerscharen von Doktoranden(nicht ohne Proteste) vor sich ging, damit die insgesamt 23 Bände (20 400 Seiten, anderthalb Regalmeter, anderthalb Zentner) zustande kamen.
    Sein Arbeitsprinzip sei es nicht gewesen, »zuerst im stillen Kämmerlein die Regeln festzulegen und sie dann von den Mitarbeitern ausführen zu lassen«. In der Zusammenarbeit erteilt er den ausländischen Kollegen aus Frankreich und Amerika eine besonders gute Note in »Umgänglichkeit und Toleranz«, auch in der »Trennung von beruflichen und privaten Aspekten«. Das hebe sich »wohltuend ab von der Melange aus Kampfbereitschaft und ehrpusseliger Empfindlichkeit, die man nicht selten bei unseren deutschen Kollegen antrifft. Offensichtlich ist das fachliche Klima im Ausland entspannter.«
    Das stolze Resultat der Mammut-Ausgabe ist nun, dass 7000 Manuskriptseiten bearbeitet werden konnten, erstmals auch die Schichtanalyse des Textkorpus berücksichtigt wurde vor allem in Bezug auf Eingriffe der Zensoren oder Versehen und Irrtümer früherer Drucke. 95 Prozent der Heine-Schriften seien so gesichert, 60 Prozent besitzt allein das Heinrich-Heine-Institut, erklärte dessen Direktor Joseph A. Kruse. Nicht selten spielte sich der Erwerb unter kuriosen Umständen ab, so der des Titelblatts des »Wintermärchens«: Der fand nämlich aus Gründen der Geheimhaltung auf der Toilette statt.

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Manfred Windfuhr, Heinrich Heine: »Die Düsseldorfer Heine-Ausgabe«




Die Welt, 12. Oktober 2005
Forscher erwarten von Heinrich Heine keine Überraschungen mehr

Bei der Erforschung des literarischen Werkes von Heinrich Heine (1797-1856) sind keine Überraschungen mehr zu erwarten. »Mindestens 95 Prozent der Manuskripte Heines sind mittlerweile bekannt«, sagte Manfred Windfuhr, Herausgeber der wissenschaftlichen Heine-Ausgabe, in Düsseldorf. Auch ein knappes Jahrzehnt nach Abschluß der 16-bändigen wissenschaftlichen Heine-Edition, für die 7000 Manuskriptseiten bearbeitet worden sind, seien keine bedeutenden Handschriften mehr aufgetaucht. Windfuhr stellte seinen Band »Die Düsseldorfer Heine-Ausgabe« als Erfahrungsbericht seiner 24jährigen Herausgeber-Tätigkeit vor. Allenfalls noch unerwartet auftauchende Heine-Briefe könnten neue Details über Heines Leben bringen.

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Manfred Windfuhr, Heinrich Heine: »Die Düsseldorfer Heine-Ausgabe«




Petra Kuiper, Neue Rhein-Zeitung Düsseldorf, 12. Oktober 2005
Heines Geschichte(n)
Manfred Windfuhr, Herausgeber der Heine-Gesamtausgabe, legt nach. Mit einem Erfahrungsbericht.


Professor Manfred Windfuhr kann sich gut erinnern: Als er Ende der 60er Jahre sein Projekt vorstellte, gab sich Düsseldorfs Kulturdezernent gelassen. »Eine eigene Heine-Ausgabe? Na, das können wir ja in ein paar Jahren durchziehen.« Windfuhr grinst immer noch vergnügt in sich hinein, wenn er an jene kühne Prognose denkt. Aus den »paar Jahren« wurden mehr als 30, und man glaubt dem eloquenten Germanistikprofessor gern, wenn er jetzt, nach dem endgültigen Abschluß der 16-bändigen historisch-kritischen Düsseldorfer Heine-Gesamtausgabe, mit dem Dichter fürs erste fertig ist.
    Rein wissenschaftlich, natürlich. »Heine ist für mich abgeschlossen. Jetzt bin ich nur noch Privatgelehrter«, sagte Herausgeber Windfuhr, als er gestern seinen letzten Heine-Streich vorstellte: Band Nummer 17 sozusagen, den der 75-Jährige dem Werdegang der Gesamtausgabe widmet.
    
Auf einer Toilette in Paris
    
Da geht es um die Fluktuation der Mitarbeiter. Um den Kampf um Erscheinungstermine, um innere Auseinandersetzungen um die Position des Herausgebers und um die Finanzierung. Gestern erzählte Professor Windfuhr auch vom Umgang mit Privatsammlern, die sich bisweilen als recht skurrile Typen entpuppten. So fand die Übergabe eines Titelblattes des »Wintermärchens« in Paris auf einer Toilette statt. Der Besitzer hatte Angst vor der Steuer.
    1973 begann die Arbeit an der Gesamtausgabe, 1997, im Heine-Gedenkjahr, schlossen Windfuhr und sein Team das Projekt ab. Inhalt: kommentierte, wissenschaftlich aufgearbeitete Handschriften und Drucke. Rund 7000 Seiten Ori-ginalmanuskripte, so Windfuhr, wurden insgesamt berücksichtigt, rund 95 Prozent aller vorhandenen Heine-Schriften erfasst. Über die Hälfte davon lagerte in deutschen Archiven und Privatbesitzen, für den Rest recherchierten Mitarbeiter - mehr als 100 - bis nach Paris, Moskau, St. Petersburg und Kalifornien.
    »Die Düsseldorfer Heine-Ausgabe. Ein Erfahrungsbericht« erzählt also von ein paar Jahrzehnten Forschung. Es sei dabei nicht immer leicht gewesen, sich gegen das kulturelle Tagesgeschehen durchzusetzen, erinnerte Windfuhr. »Für ein großes Publikum waren wir ja kaum von Interesse.«
    
»Was?! So billig?«
    
So habe man ihn wegen seiner Gründlichkeit schon mal als »Erbsenzähler« tituliert - habe das Ringen um die Finanzen die Entstehungsgeschichte begleitet. 11,3 Millionen Mark investierte das Kulturamt, in Wahrheit, so Windfuhr, lagen die Kosten damals bei rund 14 Millionen Mark, da unter anderem Landesmittel nicht eingerechnet wurden. Und trotzdem. Windfuhr muß wieder lächeln. »Wenn ich das jemandem aus der Wirtschaft erzähle, würde der sagen: ›Was?! So billig?‹«

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Lothar Schröder, Rheinische Post, 12. Oktober 2005
Heine-Ausgabe - eine Sache von zwei Jahren?

Vor wenigen Tagen hockten Wissenschaftler in Düsseldorf beisammen, um über Perspektiven des Heine-Portals im Internet zu beraten und über Trends digitaler Literatureditionen. Da meldet sich gestern die wissenschaftliche Vergangenheit wieder zu Wort, ohne die freilich Heines Internet-Auftritt undenkbar wäre.
    Gemeint ist die 16 Bände umfassende »Düsseldorfer Heine-Ausgabe« (DHA),herausgegeben von Professor Manfred Windfuhr. Aber was heißt das schon bei einem solchen Riesenprojekt? Die Antwort hat der Germanist, Jahrgang 1930, nun selbst gegeben in seinem so untertitelten und lesenswerten »Erfahrungsbericht« zur DHA.
    Das hört sich trockener an als es ist. In 34 Jahren ist sehr viel passiert, denn so viel Zeit hatte die DHA in Anspruch genommen (von 1963 bis 1997), allein die ersten zehn Jahre dienten der Sammlung von Heine-Texten, Was das bedeutet, erklärt Windfuhr auch in Zahlen: Rund 7.000 Werkmanuskriptseiten standen für die Arbeit zur Verfügung (das sind 95 bis 98 Prozent aller noch erhaltenen Heine-Manuskripte); 60 Prozent davon lagen im Heine-Institut, 25 Prozent in der Bibliotheque Nationale de France in Paris, der Rest verteilte sich über viele Länder.
    Das kostete nicht nur Geld - am Ende waren es offiziell 11,3 Millionen Mark -, sondern auch Zeit. Es gab reichlich Querelen hinter den Kulissen der Ausgabe, eine davon kreiste immer wieder um die Dauer des Projekts. So meinte der Sportdezernent Dr. Landwehr, daß man das Projekt »in zwei Jahren durchziehen« könne, und selbst Fachleute wie der renommierte Germanist Benno von Wiese räumten den Heine-Leuten nur wenige Jahre ein.
    Krisensitzungen folgten, immer wieder gab es neue Verzögerungen. Helmut Koopmanns Band etwa dauerte viel zu lang, ließ eine Editionslücke von drei Jahren entstehen. Und danach legte Koopmann seine Arbeit an einem weiteren Band auch noch nieder. Außerdem tauchte die Frage nach Mitherausgebern auf, Windfuhrs Leitung schien zwischenzeitlich gar gefährdet. Der Bericht deutet an, daß dabei nicht nur die Liebe zur Literatur half, sondern vor allem Hartnäckigkeit in vielen Gremien. Das Ergebnis gibt ihm Recht, die Zeit auch: So wurde die Heine-Säkularausgabe in Weimar sieben Jahre vor der historisch-kritischen aus Düsseldorf begonnen und hat ihren Abschluß heute noch nicht erreicht.
    Glaubt man Windfuhr, soll der Bericht seine letzte Heine-Arbeit sein. Ganz ohne Pathos sagte er gestern: »Für mich ist Heine abgeschlossen. Jetzt sollen die Jüngeren ran.« Glauben wir Windfuhr lieber nicht.

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Manfred Windfuhr, Heinrich Heine: »Die Düsseldorfer Heine-Ausgabe«




rp-online, 11. Oktober 2005
Erfahrungen mit drei Jahrzehnten Heine

Der 17. Band der Heine Ausgabe ist schmaler geworden als der Rest der Gesamtausgabe. Als Erfahrungsbericht über drei Jahrzehnte Wissenschaftsgeschichte setzt er den Schlußpunkt hinter die Arbeit von Professor Manfred Windfuhr, der von 1973 bis 1997 die 16 Bände umfassende »Düsseldorfer Heine-Ausgabe« herausgab. Maßstäbe setzte Windfuhr in der Editionswissenschaft, fand mehrere tausend Briefe sowie Dokumente aus Nachlässen und erlebte so manche filmreife Szene bei den Verhandlungen der Nachlässe. Mit seinem Buch »Die Düsseldorfer Heine-Ausgabe. Ein Erfahrungsbericht« bilanziert Windfuhr das Erreichte und erzählt von den Schwierigkeiten der historisch-kritischen Ausgabe.
    Die Düsseldorfer Heine-Ausgabe ist die erste, die Heines handschriftliche Überlieferung vollständig ausgewertet, transkribiert, abgedruckt und die Lesarten hergestellt hat. Auf 20.000 Seiten vollzieht sich Heines Geschichte in Werken, Briefen, Bruchstücken und Bilddokumenten und erschließt die Texte in bisher nie da gewesener Breite, Genauigkeit und Kommentierung. Nach Abschluß der letzten Ausgabe wurde der Herausgeber häufig aufgefordert, von den Erfahrungen dieses langen Unternehmens zu berichten. Zunächst zögerte er, dann aber überwog der Wunsch, seine Erfahrungen an die nächste Editionsgeneration weiterzugeben. Und so ist nun sein Erfahrungsbericht im Düsseldorfer Grupello Verlag erschienen, in dem Windfuhr die Charakteristika der Ausgabe herausarbeitet, die im Bereich der Textkritik und des Kommentars neue Wege beschritt.
    Aber der »17. Band«, wie ihn Windfuhr selbst nennt, ist kein reiner Rückblick, sondern auch ein Stück gelebte Wissenschaft, die viele Hindernisse zu überwinden hatte. So berichtet der inzwischen 75-jährige Literaturwissenschaftler, der bis 1992 an der Heinrich-Heine-Universität lehrte, auch von den Fluktuationen bei Mitarbeitern, dem Ringen um Erscheinungstermine, den Auswirkungen um die Position des Herausgebers und den Problemen bei der Finanzierung.
    So hatte er stets damit zu kämpfen, einen festen Platz zwischen den tagesaktuellen Kulturereignissen zu halten, mußte Fälschungen von Originalen unterscheiden, mit dem Vorwurf der »Erbsen- und Fliegenbeinzählerei« leben und sich rechtfertigen, dass »alles viel zu lange dauerte«. »Ich mache keine Abrechnung, sondern lege Rechenschaft ab«, sagt Windfuhr, fügt aber lächelnd hinzu: »Aber alle, die es verdient haben, bekommen ihr Fett weg.«
    Mehrere Jahrzehnte ist Manfred Windfuhr mit Heine schlafen gegangen und morgens mit dem Gedanke an die Gesamtausgabe wieder aufgewacht. »Ich bin sehr erleichtert, daß die Arbeit jetzt beendet ist auch wenn damit ein Teil meines Lebens ebenfalls zu Ende ist«, sagt der Dozent, der sich früher pensionieren ließ und die letzten vier bis fünf Jahre ausschließlich für die Gesamtausgabe arbeitete. Was aber folgt jetzt? Noch ein Heine-Buch? »Es gibt nicht mehr viel über Heine, was noch entdeckt werden kann, aber Platz für Details ist noch da – allerdings für die jungen Wissenschaftler.« Für ihn ist Heine jetzt abgeschlossen. »Ich bin jetzt nur noch Privatgelehrter.«

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