 |

|
 |


Rheinische Post, 28. November 2006 Kulinarisch kritisiert
Wenn der Dichter Heinrich Heine wirklich etwas nicht leiden konnte, dann Menschen, die öffentlich Wasser predigen, aber heimlich Wein trinken. Umso besser hätte ihm die Gesellschaft gefallen, die sich jetzt im Gerresheimer Weinkontor zusammenfand. Dort wurde ganz öffentlich sein Lieblingswein, der Riesling »Schloß Johannisberg« aus dem Rheingau genossen - allerdings erst nach geistigen Genüssen: RP- Redakteurin Cordula Hupfer las auf Einladung des Weinkontor-Mitinhabers und Journalisten Harald Posny aus ihrer Doktorarbeit »Und Zuckererbsen nicht minder - die kulinarische Metaphorik im Werk Heinrich Heines«. Dazu sorgte Musikpädagogin Verena Schaper für stimmungsvolle, barocke Blockflötenklänge.
Den zahlreichen Zuhörern lief bei vielen Passagen aus Heinrich Heines Werk, die Cordula Hupfer einfühlsam und amüsant zitierte, das Wasser im Mund zusammen - so hymnisch wurden jüdische Eintöpfe und köstliche Mahlzeiten mit Krebsen und »schwärmerisch schwimmenden Klößchen« beschrieben.
Doch lernte das Publikum den Dichter auch als Kritiker der Konsumgesellschaft kennen, der seine Gedanken über gesellschaftliche Mißstände hervorragend in der parodistischen Beschreibung eines Essens zum Ausdruck bringen konnte.
Zurück zum Titel: Cordula Hupfer, Heinrich Heine: »»Und Zuckererbsen nicht minder««

Torsten Gellner, Die Berliner Literaturkritik, 06. März 2006 Heine in Büchern, Bildern und Schachteln
Auf wissenschaftliche, aber nicht minder unterhaltsame Weise hat sich auch Cordula Hupfer der auffälligen Präsenz der Kulinarik in Heines Werk gewidmet. »Und Zuckererbsen nicht minder« - mit diesem berühmten Vers aus dem »Wintermärchen« ist Hupfers Doktorarbeit überschrieben, die ihrem Gegenstand in sprachlicher Hinsicht angemessen, also trotz des akademischen Hintergrunds durchaus vergnüglich zu lesen ist. Hupfer untersucht die biografischen und literarischen Beweggründe der häufigen Bezüge aufs Essen und Trinken. Zuvor unternimmt sie einen erhellenden Rundgang durch die kulinarisch geprägte deutschsprachige Literatur vor und nach Heine. »Gepflegte Gefräßigkeit bei Robert Walser und Thomas Mann« oder »Fleischbeschau bei Joseph Roth« lassen sich dabei etwa erkunden. Am Ende der Arbeit steht ein Appell, der nicht nur angesichts von Gammelfleisch und Dioxinhähnchen zu beherzigen ist: Eine Gesellschaft, in der Katzenfutter teurer ist als Menschenfutter, »täte gut daran, sich auf eine hochentwickelte Eßkultur, wie sie in Heines Werk zu finden ist, zu besinnen«.
Zurück zum Titel: Cordula Hupfer, Heinrich Heine: »»Und Zuckererbsen nicht minder««

Roland Berbig, Zeitschrift für Germanistik, 01. März 2006 Eine Revue zur Heine-Literatur im Gedenkjahr 2006
CORDULA HUPFERS Dissertation über die kulinarische Metaphorik hat, wie der Untertitel bezeugt, das Gesamtwerk im Auge. Die Forschungsarbeit zeichnet sich durch ein intellektuell wie darstellerisch lebendiges Verhältnis zu ihren Themen aus. Hupfer hat Freude daran, Heine in den Umkreis des Kulinarisch-Literarischen zu stellen und seinen Standort von dort aus literaturgeschichtlich zu vermessen. Ihr zweites Kapitel befaßt sich über 50 Seiten mit »Essen und Trinken« in der deutschsprachigen Literatur vor und nach Heine, was in diesem Ausmaß nicht unbedingt nötig, aber eine Lesefreude ist.
Zurück zum Titel: Cordula Hupfer, Heinrich Heine: »»Und Zuckererbsen nicht minder««

Annika Bunse, ARTE, 26. Januar 2006 »Ihr heimischen Stockfische, seid mir gegrüßt«
Wie man von einem guten Essen sagt, es sei ein Gedicht, kann man auch umgekehrt feststellen: In Heines Gedichten wimmelt es an Gerichten. Aber warum widmete Heinrich Heine sich in diesem Maße der Esskultur?
Dr. Cordula Hupfer ist Redakteurin bei der Rheinischen Post in Düsseldorf. Sie ist die Autorin des Kochbuchs »Heine à la carte« und hat ihre Doktorarbeit über das Thema »Kulinarische Metaphorik im Gesamtwerk Heinrich Heines« geschrieben.
Frau Hupfer, warum lenkt Heine das Augenmerk des Lesers so oft auf das Essen?
Da gibt es auf jeden Fall zwei Facetten. Das hängt zum einen mit seiner Biographie zusammen, denn er hat selber gerne und gut gegessen – die pudeldeutschen Apfelkuchen etwa genauso gerne wie traditionelle jüdische Gerichte. Im Exil traf er damals auf eine sehr blühende Restaurantkultur. Heine war auch ein sehr sinnlicher Mensch und hat eine sehr sinnliche Literatur geschrieben. Dann gibt es da noch die literarisch-ästhetische Facette: Denn mit Essen und Trinken lässt sich sozusagen »volksmundgerecht« etwas über den Zustand einer Gesellschaft aussagen. Heine hat als moderner Schriftsteller, als Journalist seine Kenntnisse aus dem Alltagsleben geschöpft und das in artistischer Weise. Er ist schließlich ein Meister darin, komplexe Sachverhalte einfach darzustellen, ohne dass die geistige Substanz dabei verloren geht, und dabei war ihm das Essen und das Trinken sehr hilfreich.
Können Sie uns vielleicht eine prägnante Stelle aus seinem Werk nennen, wo das lyrische Ich genau dies tut - nämlich genießen?
Es gibt eine sehr schöne Stelle aus seinem zentralen Werk »Deutschland ein Wintermärchen« und zwar aus dem neunten Kapitel. Ich lese den Text einfach mal vor:
Der Tisch war gedeckt, hier fand ich ganz die altgermanische Küche, Sei mir gegrüßt mein Sauerkraut, holdselig sein deine Gerüche, gestovte Kastanien an grünem Kohl, so aß ich sie einst bei der Mutter, ihr heimischen Stockfische seid mir gegrüßt, wie schwimmt ihr klug in der Butter, jedem fühlenden Herz bleibt das Vaterland ewig teuer, ich liebe auch recht braungeschmort die Bücklinge und Eier, die jauchzenden Würste im spritzenden Fett, die Grammesvögel die Frommen,
gebratenen Englein mit Apfelmus, sie zwitscherten mir: »Willkommen!« »Willkommen Landsmann!« zwitscherten sie, bist lange aus geblieben,
hast dich mit fremden Gevögel so lang in der Fremde herumgetrieben, es stand auf dem Tisch eine Gans, ein stilles gemütliches Wesen, sie hat mich vielleicht geliebt, als wir noch jung gewesen, sie blickte mich an so bedeutungsvoll, so innig, so wehe, besaß eine schöne Seele gewiss, doch war das Fleisch sehr zähe, auch einen Schweiskopf trug man auf, in einer zinnernen Schüssel, noch immer schmückt den Schweinen man bei uns mit Lorbeerblättern den Rüssel.
Das ist eine Stelle aus »Deutschland: ein Wintermärchen« einem sehr politisch geprägtem Werk Heines. Könnte man sagen, dass das Essen bei Heine ein verdecktes Politikum ist? Wollte er auf diesem Wege der strengen Zensur in Deutschland entgehen?
Das haben Sie richtig beobachtet. Das kommt ja auch in dieser Textstelle zum Tragen. All die Speisen, die er nennt, geben einen Reflex auf die deutsche Gesellschaft, die er ja stark kritisiert hat. Die heimischen Stockfische – das ist auch eine Anspielung, in Hinblick auf die deutsche Küche. Mit Blick auf die schwer verdaulichen Dampfnudeln , die Gemütssuppe mit Gerste, die tugendhaften Hausklöße und Sauerkohl, kann man schon die berühmt–berüchtigte Deutschlandkritik von Heine sehen. Und doch könnte er jedem Zensor entgegenhalten: »Es war doch nur über Essen ...«
Was lag Heine mehr? Die deutsche oder die fanzösische Küche? Waren ihm Apfelküchlein oder Crêpes lieber?
Beides – Hauptsache es ist gut. Es geht bei Heine schlussendlich immer um Qualität. Zunächst darum, dass alle Menschen zu Essen haben, aber auch darum, dass sie gutes Essen haben. Ich zitiere noch einmal aus dem »Wintermärchen«: »Es wächst, ihr Lieben, Brot genug für alle Menschenkinder, auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust und Zuckererbsen nicht minder.«
Können Sie die politische Aussage dieser Versen konkretisieren? Was will er mit den Zuckererbsen zum Ausdruck bringen?
Die Zuckererbsen treten in Spannung mit dem Brot. Es geht erst einmal darum, dass alle zu Essen haben, das ist mit der ganz simplen Ebene des Brotes gemeint, aber es gibt noch eine nächsthöhere Stufe, wo der Geschmack sich verfeinert. Die Zuckererbsen sind schließlich eine sehr süße, feinere Speise. Es geht nicht nur um die einfache Sättigung, sondern darüber hinaus um Qualität und um Lebensgenuss. Dafür steht Heinrich Heine wie kein zweiter deutscher Autor.
Zurück zum Titel: Cordula Hupfer, Heinrich Heine: »»Und Zuckererbsen nicht minder««

TOP Magazin Düsseldorf, 01. Dezember 2005 Reise in die Eßkultur
Cordula Hupfer hat sich dem Gourmet Heine von literaturwissenschaftlicher Seite genähert. »Wenn Gerichte Erwähnung finden, geht er zugleich mit etwas ins Gericht«, fand die Germanistin heraus. Genug Stoff für ihre Dissertation, die nun als Buch »Und Zuckererbsen nicht minder« vorliegt. Keine Sorge vor allzu viel akademischer Gedankenblässe: Der Band ist eine Reise in Eßkultur und -gewohnheiten des 19. Jahrhunderts, schildert aber auch Familienmahlzeiten bei Christa Wolf, Franz Kafka, Heinrich Böll ebenso wie die »gepflegte Gefräßigkeit« bei Robert Waiser und Thomas Mann.
Zurück zum Titel: Cordula Hupfer, Heinrich Heine: »»Und Zuckererbsen nicht minder««

|
 |