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EKiR.info, 01. Dezember 2008
Joachim Neander
Sein Leben, seine Lieder, sein Tal


Straßen, Kirchen und Einrichtungen sind nach ihm benannt, nicht nur in Bremen, wo er geboren wurde und starb (1650 - 1680), sondern auch in Düsseldorf, wo er die längste Zeit seines Berufslebens verbrachte. Weltweites Aufsehen erregte das nach ihm benannte Tal, als man dort 1856 auf die Skelettreste des Vorzeitmenschen stieß, der nach der Fundstelle den Namen ›Neanderthaler‹ erhielt. Der außergewöhnliche Lebensweg des Frühvollendeten wird hier den neuesten Erkenntnissen folgend geschildert.

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Helmut Ackermann: »Joachim Neander«




Düsseldorfer Jahrbuch Band 76, 01. Juni 2006
Helmut Ackermann, Joachim Neander.

Dieses hier bei Grupello in veränderter und erweiterter dritter Auflage erschienene Bändchen ist erstmals 1980 beim Presseverband der Evangelischen Kirche im Rheinland herausgekommen. Der Verfasser hat die bisher erschienene neue Literatur zu dem Liederdichter Joachim Neander (1650-1680), der von 1674 bis 1679 als Rektor der reformierten Schule in Düsseldorf und an der dann nach ihm benannten reformierten Kirche in Düsseldorf tätig war, zu seinen Liedern, von denen vor allem »Lobe den Herren« bekannt geworden ist, und zu dem nach ihm benannten Tal, das früher das »Gesteins« hieß, in die neue Auflage eingearbeitet. Er hat auch ein neues Kapitel »Bert Brecht contra Joachim Neander« eingefügt, in dem er sich mit der Neanderrezeption des Dichters auseinander setzt. Dieser habe sich mehrfach ideologisch-polemische Rückgriffe auf das evangelische Kirchenlied erlaubt und besonders im »Großen Dankchoral« von 1920 eine atheistisch-nihilistische Umdichtung von »Lobe den Herren« vorgelegt. Angefügt ist dem Bändchen auch ein Brief von Prof. Oskar Gottlieb Blarr, dem Neander-Kantor und Lehrer an der Robert-Schumann-Musikhochschule, über »Lobe den Herren« in der Musikgeschichte, die mit Johann Sebastian Bach beginnt und Namen wie Max Drischner, Johann Nepomuk David, Heinz Lohmann und Ulrich Baudach nennt. Lobenswert ist, daß der Verlag auch dieser Ausgabe ein Lesezeichen mit dem jetzt schon so häufig genannten Lied und im Text vorkommenden Sachbegriffen beigelegt hat.

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Helmut Ackermann: »Joachim Neander«




Das Tor, Zeitschrift der Düsseldorfer Jonges, 01. November 2005
Lob für Neander

Da hier im Heft öfter schon von Friedrich Spee die Rede war, darf natürlich auch der Kirchenliederdichter Jochim Neander (1650–1680) nicht fehlen.
    Fünf Jahre lebte, arbeitete und dichtete er in der Nähe von Düsseldorf. Nach ihm ist eine Straße in Flingern benannt und in der Altstadt die älteste reformatorische Kirche Düsseldorfs. Und auch jenes Ta1, in dem er gedichtet haben soll, wurde nach ihm benannt. Indirekt wurde er somit Namenspate des dort erst viel später gefundenen Neandertalers.
    Joachim Neander war von 1674 bis 1679 Lateinschuldirektor der evangelischen Gemeinde Düsseldorf. In dieser Zeit dichtete er vermutlich die 57 Kirchenlieder, mit denen er weltweit Aufsehen erregte. Allein sein »Lobe den Herren« wurde bisher in mindestens 34 Sprachen übersetzt.
    Über Leben und Wirken Neanders hat der pensionierte Pfarrer und frühere Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf-Süd, Helmut Ackermann, ein Buch geschrieben. Jetzt ist es im Düsseldorfer Grupello Verlag unter dem Titel »Joachim Neander: Sein Leben, seine Lieder, sein Tal« (120 Seiten, 11,80 Euro) als erweiterte und überarbeitete Neuauflage abermals erschienen. Ackermann zeichnet darin den Lebensweg Neanders nach mit zahlreichen Briefen, Dokumenten und Abbildungen – und würdigt sein Werk für die Gegenwart.
    Die Rolle von Neanders Lied »Lobe den Herrn« in der Musikgeschichte erklärt ein Essay von Oskar Gottlieb Blarr, des Komponisten und ehemaligen Kantors der Neanderkirche.
    Und dem Buch liegt ein Lesezeichen als besonderer Clou bei, das schwierige historische oder theologische Bezeichnungen übersetzt.

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Helmut Ackermann: »Joachim Neander«




Olaf Cless; Düsseldorfer Hefte, 01. August 2005
Neander im Gesteins                                                          Ein Buch über den Kirchendichter Joachim Neander (1650-1680) und die historischen Geheimnisse des Tales, das heute seinen Namen trägt

Das Neandertal bedarf wohl keiner Empfehlung als Ausflugsziel, so wenig wie das dort beheimatete Museum. Beide erfreuen sich zu Recht allgemeiner Beliebtheit. Was das Tal bei Mettmann, durch das sich die Düssel schlängelt, jedoch gebrauchen kann, ist ein wenig Aufklärung über seinen Namensgeber. Bei diesem handelt es sich ja nicht etwa, wie Ahnungs- und Gedankenlose meinen, um den homo neanderthalensis. Der heißt nur so, weil man ihn - vor demnächst 150 Jahren - eben im Neandertal entdeckte. Nein, das Tal ist benannt nach dem Kirchenliederdichter Joachim Neander. Der wirkte einige Jahre in Düsseldorf und erging sich gern in »seinem« Tal, das damals »Gesteins« genannt wurde - aus gutem Grund, war es doch eine Schlucht mit hoch aufragenden, wild zerklüfteten Felsen. Erst der Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzende Kalksteinabbau sollte dieser Idylle ein Ende bereiten.
    Über Joachim Neander informiert ein kundiges Büchlein des Kirchenhistorikers und früheren Urdenbacher Pfarrers Helmut Ackermann, das jetzt schon in einer dritten, erweiterten Auflage erschienen ist. Ackermann beschreibt Neanders kurzen Lebensweg zwischen Bremen, Heidelberg, Frankfurt, Düsseldorf und wieder Bremen, würdigt ihn als Neuerer des pietistischen Kirchenliedes (besonders anhand seines bekanntesten Liedes »Lobe den Herren«) und begibt sich schließlich auf eine spannende historische Spurensuche ins Gesteins alias Neandertal.
    Anno 1674 machte die reformierte Gemeinde zu Düsseldorf den jungen Theologen zum Rektor ihrer Lateinschule. Neander hatte zu unterrichten, mitunter auch zu predigen. Predigtsaal und Schule lagen auf einem Hinterhofgelände inmitten der Altstadt - dort, wo später die Neanderkirche erbaut wurde. 1676/77 gerät Neander in Konflikt mit seinen Vorgesetzten. Sie werfen ihm vor, heimliche Zusammenkünfte mit Gläubigen, außerhalb des regulären Gottesdienstes, abgehalten zu haben. In solchem »Konventikel«-Wesen wittern die Kirchenoberen gefährlichen Separatismus. Die drohende Entlassung vor Augen, gibt Neander klein bei und gelobt, fortan wieder strikt auf dem Pfad der Kirche zu wandeln.
    Möglicherweise hat er dennoch zuwider gehandelt -unter anderem in Gottes freier Natur, draußen im Gesteins, wo das »Echo widerhallt« zwischen »Fels und Klippen« und das »Wasser in den Gründen« rauscht wie in einem seiner schönen Lieder. Neander hatte Kontakt zu frommen Gleichgesinnten in Elberfeld - das Tal auf halbem Wege mag den idealen Treffpunkt für »Christen-Ergötzungen im Grünen« abgegeben haben, von denen der Dichter in seiner 1680 (da hatte er Düsseldorf schon hinter sich gelassen) erschienenen Liedersammlung spricht. Starke Indizien dafür, daß die Felslandschaft heimlichen spirituellen Zusammenkünften diente, sieht Helmut Ackermann in der Geschichte des Namens »Neandertal«. Zunächst trugen nämlich nur zwei spezielle Orte den Namen des Dichters: der »Neanderstuhl«, eine markante Felsenspitze am Rande der Schlucht, und die »Neanderhöhle«, jene oft beschriebene Tropfsteinhöhle, die im Innern dank einer zweiten Öffnung erhellt war und deshalb auch »Leuchtenburg« genannt wurde. Daß um 1800, als die Konventikelbewegung keine Verfolgung mehr zu befürchten hatte, die Bezeichnungen »Neanderstuhl« und »Neanderhöhle« öffentlich auftauchen, bedeutet für Ackermann, dass hier eine lang verborgene, nur mündlich weitergereichte Tradition aus Neanders Tagen ans Licht tritt. Sicher kein zwingender Schluß, dennoch ein reizvoller.
    Zum »Neandertal« wurde das Gesteins als Ganzes erst um die Zeit, als die Felslandschaft der Kalkindustrie zum Opfer fiel. Und so kam denn auch der 1856 hier entdeckte Vorzeitmensch zu seinem bekannten Namen.

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Helmut Ackermann: »Joachim Neander«