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Helga Helnwein, Literarische Kostproben, 90/2013
Die Erkenntnis eines abwechslungsreichen Lebens, Rückschau und Ausblick, Vergangenheit und Gegenwart, all das gehört zu unserem Leben.
   Die sibirische Flickendecke ist eine Decke, die die Russen aus den Resten abgetragener Kleider zu nähen pflegten. So symbolisiert die Flickendecke für jeden Flecken eine Lebenssituation.
     Tatjana Kuschtewskaja entführt den Leser in eine dem Europäer so ferne Gegend, nach Sibirien, in ein geheimnisvolles Land. Dort in dieser so unwegsamen, frostigen Landschaft leben Menschen, deren Kultur uns fremd ist. Das Buch umfaßt eine Zeitspanne ihres Lebens von ungefähr 1970 bis 1981, sowie Erzählungen verschiedener Begebenheiten, auch Erzählungen der Jakutin Anna, der Kinderfrau von Jana, der Tochter der Autorin.
     Ein faszinierendes Erlebnis möchte ich ansprechen. Es war der Mai 1945, die Meldung vom Sieg im Großen Vaterländischen Krieg. Einem Bericht zufolge wollten zwei Schulfreunde die frohe Botschaft überbringen. Es gab ja damals kein Radio in dieser Gegend. Sie machten sich auf in das nächstgelegene Dorf, da kamen die Fluten und das Hochwasser stieg. Die beiden retteten sich auf einen Hügel. Als es Abend wurde, schmiegten sie sich aneinander. Da kam aus der Ferne ein Wolf geschwommen, er schwamm an Land und legte sich zu ihnen. Er zeigte seine Friedfertigkeit. Später als sie gerettet wurden, legten sie sich ins Boot, und der Wolf sprang auf den Rücken des einen. Als sie wieder an Land waren, rannte der Wolf davon. Es werden Gegensätze demonstriert, der friedfertige Wolf, in einer anderen Geschichte dann als blutrünstiges Monster von Jägern gejagt sowie wieder gezähmt. Berichten von den Bärentänzen und Bärenspielen aus zahlreichen Erzählungen finden ihren Niederschlag.
     Auch ist der echte Schamane mit seinen Ritualen und den Heilkräften in Rußland bekannt und wird als Wahrsager, Zauberer und Wunderheiler bezeichnet. Er erteilt medizinische Hilfe, mit Ritualen verbunden. Die nördlichen Völker glauben, in ihm den Erlöser zu sehen, denn er kann sich in einen Zustand versetzen, in dem die irdische Seele den Körper verläßt.
     So wird hier der Hauch von echter seelischer Tragik und geschliffener Brillanz dem Leser in einer unglaublich eindringlichen Sprache, lebendig gestaltet, spürbar gemacht. Ein Buch, das Erinnerungen an Kriegs- und Nachkriegszeiten wachruft, aber auch das Leben, Lieben und Leiden nimmt immer wieder Gestalt an.
     »Das Leben schreibt die besten Geschichten.« Diese Worte sagte die Tochter von Thomas Mann, Elisabeth Mann Borgese, nachdem sie sich das Buch der Autorin, über Rußland angesehen hatte.


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Tatjana Kuschtewskaja: »Meine sibirische Flickendecke«




Salzburger Straßenzeitung »Apropos«, 01. August 2011
Faszinierendes Sibirien

Die Autorin verbrachte die Zeit von 1970 bis 1981 als Musikpädagogin mit ihrem sibirischen Mann und ihrem Kind in Lensk in Jakutien und dokumentierte diese Zeit in ihren Tagebüchern. Später hat sie aus den eindrucksvollen Begegnungen und Erinnerungen dieser Zeit ein Buch verfaßt - frei nach dem Motto: »Das Leben schreibt die besten Geschichten.« Die Abenteuerlust führte die Autorin in die faszinierende Welt der Schamanen mit ihren geheimnisvollen Kenntnissen und Heilzeremonien, zu den verschiedenen sibirischen Völkern mit ihren Legenden, allen vonran zu den Jakuten und Tschuktschen, zu den Eskimos, sie wird Chronistin von Wolfsjagd und Bärenspielen, von dem Leben der Menschen in der Tundra mit ihren Rentieren bei 50 Grad Kälte, den dunklen Wintern und dem Polarlicht... Das Buch ist ein wahres Kleinod mit anschaulichen Geschichten über das ferne Sibirien, denen man gebannt folgt. Die Übersetzung aus dem Russischen ist sehr geglückt und voller übersprudelnder Energie.

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Tatjana Kuschtewskaja: »Meine sibirische Flickendecke«




Neue Westfälische, 13. Juni 2007
Rätselhaftes Sibirien Lesung mit Musik in der VHS

Bei ihrem ersten Besuch im Mai strich die russische Autorin, Journalistin, Dichterin und Filmemacherin Tatjana Kuschtewskaja literarisch über die berühmtesten russischen Friedhöfe. Bei ihrem zweiten Auftritt in der Aula der Volkshochschule brachte die in Essen lebende Vorleserin ihre »Russische Flickendecke« mit.

 Der Titel ihres jüngsten Buches ist Programm. Aus den Tagebucherinnerung wob sie einen bunten Erzählstoff mit Geschichten und Geschichtchen aus ihrem Leben in der sibirischen Einöde, wohin sie ihr staunend lauschendes Publikum auf eine weite Reise mitnahm.

 Neben einem zweiten Buch, in dem sie die Schönheit der Landschaft und die Besonderheit der Menschen entlang des sibirischen Stromes Lena preist, hatte die so begeisternd erzählende Kuschtewskaja, die auch ausgebildete Musikpädagogin ist, wieder ihre musikalische Begleitung Marina Kalmykowa »im Gepäck«. Diese untermalte mit ihrer facettenreichen, mal rauchigen, mal in den höchsten Tönen klaren Stimme die Erzählungen von Jakutien, diesem »Hinterhof der Welt«, wie das vergessene Land weit jenseits des Urals von den Russen tituliert wird.

 Zu Unrecht, wie Tatjana Kuschtewskaja, die dort einst der Liebe wegen lange Jahre unter Jägern und mit der Natur verbundenen Menschen verbrachte, findet. Die Volkslieder der Jakuten klingen fremd und melancholisch und verraten dank der emotionalen Stimmlichkeit, die Kalmykowa ihnen gibt, dennoch so viel über die Seele der dort lebenden Menschen. Und Kuschtewskaja erzählt gestenreich und reich ausgeschmückt von den Pelztierjägern und den Schamanen, von der für Westeuropäer mehr als gewöhnungsbedürftigen Naturmedizin, von Begegnungen und Schicksalen.

 Insbesondere die Medizinmänner haben es ihr angetan. »Ich war jahrelang auf der Suche nach den Schamanen«, verrät sie und berichtet von den Fieberträumen, in denen sich Geheimnisse jenseits der Vorstellungskraft lüfteten. Marina Kalmykowa beeindruckender mythischer, kehliger Gesang, über Tausende von Jahren weitergegeben, der wie eine Geisterbeschwörung klingt, verstärken die phantasievolle wie authentische Erzählung noch.

 Daß der Urvater der Sowjetunion, Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, seinen Kampfnamen der Lena entlieh, ist selbst den Besuchern mit russischen Wurzeln noch neu.

 Doch Kuschtewskaja vergißt die Kehrseite dieser Idylle nicht. Die Jakuten leiden unter der zügellosen Ausbeutung der Bodenschätze, von deren Reichtümern nur die Öl-Milliardäre in Moskau, aber nicht die einheimische Bevölkerung profitieren. Trotzdem: »Ich liebe Sibirien, so lange ich lebe«, lautet ihr überzeugendes Schlußbekenntnis.


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Tatjana Kuschtewskaja: »Meine sibirische Flickendecke«




Regina General, Freitag, 15. September 2006
Flüchtige Bekanntschaft

Die Geschichten, die Sibirier erzählen, sind von eigenartiger Schwere, bodenständig und schön. Sie berichten von ihrem Leben, aber in fast gleicher Weise von Biene, Baum und Bär. Von hundertjährigen Fichten, die den Blick magisch nach oben ziehen, Tempel und Orientierung zugleich, derer man sich ehrfürchtig bedient. In diesen Geschichten gibt es noch keine Wegwerfprobleme. Was der Sibirier in seinem Leben braucht, beschreibt Tatjana Kuschtewskaja in »Meine sibirische Flickendecke«. Hosen, Mützen, Kleider, Pelze - all diese ausrangierten Kleidungsstücke erzählen in diesem Band ihre Geschichte, gerade weil sie ihre alte Bestimmung verloren haben. Sie werden traditionsgemäß auf eine eigene, ganz sichtbare Weise bewahrt. Zusammengenäht als Decke, das ganze Leben. Die Jacke vom Großvater, der Schal von Anna, das Käppchen der Tochter..., sie reihen sich aneinander, lassen weinen und lachen, erinnern an Begebenheiten, bewahren Leben. Liebenswert und heiter, hintergründig und Furcht einflößend kommen sie daher: »Der Schamane unterbricht sein Murmeln und fragt mich mit strengem Blick: >Was hast du gesehen?< - >Eine Tote.<- >Hast du sie erkannt? < - >Ja< - >Wer war sie?< - >Ich selbst. < - Ich beginne am ganzen Leib zu zittern.«

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Tatjana Kuschtewskaja: »Meine sibirische Flickendecke«




Bayerischer Rundfunk: B5, Interkulturelles Magazin, 06. Februar 2005
Kulturtip: Das Buch von Tatjana Kuschtewskaja »Meine sibirische Flickendecke«

Das Leben ist wie eine Decke, die aus verschiedenen Erlebnis - Flicken zusammengenäht wurde. So ist dies jedenfalls bei der russischen Schriftstellerin Tatjana Kuschtewskaja. In ihrem autobiographischen Buch »Meine sibirische Flickendecke« erzählt die seit 15 Jahren in Deutschland lebende Autorin über »ihr« Sibirien. Weite Landstriche unberührter Natur, Menschenschicksale, Abenteuer und Zauber....alles vermischt sich in diesem bunten Werk, das auf Grund jahrelang geführter Tagebücher geschrieben ist. Als junge Frau ging Kuschtewskaja nach Sibirien, um dort den Kindern Musik zu lehren. Dabei lernte sie eine ganz andere Kultur und einen ganz anderen Lebenssinn kennen. Sie erlebte Feste zu Ehren des Bären, hat Rentierblut mit Wodka getrunken und wurde von einem Schamanen geheilt:

Zitat:

»Der Schamane unterbricht sein Murmeln und fragt mich mit strengem Blick: »Was hast du gesehen?« - »Eine Tote.« - »Hast Du sie erkannt?« - »Ja.« - »Wer war sie?« - »Ich selbst.« -Ich beginne am ganzen Körper zu zittern.
    »Hab keine Angst!« sagt der Schamane. »Merke dir aber: Der Tod wird dich holen kommen, wird deiner aber nicht habhaft werden. Ich habe dich daraus befreit, indem ich die Geister bat, dich zu verschonen. Du wirst leben. Du wirst noch lange leben...«

    »Über Sibirien muss man entweder gut oder die Wahrheit schreiben« - soll einst Lew Kopelew gesagt haben. Mit diesem Buch ist der Schriftstellerin wohl beides gelungen.

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Tatjana Kuschtewskaja: »Meine sibirische Flickendecke«




Olaf Cless, düsseldorfer hefte, 01. Februar 2005
Geisterbeschwörung am Baikalsee
Von sibirischen Rentierzüchtern und Fischern, Schamanen und Babuschkas, Bärenfesten und Polarnächten erzählt Tatjana Kuschtewskaja in ihrem neuen Buch


Sie sind den Winter leid, haben die Kälte satt? Na hören Sie mal, Sie Mimose! Sie sollten mal den sibirischen Winter erleben! Temperaturen um die 50 Grad minus. Monatelange Düsternis ohne richtigen Sonnenaufgang. »Daß es tagt, sieht man nicht am Licht, sondern an den Uhrzeigern«, schreibt Tatjana Kuschtewskaja. Sie hat mehrere Jahre im hohen Norden gelebt. Als Musikpädagogin im jakutischen Städtchen Lensk an der Lena gearbeitet. War mit einem richtigen sibirischen Jäger verheiratet. Bereiste das weite Land mit der »Transsib« und dem Flugzeug, mit Hubschrauber und Auto, per Schlitten und zu Fuß. Lernte Land und Leute kennen, sammelte emsig Schicksale, Geschichten, Märchen, Kochrezepte - alles landete in ihrem Tagebuch.
    Und wie sibirische Frauen alte Kleidungsstücke zu verwerten pflegen, indem sie daraus eine farbenprächtige Flickendecke, ein Patchwork aus kunterbunten Stoffquadraten nähen, so hat Tatjana Kuschtewskaja ihre damaligen, rund dreißig Jahre zurückliegenden Erlebnisse und Aufzeichnungen zu einem facettenreichen Tableau zusammengefügt. Die Bezeichnung »dokumentarischer Roman« im Untertitel ihres neuen Buches ist dabei wenig glücklich, weckt sie doch Erwartungen hinsichtlich der literarischen - eben romanhaften - Durcharbeitung und Stringenz des Ganzen, die die Autorin nicht einlöst. Als »Flickendecke« aber, als locker gefügter sibirischer Bilderbogen und Episodenreigen, haben diese Aufzeichnungen durchaus ihren Reiz. Sie führen den Leser in eine erstaunliche fremde Welt, in der Mensch und Natur einander intensiv und dramatisch begegnen, in der es Bären, Wölfe und peinigende Mückenschwärme gibt. Eine Welt, in der alte Völkerschaften wie Jakuten, Nenzen, Chanten, Burjaten und Ewenken mit ihren je eigenen Sprachen und Traditionen zu Hause sind. Hier ist der Glaube an Naturgeister nach wie vor lebendig und der Schamane eine geachtete, wenn nicht gefürchtete Person. Tatjana Kuschtewskaja berichtet von mehreren, teilweise dunkel-bedrohlichen Begegnungen mit solchen Schamanen (»Saman« bedeutet auf ewenkisch so viel wie »Mensch in Trance und Ekstase«). Manches, was sie zu diesem Thema zusätzlich kolportiert, weckt allerdings gelinde Zweifel: etwa daß Schamanen »über Wasser zu gehen vermögen«, oder daß sie häufig »an der einen Hand sechs Finger« haben.
    Nach einigen Jahren schlug der jakutische Winter, trotz Polarlicht-Schauspiel, riesengroßer Schneeflocken und anderer Wunder, Tatjana Kuschtewskaja denn doch aufs Gemüt. Sie zog mit ihrer jungen Familie nach Moskau, begann an der Filmhochschule zu studieren, Drehbücher und Reportagen zu schreiben. Ihr Mann tat sich schwer in der Großstadt, verfiel dem Heimweh nach den sibirischen Weiten und, wie die Autorin andeutet, dem Alkohol. Was aus ihm, dem stolzen und naturbegeisterten Jäger, geworden ist, verrät die vorliegende »Flickendecke« nicht. Wohl aber, daß Tochter Jana, die als Künstlerin in Moskau lebt, das Schützentalent geerbt hat. Wenn sie an einer Kirmes-Schießbude loslegt, staunen alle.

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Irmtraud Gutschke, Neues Deutschland, 20. Januar 2005
Tatjana Kuschtewskaja führt nach Sibirien
»Baraksan!«


Eine Decke, aus vielen Flicken zusammengenäht, von denen jeder einzelne an ein wichtiges Lebensereignis erinnert - darauf spielt Tatjana Kuschtewskaja mit dem Titel ihre Buches an. Ich würde es jedoch eher mit einem russischen Gastmahl vergleichen. Egal, wie viel man noch auf dem Teller hat, ob man es aufessen kann oder nicht, die Hausherrin trägt immer neue Speisen herein. Natürlich nur solche, die dem Gast auch schmecken.
    Tatjana Kuschtewskaja, Dokumentarfilmerin und Autorin, lebt seit 1991 in Deutschland und weiß, wonach Bedarf besteht. Sie bietet alles an, was zu Sibirien gehört, aber in unterschiedlichen Mengen. Von dem, was man aus Zeitungen kennt, gibt es nur ein bißchen. Dafür umso mehr von dem, was Menschen hier zu Lande entbehren: weite unberührte Natur, Abenteuer, Geheimnis, Lebenssinn.
    Da friert ihr das Haar bei minus 50 Grad nach einer Entbindung am Kopfkissen fest, da wird Rentierblut mit Wodka getrunken, da findet eine Wolfsjagd per Hubschrauber statt, da wird zu Ehren des Bären ein Fest gefeiert. Und diverse Schamanen geben sich ein Stelldichein von der ersten bis zur letzten Seite: der eine prophezeit, die andere verflucht, die dritte heilt, der vierte läßt die Atmosphäre in einer Hütte gänzlich unwirklich werden. »Der Geist ist da, flüsterte mir die Helferin zu, gleich wird er sprechen« ...
    Der Reiz ist, daß es authentische Erinnerungen auf Grund akribisch geführter Tagebücher sind. Mit ihnen holt sich Tatjana Kuschtewskaja selbst ihre Heimat zurück - und den Mann, den sie liebte, Is'cho. »Mein Vater war der beste Jäger Sibiriens«, sagt ihre Tochter Jana. Man spürt: Tatjana Kuschtewskaja hat das Schreiben als Glück erlebt. Das färbt auf den Leser ab. Übersprudelnde Energie teilt sich mit und die berühmte russische Emotionalität. »Wir müssen etwas tun, tun, tun, mit Hingabe und ganzer Seele, ohne dabei nach Geld, Ruhm oder Verständnis zu schielen«, so zitiert sie sich selbst als junges Mädchen.
    Ihr letztes Wort, auf das sie das ganze Buch hingeschrieben hat, heißt »Baraksan!«. In der Sprache der Dolganen, eines 6.500 Seelen zählenden Volkes auf der Halbinsel Taimyr, bedeutet es so viel, wie »ein ausgefülltes Leben führen, in Einklang leben mit der Welt, der Natur und den Menschen - weise und lebensfroh sein«.

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Wostok. Informationen aus dem Osten für den Westen, 01. Januar 2005
Tatjana Kuschtewskaja - Meine sibirische Flickendecke

Auch das neue Buch von Tatjana Kuschtewskaja ist einmal mehr Sibirien gewidmet. Die Autorin bezeichnet »Meine sibirische Flickendecke« als dokumentarischen Roman über ihre Sibirienjahre, besser müßte man sagen, die mit Sibirien verbundenen Jahre von 1972 bis 1981. Sie läßt die Natur und die Menschen aufleben, auch das Verhältnis von Mensch und Natur, bringt dem Leser die faszinierende Welt der Schamanen und ihrer geheimnisvollen Kenntnisse ebenso nahe wie die Welt der Tschuktschen, zugleich den Alltag jener Zeit. Zur Flickendecke der
Autorin haben viele Menschen ein Stück beigesteuert. Die Kunst besteht darin, all die kleinen Stücke und Flicken zu einem Ganzen zu verbinden.

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Neue Ruhr Zeitung, 20. Dezember 2004
Sibirisches Patchwork
Die Essener Autorin Tatjana Kuschtewskaja hat ein neues Buch geschrieben.


Diesen Flicken hat ihr Großmutter Anna gegeben, dieser stammt vom roten Käppchen ihre Tochter. »Sie war fünf, als sie es trug«, schreibt Tatjana Kuschtewskaja. »Genau so alt wie seinerzeit ich, als die Kindergärtnerin uns fragte, 'Kinder wen liebt ihr mehr - die Mama oder Stalin?' und wir riefen: Stalin!« Die Flicken hat Tatjana Kuschtewskaja gesammelt, und wie es in Russland gerne Brauch ist, zu einer Decke zusammengenäht. Genau so hat sie es mit ihren Erinnerungen gemacht: »Sibirische Flickendecke« heißt ihr neues Buch.
    Nach der Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn und der kulinarischen Reise durch die Küche ihrer Heimat, entführt die russische Autorin, die seit 1991 in Essen lebt, ihre Leser also abermals in den fernen Osten, in das für uns Deutsche so fremde wie faszinierende Sibirien. Elf Jahre ihres Lebens, von 1970 bis 1981, hat Tatjana Kuschtewskaja dort verbracht. Und doch ist ihr Buch weniger eine Rückkehr als vielmehr ein Neuanfang. Erstmals versucht sich die Autorin an einem Roman, einem dokumentarischen, getreu einer Empfehlung, die ihr einst Lew Kopolew gab: Über Sibirien müsse man entweder gut oder die Wahrheit schreiben.
    So schreibt Tatjana Kuschtewskaja über sibirische Sitten und geheimnisvolle Schamanen, über den sibirischen Jäger Is’chio, ihren ersten Mann, über eine tragische Wildschweinjagd und über die glückliche Flucht dreier kriegsgefangener Landser ... so bunt und vielfältig eben wie eine Flickendecke. Wer dabei zuweilen den roten Faden verliert, dem sei gesagt, es ist ein Lesebuch. Also: aufschlagen, unter eine Decke kuscheln und sich entführen lassen ins ferne Sibirien.

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