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Nancy Kleye, Fränkische Landeszeitung Ansbach, 22. April 2005 »LeseLust - Eine Region liest«: Nevfel Cumart stellt seine Gedichte im Verwaltungsgericht Ansbach vor
Wenn ein spannungsreiches Leben zwischen der türkischen und der deutschen Kultur lyrische Form gewinnt
»Ich empfinde mich als Mensch«, sagt der Lyriker Nevfel Cumart während seiner Lesung der Literaturreihe »LeseLust - eine Region liest.« Das klingt so selbstverständlich und so einfach. Doch der Weg bis dahin war für den Autor alles andere als leicht. Am langen Tisch des Sitzungssaales im Ansbacher Verwaltungsgericht liest Cumart nicht nur aus seinen 13 bisher erschienen Gedichtbänden vor, nein, er erzählt Lebensgeschichten. Eine wahre Bereicherung für diesen Abend, der sich zu einer kleinen Reise zwischen den Welten entpuppt.
Mit 17 Jahren begann der in Stade an der Elbe geborene und aufgewachsene Cumart Gedichte zu schreiben. Die Inhalte sind geprägt von dem eigenen Lebensweg, von Konflikten zwischen den Generationen, von der Liebe zwischen den Menschen und ihrer Sehnsucht.
Ziel: Leichtigkeit
»Leicht zu schreiben, ist nicht einfach«, gesteht der Autor, schon gar nicht wenn man Gedichte schreiben möchte, die ein Normalsterblicher versteht. Wie gut ihm das gelingt, vermögen seine Ausführungen über jungendliche Zuhörer in Schulen beweisen, die ihm scheinbar gelangweilt während einer Lesung zuraunen: »Das hätte ich auch gekonnt. «
Cumart selbst hat sein spannungsreiches Leben zwischen der türkischen und der deutschen Kultur immer als Bereicherung empfunden. Das Schreiben half ihm bei der Bewältigung von Identifikationsproblemen der so genannten zweiten Generation.
Die Gedichte finden ihn, sagt der bei Bamberg lebende Autor. Und damit verbunden sind Botschaften von ihm an die Menschen. Eine davon lautet: »Das Lachen bewahren«, besonders dann, wenn es gilt, seinen eigenen Lebensweg zu finden.
Cumart schreibt aus dem Leben und ist damit dem Alltag beeindruckend nahe. Er vermag den Zauber der kleinen Momente in Poesie zu verpacken. So schreibt er beispielsweise über Amelias ersten Zahn oder über die erste Liebe, und das eben nicht in der Rolle eines deutschen Staatsbürgers, sondern in erster Linie als Mensch. Die wenigen Zuhörer lauschen seiner Liebeslyrik gleicher maßen wie seinen Gedichten »Arbeitsleben«, »Zwei Welten« oder »Ausweg«. Es ist keine typische Lesung, denn die Zuhörer sind sehr interessiert an den Lebenserfahrungen und Erlebnissen des Autors.
Grenzen in Bewegung
Der mehrfach für seine Poesie ausgezeichnete Cumart fesselt die Gedanken und Gefühle seiner Zuhörer. Manch einer mag sich zerrissen gefühlt haben, wohl wissend im Elfenbeinturm zu sitzen, in der eigenen Heimat, die ihm absurd fremd erschien.
»Unterwegs zu Hause«, lautet der Titel eines Gedichtbandes -Cumart schickt uns auf eine Reise zwischen den Kulturen, wobei die Grenzen in Bewegung sind.
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David Seinsche, Kultur-Kanal, 01. Dezember 2004 Der Poet Nevfel Cumart
Der gelernte Zimmermann Nevfel Cumart wurde 1964 als Sohn türkischer Einwanderer in Lingenfeld geboren und wuchs in Stade auf. Bereits im Jahre 1983, während seines Hochschulbesuchs, veröffentlichte er sein erstes Werk mit dem Titel »Im Spiegel«. Während des Studiums der Turkologie, Arabistik und Islamwissenschaft in den Jahren 1986 bis 1993 veröffentlichte er 12 weitere Gedichtsbände, unter anderem »Zwei Weiten« und »Seelenbilder«, welche mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet wurden, darunter den Literatur-Förderpreisen der Bundesländer Rheinland-Pfalz und Bayern. Der 40-jährige Wahl-Bamberger hat zusätzlich bis heute eine Sammlung mit Erzählungen sowie zahlreiche Prosaschriften und literarische Essays in diversen Anthologien publiziert. Er beschränkt sich dabei nicht auf die deutsche Sprache, sondern veröffentlicht auch in seiner Heimatsprache Türkisch sowie in Englisch.
Doch Nevfel Cumart verfasst nicht nur eigene Lyrik, er setzt sich seit langem stark für die Integration und Anerkennung außerdeutscher Literaten ein. So übersetzte er zahlreiche Werke bekannter türkischer Autoren wie Aziz Nesin, Yasar Nuri Öztürk oder Inci Aral und verfasst Porträts und Rezensionen über moderne türkische Literatur. Eine der bekanntesten und angesehensten Übersetzungen ist zweifelsohne »400 Fragen zum Islam - 400 Antworten«, im Original von Yasar Nuri Öztürk, welches mit dem Vorurteil aufräumt, alle Islamisten seien Fanatiker, die nur ihren Glauben zulassen und alle anderen Religionen vernichten wollen - aktueller denn je.
Auf seinen zahlreichen Reisen im In- und Ausland, vor allem nach England, Irland, in die Türkei und die Schweiz, hält Cumart Vorträge über die Situation der Ausländer in Deutschland sowie über den Islam. Er hat sich immer um Integration und Anerkennung ausländischer Mitbürger bemüht. In seinem neuesten Werk »Unterwegs zu Hause« vereint Cumart unveröffentlichte Gedichte aus den vergangenen 4 Jahren. Die Gedichte sind teils biografisch, bei anderen wiederum handelt es sich um klassische Reisegedichte. Auch findet sich in diesem Sammelband Poesie, welche sich der Gesellschaft und Politik gegenüber kritisch zeigt.
In Nevfel Cumarts Gedichten ist das Emotionale herauszulesen. Südafrika beschäftigt ihn genauso wie die in Deutschland betriebene Asylpolitik. Vor allem aber sind es seine Ljebesgedichte, die überzeugen. Ein Stil, der manchmal an Erich Fried erinnert. Unverkennbar bei Cumart ist jedoch die orientalische Würze, das reiche Aufgebot an Metaphern, deren Bedeutung man im deutschen Sprachraum manchmal vergebens sucht. Cumart schafft es wie kein Zweiter, einen lyrischen Bogen zu spannen von den kargen Gebieten Anatoliens, dem Land seiner Vorfahren, bis zu den bundesrepublikanischen Amtsstuben. Er prangert dabei subtil an, dass dort meist erst nach Jahren, in denen sich zahllose Asylanten schon eine Existenz in Deutschland aufgebaut haben, über das Wohl und Wehe dieser Asylbewerber entschieden wird.
Oftmals wird der Antrag dann abgelehnt, und die Antragsteller werden in ihr Heimatland, welches schon lange keine Heimat mehr für sie ist, zurückgeschickt. Eben dieser Politik widersetzt sich der Schriftsteller Cumart, hat er zwar seine elterlichen Wurzeln in der Türkei, seine Heimat aber in Deutschland.
Er mag zwar kein Mahatma Gandhi sein, aber Nevfel Cumart kämpft ebenso zielstrebig wie dieser mit friedlichen Mitteln, eben der Literatur und Poesie, für eine harmonische Koexistenz zweier Kulturen.
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