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Rheinische Post, Jan Caspers, 20. August 2011
Krieg und Frieden in Dsseldorf

Zerstrte Gebude, amerikanische Panzer, heimkehrende Soldaten: Ein neues Buch vermittelt einen Eindruck davon, wie die Dsseldorfer den Zweiten Weltkrieg erlebt haben. Historische Fotos, die das Stadtarchiv zur Verfgung gestellt hat, zeigen beklemmend das Ausma der Zerstrung.


Herrschte beim berfall auf Polen am 1. September 1939 in Dsseldorf zunchst noch keine groe Kriegsbegeisterung, so wuchs diese nach den schnellen Erfolgen ber den stlichen Nachbarn stetig an. Nach der Kapitulation Norwegens, Belgiens und der Niederlande feierten am 9. Juni 1940 bereits Tausende Menschen auf der Knigsallee, wie in dem Buch Krieg und Frieden in Dsseldorf (erschienen im Grupello Verlag) nachzulesen ist. Mit dem Sieg ber Frankreich glaubte man schlielich, die erlittene Schmach aus dem Ersten Weltkrieg getilgt zu haben. So zeigen die Bilder siegreiche Soldaten, die im September 1940 aus Frankreich nach Dsseldorf heimkehren.
Mit zunehmender Kriegsdauer hatten die Dsseldorfer allerdings immer weniger Lebensmittel zur Verfgung. Daher bauten sie in den Parkanlagen und ffentlichen Grnflchen in der Folge Kartoffeln, Salat, Mhren und anderes Gemse an. Dennoch mute die Bevlkerung bald tglich fr eingeteilte Lebensmittelrationen anstehen. Eine ausreichende Grundversorgung galt aber zunchst als gesichert. Die Verpflegungsstelle am Oberbilker Markt, an der auf eine anstehende Zusatzverpflegung hingewiesen wird, ist auf einem Bild zu sehen.
Um dem Mangel an Arbeitskrften in den Rstungsbetrieben der Stadt zu begegnen, der durch die Einberufung junger Mnner zur Wehrmacht entstanden war, setzte man ab dem Jahr 1942 das System der Zwangsrekrutierung ein, bei dem verschleppte Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter in ber 400 Lager und Baracken im Stadtgebiet eingesperrt wurden. So unterstand das KZ-Auenlager Berta, eines von sechs KZ-Auenlagern, mit etwa 800 Hftlingen aus Osteuropa organisatorisch dem KZ Buchenwald und wurde durch die SS bewacht.
Auch die Dsseldorfer Stadtverwaltung beschftigte solche Zwangsarbeiter und unterhielt ein eigenes Lagersystem. In den beiden grten stadteigenen Barackenlagern waren etwa 1500 Zwangsarbeiter untergebracht. Fast 4500 auslndische Zwangsarbeiter starben bis Ende zum Ende des Krieges 1945.

Verbote fr Juden

Ebenso systematisch schaltete die Gestapo auch innenpolitische Gegner aus. Hatte in den ersten Kriegsjahren noch ein starker kommunistischer Widerstand geherrscht, so verhaftete die Gestapo nun Hunderte Kommunisten, die daraufhin zu langen Zuchthausstrafen verurteilt wurden. Fast 200 dieser Inhaftierten starben whrend der Haft.
Im November 1938 waren im Zuge der Pogromnacht die Synagoge zerstrt und zahlreiche jdische Dsseldorfer in das KZ Dachau verschleppt worden. Die Anzahl der Dsseldorfer Juden sank von 5000 Einwohnern im Jahr 1933 auf 1813 Bewohner im Jahr 1939. Zudem wurden Ausgangssperren verhngt, Umzge in gekennzeichnete Judenhuser erzwungen und Ausgnge nur mit Sondergenehmigung der Gestapo bewilligt. Juden durften bestimmte Straen, wie etwa die Schadowstrae oder auch die Knigsallee, nicht mehr betreten. Im Jahr 1941 wurde schlielich jede Emigration verboten.
Am 28. Oktober 1941 brachte der erste Deportationszug mehr als 1000 Juden in das Ghetto von Litzmannstadt (Lodz) und von dort weiter in das Vernichtungslager Chelmno. Insgesamt fuhren zwischen 1941 und 1944 neun Transporte vom Derendorfer Gterbahnhof in die Ghettos von Lodz, Minsk, Riga, Theresienstadt und Izbica bei Lublin. Nur 56 jdische Dsseldorfer, die in Mischehen oder in der Illegalitt gelebt hatten, erlebten den Einmarsch der US-Truppen. Etwa die Hlfte der 5000 Mitglieder der jdischen Gemeinde Dsseldorfs wurde ermordet. Andere konnten sich lediglich durch die Flucht nach Grobritannien, Palstina oder in die USA retten, wo sie in Sicherheit waren.
Als der Vormarsch der deutschen Truppen an der Ostfront 1942 ins Stocken geriet, stieg auch die Zahl der alliierten Luftangriffe stark an. Bis Kriegsende starben in Dsseldorf dabei 5800 Menschen, davon etwa 4500 Zivilisten. Von 1942 bis 1945 erlebte die Stadt 16 Luftangriffe. Allein beim Pfingstangriff vom 11. und 12. Juni 1943 kamen ber 1.200 Menschen ums Leben. Die Anzahl der Luftschutzbunker reichte fr die Bevlkerung nicht aus. Englische Bomben zerstrten zudem 3.800 Wohnhuser und 57 ffentliche Gebude wie den Jgerhof, die Tonhalle oder das Schauspielhaus. Die Bilder belegen, da auch der Bereich um den Dsseldorfer Hauptbahnhof von mehreren Bomben getroffen wurde. Arbeitskrfte der Wehrmacht, der Technischen Nothilfe und des Reichsdienstes versuchten, gemeinsam mit Freiwilligen die Trmmer zu beseitigen.
Als die US-Truppen im Mrz 1945 die linksrheinischen Stadtgebiete besetzten, wurden auf der anderen Uferseite noch zahlreiche Deserteure erschoen. Die Nationalsozialisten versuchten, eine kampflose bergabe der Stadt an die Amerikaner zu verhindern. Ohne nennenswerte Gegenwehr konnte Dsseldorf am 17. April 1945 durch die US-amerikanischen Truppen, die auf den Fotos mit Panzern ber die Flurstrae in Richtung Dorotheenplatz rollen, befreit werden.

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Clemens von Looz-Corswarem (Herausgeber), Prof. Dr. Jrg Eng[..]: »Krieg und Frieden in Dsseldorf«




Stefan Wunsch, Geschichte in Kln 55/2008, 06. August 2009
Die vielfltigen Auswirkungen von Kriegen, Kriegsgeschehen, Militr und Rstungsindustrie auf die Entwicklung von Stdten und das stdtische Leben sind klassische Fragestellungen der Geschichtswissenschaft - siehe etwa Bernhard Kirchgssner / Gnter Scholz (Hg.): Stadt und Krieg, Sigmaringen 1989 oder die Ausgabe 2/2004 der Informationen zur modernen Stadtgeschichte ber Stadt und Krieg im 20. Jahrhundert -, die jedoch selten fr eine Stadt epochenbergreifend behandelt werden. Insofern stellt diese Publikation des Dsseldorfer Stadtarchivs eine Besonderheit dar, in der 19 Aufstze und Essays verschiedene Facetten des Gegenstands beleuchten.
Zunchst fuhren vier einleitende Beitrge in die Thematik ein. Jrg Engelbrechts Essay spannt einen recht weiten Bogen, der vom 15. Jahrhundert bis zum Ende des 20. Jahrhunderts reicht, und das nrdliche Rheinland zugespitzt als einen hortus bellicus betrachtet, das heit als kriegerisches und militrisches Durchgangsland" {S. 15-34). Clemens von Looz-Corswarem widmet sich der Geschichte Dsseldorfs als Garnisonsstadt vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (S. 37-88). Er arbeitet das Militr als herausragenden Faktor im stdtischen Leben heraus, skizziert die sich wandelnde Haltung der Einwohner zu ihren Soldaten und stellt sichtbare und unsichtbare Zeugnisse vor, die bis heute an den Militrstandort Dsseldorf erinnern. Whrend Bernd Kortlnder Clara Viebigs Roman Die Wacht am Rhein als Geschichte von Krieg und Frieden in Dsseldorf im 19. Jahrhundert deutet (S. 89-93), behandelt Christian Leitzbach die Stadt als Standort der Rstungsindustrie und wehrtechnischer Innovationen (S. 95-118).
Der Geschichte der mittelalterlichen und frhneuzeitlichen Wehrbauten - der Pfalz in Kaiserswerth (Jrg Engelbrecht, S. 121-138; Paul Clemen, S. 139-165, Nachdruck der Ausgabe Bonn 1909) sowie der Festungsstadt Dsseldorf und der Zitadelle (Clemens von Looz-Corswarem, S. 169-172; Fritz Dross, S. 173-192; Edmund Spohr, S. 193-198) - sind insgesamt fnf informative Beitrge gewidmet. Drei weitere Aufstze beschftigen sich sodann mit der Erinnerungskultur: So gibt Susanne Brandt einen berblick ber die Dsseldorfer Denkmler, die an den Ersten Weltkrieg erinnern (S. 201-218). Dabei beschftigt sie sich vor allem mit den Deutungsversuchen whrend der Zeit der Weimarer Republik, mit der politischen Instrumentalisierung der Erinnerung und mit den Kontroversen um die Denkmler. Clemens von Looz-Corswarem stellt anschlieend die Geschichte des Denkmals des Westflischen Ulanenregiments Nr. 5 bis in unsere Zeit vor (S. 213-218). Hervorzuheben ist der Beitrag von Gerd Krumeich, der sich ausfhrlich mit dem ersten Denkmal des 39. Infanterieregiments von Jupp Rbsam, seiner Entstehungsgeschichte, dem von den Nationalsozialisten ausgelsten Streit um dieses Denkmal und seiner Entfernung 1933 sowie mit dem 1935-1939 geschaffenen zweiten 39er-Denkmal befat, welches den Sturz der Nazi-Symbole (S. 219) unbeschadet berdauerte und so schlielich zum Skandal wurde (S. 219-230).
In sieben weiteren Beitrgen geht es schlielich um die Geschichte Dsseldorfs im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. Zunchst schildert Uta Hinz anschaulich die wesentlichen Entwicklungslinien der Stadt im Ersten Weltkrieg von der Kriegsbegeisterung, die keineswegs von allen sozialen Schichten getragen wurde, ber die Stimmungslage im Krieg und die medizinische Infrastruktur, die das stdtische Leben stark prgte, bis hin zu der Versorgung der Bevlkerung, den sozialen Folgen, der wirtschaftlichen Entwicklung und dem Kriegsende mit Revolution und Besatzung (S. 233-256). Clemens von Looz-Corswarem zeigt, da auch in Dsseldorf der weitverbreitete propagandistische Brauch aufgegriffen wurde, Kriegswahrzeichen zu nageln. In diesem Fall handelte es sich um den Bergischen Lwen, auf den letztlich auch das heutige Standbild zurckzufhren ist (S. 257-264). Die 1917 entstandene Westdeutsche Kieferklinik geht, wie Albrecht-Alexander Geister darstellt, auf ein Lazarett fr kieferverletzte Soldaten zurck (S. 265-286). Mit dem Zweiten Weltkrieg in der Stadt befassen sich schlielich Joachim Schrder im konzisen berblick (S. 289-310), Frank Sparing (Wehrbezirkskommando Dsseldorf, S. 311-324) und Bruno Kammann (Bunkerkirche Heerdt, S. 325-348). Abschlieend stellt Ulla Sommers die Ausstellung Krieg des Koreanischen Knstlers Yong-Chang Chung vor (S, 349-353).
Insgesamt bleibt festzuhalten, da ein reich bebildertes, anregendes Buch vorliegt, dessen gut lesbare Texte sich an eine breitere ffentlichkeit richten. Ein vergleichbares Werk fr Kln, das im Falle der Rheinmetropole jedoch die Zeit vor 1500 ebenfalls bercksichtigen mte, wre ein wichtiger Beitrag zur Stadtgeschichte.


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Clemens von Looz-Corswarem (Herausgeber), Prof. Dr. Jrg Eng[..]: »Krieg und Frieden in Dsseldorf«




Horst Sassin, Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, 23. März 2009
Als im Rahmen der Euroga 2002+, der zweiten grenzberschreitenden Regionale des Landes Nordrhein-Westfalen und der niederlndischen Regionen Nord- und Mittel-Limburg, elf Kommunen sich unter unterschiedlichen Herangehensweisen dem Thema Krieg und Frieden widmeten, entschied Dsseldorf sich fr den Titel Sichtbare Zeichen der Vergangenheit, wobei in der Regel ein Bauwerk als Zeichen fr eine Epoche stand: die Pfalz in Kaiserswerth fr den Wehrbau des Mittelalters, die Zitadelle in der Altstadt fr die frhneuzeitliche Bastionrbefestigung, das Ulanendenkmal am Hofgartenufer fr die Erinnerungskultur nach dem Ersten Weltkrieg, die Westdeutsche Kieferklinik fr medizinische Innovation in Folge des Ersten Weltkriegs, schlielich die Bunkerkirche St. Sakrament in Heerdt fr die Umwandlung eines Objekts des Zweiten Weltkriegs in einen Zivilbau. Jedem der Objekte ist ein Kapitel des Buches gewidmet, die von im Schnitt drei Beitrgen erlutert werden. Jedes Kapitel hat einen einfhrenden Text, der den allgemeinen Sach- und Zeithorizont herstellt. Um es vorweg zu nehmen; Den Herausgebern ist mit dem gut lesbaren, opulent aufgemachten Band ein eindrucksvoller, zum Nachdenken anregender Zugang gelungen.
Kaum ein anderer deutscher Raum ist im Verlauf der Jahrhunderte derartig oft von kriegerischen Ereignissen heimgesucht worden wie das nrdliche Rheinland. Mit diesem Satz leitet Jrg Engelbrecht das erste Kapitel ein, das auf rund 100 Seiten das nrdliche Rheinland als hortus bellicus" (Engelbrecht), Dsseldorf als Garnisonsstadt (Clemens von Looz-Corswarem) und als Standort der Rstungsindustrie (Christian Leitzbach) darstellt, aber auch auf Clara Viebigs einst erfolgreichen Roman Die Wacht am Rhein (Bernt Kortlnder) eingeht.
Als mit der Entwicklung mauernbrechender Artillerie im 15. Jahrhundert die traditionellen Stadtmauern ihren militrischen Wert verloren, fhrten die Herrscher fr ausgewhlte Stdte den Bastionsbau ein, der die Stdte mit einem gestaffelten System von spitz ins Umland ragenden Schanzen zu modernen Festungen machte. Welche Konsequenzen der nie vollendete Ausbau von Kaiserswerth zur Festung hatte, wie die wirtschaftliche Entwicklung dadurch einerseits eingeschnrt wurde und andererseits den Bedarf nach ziviler Nutzung der Bastionen weckte, wird einleuchtend dargestellt (Engelbrecht). Es war ein kluger Einfall, die dem interessierten Leser nicht ohne Weiteres zugngliche detaillierte Untersuchung des Provinzialkurators der Rheinprovinz, Paul Clemen, ber die Kaiserswerther Pfalz einschlielich der Abbildungen vollstndig in moderner Schrifttype in den Band aufzunehmen.
Drei Beitrge (Jrg Engelbrecht, Fritz Dross, Edmund Spohr) widmen sich im dritten Kapitel Dsseldorfs nie vollendeter Zitadelle, die zwar eine Schutzfunktion fr die Bevlkerung oder eher noch fr das dort stationierte Militr hatte, andererseits aber feindliches Militr anzog, wobei die Festung von der Rheinseite her immer verwundbar blieb. Welche Gefahren von der Kennzeichnung als Zitadelle noch im Zweiten Weltkrieg ausgehen konnten, zeigt das Schicksal von Jlich, das von alliierten Bombern zu 97 Prozent zerstrt wurde, obwohl seine Zitadelle als frhneuzeitliches Bauwerk nur noch musealen Charakter hatte.
Die Frage nach dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren (Susanne Brandt), nach dem an die Denkmler geknpften Erinnerungswert zwischen Mahnmal und Schandmal (Gerd Krumeich) wird im vierten Kapitel behandelt, in dem Clemens von Looz-Corswarem einen berblick ber die Entstehung des Ulanendenkmals und die Debatte bis zum Ende der 1980er Jahre skizziert. Deutlich wird in den Beitrgen die ursprnglich mit den Denkmlern verknpfte Trauerarbeit, ihre Umwidmung zu revanchistischen Zwecken vor allem im Dritten Reich, die Rckkehr zur Trauerarbeit nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und der Wandel der Erinnerungskultur mit zunehmendem Abstand zu den Weltkriegen, die die Denkmler aus dem Bewutsein verschwinden lt oder an ihrem militaristischen Charakter Ansto nimmt.
Das fnfte Kapitel ber die Westdeutsche Kieferklinik (mit Beitrgen von Uta Hinz, Clemens von Looz-Corswarem und Albrecht-Alexander Geister) zeigt, wie Dsseldorf im Ersten Weltkrieg als Lazarettzentrum allein 113.500 Verwundete behandelte. Zur Finanzierung dieser aufwendigen Hilfsmanahmen gestaltete der Bildhauer Johannes Knubel den bergischen Lwen, das Wappentier der Stadt Dsseldorf, der gegen Spende ein Jahr lang genagelt wurde. Der eindrucksvolle Beitrag ber die Entwicklung der Kieferchirurgie und ihrer Etablierung als universitre Spezialdisziplin (Geister) wre noch aussagekrftiger geworden, wenn mehr Bilder von Patienten mit zerschossenen Gesichtern gezeigt worden wren (vgl. dazu die zahlreichen Fotos in Ernst Friedrich: Krieg dem Kriege!, erstmals erschienen Berlin 1924).
Das letzte Kapitel ist zwar der Bunkerkirche in Heerdt gewidmet, enthlt aber ausfhrliche Beitrge ber Dsseldorf im Zweiten Weltkrieg (Joachim Schrder) und das Wehrbezirkskommando mit den Wehrmeldemtern in der Mhlenstrae (Frank Sparing). Erstaunlich ist, da der Reichspropagandaminister Goebbels selbst das deutsche Urheberrecht an der Ausradierung von Stdten reklamierte, als er nach dem verheerenden Luftangriff zu Pfingsten 1943 Dsseldorf mit dem Warschau vom Oktober 1939 verglich (S. 303). Der eindrucksvolle Umbau eines Luftschutzbunkers zu einer christlichen Kirche, angestoen und vorangetrieben von dem Ortspfarrer, gestaltet von dem Klner Dombaumeister Weyres, letzten Endes durchgesetzt in der Gemeinde, in der Stadt, gegenber der Besatzungsmacht und gegenber dem Erzbistum Kln wird von Bruno Kammann anschaulich dargestellt. Den Abschlu bildet ein kurzer Beitrag ber den koreanischen Knstler Yong-Chang Chung, der in einem Bild von 1999 (Kamikaze) schon den Selbstmordanschlag islamistischer Attentter auf das World Trade Center in New York vorweggenommen hatte.
An dieser Stelle soll ein lokal geschichtliches Ereignis richtiggestellt werden: Die Morde an 71 (nicht 77) Hftlingen in der Schlucht am Wenzelnberg geschahen am 13. (nicht 7.) April 1945 (S. 309); vgl. Die Heimat (Solingen) NF 2, 1986, S. 27-44.
Um der Breitenwirkung willen verzichtet der Band auf einen wissenschaftlichen Apparat, jedoch sind jedem Beitrag einige wesentliche Literaturangaben angehngt. Hin ausfhrliches Personen-, Orts- und Sachregister schliet den Band ab, der sich an ein breites, an Geschichte und Kunst interessiertes Publikum richtet.

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Clemens von Looz-Corswarem (Herausgeber), Prof. Dr. Jrg Eng[..]: »Krieg und Frieden in Dsseldorf«




Jost Dlffer, Jahrbuch des Klnischen Geschichtsvereins 76, 01. Juni 2005
Jrg Engelbrecht/Clemens von Looz-Corswarem (Hg.): Krieg und Frieden in Dsseldorf. Sichtbare Zeichen der Vergangenheit

Stadt und Krieg - welch faszinierendes Thema! Stdtegrndungen haben auch mit dem Schutz vor Krieg zu tun, mangels eigener Konsumproduktion sind sie gerade im Krieg auf das Umland angewiesen, knnen ausgehungert werden. Sie profitieren aber auch durch kriegswichtige Produktion, schaffen Grobetriebe. Sie sind Objekte exemplarischer Zerstrungen - und das nicht erst im Zweiten Weltkrieg.
In dieser Publikation des Dsseldorfer Professors ENGELBRECHT und des dortigen Stadtarchivdirektors steht etwas anderes, die Erinnerungskultur im Vordergrund. Die Stadt wird eingebettet in das Spannungsfeld von Territorialherren und Nationalstaaten. Diese oft kriegerischen Konflikte reichen auch im Ansatz der Publikation ber die Stadt hinaus in die Region. ENGELBRECHT gibt unter diesem Gesichtspunkt einen berblick zum Krieg in der Region, dem hortus bellicus mit Schwerpunkt in der Frhen Neuzeit und endet mit der Zerstrung Jlichs im Zweiten Weltkrieg. Insgesamt findet sich in den 19 Beitrgen ein breites Spektrum an Anstzen und Themen, die zeigen, wie breit kulturwissenschaftliche Arbeiten in Dsseldorf fruchtbringend zusammengefhrt werden knnen.
Das reicht von der Literatur (Roman Die Wacht am Rhein Bernd KORTLNDER) ber diverse Denkmler bis zu sehr spezifischen Erinnerungsorten, die in grndlichen Beitrgen erst einmal sichtbar gemacht werden. Es geht um die Pfalz in Kaiserswerth (Mittelalter), fr die neben einem Beitrag von ENGELBRECHT ein immer noch lesenswerter Aufsatz von Paul CLEMEN aus dem Jahr 1909 wieder abgedruckt wird. Die frhneuzeitliche Festung, also die Zitadelle, wird in drei Beitrgen vorgestellt. Fr den Ersten Weltkrieg - und das zeigt den neuen Blick - wird die Westdeutsche Kieferklinik benannt, die sich im und nach dem Groen Krieg speziell der Kriegsverwundeten annahm (und damit die Heimatfront deutlich macht- Albrecht-Alexander GEISTER). Insgesamt wurden in der Stadt bis 1918 113.500 Verwundete behandelt (so Ute HINZ in einem berblick zur Stadtgeschichte 1914-1918). Die Nagelung des Bergischen Lwen im Ersten Weltkrieg eben zur
Sammlung von Spenden wird verdeutlicht von CLEMENS VON LOOZ-CORSWAREM.
Fr den Zweiten Weltkrieg steht die Bunkerkirche in Heerdt im Vordergrund, aber auch hier leitet Joachim SCHRDER kenntnisreich zum ganzen Zeitraum ein, whrend Frank SPARING - hier wie auch sonst - gut bebildert die Einberufungen durch die Wehrmeldemter thematisiert. Die 1941 erbaute, jngst als Denkmal und Kirche erneuerte Bunkerkirche wird von Bruno KAMMANN architektur- und damit erinnerungsgeschichtlich im Wandel vorgestellt. Die Ausstellung des Koreaners Yong-Chang CHUNG in dieser Kirche beschliet den Band - mit einem guten Zitat von Gerd KRUMEICH, der sich zutreffend als (kritischer) Kriegshistoriker outet und der Friedensdemonstration vom 22. Mrz 2003 auf den Rheinwiesen gegen den gar nicht benannten jngsten Irakkrieg. Ein instruktiver Beitrag von Gerd KRUMEICH (Denkmler zwischen Mahnmal und Schandmal) macht die unterschiedliche Benutzung besonders des 39ger Denkmals zum Thema, das ursprnglich nicht nationalsozialistischen Geist ausdrckte, der heute ganz selbstverstndlich aber flschlich wahrgenommen wird. Es gab Ende der zwanziger Jahre geradezu einen Widerstand der Rechten gegen dieses heute nur noch in Resten erhaltene Denkmal. Es gab eine spezifische Polaritt der Denkmalskulptur der Weimarer Republik die auch Susanne BRANDT in einem Essay fr die ganze Stadt wrdigt. Und diese kann gerade mit den Mitteln heutiger Kulturgeschichte und Erinnerungskultur sichtbar gemacht werden. Geschichte besteht auch im genauen Hinsehen und Erklren von Zusammenhngen. Dazu leistet der ppig ausgestattete Band gute Dienste.

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Clemens von Looz-Corswarem (Herausgeber), Prof. Dr. Jrg Eng[..]: »Krieg und Frieden in Dsseldorf«




Wulf Bickenbach, sehepunkte, 15. April 2005
Der Sammelband erschien im Rahmen des Projektes Krieg und Frieden der EUROGA 2002, einer wiederkehrenden Veranstaltung mit Ausstellungen und Projekten, die Regionen Nordrhein-Westfalens, aber auch grenzberschreitend der Niederlande kultur- und kunstgeschichtlich portraitieren. Wer von diesem Buch eine geschlossene Geschichte von Krieg und Frieden in Dsseldorf erwartet, wie dies der etwas irrefhrende Titel suggeriert, wird zwar enttuscht sein, dennoch ist die Lektre sehr lohnend. Rechtzeitig zum 60. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges erschienen, stellen die hier vereinten Beitrge das Thema in einer ungewhnlichen Perspektive dar. Zwar nennt Looz-Corswarem den Band in seinem Vorwort ein Geschichtsbuch zu Krieg und Frieden in Dsseldorf (11), aber es ist kein Geschichtsbuch im herkmmlichen Sinne: Die Geschichte Dsseldorfs in Krieg und Frieden wird nicht durchgehend chronologisch dargeboten. Dafr ist sie auch zu umfangreich und weit gefchert. Stattdessen werden von einer Vielzahl von Autoren unterschiedliche Aspekte des Themas in Auswahl vorgestellt und vertiefend behandelt. Der Leser kann sich bei der Lektre also auf Einzelprobleme konzentrieren, oder er unterzieht sich der lohnenden Mhe, seine Leseeindrcke zu einem Gesamteindruck zu verweben.
    Das Buch ist in sechs Hauptabschnitte eingeteilt. Mit vier berblicksartikeln fhrt der einleitende Teil historisch in die Materie ein. Die Teile II und III beschftigen sich anhand von Beitrgen ber die Pfalz zu Kaiserswerth und Dsseldorf als Festungsstadt mit Zitadelle mit bau- und ereignisgeschichtlichen Gegebenheiten militrischer Verteidigung und ihrem Wandel in lterer Zeit. Mit dem Bau der Zitadelle wurde im ersten Drittel des 16. Jahrhundert begonnen, vollendet wurde er nie. Das Zitadell-Gelnde wurde nach 1680 zivil bebaut und besiedelt. Der dritte, strker mentalittsgeschichtliche Teil beleuchtet das Thema unter dem Gesichtspunkt von Denkmlern in Dsseldorf. Die beiden letzten Hauptabschnitte befassen sich mit den beiden Weltkriegen und dem, was die Stadt davon bis heute prgt. Der Band ist reich mit zeithistorischen Darstellungen und Aufnahmen illustriert, die Bildunterschriften mit Quellenangaben und der gesamte wissenschaftliche Apparat finden sich mit ausfhrlichen Literaturangaben am Ende jedes Hauptabschnittes.
    Im einleitenden Teil vermitteln vier Beitrge eine Vorstellung der militrischen Bedeutung Dsseldorfs. Jrg Engelbrecht fhrt detailreich durch die kriegerischen Ereignisse im Rheinland seit der erfolglosen Belagerung von Neuss durch Karl den Khnen 1475 bis zur Wiedervereinigung. Die Einstellung der Dsseldorfer zu ihrer Stadt als Garnison analysiert Looz-Corswarem: Sie wandelte sich von der Wut ber die hohen Kosten fr die militrische Belegung im Jahr 1583 hin zum Stolz auf die Traditionen einzelner militrischer Verbnde und die Pflege dieser Traditionen bis ins 20. Jahrhundert. Ergnzend beschftigt sich Bernd Kortlnder mit einem literarischen Beitrag zu Krieg und Frieden in Dsseldorf in der Mitte des 19.Jahrhunderts. Christian Leitzbach beleuchtet abschlieend Dsseldorfs Rolle als Rstungsstadt sowie besondere wehrtechnische Erfindungen, die in Dsseldorf gemacht wurden und sowohl fr den Krieg als auch den Frieden wichtig wurden: das nahtlose Rohr und das Rohrrcklaufgeschtz.
    Die Autoren von Teil II und III (zweimal Engelbrecht, Paul Clemen in einem Wiederabdruck eines Aufsatzes von 1909, Fritz Dross und Edmund Spohr) schildern den Bedeutungswandel militrischer Bauten in Dsseldorf im Verlauf der Jahrhunderte von kriegerischen, wehrhaften Anlagen zu zivilen berresten. In dem etwas berdimensionierten vierten Hauptabschnitt, Denkmler und Mentalitten, wird dargelegt, wie sich die Bestimmung der auf Krieg und Frieden bezogenen Denkmler der Stadt wandelte: Susanne Brandt stellt die immer wieder ffentlich diskutierte Frage nach dem heutigen Sinn zeitgenssischer Denkmler zum Ersten Weltkrieg. Deren Bedeutung liegt aber heute nur noch im Rituellen und Dekorativen, denn Bedeutung erhlt ein Denkmal erst durch eine informelle Gemeinde, die trauert oder gedenkt. Diese kommt heute nur noch selten zusammen und bleibt in der Interpretation des Denkmals stumm. Wenn die Deutungen allerdings ffentlich kontrovers ausgetragen werden, wie nach dem Zweiten Weltkrieg die Diskussionen im Falle des Ulanendenkmals am Rhein und der beiden 39er-Denkmler, dann vermitteln Denkmler auch gewandelte Geschichtsdeutungen. Zu den ffentlichen Kontroversen nehmen ausfhrlich zwei weitere Beitrge Stellung (Looz-Corswarem und Gerd Krumeich). In den letzten beiden Hauptteilen werden der Verlauf beider Weltkriege in Dsseldorf und die direkte und indirekte Beteiligung seiner Bewohner sehr dicht und einprgsam dargestellt. Neben den unsichtbaren, zwar vorhandenen, aber immer noch weitgehend unterdrckten Erinnerungen sind es besonders zwei bauliche Zeugnisse beider Weltkriege, die friedlich in unsere Zeit hinein wirken: die Westdeutsche Kieferklinik und die Bunkerkirche in Heerdt. Bis auf einen Bombenangriff blieb Dsseldorf im Ersten Weltkrieg von direkten kriegerischen Einwirkungen verschont. Die anderen, wirksameren Auswirkungen des Krieges schildert Uta Hinz. Sie verweist zwar darauf, dass die These einer ungebrochenen kollektiven Kriegsbegeisterung im Jahr 1914 in der neueren Forschung relativiert werde, konstatiert im Falle Dsseldorfs aber doch eine betrchtliche Reichweite der nationalistischen Mobilisierung (239). Obwohl Dsseldorf nicht direkt vom Krieg betroffen war, konnte die Bevlkerung der Stadt die durch den Krieg am menschlichen Krper verursachten Zerstrungen unmittelbar erfahren. Bis 1918 kamen mehr als 113.000 Verwundete nach Dsseldorf und wurden hier behandelt. An den Krankenhusern entstanden Spezialabteilungen, unter denen besonders die Abteilung fr Kieferverletzungen hervorzuheben ist, die sptere Westdeutsche Kieferklinik: Sie ist heute eine medizinische Einrichtung der Unfallchirurgie mit internationaler Reputation und geht auf die Kiefer- und Gesichtschirurgie zurck (hierzu ein Beitrag von Albrecht-Alexander Geister). Ein weiterer Beitrag (Looz-Corswarem) befasst sich mit der finanziellen Kriegsuntersttzung durch die Dsseldorfer Bevlkerung. Joachim Schrder zeigt im abschlieenden Teil des Buches auf, dass es Dsseldorf whrend des Zweiten Weltkrieges nicht anders als den meisten anderen deutschen Stdten erging: Die Stadt wurde durch 243 Luftangriffe grndlich zerstrt: 234 Luftangriffe vernichteten 86.500 Wohnungen, Dsseldorf wurde zu 51% zerstrt, 5.800 Menschen kamen dabei um. Goebbels schrieb 1943 nach einer Rundreise durch das Ruhrgebiet zum Thema Luftangriffe: Nur in Dsseldorf schien mir die Stimmung etwas gedrckt zu sein. Das liegt wohl am intellektuellen Charakter der Stadt (303). Der Beitrag von Bruno Kamman ber die Bunkerkirche in Heerdt schildert die Konversion eines Bauwerkes vom Schutzbau im Zweiten Weltkrieg zum Sakralbau im Frieden. Weitere Beitrge in diesem letzten Teil widmen sich dem Wehrbezirkskommando Dsseldorf (Frank Sparing) und der Ausstellung von Arbeiten des koreanischen Knstlers Yong-Chang Chung zum Thema Krieg in der Bunkerkirche in Heerdt.
    Die Zeit von 1288, als Dsseldorf die Stadtrechte bekam, bis zur Belagerung von Neuss 1475 war wohl nicht sehr kriegerisch fr Dsseldorf. Sie wird in dem Band nicht erwhnt. Im Rahmen des auf Dsseldorf beschrnkten Themas die NATO (mit zum Teil falschen Daten) und ihre Strategien (mit einer im Sinn der Friedensbewegung der 1980er-Jahre fehlinterpretierten Strategie) zu erwhnen, erscheint zumindest unpassend (32-34). Betrachtet man alle Beitrge, so scheint Krieg und Frieden fr Dsseldorf kein spezifisches Thema gewesen zu sein, da die Stadt niemals kriegsrelevante Strukturen wirklich prgenden Charakters ausbildete. Der Reiz des Buches liegt somit in der Zusammenstellung ausgesuchter Themen und ihrer ausfhrlichen Betrachtung, die sachlich wie methodisch ber den lokalen Horizont der Stadt Dsseldorf hinausweisen.

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Clemens von Looz-Corswarem (Herausgeber), Prof. Dr. Jrg Eng[..]: »Krieg und Frieden in Dsseldorf«




Die alte Stadt, Zeitschrift fr Stadtgeschichte, Stadtsoziologie, Denkmalpflege und Stadtentwicklung, 01. November 2004
JRG ENGELBRECHT / CLEMENS VON LOOZ-CORSWAREM (Hrsg.)
Krieg und Frieden in Dsseldorf: Sichtbare Zeichen der Vergangenheit

Im Rahmen der Euroga 2002 plus prsentierten zahlreiche deutsche und niederlndische Stdte und Gemeinden im Groraum mittlerer Niederrhein Projekte, die die Region als Kultur- und Naturraum vorstellen und im Bewusstsein der Bevlkerung verankern sollten. Die Stadt Dsseldorf beteiligte sich mit einer Aktion, in der sichtbare Zeichen der Vergangenheit, nmlich Bauwerke, deren Zweckbestimmung, Funktion und Geschichte in der Bevlkerung nicht mehr ohne weiteres bekannt sind, durch Ausstellungen und Veranstaltungen im stdtischen Erinnerungsraum wieder prsent gemacht wurden. Dsseldorf whlte dabei das Oberthema Krieg und Frieden, das gut gewhlt war, weil hier ein scharfes Spannungsverhltnis besteht zwischen groer Aktualitt (durch den Krieg gegen den Terrorismus und den Irak-Krieg) und weit gehender Unkenntnis der Vergangenheit im kollektiven Gedchtnis nicht allein der Brgerinnen und Brger, der historischen Laien, sondern vielfach auch der Geschichtswissenschaft, die sich lange Zeit dem 1945 diskreditierten Thema nicht mehr im gebotenen Umfang zuwenden mochte. Doch dieser Aspekt, die wissenschaftliche Aufarbeitung, stand zunchst im Hintergrund. Denn fr ein Euroga-Projekt mussten fnf Gebude bzw. Bauwerke ausgewhlt werden, die ffentliches Interesse wecken konnten. Gleichzeitig sollte es mglich sein, das Oberthema ber die Jahrhunderte hinweg zu verfolgen.
Der Bogen wird vom Mittelalter bis nach den Zweiten Weltkrieg geschlagen, indem als Anknpfungspunkte die Pfalz in Kaiserswerth, die frhneuzeitliche Zitadelle in der Altstadt, die im Ersten Weltkrieg entstandene Westdeutsche Kieferklinik, das nach diesem entstandene Ulanendenkmal und schlielich die Bunkerkirche in Heerdt (entstanden aus einem Luftschutzbunker des Zweiten Weltkrieges) ausgewhlt wurden. Der Erfolg des Projektes lie den richtigen Gedanken reifen, seine Ergebnisse in dem vorliegenden Buch zu verewigen. Man merkt ihm zwar bisweilen an, dass es nicht einfach ist, eine Konzeption, die auf dreidimensionale Objekte und ihre Verortung im Stadtplan zugeschnitten war, auf ein Buch mit wissenschaftlichem Anspruch zu bertragen. Dennoch ist ein Band herausgekommen, der nicht nur von den Brgerinnen und Brgern Dsseldorfs, sondern knftig auch von Stadt und Militrhistorikern mit Gewinn zur Hand genommen werden wird. Ausgewiesene Fachleute erreichen in ihren Beitrgen (oft auf der Basis eigener einschlgiger Arbeiten) zum Teil das Niveau eines militrgeschichtlichen Handbuchs der Stadt Dsseldorf, was der Publikation einen dauerhaften Wert fr die Forschung gibt, whrend andere Neuland beschreiten und damit den Ausgangspunkt fr eine weitere wissenschaftliche Beschftigung mit den mit Krieg und Frieden in einer Grostadt verknpften Phnomenen markieren. Einzig der Wiederabdruck eines klassischen kunsthistorisch-archologischen Beitrages ber die Pfalz von Kaiserswerth aus der Feder von Paul Clemen aus dem Jahr 1909 fllt dabei aus dem Rahmen. Hier wre es angebracht gewesen, einen neuen Bearbeiter der gleichen Thematik zu gewinnen, der die seit 1909 gewonnenen Erkenntnisse htte prsentieren knnen. Insgesamt handelt es sich jedoch um einen gelungenen und gut ausgestatteten Band, der mit 24,80 auch preislich nicht den Rahmen sprengt.

Max Plassmann, Dsseldorf


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Clemens von Looz-Corswarem (Herausgeber), Prof. Dr. Jrg Eng[..]: »Krieg und Frieden in Dsseldorf«




Olaf Cless, Dsseldorfer Hefte, 01. September 2004
Kaiserpfalz und Kieferklinik
Ein Sammelband ber Krieg und Frieden in Dsseldorf entschlsselt Spuren aus bewegten Zeiten und hilft ber Denkmler nachzudenken


Angenommen, Sie besuchen den Garten des Stadtmuseums, spazieren dann die Rheinuferpromenade entlang, streifen ein wenig an der Tonhalle herum, wandern womglich bis hinaus zum Reeser Platz: Auf so einer Route kommt bereits eine ordentliche Menge sichtbarer Zeichen der Vergangenheit zusammen, speziell auch solcher, die von kriegerischen Zeiten knden. Denn, um noch einmal von vorn zu beginnen, der Garten des Stadtmuseums liegt - Auenmauern und Wassergraben lassen es noch erkennen - auf einer frheren, zur Dsseldorfer Zitadelle gehrenden Bastion (Maria Amalia), die als spitze Zacke sdwrts ins Umland ragt. Ein weiterer Teil dieser im 16. Jahrhundert entstandenen Festungsanlage, die viel kostete und wenig nutzte, wird am rekonstruierten alten Hafenbecken im Bereich des Filmmuseums sichtbar. Ihr Spaziergang fhrt Sie an einem Lokal mit dem unmiverstndlichen Namen En de Canon vorbei, dann kommt der allbekannte Burgplatz, wenig spter die Reuter- (das heit schlicht: Reiter-) Kaserne, im Schatten der Tonhalle ruhen die kargen, eigentmlichen berreste des 39er-Denkmals von Jupp Rbsam, auf der Sule vor dem Ehrenhof bumen sich Ross und Ulanenreiter auf, und drauen am Reeser Platz marschieren noch immer, seit 1939, in Stein gehauene Kolonnen deutscher Landser herrlichen Zeiten bzw. dem Heldentod entgegen.
Nun ist es mit der Sichtbarkeit solcher Spuren, Zeichen und Denkmler so eine Sache. Nur das ist sichtbar, schreibt Susanne Brandt in ihrem Beitrag zum Sammelband, von dem hier die Rede sein soll, was der Betrachter oder Passant zu sehen gelernt hat. Die meisten Zeitgenossen bersehen wohl eher solche geschichtlichen Zeugnisse wie die eben genannten. Sie verbinden nichts damit, es lst keine Gedanken aus, auch nicht neugierige Fragen. All diejenigen aber, die gern ber den Tellerrand der schieren Gegenwart hinaus schauen, die sich auch dafr interessieren, wie sich ihre Stadt in Jahrhunderten entwickelt, was sie erlebt und durchgemacht hat, wie Krieg und Frieden ins Leben der Bewohner eingriffen und welche Erinnerungskultur sich etablierte, oft von heftigen Kontroversen begleitet - all sie finden in dem Buch Krieg und Frieden in Dsseldorf. Sichtbare Zeichen der Vergangenheit reichlich Stoff und Anregung.
Hervorgegangen ist die ppige, mit vielen Abbildungen versehene Verffentlichung aus einem Teilprojekt der Euroga 2002+. Damals wurde an fnf lokalen Baudenkmlern die Kriegs- und Friedensgeschichte verschiedener Epochen exemplarisch beleuchtet: Die Pfalz in Kaiserswerth stand vor allem fr das Mittelalter, die Altstadt-Zitadelle veranschaulichte Dsseldorfs Werdegang als Festungsstadt vom 16. bis 18. Jahrhundert, das Ulanendenkmal illustrierte preuische Garnisonszeiten am Rhein wie auch nationalistische Gedenkideologie seit den 192oer Jahren, die Westdeutsche Kieferklinik verbindet sich in ihrer Entstehungsgeschichte unmittelbar mit dein Grauen des Ersten Weltkriegs, und die Bunkerkirche am Hand weiser schlielich ist ein beredtes Beispiel, wie ein Kriegsbau des Zweiten Weltkriegs, an den sich bittere Erinnerungen knpfen, friedfertigen Zwecken zugefhrt wurde.


Dsseldorf als Festungsstadt

Diese fnf beispielhaften Themen bilden auch das Rckgrat des Sammelbandes, werden aber durch zustzliche Fallstudien und berblicksdarstellungen ergnzt und eingebettet. So liefert etwa Jrg Engelbrecht, Historiker an der Heinrich-Heine-Universitt und gemeinsam mit Clemens von Looz-Corswarem vom Stadtarchiv Herausgeber des Buches, jeweils knappe Abrisse der - reichlich unfriedlichen - geschichtlichen Entwicklung des nrdlichen Rheinlands, des Stdtchens Kaiserswerth samt seiner mchtigen Pfalz sowie Dsseldorfs als Festungsstadt. Von Looz-Corswarem rekapituliert Dsseldorfs Garnisonsgeschichte samt all ihrer Ulanen, Husaren und Fsiliere und geht dann speziell auf das Ulanendenkmal sowie den Bergischen Lwen an der K ein. Fritz Dross vermittelt interessante Einblicke in das frhere Leben auf der Zitadelle (wo sich schon bald eine Zivilbebauung ausbreitete). Uta Hinz trgt Wesentliches ber Dsseldorf im Ersten Weltkrieg, Joachim Schrder ber Dsseldorf im Zweiten Weltkrieg zusammen.
Auffallend unkritisch und lckenhaft kommt dagegen Christian Leitzbachs Beitrag mit dem Titel Dsseldorf als Standort der deutschen wehrtechnischen Industrie daher. Hier wird zwar Rheinmetall-Grnder Heinrich Ehrhardt gewrdigt und die Anfnge seiner Rstungsschmiede skizziert, der Erste Weltkrieg mit seinen mrderischen Geschften dann aber in wenigen Zeilen mehr bersprungen als analysiert. Auch der Frage nach der Mitverantwortung von Rheinmetall und anderen Firmen fr den aggressiven nationalsozialistischen Remilitarisierungs- und Kriegskurs samt all seiner katastrophalen Folgen geht der Autor nicht nach. Einmal raunt er vom dunklen Kapitel des Zwangsarbeitereinsatzes, um dann sogleich auf den beruhigenden Umstand zu verweisen, da hierzu ja unlngst eine lokalhistorische Untersuchung erschienen sei, so da dieses Kapitel als fr Dsseldorf aufgearbeitet gelten kann. Leitzbach krnt seine Hofberichterstattung - er ist u. a. als Historiker fr Rheinmetall ttig - mit der treuherzigen Versicherung, der dritte Start von Rheinmetatl ins Waffengeschft, Mitte der 50er Jahre, sei ja diesmal eindeutig zur Sicherung des Friedens erfolgt.
Da darf man starke Zweifel haben. Etwa wenn man in Gerd Krumeichs Beitrag (Denkmler zwischen Mahnmal und Schandmal) ber die militaristischen Feierlichkeiten liest, die sich just in den 50er Jahren am - von der Stadt liebevoll restaurierten - Reeser-Platz-Denkmal von 1939 abspielten. Da trieften die Reden nur so von Stahlgewitter und Kameradschaft, Mannhaftigkeit und Sauberkeit, ein General a. D. schwrmte noch einmal vom glorreichen Vormarsch nach Osten, Robert Lehr, inzwischen Bundesinnenminister, empfahl der Jugend, sich an den toten Wehrmachtssoldaten ein Beispiel zu nehmen, und eine Bundeswehrkapelle begleitete den Aufmarsch.
Da klang doch etwas anders, was etwa Kardinal Frings im Jahre 1949 bei der Einweihung von Pfarrer Klinkhammers Bunkerkirche in Heerdt zu sagen hatte. Er sprach nmlich ber die Worte des Propheten Jesaja: Dann schmieden sie aus ihren Schwertern Pflugscharen und aus den Spitzen ihrer Speere Winzermesser. Der Bildhauer Bert Gerresheim hat die pazifistische Sentenz spter - in leicht abgewandelter Lesart - auf seiner bronzenen Relieftafel verewigt, die in der ungewhnlichen Kirche hngt.
Herausgeber von Looz-Corswarem betont in seinem Vorwort, da der Band Krieg und Frieden in Dsseldorf beileibe keine thematische Vollstndigkeit fr sich in Anspruch nehmen knne: Hier ist noch vieles wnschenswert, noch manches Feld zu bearbeiten, hier harrt noch manches Denkmal seiner Erklrung, noch manche Quelle in den Archiven ihrer Auswertung. Auf eine solche Zielstellung mge man die Winzermesser erheben, pardon: die Glser. Auf das historische Gedchtnis! Und den Frieden!

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Bilker Sternwarte, 01. September 2004
AUFGEBLTTERT - NACHGESCHLAGEN - AUFGELEGT Lesens- und Hrenswertes

Kriege und militrische Auseinandersetzungen haben auch in der Dsseldorfer Historie eine groe Rolle gespielt. Im Rahmen der EUROGA 2002plus war - in der NRW-Metropole wie auch in anderen Stdten an Rhein und Maas - das Thema Krieg und Frieden eines der begleitenden Kulturprojekte. Mit sichtbaren Objekten im Stadtgebiet - der Pfalz in Kaiserswerth, der Citadelle in der Altstadt, dem Ulanendenkmal der Kieferklinik und der Bunkerkirche in Heerdt - wurde die wechselvolle Vergangenheit der Landeshauptstadt ausgeleuchtet.Dieses Projekt findet nun mit einem reich bebilderten Buch seinen Abschluss; die Federfhrung lag beim Stadtarchiv.
    Zwei Ziele vor allem verfolgte das Projekt: Einerseits sollte ins Bewusstsein gerufen werden, dass das Rheinland im Laufe der Geschichte als Grenz- und Durchgangslandschaft immer wieder in kriegerische Ereignisse verwickelt war. Und andererseits wollte man den Brgern in der Region die Augen ffnen fr die noch bestehenden berreste, Befestigungen, Bauten und Denkmler, die an diese unfriedlichen Zeiten erinnern.
Denn nur wer mit offenen Augen durch Stdte und Landschaften geht entdeckt die Spuren militrischer Auseinandersetzung. Bauwerke, die dem Schutz vor Angriffen und Bomben dienten, Gebude und Erinnerungsmale, die uns erkennen lassen, dass Kriege und das Militrische in frheren Zeiten einen anderen Stellenwert besessen haben als heute. Immer aber gab es Menschen, die unschuldig in den Strudel von Krieg und Vernichtung hineingezogen wurden. Auch
an deren ngste, Verluste, Leiden und Schmerzen sollte erinnert werden.
Exemplarisch fr das Stadtgebiet von Dsseldorf wurden fnf Objekte herausgegriffen, die nicht nur jeweils eine bestimmte Epoche symbolisieren, sondern auch fr einen bestimmten Umgang der Menschen in den jeweiligen Perioden mit Krieg und seinen Folgen stehen. Das waren: die Pfalz in Kaiserswerth, die Citadelle in der Dsseldorfer Altstadt, das Ulanendenkmal am Hofgartenufer, die Westdeutsche Kieferklinik und die Bunkerkirche St. Sakrament am Handweiser in Heerdt. An diesen fnf Objekten wird auch die Konversion militrischer Anlagen ablesbar - die Verwandlung fr friedliche Zwecke.
Entstanden ist ein schn gestaltetes Geschichts- und Lesebuch, das die Vergangenheit der Stadt aus einem besonderen Blickwinkel beleuchtet und nicht zuletzt durch bisher unbekanntes Bildmaterial besticht.


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Jan Wellem, 01. September 2004
Krieg und Frieden in Dsseldorf
Sichtbare Zeichen der Vergangenheit


Unter der Herausgabe des Historikers Prof. Dr. Jrg Engelbrecht und des Stadtarchivars Prof. Dr. Clemens von Looz-Corswarem haben namhafte Autoren nicht nur Beitrge zur Dsseldorfer Wehrgeschichte vom Mittelalter bis zum 20. Jh., zum Wehrbau und ber kriegsbezogene Denkmler geliefert, sondern auch die Schrecken des Krieges, Tod und Verlust, Vertreibung ebenso wie Nationalismus und nationale Kriegsbegeisterung mit viel Bildmaterial anschaulich dargestellt.
    An Hand von fnf im Stadtgebiet Dsseldorfs sichtbaren Objekten - der Pfalz in Kaiserswerth, der Citadelle in der Carlstadt, dem Ulanen-Denkmal am Hofgartenufer, der Westdeutschen Kieferkfinik an der Himmelgeister Strae und der Bunkerkirche in Heerdt wird die wechselvolle 'Kriegs'-Vergangenheit unserer Stadt (Festungsstadt, Garnisonsstadt) zu Tage gefrdert. Der Leser sprt, da in diesem Buch der Mensch und sein Schicksal die entscheidende Rolle spielen, sichtbar gemacht an Objekten, deren ursprngliche Bedeutung weitgehend verdrngt ist.
    Entstanden ist ein Kompendium, eine Synopse der Stadtgeschichte unter dem Thema Krieg. Dieses Konzept der Darstellung, Geschichte nicht nur anonym zu beschreiben, sondern an Objekten sichtbar und bewut zu machen, das ist eine wissenschaftliche Innovation unter Verwendung zahlreicher bisher ungedruckter Quellen und zum ersten Mal verffentlichter Fotos.

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Rheinische Post, Bernd Bussang, 12. Juli 2004
STADTGESCHICHTE: HISTORIKER BESCHREIBEN DEN LEIDVOLLEN WECHSEL ZWISCHEN FRIEDEN UND ZERSTRUNG
Dsseldorf Garten des Krieges
Die Stadt hat nicht nur friedliche Zeiten erlebt. In einem nun erschienenen Band von Stadtarchiv und Heine-Universitt beleuchten Historiker am Beispiel von fnf Baudenkmlern eine mehr als 1000-jhrige Geschichte der lokalen Zivilisation. Danach war das nrdliche Rheinland mit Dsseldorf im Zentrum seit jeher umkmpftes Gebiet, ein Ort des Krieges.


Nach fast 60 Jahren Frieden ist der Krieg weit weg. Doch das war nicht immer so: Kaum ein anderer deutscher Raum ist im Verlauf der Jahrhunderte derartig oft von kriegerischen Ereignissen heimgesucht worden wie das nrdliche Rheinland, schreibt Jrg Engelbrecht, Geschichts-Professor an der Heinrich-Heine-Universitt. Die besondere strategische Bedeutung des Gebietes, seine offene Landesnatur, die Eroberungszge erleichtert, das habe bereits die Rmer an den Rhein gelockt. Das nrdliche Rheinland mit der Residenzstadt Dsseldorf, so Engelbrecht, sei ein hortus bellicus, ein Garten des Krieges, gewesen.
Bis hinein in die Neuzeit lag das Gebiet im Strudel rivalisierender Machtinteressen von Frsten und Erzbischfen, Knigen und Kaisern mit vielfltigen Folgen fr die Bevlkerung Dsseldorfs: Sie musste nicht nur Zerstrung, Plnderung und Besatzung ertragen. Festungsbau und die Unterbringung von Soldaten in der Garnisons- und Etappenstadt bestimmten mageblich das Leben der Menschen. Am Beispiel von fnf Monumenten, sichtbaren Zeichen der Vergangenheit, beschreibt das Buch diese Entwicklung. Sie beginnt mit dem Bau der Kaiserpfalz und endet im Inferno der Bombennchte des Zweiten Weltkriegs.

Die Kaiserpfalz

Als imposantes Beispiel fr einen mittelalterlichen Wehrbau beeindrucken die 4,5 Meter dicken Mauern der Ruine Besucher noch heute. Den einstigen Knigshof Rinhusen, der um 700 in den Besitz des angelschsischen Missionars Suitbert gelangt war, baute Heinrich III. Mitte des 11. Jahrhunderts zur Kaiserpfalz aus. Sie diente als zeitweiliger Aufenthaltsort des deutsch-rmischen Kaisers und als Zollstation. Der Wehrbau galt lange als nahezu uneinnehmbar. Fnf Monate brauchte Adolf von Berg im Jahr 1215 fr die Eroberung der Burg, die damals auf noch einer Insel lag. Es gelang ihm mit einer recht aufwndigen List: Adolf lie einen Damm bauen, ber den die Angreifer dicht an die Burg gelangten. Mit dem Aufkommen mauerbrechender Artillerie im 15. Jahrhundert verlor die Pfalz ihre militrische Bedeutung. Von franzsischen Soldaten bis zuletzt verteidigt, zerfiel sie im Verlauf des spanischen Erbfolgekriegs, 1702, unter massivem Kanonen-Beschuss alliierter Truppen des Reichs zu einem Trmmerfeld.

Die Festung Dsseldorf

Anders als Kaiserswerth ist die Festung Dsseldorf nicht belagert worden. Die Citadellstrae in der sdlichen Altstadt erinnert an die Zitadelle, im restaurierten Becken des alten Hafens sind Teile der frheren Bastion Spee heute wieder erkennbar.
Erbfolgestreitigkeiten hatten Herzog Wilhelm V. von Jlich-Kleve-Berg um 1540 veranlasst, die Festung zum Schutz vor den Truppen Kaiser Karl V. zu bauen. Die Erfindung des Schiepulvers hatte das Gesicht des Krieges verndert. Die sternfrmige Bauweise der Verteidigungswerke (Bastionen) der neuzeitlichen Festung unterschied sich erheblich von den mittelalterlichen Stadtmauern. Sie boten dem Angreifer weniger Flche und erlaubte es den Verteidigern, ihn aus verschiedenen Winkeln unter Feuer zu nehmen. Die Festung prgte fr Jahrhunderte das Leben in der Stadt. Bei steigender Bevlkerungszahl mussten die Menschen immer dichter zusammenrcken. Platz fr Handel und Gewerbe wurde knapp. Erst als die Mauern Anfang des 19. Jahr-hunderts fielen, konnte sich das Wirtschaftsleben voll entfalten, Dsseldorf wurde Industriestadt.

Das Ulanendenkmal

Nicht nur der Krieg hat die Menschen in Dsseldorf verbunden und entzweit, auch die Erinnerung an ihn. Das zeigt Stadtarchiv-Direktor Clemens von Looz-Corswarem am Beispiel des Ulanendenkmals am Rheinufer. Das 1929 aufgestellte Reiterstandbild erinnert an das Westflische Ulanen Regiment Nr. 5, das auch im Ersten Weltkrieg kmpfte. Die ursprnglich angebrachte Inschrift sorgte fr Debatten bis hinein in die 1980er Jahre: Wenn tausend einen Mann erschlagen,/ Das ist nicht Ruhm und Ehr',/ Denn heien wird's in spteren Tagen:/ Gesiegt hat doch das deutsche Heer. Der Kulturausschuss beschloss 1986 schlielich, die revanchistische Inschrift nach einer Restaurierung des Denkmals nicht wieder anzubringen.

Die Kiefer-Klinik

Im Ersten Weltkrieg war Dsseldorf Etappenstadt. Die von dem Dsseldorfer Zahnarzt Christian' Bruhns (1868-1942) gegrndete Privatklinik an der Sternstrae wurde zur Zentralstelle fr die Behandlung von Soldaten mit Kiefer- und Gesichtsverletzungen fr die Westfront. 5000 von Gewehrkugeln und Granaten teilweise entsetzlich entstellte Soldaten wurden dort behandelt. 1928 wurde die Kieferchirurgie Lehrfach an der Medizinischen Akademie, 1945 die Klinik auf das Gelnde an der Moorenstrae verlegt.

Die Heerdter Bunkerkirche

Ein Bollwerk des Krieges ist zu einer Sttte des Segens umgewandelt worden, mit diesen Worten weihte Kardinal Josef Frings am 30. Oktober 1949 die Heerdter Bunkerkirche ein. Der Dsseldorfer Pfarrer Carl Klinkhammer hatte den Bunker gemeinsam mit vielen freiwilligen Helfern in mhevoller Bau- und berzeugungsarbeit zu einem Gotteshaus hergerichtet. Die stabilste Kirche der Welt wurde zu einem weithin einzigartigen Symbol des Friedenswillens im Deutschland der Nachkriegszeit.
Die Bilanz des Weltkrieges war auch fr Dsseldorf schrecklich: 26 Grobunker, 119 Kleinbunker und 7500 Luftschutzkeller hatten die Bevlkerung nicht vor den verheerenden Bombenangriffen schtzen knnen: Allein beim Pfingstangriff am 11./12. Juni 1943 starben 1200 Menschen. 3800 Wohnhuser wurden zerstrt.

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Westdeutsche Zeitung, Dieter Sieckmeyer, 08. Juni 2004
Dsseldorf als Spielfeld der Kriegsherren
Die Euroga hat ein Nachspiel: Krieg und Frieden in Dsseldorf heit das Werk, das gestern vorgestellt wurde. Eine wichtige Ergnzung zur Stadtgeschichte.


Nicht nur um Grten ging es bei der Euroga 2002plus. Ein begleitendes Kulturprojekt war das Thema Krieg und Frieden. In Dsseldorf betreuten die beiden Professoren Jrg Engelbrecht und Clemens von Looz-Corswarem das Thema. Nun liegt das Ergebnis vor, 376 Seiten geballte Stadtgeschichte mit 231 teils farbigen Abbildungen. Einerseits sollte ins Bewutsein gerufen werden, da das Rheinland im Laufe der Geschichte immer wieder in kriegerische Ereignisse verwickelt war, erklrte Clemens von Looz-Corswarem. Andererseits wolle man den Brgern die Augen ffnen fr die noch bestehenden berreste, Befestigungen, Bauten und Denkmler, die an kriegerische Zeiten erinnern. Viele Brger wissen gar nicht, dass Dsseldorf lange Zeit Garnisonsstadt war, sagte der Historiker.
An fnf Beispielen wird die bewegte Geschichte unserer Stadt erzhlt. Die Kaiserpfalz, die 1801 gesprengt wurde, steht als mittelalterlicher Wehrbau fr die Zeit des Kaisers Barbarossa. In dem Buch findet man die Geschichte der Pfalz, wie sie Paul Clemen 1909 aufgeschrieben hat. Der Bericht, der heute noch als richtungsweisend gilt, war lange Zeit verschwunden.
Ein weiterer Themenschwerpunkt ist die alte Citadelle. Das ist das letzte berbleibsel der alten Stadtmauer, wo sich heute der Hofgarten befindet. Wir haben uns auch mit dem Thema Gedenken beschftigt, erklrte Looz-Corswarem das Konzept. Darum habe man sich auch mit dem Ulanendenkmal beschftigt.
Da auch die Entstehung der Westdeutschen Kieferklinik mit kriegerischen Ereignissen zusammenhngt, drfte den wenigsten Dsseldorfern bewut sein. Dort wurden whrend des Ersten Weltkrieges Methoden entwickelt, um schwere Gesichts- und Kiefer-Verletzungen zu behandeln. Rund 5000 verwundete Soldaten wurden in Zgen nach Dsseldorf gebracht und hier versorgt.
Die letzten Jahre des Zweiten Weltkrieges und die Jahre des Wiederaufbaus werden in dem Kapitel erzhlt, in dem es um die Heerdter Bunkerkirche geht. Das Gebude wurde 1940 widerrechtlich von den Nazis auf einem Grundstck errichtet, das der Kirche gehrte. Nach Kriegsende grndete Monsignore Carl Klinkhammer dort seine legendre Bunkerkirche.



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Rheinische Post, 08. Juni 2004
Krieg und Frieden

Einen wichtigen Baustein zur Geschichte der Stadt, hielt OB Joachim Erwin gestern im Rathaus erstmals in Hnden. Verleger Bruno Kehrein (Grupello) hatte das Werk Krieg und Frieden in Dsseldorf druckfrisch mitgebracht.
Auf 376 Seiten haben 14 Historiker und Autoren unter Federfhrung von Stadtarchivar Clemens von Looz-Corswarem und Jrg Engelbrecht, Geschichts-Professor an der Heine-Universitt, zivile Militr- und Alltagsgeschichte der Stadt vom Mittelalter bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs beschrieben. Ausgangspunkte sind Baudenkmler und Monumente wie die Kaiserpfalz, die Citadelle, das Ulanendenkmal, die Heerdter Bunkerkirche und die Westdeutsche Kieferklinik, in der im Ersten Weltkrieg Hunderte verwundeter Soldaten lagen.
Das aus den Bestnden des Stadtarchivs reich bebilderte Werk ist anllich eines Projekts zur Gartenschau Euroga 2002plus entstanden.


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Clemens von Looz-Corswarem (Herausgeber), Prof. Dr. Jrg Eng[..]: »Krieg und Frieden in Dsseldorf«