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Werner Schwerter, Rheinische Post, 28. Mai 2003
Kaum gab es Küsse im Land an der Lippe
Wilhelm Gössmann schrieb einen nordrhein-westfälischen Liebesroman über »Anna und Christof«


Über rheinische Ironie und westfälische Sentimentalität wurde schon viel diskutiert. Jetzt gibt ein Buch neuen Gesprächsstoff zum Thema.
    Das Bindestrich-Land Nordrhein-Westfalen wird nun symbolisch neu begründet mit der Liebe von Anna und Christof. Sie ist Mitarbeiterin eines Kölner Museums, er Journalist bei einer westfälischen Regionalzeitung. Rheinland (sie) und Westfalen (er) entdecken sich durch den Austausch von Heimat- und Geschichtskunde, durch Ausflüge ins Land an der Lippe und durch die Lektüre von Gedichten und lokalen Reiseführern.
    Allmählich kommt Romantik ins Spiel. »Wonnig ist's, in Frühlingstagen / Nach dem Wanderstab zu greifen / Und, den Blumenstrauß am Hute, / Gottes Garten zu durchschweifen.« Zitat aus dem vergilbten Gedichtband »Dreizehnlinden« des Dichters Friedrich Wilhelm Weber - Verse, die bis in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in der Paderborner Gegend poetisches Allgemeingut waren.
    Doch nach soviel Sirup brauchen wir Senf. Kriegen wir hier auch. Mit Versen von Heinrich Heine zum Beispiel über das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald. Wobei Heines rheinische Ironie dann wieder der westfälischen Sentimentalität einer Droste-Hülshoff gegenübergestellt ist. Viel Dichtung wird zitiert.

Sämtliche regionalen Teller und Tassen im Schrank

Wir hätten es auch nicht anders erwartet von Wilhelm Gössmann, dem Literaturprofessor und Heine-Experten, 1926 in Westfalen geboren, von 1973 bis 1983 Vorsitzender der Düsseldorfer Heine-Gesellschaft - dem wachen Zeitgenossen, Dichter und weltoffenen Schöngeist.
    Seine regionale Liebesgeschichte »Anna und Christof - westfälische Spurensuche1« hat ihre vorletzte Station auf der Museumsinsel Hombroich bei Neuss und geht dann mit Goethe Richtung Italien. »Die künstlerische Spannung zwischen Mann und Frau bestimmte den ganzen Abend«, heißt es anläßlich eines Konzertes in der Scheune von Hombroich. Es klingt interessant, aber wirkt nicht richtig erotisch.
    Lange vorher in Westfalen sagt Anna zu Christof, aus einem Albtraum aufgewacht: »Das nächste Mal bitte ein Doppelzimmer, Beschützer meiner Träume.« Scheu und sanft scheint sich da was anzubahnen, aber drei Seiten später kriegt sie schon seinen Wohnungsschlüssel und kocht Kaffee. »Sie wird ihr Geschirr mitbringen, und wenn es ihm nicht gefällt, kaufen sie neue Teller und Tassen.« Der tiefsinnige Westfale muß sich, bis sie sich endlich in den Armen liegen, erst noch daran gewöhnen, »daß er eine Rheinländerin an seiner Seite hat, eine unkomplizierte Seelenlandschaft«. Ob er dann noch alle Tassen im Schrank hat?
    Merkwürdig, wie eine persönliche, historische und regionale Spurensuche, ein Reiseführer, ein Literaturseminar und eine Liebeserklärung sich mischen. Zärtlich, poetisch, lehrhaft und wortreich geht es zu, aber meist mehr intellektuell als sinnlich. Ausgerechnet im Land an der Lippe wird nur selten geküßt.

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Wilhelm Gössmann, Wilfried Hagebölling (Künstler): »Anna und Christof«




Rheinische Post, Britta Willeke 21.03.2003, 01. Januar 2003
Liebe in Westfalen

Was halten Rheinländer von Westfalen? Bekannterweise nicht allzu viel. Das aber liegt vielleicht an der mangelnden Aufklärung darüber, wie spannend die unmittelbare Nachbarschaft sein kann.
        Wilhelm Gössmann, geboren 1926 in dem westfälischen Dorf Langenstraße bei Ruthen, kann die Rheinländer eines Besseren belehren. Auch wenn er inzwischen in Düsseldorf nicht nur wohnhaft, sondern auch als Schriftsteller anerkannt ist, bleibt die Heimat in seinen Werken nicht unvergessen. Im Gegenteil. Gössmann hat sich auf seine literarische Fahne die lokale Anordnung von Texten und die Rehabilitation des Begriffs der Region geschrieben. Dabei konzentriert er sich vor allem auf Westfalen.
        Dörfer und ihre Veränderungen, Brauchtum und sein Verschwinden, Globalisierung und Industrialisierung sind die Themen, mit denen er sich auseinandersetzt. Zum Beispiel in »Hier ist gut sein« oder »Zeitweilige Fernsicht«. Aber auch historisch und landschaftlich hat Westfalen einiges zu bieten. Vor den Hintergrund westfälischer Geschichte, Wahrzeichen, Städte, Dörfer, Berge, Flüsse und Bäume stellt Gössmann in seinem neusten Buch eine Liebesgeschichte: »Anna und Christof - Westfälische Spurensuche«.

Treffen im Museum

Christof, Redakteur aus Lippstadt, lernt Anna, Kunsthistorikerin aus Köln, bei einem Termin im Wallraf-Richartz-Museum kennen. Er lädt sie nach Lippstadt ein. Das Gespräch der beiden konzentriert sich auf Westfalen und seine Geschichte. So wird aus der eher zufälligen Bekanntschaft ein neugieriges Westfalen-Erkundungsteam und nicht zuletzt auch ein Liebespaar.
        »Mit diesem Buch wollte ich den Menschen im Rheinland etwas von Westfalen erzählen, auf daß sie da mal hinfahren«, erklärt Gössmann. Und keiner wird enttäuscht sein, sollte er dem Aufruf folgen. Jeder, der sich auf Christofs und Annas Spurensuche begibt, wird alles so wieder finden wie die beiden - jeden Ort. jedes Haus, jede Straßenbiegung, jeden Baum. Ob es am Ende aber auch so romantisch ausgeht - das kann der Autor nicht versprechen.

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Wilhelm Gössmann, Wilfried Hagebölling (Künstler): »Anna und Christof«




Westdeutsche Zeitung, Valeska von Dolega 21.03.2003, 01. Januar 2003
Wo Orte von Liebe erzählen
Wilhelm Gössmann stellte bei Schnabelewopski sein druckfrisches Buch »Anna und Christof. Westfälische Spurensuche« vor.


Wilhelm Gössmann in Düsseldorf bekannt machen zu wollen ist so, als wollte man Heinrich Heine oder Joachim Erwin vorstellen. Der inzwischen emeritierte Professor für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur der hiesigen Universität ist ein Begriff. Entsprechend gut besucht war seine Lesung bei Schnabelewopski, während der er aus seinem druckfrischen und am gleichen Tag erschienenen neuen Buch »Anna und Christof Westfälische Spurensuche« las.
      Die Liebesgeschichte zwischen Anna und Christof markiert den sechsten Band in Gössmanns Zyklus über seine Heimatregion Westfalen. So wie Günter Grass immer wieder über Danzig, Heinrich Böll über Köln und Martin Walser, mit dem Wilhelm Gössmann zeitweise zusammen gearbeitet hat und noch heute befreundet ist, detailgenau über den Bodensee schrieben, ist eines von Gössmanns leitmotivischen Themen Westfalen. »Primär schreibe ich nicht für die Öffentlichkeit. Es ist mehr, um mir selbst bestimmte Dinge klar zu machen«, erklärt der 76-Jährige. Er selbst wurde in dem westfälischen Dorf Langenstraße, heute zu Ruthen eingemeindet, geboren und hat bis heute zwei Wohnsitze: einen im »snobistischen Düsseldorf, der Stadt, die ich liebe«, einen auf dem Land, wo er auf dem väterlichen Hof ein kulturelles Zentrum für wissenschaftliche, künstlerische und dichterische Begegnungen etabliert hat.
      »Kein Baum, keine Straße, kein Platz mußte erfunden werden. Um Westfalen naher zu bringen, leistete ich mir selbst den Schwur, alles, was ich schreibe, soll haargenau stimmen.« Das Resultat ist eine bündige Erzählung, in der Orte zu Chiffren einer Kulturlandschaft werden, in der sich der kontinuierliche Wandel von den Sachsen, den römischen Einflüssen und der Christianisierung bis heute widerspiegelt.
      Vor diesem Hintergrund erlebt der Leser die Romanze zwischen Christof, einem Kulturredakteur aus Lippstadt, und der Kölner Kunstkritikerin Anna. Der Gegensatz zwischen dem Rheinland und Westfalen wird zu einer fruchtbaren Polarität, die davor bewahrt, Westfalen lediglich unter heimatkundlichen Aspekten zu katalogisieren. Wieder einmal hat sich in leicht abgewandelter Form bestätigt, was schon Flaubert wußte, nämlich, daß in der Provinz Großes entstehen kann.

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Wilhelm Gössmann, Wilfried Hagebölling (Künstler): »Anna und Christof«




Der Patriot, 15.02.2003
Westfälische Spurensuche
Erzählung »Anna und Christof« von Wilhelm Gössmann erscheint im März


Christof ist Westfale, Anna Rheinländerin. Und sie haben eine gemeinsame Liebe: Westfalen, seine Orte und seine Geschichte. Über dieses gemeinsame Interesse finden die beiden auch zueinander. Das ist die Grundidee, die der Autor Wilhelm Gössmann entwickelte und zu Papier brachte. Ende März erscheint die Erzählung »Anna und Christof« des Düsseldorfer Literaturprofessors und gebürtigem Langenstraßer im Grupello Verlag.
    Die Geschichte beginnt in Köln, wo der Lippstädter Kulturredakteur im Museum auf die Kunsthistorikerin Anna trifft. Er lädt sie ein, mit ihm einen Streifzug durch seine Heimat zu machen, um Land, Menschen und die Geschichte Westfalens zu erkunden. Gemeinsam besuchen sie die wichtigen historische Orte: Die Externsteine, Münster, Soest und auch den Ort der Varusschlacht, Kalkriese bei Osnabrück. Aber auch Lippstadt, und die Heimat des Autors am Südrand des Sauerlandes. Schilderungen der westfälischen Kulturgeschichte, von der Schlacht im Teutoburger Wald und von den Anfängen der Christianisierung durch Karl den Großen und Herzog Widukind, wechseln sich ab mit zum Teil lyrischen Beschreibungen der sommerlichen Landschaft.
    Zwischen Anna und Christof entwickelt sich während ihrer Spurensuche nach und nach eine Liebe, die allerdings von Annas vorherigen Beziehung überschattet wird. Die Rheinländerin und der Westfale - zwei Gegensätze, die sich in der Erzählung hervorragend ergänzen. Und so stehen die beiden Hauptfiguren auch für ihre Regionen, deren klassische Rivalität der Düsseldorfer Autor mit westfälischer Heimat zu entschärfen bestrebt ist.
    Wilhelm Gössmann, geboren 1926 in Langenstraße, war Professor für Literaturwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Neben seiner Lehrtätigkeit war er auch immer als Schriftsteller aktiv. Durch seine über 50 geschriebenen oder herausgegebenen Bücher zieht sich als Leitmotiv die Beschäftigung mit dem Einfluß der christlichen Kultur auf den modernen Menschen. Gössmann war 10 Jahre Vorsitzender der Heinrich-Heine-Gesellschaft und gründete die Initiative »Verein zur Förderung der Kultur auf dem Land«. Dabei dient der umgebaute elterliche Hof in Rüthen-Langenstraße als kulturelles Zentrum für wissenschaftliche, musikalische, künstlerische und dichterische Begegnungen.

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Wilhelm Gössmann, Wilfried Hagebölling (Künstler): »Anna und Christof«