Ausfhrliche Informationen zu Stephan Kaluza: Das Buch der sinnlosen Wege

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Rheinische Post, 07. März 2019
Jenseits von Sinn und Verstand. Stephan Kaluza schaut in neuen Kurzgeschichten auf menschliche Absurditten.


Von Philipp Slken

Sprnge aus dem Weltall, verschrobene Knstler, Alltagsneurosen. Solchen Verrcktheiten hat Stephan Kaluza nun einen Kurzgeschichtenband gewidmet. Das Buch der sinnlosen Wege heit das neue Werk des Dsseldorfer Schriftstellers und Knstlers. Doch der Untertitel 20 Grotesken legt nahe: Es geht nicht um das Portrtieren alltglicher Spleens.

Vom italienischen Wort grotta (Hhle) abgeleitet bezeichnete der Begriff Groteske in der Renaissance fabelhafte Mischwesen, wie sie etwa in den Gemchern des Palastes von Kaiser Nero zu finden sind. Diese zusammengewrfelten Gestalten verglich der antike Dichter Horaz mit den Phantastereien eines Kranken: Wie im Fiebertraum schieben sich Realitt und Einbildung bereinander, sodass uns das Gefhl fr die Wirklichkeit abhanden kommt. Auf solch ein unmerkliches Kippen ins Bizarre stellt man sich als Leser bei diesem Untertitel ein und kommt teilweise auf seine Kosten, beispielsweise in Der Geist und die Dunkelheit. Die Szene: die Veranda eines Gartenrestaurants. Ein Ehepaar sitzt mit dem Architekten ber Bauplnen. Doch es gibt Probleme mit der neuen Wohnung. Ein lnglicher Pool ist aus Platzgrnden nicht mglich, und die durchgehende Fensterfront des Schlafzimmers bersteigt die Grenzen der Physik. Die Gattin ist nicht erbaut. Doch als von Pfauen, Tennispltzen, Aufbauten und der Abfahrt zu den Osterinseln die Rede ist, ahnt der Leser, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Die Geschichte kippt ins Unvorstellbare, das etwas Bedrohendes an sich hat.

In mehreren Erzhlungen verbindet Stephan Kaluza dies gekonnt mit Reflexionen ber das knstlerische Schaffen. So beispielsweise in Real Standard, wo die Typen geschftiger Produzent und idealistischer Autor die Pltze tauschen. Whrend der Schriftsteller vor allem den Scheck im Sinn hat, versteht sich der Filmemacher als Wortlautbewahrer und will Himmel und Erde in Bewegung setzen, um das Meisterwerk buchstabengetreu in einen Film zu bersetzen.

Doch die fieberhafte Unruhe, das Abgleiten der Geschichten ins Bodenlose (siehe Du fllst gleich), findet sich nur in einigen Kapiteln. Ein Groteil der Episoden reit den Leser nicht in den Abgrund, sondern pltschert dahin. Wenn wir einem neurotischen Broangestellten folgen, der seinen Weg zur Arbeit minutis plant, so ist das sicherlich aberwitzig, jedoch nicht grotesk. Hier steht eher die Sinnlosigkeit im Vordergrund, die skurrile Formen annimmt.

Das ist amsant zu lesen, hat aber mehr den Charakter von Schnurren als von Grotesken.


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Stephan Kaluza: »Das Buch der sinnlosen Wege«