Ausführliche Informationen zu Michael Kerst: Bert Gerresheim

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Rheinische Post 10.2.2017, 13. Februar 2017
Bert Gerresheim setzt Mutter Ey ein Denkmal
In Michael Kersts neuem Buch über den Bildhauer wird die Entstehung der Arbeit dokumentiert.
Von Annette Bosetti


Er ist ein Stück Düsseldorf. Es gibt sicher Hunderte Werke von Bert Gerresheim, sakrale wie weltliche, darunter Reliquiare, Briefmarkenentwürfe, Statuen und Denkmäler im öffentlichen Raum. Ein Selbstbildnis hat der 81-jährige Künstler indes bis heute nicht von sich angefertigt. Weder auf Gemälden noch in Plastiken findet sich sein markantes Gesicht. Jetzt aber ist ein spannendes Selbstzeugnis in Buchform auf dem Markt, das in Texten, Zitaten und Fotos von einem bewegten Künstlerleben berichtet, das zu einer Zeit seinen Anfang nahm, in der es nicht gerade gern gesehen wurde, wenn der Sohn lieber malte als mathematische Aufgaben zu lösen.
     Der Journalist Michael Kerst hat das Buch mit Gerresheim zusammen entwickelt und verfasst. Über 200 Seiten entspringt es einem erbaulichen Dialog zwischen Künstler und Interviewer. Eher beiläufig war man 2014 auf die Idee gekommen, während eines Gesprächs über Kunst. Der Journalist stellte seine letzte Frage, die alles ins Rollen brachte. Ob Gerresheim plane, noch ein Denkmal zu hauen, wollte Kerst wissen. »Und ob«, so die Antwort. Die Mutter Ey, Düsseldorfs legendäre Kunstfigur, wollte er als Bronze verwirklichen. Skizzen dazu hatte er bereits angefertigt. Es war sein Herzenswunsch, sagt er. Als kleiner Junge hatte er Johanna Ey kennengelernt, sie hatte ihm geraten, bei Otto Pankok an der Kunstakademie zu studieren. Was er später auch tat. Ein guter Rat war es, der seinen Lebensweg mitentschieden hat. Das war nur ein Detail eines Lebens, das spannenden Stoff versprach. Der Journalist überredete den Künstler zu mehr Auskünften.
     Anfangs hatte Gerresheim Scheu, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Auch trug er Sorge, dass man solch eine Biografie als eine Art Nachruf missverstehen könnte. »Von Sargdeckelknarren will ich noch nichts wissen«, scherzte der vitale Künstler bei der Buchvorstellung gestern im Ratinger Tor. Über Wochen hatte man im Atelier zusammengehockt, es wurde viel gefragt und noch mehr erzählt. Aus ungezählten Mitschnitten schuf der Autor eine Struktur mit vier Abschnitten. Zu lesen, wie der »Düsseldorfer Jong« seinen Weg eingeschlagen hat, wie das Leben ihm glückliche Momente und Brüche bescherte, ist spannend und gleichzeitig eine Zeitreise. Die Kindheit im Krieg, die Anfänge des »Kritzelns«, die erste Zeichnung »Unterm Kreuz« von 1950, die ersten »Koppe« - den Gips besorgte sich der Junge in einer Oberkasseler Apotheke -, die Reifeprozesse und der Glaubenskonflikt, ob er als Künstler einer Generation gegenständlich arbeiten würde oder nicht. In der Akademie, wo er zeitweise mit Günther Uecker zusammen in der Pankok-Klasse arbeitete, ordnete sich Gerresheim den »Jungen Realisten« zu, nannte seinen Stil »visionärer Realismus« und fühlte sich den Surrealisten verbunden. Diese Details seiner Wegfindung sind interessant, wie auch die Erinnerung an Begegnungen mit berühmten Menschen, darunter Päpste, Literaten oder Polit-Haudegen wie Herbert Wehner.
     Durch das Buch wurde gleichzeitig die Idee befördert, das Mutter-Ey-Denkmal zu realisieren und in den Stadtraum zu bringen. Hilfreich dabei sind die Düsseldorfer Jonges, die listig sein können, wie sich bei der Buchvorstellung zeigte. Ein offizieller Weg, die 2,70 Meter hohe Bronze ins Stadtbild zu befördern, war ausgeschlossen. »Nicht schon wieder Gerreshein«, tönte es aus ernstzunehmenden Mündern. Jonges-Bas Wolfgang Rolshoven fand im CEO der Frankonia, Uwe Schmitz, einen Sponsor, der nicht nur das Werk ankaufte, sondern das Gelände im Andreasquartier bereitstellt. Im Mai soll die gute Mutter Ey dort enthüllt werden. Daneben wird ein Café mit Galerie für Arbeiten von Absolventen der Akademie eingerichtet. Da schließt sich der Kreis.

Weitere Informationen:
Michael Kerst: »Bert Gerresheim«