Ausführliche Informationen zu Tatjana Kuschtewskaja: Am Anfang war die Frau

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Kölner Stadt-Anzeige, Elke Petrasch-Brucher, 23. April 2018
Aus Schattendasein ans Licht geholt
Schriftstellerin Tatjana Kuschtewskaja auf den Spuren russischer Frauen berühmter Männer


Frechen-Buschbell. »Kennen Sie die Ehefrau von Malewitsch? Von Dostojewski? Kandinsky?« fragte die Schriftstellerin Tatjana Kuschtewskaja. Kopfschütteln unter den Besuchern der Lesung des Autorenkreises Rhein-Erft in der Kirche Alt St. Ulrich. Die Frauen hinter den erfolgreichen Männern führten oft ein Schattendasein und waren doch so entscheidend für deren Karriere.
    »Ohne meine Frau wäre ich niemals Schriftsteller geworden« bekannte immerhin der russisch-amerikanische Schriftsteller Vladimir Nabokov. Seine Ehefrau Vera blieb die einzige Konstante in seinem rastlosen Leben, war Muse, Lektorin und Sekretärin zugleich. Ob sie selbst ein erfolgreiches und glückliches Leben führte, ist hingegen nicht überliefert.
    Ähnlich mag es wohl Anna Dostojewskaja, der Ehefrau des Schriftstellers Fjodor Michailowitsch Dostojewski, ergangen sein. Sie war eine Symbiose mit ihrem berühmten Ehemann eingegangen. Die beiden hatten 13 Kinder, Anna war Mutter, Managerin und Sekretärin zugleich. Nachts schrieb sie Seite für Seite der Werke ihres Ehemannes ab. Oder Lydia Delectorskaya, die Frau an der Seite des Malers Henri Matisse, die hauptsächlich als Modell für ihren Ehemann herhalten musste.
    »Genau das interessiert mich« berichtete Tatjana Kuschtewskaja dem Publikum, auf der Bühne unterstützt von der Musikerin Marina Kalmykova. »Als ich 1991 der Liebe wegen nach Deutschland kam, riet mir der Schriftsteller Lew Kopelew, das zu schreiben, was für mich und mein Leben wichtig ist. Also begab ich mich auf die Spuren russischer Frauen, die stets im Hintergrund blieben.«


Detektivarbeit geleistet

Für Tatjana Kuschtewskaja fühlte sich das an wie Detektivarbeit. Die Schriftstellerin mit den lebhaften, aufmerksamen Augen recherchierte, telefonierte, traf sich mit Angehörigen. Als sie dem Enkel des russischen Pianisten und Komponisten Sergei Rachmaninow schrieb und nach seiner »Babuschka«, also Großmutter, fragte, kam seine Antwort sofort. »Er schrieb, das sei das erste Mal, dass jemand nicht nach dem berühmten Großvater, sondern nach seiner Ehefrau, Alja Rachmanova frage. Er hat mich gleich zu sich nach Hause in die Schweiz eingeladen und mir Familiengeheimnisse verraten« erzählte die Schriftstellerin in Buschbell.
    All das kann man in ihren Büchern »Russinnen ohne Russland« und »Am Anfang war die Frau« lesen. Auch die Geschichte vom Leben und Tod von Nina Kandinsky, der Frau des russischen Malers Wassily Kandinsky, die sich wie ein Krimi liest. Ihr ganzes Leben sei sie aufopferungsvoll an der Seite Kandinskys gewesen, 1980 kam sie dann plötzlich im schweizerischen Gstaad auf rätselhafte Weise ums Leben. Nina Kandinsky hatte zum Dinner geladen und lag zum vereinbarten Zeitpunkt gefesselt und ermordet im Badezimmer. Der Safe war aufgebrochen, die Bilder ihres Mannes waren aber alle noch da.
    Ein ganz anderes Beispiel: Die russische Künstlerin Marianne von Werefkin, die 1896 nach Deutschland kam und gemeinsam mit Wassily Kandinsky und Franz Marc zur Künstlervereinigung »Der Blaue Reiter« gehörte. Sie galt in Russland als Verräterin. Obwohl sie später all ihre Werke der Eremitage im heutigen Sankt Petersburg geschenkt hatte, wird sie in Russland immer noch ignoriert. »Ich habe nach langer Suche das Hotel gefunden, in dem Marianne von Werefkin einst lebte und malte« erzählte die Schriftstellerin. »Dort habe ich auf dem Balkon die Ikone einer Mutter-Gottes-Figur gefunden, die bislang noch nie jemand entdeckt hatte. Das war wie ein Geschenk für mich« sagte Tatjana Kuschtewskaja.
    »Die Männer sind Materie, die Frau ist Geist« dem schloss sich auch Rolf Pohlander vom Autorenkreis Rhein-Erft an. Seine Lyrik über das Mit- und manchmal auch Gegeneinander der Geschlechter vervollständigte mit Reimen wie dem »Ringelnatter-Drama«, einer humorvollen Melange aus Wilhelm Busch, Loriot und Heinz Erhardt, den poetischen Abend in der von der Gold-Kraemer-Stiftung zur Verfügung gestellten Kirche Alt St. Ulrich in Frechen-Buschbell.

Weitere Informationen:
Tatjana Kuschtewskaja: »Am Anfang war die Frau«