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Angaben zum Buch ...


Oleg Grigorjew
Alexander Nitzberg (Übersetzung)
Ich hatte viele Bonbons mit
Artige und andersartige Gedichte

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52 Seiten, Engl.-Broschur, Format: 13 x 21 cm
ISBN 3-928234-60-9, Erscheinungsjahr: 1997



Zum Inhalt des Titels ...


Kinderbuchautor und verfemter Dichter - eine ungewöhnliche Mischung? Nun, der Russe Oleg Grigorjew (1943-1992) wurde, wie einige andere, in den Bereich der Kinderliteratur »verbannt«, weil er den Erwachsenen zu gefährlich schien. 1971 wird sein erstes Kinderbuch Seltsame Käuze herausgegeben, die folgenden zweieinhalb Jahre verbringt er in einem Arbeitslager. 1980 erscheint Wachstumsvitamin und wird vom Kinderliteratur-Papst und Verfasser der Sowjethymne Sergej Michalkow als »jugendgefährdend« eingestuft. Für das nächste halbe Jahr kommt der Autor ins Leningrader Gefängnis Kresty, und das nicht zum letzten Mal. Vom Alkohol heimgesucht, mehrmals in psychiatrische Anstalten gesteckt, bewahrte der Frühverstorbene dennoch seinen Humor, was den Versen zu großer Popularität verhalf: Sie erschienen im Untergrund, wurden abgeschrieben, verloren oft ihre Autorenschaft und werden heute noch als Volksgut weitererzählt und gesungen.
Was ist es, was seine Gedichte so gefährlich macht? - Es ist ihre beunruhigende Harmlosigkeit. Mit dem entlarvend naiven Tiefsinn eines Dreijährigen wird unsere Welt an der empfindlichsten Stelle getroffen: Der Schein erweist sich als falsch, das Phantastische als glaubwürdig. Dabei geht das zart Lyrische Hand in Hand mit dem Absurden und sogar dem Brutalen - etwas, was man zum Beispiel von Daniil Charms kennt.
In dem Buch wird eine Auswahl von meist kurzen aphoristischen Gedichten Grigorjews zum ersten Mal dem deutschen Leser vorgestellt. Die Übersetzungen stammen vom Düsseldorfer Dichter Alexander Nitzberg, der selbst in Moskau aufgewachsen ist. Texte solcher Art bilden mit ihrer grotesken Weltsicht auch für seine eigene Lyrik einen wichtigen Bezugspunkt.

Dies ist eine Punze ...

Das Bild zeigt Oleg Grigorjew


Nachdem Oleg Grigorjew 1992 in einem Leningrader Hospital an den Folgen eines Magendurchbruchs im Alter von 48 Jahren gestorben war, fanden Freunde seine persönliche Habe, Lebensmittel, Zeichnungen, Notizen und Manuskripte in ihren Wohnungen zurückgelassen vor. Grigorjew gehörte der großen Leningrader Dunkelziffer unbehauster Einwohner an. Sein Einzelschicksal klingt in westlichen Ohren exotisch, in seiner Stadt ähnelte es dem von vielen. In den letzten Lebensjahren war er häufiger Gast in der Puschkinstraße 10, einem alten zentralgelegenen Gebäudekomplex, der bildenden Künstlerfreunden in der postsowjetischen Phase neuen Lebens- und Arbeitsraum lieferte.
Anders als sein Moskauer Schriftstellerkollege Venedikt Jerofejew, der Ende der 60er Jahre mit seinem Poem »Moskau - Petuschki« zu triumphalen Erfolgen gegenüber dem offiziellen Literaturbetrieb gelangte, blieb Grigorjew eher verborgen. Seine drei zu Lebzeiten publizierten Kinderbücher sorgten nur für einen geringen Bekanntheitsgrad. Letztendlich waren es die engeren Freunde, die ihn nicht nur beherbergten, sondern auch postum die Edition einer umfangreicheren Anthologie seiner Lyrik im St. Petersburger Verlag Notabene im Jahr 1993 besorgten. Eine weitere Veröffentlichung von Gedichten Grigorjews erfolgte im selben Jahr im Verlag Kamera Chranenija, St. Petersburg. Mit diesen Publikationen lag erstmals eine größere Bandbreite seines Werkes der Öffentlichkeit vor, die ihn nicht nur als Kinderbuchautor auswies. Grigorjew schrieb nie explizit für Kinder, seine Literatur war adressiert an alle, die ihn hören oder lesen wollten.
In der Mitte der 50er Jahre, zu Beginn des kulturpolitischen Tauwetters, besuchte Grigorjew eine Kunstschule für Jugendliche, die ihn auf ein Studium an der Leningrader Repin-Kunstakademie vorbereiten sollte. Jedoch, wie bei den namhaft gewordenen Künstlern Michail Schemjakin und Gennadij Ustjugow, blieb ihm ein Kunststudium verwehrt; Grigorjew wurden formalistische Tendenzen zum Vorwurf gemacht. Anfang der 60er Jahre begann er, seine ersten Gedichte zu schreiben, blieb aber zeitlebens auch seiner zeichnerischen Arbeit treu. Er suchte immer wieder den Kontakt zu bildenden, inoffiziellen Künstlern. So stand er zum Beispiel der bis heute existierenden Vereinigung Mit'ki nahe: Alexander Florenskij illustrierte zahlreiche seiner Verse.
Die Leningrader Subkultur der 60er und 70er Jahre unterschied sich grundsätzlich von den Moskauer Ereignissen. Literaten, wie Grigorjew, leisteten keinen offenen Widerstand. Sie arbeiteten eher einzelgängerisch im Abseits, verabscheuten pathetische Gesten. Gegenüber Gruppenbildungen und kollektiven Aktionen blieben sie verhalten. Die Vorboten inoffizieller Leningrader Kunst arbeiteten zumeist unkoordiniert und schufen in ihrer Abgeschlossenheit eine individuelle Nischenkultur, die gerade zu ihrer besonderen Stärke wurde. Grigorjew stand aber auch in Distanz zu vielen klugen Schriftstellern seiner Stadt. Er war nicht der meditativ-spirituelle Poeta doctus. Vielmehr favorisierte er die Imitation folkloristischer Verse, gemeiner Witze, schlichter Kinderreime und die entblößte Konfrontation lebenswirklicher Banalitäten gegenüber dem offiziell-pompösen Establishment. Sein ungeschminktes Alltagsleben - gezeichnet von maroden Umgangsformen, Alkoholismus, Aggressivität und Gefängnisaufenthalten - bot ihm den Stoff für seine oft kontrapunktisch angelegten Grotesken. Wichtig ist, in diesem Zusammenhang den Moskauer Schriftsteller der Lianosowo Gruppe Igor Cholin (* 1920) zu erwähnen, der mit seiner Barackenpoesie Grigorjews Dichtung ästhetisch nahesteht und bereits auszugsweise deutschen Lesern in Übersetzung vorliegt.
In der Leningrader Aufbruchstimmung der 70er Jahre setzte bei vielen Literaten die Suche nach einer historischen Verwurzelung und eine Reflexion auf die Avantgardebewegungen ein. Der Spätavantgardist und »Oberiute« Daniil Charms, der gerade erst literarisch wiederentdeckt worden war, wurde zu einer zentralen Leitfigur für junge Autoren. Bei Charms erstickte aber das Lachen zunehmend am Schrecken. Die grausig-absurden Überlistungsstrategien, die er ohnmächtig gegenüber dem stalinistischen Terrorregime einsetzte und die ihn bis zur textuellen Selbstauflösung zwangen, verwandelten sich in den Tauwetter-Literaturen zur Erfüllung eines befreienden Planes: Das Lachen der Narren ergriff den Ernst des Schreckens.
Oleg Grigorjew ist inzwischen selbst zu einer Leitfigur für zahlreiche junge Künstler und Literaten im heutigen St. Petersburg avanciert. Gudrun Lehmann, Düsseldorf 1997


Alle Titel von Oleg Grigorjew:

Ich hatte viele Bonbons mit
(1997, sofort lieferbar)


Das Bild zeigt Alexander Nitzberg


Alexander Nitzberg wurde 1969 in Moskau geboren und reiste 1980 in die Bundesrepublik Deutschland aus; Studium der Germanistik und Philosophie in Düsseldorf. Rege literarische und übersetzerische Tätigkeit sowie zahlreiche Lesungen und Theaterveranstaltungen; Verfasser von Opernlibretti. Von Herbst 1997 bis Herbst 2000 gab er im Grupello Verlag eine Reihe mit von ihm übersetzter russischer Lyrik des 20. Jahrhunderts heraus (Reihe Chamäleon). 1997 Teilnehmer, Übersetzer und Moderator des deutsch-russischen Lyrikertreffens in Köln; Mitglied im P.E.N.-Club. Zahlreiche Preise und Stipendien, darunter: 1996 Erster Düsseldorfer Lyrikpreis, 1998 Förderpreis für Literatur des Landes NRW, 1998 Förderpreis für Literatur der Landeshauptstadt Düsseldorf, 1999 Arbeitsstipendium der Stiftung Kunst und Kultur NRW und Nachwuchspreis zum Ringelnatz-Preis 2002.


Alle Titel von Alexander Nitzberg:

John Linthicum zugewandt
(2003, vergriffen, keine Neuauflage)

›Na also!‹ sprach Zarathustra. Gedichte (Vorzugsausgabe)
(2001, vergriffen, keine Neuauflage)

Zeitzeugen
(2001, vergriffen, keine Neuauflage)

Poem ohne Held
(2001, sofort lieferbar)

Exklusiver Künstlerkalender für das Jahr 2001
(2000, sofort lieferbar)

Pavillon aus Porzellan. Gedichte
(2000, sofort lieferbar)

›Na also!‹ sprach Zarathustra. Gedichte
(2000, sofort lieferbar)

CD: Dampfbetriebene Liebesanstalt
(1999, sofort lieferbar)

Das Blumentier Gedichte
(1999, sofort lieferbar)

Elga Roman - Aus den belletristischen Memoiren -
(1999, sofort lieferbar)

Dampfbetriebene Liebesanstalt Lyrik des russischen Futurismus
(1999, sofort lieferbar)

Der Goldene Hahn. Ein Märchen (Vorzugsausgabe)
(1999, sofort lieferbar)

Der Goldene Hahn. Ein Märchen
(1999, vergriffen, keine Neuauflage)

Mozart und Salieri - Szene aus dem »Faust« (Vorzugsausgabe)
(1999, sofort lieferbar)

Unter der Sternenfahne. Gedichte
(1998, sofort lieferbar)

Mozart und Salieri - Szene aus dem »Faust«
(1998, vergriffen, keine Neuauflage)

Straßenbilder
(1998, sofort lieferbar)

Türspalt an der Kette. Russische Lyrik des »Arion«-Kreises
(1998, sofort lieferbar)

Cityfrau. Futuristische Gedichte
(1998, vergriffen, keine Neuauflage)

Im Anfang war mein Wort
(1998, sofort lieferbar)

25 erotische Sonette
(1997, vergriffen, keine Neuauflage)

Wilder Purpur. Gedichte
(1997, sofort lieferbar)

Ich hatte viele Bonbons mit
(1997, sofort lieferbar)

Getrocknete Ohren (Vorzugsausgabe)
(1996, sofort lieferbar)

Getrocknete Ohren
(1996, sofort lieferbar)



Alexander Nitzberg im Internet:

Website: http://www.nitzberg.de